Umkehr
Spruch der Woche
Joh.1,17 :Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Liebe Schwestern und Brüder,
wie komme ich eigentlich in den Himmel? Sie alle kennen das Gespräch zwischen Jesus und dem reichen Mann, der zu Jesus kam, um Klarheit zu bekommen. Man will schließlich nicht so viel Pflicht auf sich nehmen, wenn am Ende nichts dabei „rum kommt“. Gottes Reich als Gewinn bei dieser weltlichen Tombola namens Leben. Unvorstellbar?
Der reiche Mann geht gebrochen von dannen, denn er wollte den Einsatz für jenes Spiel nicht zahlen: seine Hingabe an Gott. Weltlichkeit, ja sein Reichtum hindern ihn daran, auf das Risiko Gott in seinem Leben zu setzen.
Diese Begebenheit ist keine Einzelfall. Immer wieder sind wir bestrebt, voller Aktivität auf ein Ziel hin ausgerichtet zu zugehen. Das eigene Tun, das selbst Geschaffte – danach suchen wir immer wieder in unserem Leben. Dennoch: sind wir glücklicher dadurch geworden? Haben wir nicht schon oft ganze Lebensenergien in Ziele investiert, die nicht durch Anstrengung und Aktivismus hin erreicht wurden? Standen wir da nicht gerade hilflos dem Leben ausgeliefert, innerlich zerborsten vor den Scherben unseres Lebens oder dem, was wir als solches ansahen?
Jeder muss einmal begreifen, das das Leben nicht um den Kosmos unseres Willens rotiert. Der menschliche Wille, die menschliche Kraft ist etwas sehr Beschränktes, Zerbrechliches, Verschleißbares. Das gilt für alle Lebensbereiche – auch für unseren Glauben an Gott, dem Herrn.
Immer und immer wieder glaubten die Menschen, Gottes Gunst durch Taten erreichen zu können. Nur viel beten, viel Frömmelei den Menschen anbieten – dann wird es schon klappen mit dem ewigen Leben. Das ewige Leben als Beigabe zu einem heiligen Leben – erdienbar und kontrolliert erreichbar. Eine furchtbare Vorstellung.
Dennoch: zu den Lebezeiten Jesu die wohl vorherrschende Meinung. Das Gesetz des Mose galt als Primat über alles. Die Erfüllung des Gesetzes, mit all seinen Forderungen und Ansprüchen wurde zum Gradmesser des Glaubens. Wer alles richtig macht, der wird Gott schauen. Und gerade hier treffen zwei Welten aufeinander: das Gesetz der jüdischen Glaubenselite und die Radikalität des Wortes Gottes in Christus Jesus.
Es reicht eben nicht das blanke befolgen von Riten und Traditionen, sondern allein das Wort des Herrn in Christus Jesus. Denn wenn der Glaube im tun, in der Aktivität stecken bleibt, dann ist der Gedanke, das man sich letztlich durch seinen Taten selbst erlöst, ganz egal, was unser Herz und Gewissen an Verfehlung und Abfall an Schuld auf uns luden, nicht mehr weit.
Verfolgt man den Auszug des Volkes Israel durch Mose einmal genauer, so erkennt man: Gott gab jenem Volk ein klares Gesetz, welches es zu befolgen galt. Anbetung, Opfergaben, Verhalten untereinander und Gott gegenüber – all das wurde geregelt, aufgestellt, vereinbart.
Dennoch: in den 40 Jahren der Wanderschaft bemerkt man ganz klar: niemand kann jenes Gesetz bis ins letzte hinein anwenden, befolgen. Immer wieder der Abfall von Gott, von Mose, vom Gesetz.
Ist jenes Gesetz überhaupt erfüllbar, frage ich mich. Wir sind keine Heiligen, keine Menschen ohne Fehl und Tadel. Wir sind Menschen und als solche fehlerhaft.
Ja, was nun?
Je mehr ich darüber nachdenke, erkenne ich, das jenes Gesetz des Mose in seiner Erfüllung nicht Gottfähigkeit gebiert. Das Gesetz des Mose zeigt uns vor allem eines: unser Unvermögen, Gott tadellos zu dienen, ja vielmehr noch sich die Liebe und den Glauben an Gott selbst erdienbar zu machen. Denn für mich steht fest: Glaube, Wahrheit und Gerechtigkeit sind Attribute jenes Gesetzes Gottes – tragisch nur, das wir immer wieder daran scheitern werden. Wir brauchen keine Forderungen. Wir brauchen Liebe, Barmherzigkeit, Wahrheit. Vor einem Gott, der nur unsere vermeintlichen Guttaten mit dem ewigen Leben bemisst – vor jenem Gott könnten wir nie bestehen. Denn Perfektion gibt es bei keinem Menschen.
Mein Gottesbild sieht da deutlich anders aus. Ich glaube an den barmherzigen Gott, an den Gott, der Liebe ist.
Auch wenn ich einmal vom Weg abkomme, wenn mein Leben eine ganz falsche Wendung nimmt weiß ich: ich habe jemanden gefunden, der mir hilft aus seiner Liebe zu mir. Nicht das ich sie verdient hätte. Dennoch: jene Liebe, die uns in solchen Situationen begegnet – das ist Gott daselbst. Denn „vor Gott sind alle Menschen schuldig.“ ( Röm.3,19)
Also stelle ich noch einmal die Frage des reichen Jünglings: Herr, wie komme ich in den Himmel? Wie komme ich zu Dir, zu einer tiefen Beziehung zu unserem Gott?
Eines steht fest: diese eben gestellte Frage leitet uns weg von Gott, so wie der reiche Jüngling sich von ihm entfernte. Denn im Johannesevangelium lesen wir, das Gott uns „ durch Jesus Christus die vergebende Liebe und Treue schenkt.“ ( Joh.1,17)
Gott ist die Liebe und gerade so verschenkt er sich an uns in Christus mit voller Hingabe. Er opfert sich selbst, damit wir Menschen einen Weg zu ihm hin finden können. Denn nur bei Gott ist es möglich, zu Gott zu kommen. Der Glaube, die Liebe, das Leben mit klarem Ziel und Weg – all das sind seine Geschenke an uns, Geschenke, die eben nicht erbetet oder erdient werden könnten.
SO einfach das klingt, aber klar ist doch: liegt hier nicht der große Anspruch an uns selbst? Fällt uns nicht gerade die Tatsache so schwer, sich selbst und sein Leben Gott in die Hände zu legen, ihn machen zu lassen, sich führen zu lassen wohin man vielleicht selbst nicht hin möchte?
Dietrich Bonhoeffer drückte dies so aus:
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
Gott ist immer bei uns – in den hellen und den dunklen Tagen unseres Lebens. Er hat sich einem jeden Mensch geschenkt durch Christus Jesus unserem Herrn. Fürchten wir uns nicht, denn keine Kraft, keine Begebenheit, kein dunkles Tal kann das Licht Gottes verdecken. Wenn es uns an Kraft fehlt, wird Gott sie uns geben. Wenn es uns an Mut fehlt, wird Gott ihn uns schenken. Wenn es uns an Zuversicht fehlt, wird Gott uns jene überreichen.
„Durch Mose gab uns Gott sein Gesetz mit seinen Forderungen. Aber durch Jesus schenkt er uns seine vergebende Liebe und Treue.“( Joh.1,17)
Sicherlich: auch heute und hier stellt Gott Ansprüche an unser Leben. Das Gesetz zu erfüllen kam Jesus in diese Welt, wie uns die Bergpredigt verrät.
Christ sein ist nicht bequem, ist kein Seelentrost a priori. Der Glaube an Christus stellt uns immer hinein in seinen Weg, in sein Leiden. Jeden Tag müssen wir versucht sein, durchlässig für Christus zu werden, der in uns Wohnung genommen hat. Ihn müssen wir abbilden, seine Liebe müssen wir verschenken.
Dennoch: gerade hier begegnet uns der Herr mit seiner unendlichen Barmherzigkeit. Denn Jesus weiß um die Schwächen der Menschen.
Gott verdammt nicht aufgrund von Fehlleistungen an seinem Gesetz. Auch Fehlerlosigkeit wird nicht verordnet, gefordert.
Seine Gnade erweist sich in seinem Schenken an uns Menschen. Denn durch ihn hat Gott unserer Welt die vergebende Liebe und Treue überhaupt geschenkt.
Gerade so heißen wir Gottes Kinder. Gott hat die Tür zu sich weit aufgerissen. Vergebung haben wir erfahren. Seine Liebe erfahren wir täglich.
Gehen wir in einen jeden Tag mit dem festen Willen, Gott mit unserem Tun und Handeln zu ehren. Legen wir alle Früchte unseres Dienstes in seine Hände. Rechnen wir in allen Dingen in Ehrfurcht mit der Liebe und dem Trost Gottes. Denn unser Gott ist gekommen uns zu retten. Halleluja
AMEN.

