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Gottesfurcht?

Aufforderung zur Bereitschaft für den Tag des Herrn

1 Über Zeit und Stunde, Brüder, brauche ich euch nicht zu schreiben. 
2 Ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 
3 Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!, kommt plötzlich Verderben über sie wie die Wehen über eine schwangere Frau, und es gibt kein Entrinnen. 
4 Ihr aber, Brüder, lebt nicht im Finstern, sodass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann. 
5 Ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis. 
6 Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein. 
7 Denn wer schläft, schläft bei Nacht, und wer sich betrinkt, betrinkt sich bei Nacht. 
8 Wir aber, die dem Tag gehören, wollen nüchtern sein und uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. 
9 Denn Gott hat uns nicht für das Gericht seines Zorns bestimmt, sondern dafür, dass wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, das Heil erlangen. 
10 Er ist für uns gestorben, damit wir vereint mit ihm leben, ob wir nun wachen oder schlafen. 
11 Darum tröstet und ermahnt einander und einer richte den andern auf, wie ihr es schon tut.





Liebe Schwestern und Brüder,

Gottesfurcht. Ein Wort, das so gar nicht in mein Glaubensbild passt. Es klingt abschreckend, erschreckend, bedrohlich.
Doch ist unser, ist mein Gott nicht anders? Ist er nicht unser aller Leben geworden, sind wir nicht seiner Liebe versichert, egal wo wir sind, was wir tun, wie weit wir von ihm uns entfernt haben?

Gottesfurcht – eines der großen Themen des alten Testaments. Doch nicht nur dort. Auch allen Aposteln und dem neuen Testament ist dieser Begriff Gegenwart.
Für Martin Luther was es allenthalben der Begriff, der ihn zur Wahrheit des Wortes der Bibel führte, indem er erkannte: Gott ist anders, als ihn diese Kirche darstellt. Nicht Fegefeuer, Läuterung, Strafe sind die Säulen des Glaubens. Gott ist die Liebe. Eine Erkenntnis, die die ganze Welt auf den Kopf gestellt hat und letztlich zur Kirchenspaltung führte, eine Spaltung, die alle Christen auf das Tiefste bedauern.



Sicher – unser Leben, das was wir tun, wo und wie wir Liebe üben gegen den Mitmenschen- das sind Eckpunkte der Gerechtigkeit Gottes, ohne die die Liebe niemals Kraft bekommen würde. Wenn wir uns in Sicherheit wähnen, unser Leben auf uns selbst ausrichten – dann kann es über uns kommen „wie ein Dieb in der Nacht“. Oft spricht Jesus vom Strafgericht Gottes. Es wird kommen – das wissen wir alle. Und doch glaube ich fest: Gottes Gericht ist der Schmelztiegel der Gerechtigkeit des Herrn, eine Gerechtigkeit, mit der viele Menschen heutzutage nicht mehr rechnen. Der Maßstab dieser Welt scheint nur noch von Bedeutung zu sein. Wer glaubt schon noch daran, das Gott die Rache für alles Unrecht, für alles Böse sein wird, wer glaubt daran, das wir Unrecht und seelische Verletzung ihm preisgeben können, ihm, der unsere Gerechtigkeit aufgehen lässt wie den Mittag? Wer glaubt noch daran?
Vielmehr wollen wir alles selbst in die Hand nehmen ohne meistenfalls zu wissen, was eigentlich mit der eigenen Vergeltung gewonnen ist? Kriege, Unruhen basieren oftmals auf genau diesem Problem. Doch klar ist: Waffen, Gewalt und Tod erniedrigen uns, die wir auf Rache sinnen und eben nicht jenenMenschen, der uns Schlimmes angetan hat. Kommt zu mir, ruft uns Jesus zu – nur all zu wenige kommen.

Paulus drückt dies mit den Bildern Tag und Nacht aus. Gottes Gericht, seine Gerechtigkeit kommt unverhofft. Man sieht es nicht kommen, man kann es nicht erahnen – denn allein Gott weiß um diese Stunde.
Menschen, die im Finstern leben, sehen nicht das Licht Gottes, das Licht dieser Welt. Während sie allein mit sich und der Welt beschäftigt sind, kann Gottes Gegenwart und Gerechtigkeit keinen Platz mehr in jenem Leben finden. Dennoch: Gottes Gerechtigkeit wird kommen, auch wenn jene, die in finsterer Gottesfremde ihr Leben bestreiten, überrascht sein werden. Denn wessen Leben fern von Gott in strahlender Dunkelheit verbracht wird, und wenn die Dinge dieser Welt das eigene leben und streben allein bestimmen, so ist jenes streben letztlich daselbst Dunkelheit.
Auch wenn wir uns bemühen, eben nicht unser Leben auf die Dinge des Alltags dieser Welt hin auszurichten, so stehen wir doch jeden Tag, jede Stunde in der Gefahr, Gott aus den Augen zu verlieren. So Vieles erscheint immer so viel wichtiger zu sein, als die Innerlichkeit mit Gott zu suchen. Das Wort des Herrn, unser Gebet zu ihm verkommen im Trubel des Alltags oftmals zur Pflichtübung.
Während Sie das Lesen denken sie vielleicht: der hat gut reden. Was wenn eben der Tag nur 24 Stunden hat. Die Familie, die Arbeit, das „drum herum“ des Alltagsleben – woher die Zeit nehmen für Gott?
Sicher, wer hat schon heutzutage Zeit zu verschenken. Dennoch: jeden Tag früh, mittags und abends eine halbe Stunde mit Gott zu verbringen – das schaffen die meisten von uns. Mir helfen da die täglichen Begleiter zum Wort Gottes, wie die Herrenhuter Losungen oder das Stundenbuch. Hier finden wir Impulse für jeden Tag, hier kommen wir wieder in Kontakt mit jenem, der unser Leben ausmacht. Das regelmäßige aufnehmen des Wortes Gottes macht unser Leben hell und zielgerichtet. Ich erkenne: nicht das Alltägliche, nicht das Korsett des Alltags bestimmen das Leben – sondern Gottes Liebe tut das. Sein Licht wird unser Leben und tun immer begleiten – man muss es nur in sich aufnehmen, man muss sich nur von ihm her beschenken lassen.

Paulus beschreibt diesen Zustand als Leben am Tag, leben im Lichte des Herrn. Wir sind „Söhne des Lichts und Söhne des Tags“. Wir geben uns unserem Herrn preis, wir leben aus seiner Gnade heraus. Wir müssen uns von der Liebe und der Gerechtigkeit Gottes nicht fürchten, denn in seinem Licht verbringen wir unser Leben: offen und Gott zugewandt. Auch wenn die Logik dieser Welt, das Suchen nach Reichtum und Macht dem Licht Gottes diametral gegenüber steht – wir kennen unseren Weg und unser Ziel. Wir richten unser Leben nach Gott hin aus, wir verstecken kein gottesfernes Leben, indem wir uns vor dem Licht des Herrn und des Glaubens verschließen.
Paulus macht klar:wer sein Leben vom Glauben leiten lässt, dem gehört Gottes Heil und Gottes Liebe. Sein Licht verändert nicht nur unser Leben, denn wir erkennen: Gott wendet sich dem zu, der sich zu Gott gewandt hat. Lassen wir doch alle Karrieremenschen, alle Gotteslästerer, die den Glauben nur noch als possenhaft und hinterweltlich belachen – belassen wir jene in ihrer strahlenden Finsternis. Gottes Gerechtigkeit wird deren Nacht und Finsternis erhellen mit seiner Gerechtigkeit. Beten wir für ihre Umkehr – doch letztlich wird der Entschluss, sich gegen Gott zu stellen, von einem ganz allein getroffen.

Gehen wir mit jenem Licht im Herzen durch diese Welt. Lassen wir uns leiten von der Liebe Gottes, die weitergegeben werden will. Machen wir uns auf, und predigen wir auf der ganzen Welt die Botschaft des Tages und des Lichts AMEN.