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Weihnachten 2010

Lesung: Die Verheißung der Geburt des göttlichen Kindes: Buch des Propheten Jesaja 9,1-6: Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere wird das vollbringen.Lesung: Gnade und christliches Leben: Titusbrief 2,11-14: Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus. Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Vorfreude auf Leben

Die Gnade unsers Herrn sei alle Zeit mit euch!

Liebe Gemeinde,

was erwarten Sie von Weihnachten?
Eine besinnliche Zeit, innere Stille und Frieden oder vielleicht dem nachzuspüren, was die Geburt dieses Kindes in Bethlehem auch für einen selbst bedeuten kann?
Weihnachten – das allzu stille Fest, dessen leise Töne oftmals untergehen im Sturm und Streß dieser Zeit. Einkaufen, Lebensmittel buckeln, Freunde und Familie mit Geschenken beglücken und immer wieder die quälende Frage: habe ich auch das Richtige für Tante Erna oder Bruder Gottfried bekommen?
Doch Weihnachten hat, besonders auch in der Vorweihnachtszeit, die oftmals Ende September schon beginnt, schönes, sinnliches aufzubieten. Weihnachtsmarkt, Schneefall, Glühwein, bunte Lichter, leckeres Essen – das alles wird mit dem Weihnachtsfest verbunden. Tradition, schöne schummrige Gefühle an vergangene Feste, Feste, die man im Kreise der Familie gern zusammen verbrachte. Weißt Du noch damals, wo Dein Vater noch lebte? Ja, Weihnachten lässt uns erinnern, erinnern an die dunklen Zeiten, die man erleben musste. Menschen fehlen in der Familie, im Freundeskreis. Und wir erkennen: die Geburt Jesu Christi ist letztlich die einzig bleibende Hoffnung und Tröstung für uns. Auch wenn es dunkel wird. Der Stern von Bethlehem leuchtet uns allen in unser Herz. Christus ist geboren, ein Kind ist uns gegeben. Gottes Sohn, ein Kind des Lebens, ein Kind der Hoffnung und Erlösung.

Was nur wollte Gott den Menschen schenken, als er seinen eingeborenen Sohn in diese Welt schickte? Natürlich wissen wir: Jesus starb für uns am Kreuz des Kalvarienberges. Sein Tod war Erlösung für einen Jeden, der dieses Geschenk annehmen möchte. Und dennoch glaube ich: Christus kam auf diese Welt, klein, nackt und schutzlos, damit wir erkennen; unser Leben, ein jedes Leben hat einen Sinn. Denn wenn Gott seinen Sohn zu uns schickt, dann muss er auch das große „trotz alle dem“ zu uns sprechen. Trotz unserer Sünden, trotz unserer Boshaftigkeit, trotz unserer kalten Arroganz ihm gegenüber – Gott sieht in uns etwas, das liebenswert, das wert ist, gerettet zu werden. Hier wird nicht abstrakt erlöst, sondern unser Vater zeigt: er liebt mich, er kennt meine Fehler, er geht mir nach, um gerade ausgerechnet mich zu erretten. Was für ein Geschenk!

Weihnachten – die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem sagt mir ganz deutlich: hier und heute ist meine Lebenshoffnung geboren, hier und heute hat unser aller Leben wieder Sinn, wieder einen Grund geschenkt bekommen. Sinn und Hoffnung – wer sie gefunden, wem Gott diese großen Fragen nach dem „Warum lebe ich“ oder „ Wozu durchleidet man dieses Leben“ beantwortet hat, erkennet: jetzt lebt man im Radius Gottes, in seinem Licht, das unsere Seelen durchdringt mit seiner wohligen wunderbaren Liebe.

Dennoch: wer es nicht schafft, hinter die bunten heimeligen Fassaden von Weihnachten zu blicken, wer

Weihnachten als wohlig warmes Winterfest ansieht – der wird an der Oberfläche dieses Festes stecken bleiben. Erst wenn ich mich frage: was hat das alles mit der Geburt Jesu für mein Leben zu bedeuten – erst dann wissen wir, welchen Sinn und welche Hoffnung hier von Gott geschenkt wurde.
In einer repräsentativen Umfrage des Spiegel nach dem Grund für das Weihnachtsfest, wussten 10% nicht, warum wir Weihnachten eigentlich feiern.
Ich finde das erschütternd. Denn es sagt ganz viel über unsere heutige Gesellschaft aus. Eine Gesellschaft, die Gott nicht mehr sehen will, eine Gesellschaft, die den Kindern Ethik ohne Religion vermitteln will, eine Gesellschaft, die den Respekt vor Gott und seinen Festen verloren hat – eine solche Gesellschaft verliert irgendwann ganz die Antworten auf die großen Fragen des Lebens.
Denn eines ist sicher: wer nicht erkennt, was der Sinn dieses Lebens ist, wer nicht erkennt, welche Hoffnung für dieses Leben wirklich tragend ist, der wird erklärterweise ein leichtes Opfer für Burn out und Co. Immer mehr brechen Menschen unter der kommerziellen Ausbeutung ihrer Arbeitskraft zusammen. Immer mehr, immer weiter, immer schneller. Da kann die Seele nicht Schritt halten, denn das kann niemand. Wir brauchen ein klares Bild: wozu lebe ich, was kann ich vom Leben erwarten, worin liegt die Hoffnung meines Lebens? Nur wer hier Antworten findet, kann auch Prioritäten setzen für sein Leben. Denn klar wird: ich bin kein Werkzeug in der Schublade des Arbeitgebers, ich bin keine Arbeitsmaschine, kein Leibeigener der äußeren Umstände. Mein Leben hat Sinn, weil Gott mir diesen schenkte.

Stellen wir uns doch einmal Folgendes vor:

Es ist Sommer. Die Sonne brennt vom Himmel herab. Eine junge Frau sitzt in ihrer Wohnung. Sie ist eine einfache Frau, ohne Besitz und Allüren.
Und plötzlich: es erscheint ihr ein Engel.Er prophezeit: diese junge Frau ist schwanger. Sie ist erkoren, den Sohn Gottes auszutragen. Sie ist von Gott gesegnet worden. Nur sieht sie das auch so?
Ihr Leben wird kein Leichtes sein. Sie wird ihren Sohn geschunden am Kreuz verlieren. Sie wird ohne Mann und Familie da stehen. Und dennoch wird sie nicht verzweifeln. Wie nur?

Diese Frau, wir hörten es gerade, war Maria. Ihr passierte genau das. Sie lebte in armen Verhältnissen, war leiert mit Josef, einem Zimmermann – platonisch!
Sie lebte in einem tiefen Glauben an Gott.
Und doch muss diese Nachricht ein Schock gewesen sein. Sie, die noch keinem Mann hatte, schwanger! Woher das Geld nehmen, woher eine größere Wohnung bekommen und überhaupt: wer soll das alles bezahlen? Das alles wären berechtigte Fragen gewesen. Und doch: Maria stellt sie nicht. Denn sie wusste: dieses Kind ist gleichzeitig meine Mission für mein Leben. Der Welt ein Tabernakel für den Sohn Gottes zu sein – das ist der Sinn ihres Lebens, der Sinn hinter all den guten und schlechten Zeiten.
Wer einmal diesen Sinn erkannt hat, den Gott unserem Leben schenkte, der wird zufriedener, stärker, ermutigter mit jedem Schritt, den er in seinem Leben geht. Probleme bleiben Probleme, Ängste bleiben Ängste. Und doch: wir wissen wofür wir das alles tragen, ertragen. Der Sinn des Lebens, der nur in dessen Ursprung gefunden werden kann – dieser ist es, der uns in allen Widrigkeiten immer wieder aufrichten wird. Endlich ist es vorbei mit dem ewigen streben nach Geld, Macht, Besitz, nach Perfektion und Image. So wie man ist, wird man gebraucht, gebraucht von Gott und den Menschen!
Das sehe ich, wenn ich dieses kleine Kind in Bethlehem betrachte. Hier ist kein Gottmensch geboren, sondern Gott wurde Mensch um uns zu erlösen. Das Leben macht Sinn, weil dieser Jesus jeden von uns anspricht, einem jeden klar macht: so wie es seine Mission war, den Willen des Vaters zu tun, so hat auch jeder Gläubige von Gott eine Lebensaufgabe bekommen. Sie zu finden, sie zu verwirklichen und sie dann in die Hände des Vaters zurück zu geben – das ist das Gerüst, um das herum unser Leben gelebt werden muss.
Gerade das war es, was die Hirten auf dem Felde zu diesem Kind hinzog, das war es, was die Sternenforscher suchten, als sie sich auf den Weg hin zu Jesus machten. Leben braucht Sinn. Und diesen Sinn feiern wir heute alle zusammen.
„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“( vgl.Jes.9,1-6)
Aber was ist denn nun mit der

Hoffnung? Hoffnung auf was, für wen? Und überhaupt: brauchen wir wirklich diese Hoffnung, von der uns die Kirchen immer erzählen wollen?

Was dachte denn wohl Maria, als sie erfuhr: Sie wird ein Kind gebären, den Sohn Gottes. Die Gefühle, die wohl in ihr gewütet haben müssen, werden wir wohl nie erfahren. Und doch eines ist gewiss: in ihr war Freude, eine Freude die so groß war, das sie loslief, um Ihrer Freundin Elisabeth davon zu erzählen. Die Worte dieses Gesprächs sind uns im Magnificat der Bibel erhalten geblieben.
Freude auf das Kind, trotz der armen Verhältnisse, aus denen Maria stammte, Freude trotz aller Zukunftsängste, Freude trotz der Verantwortung, die nunmehr auf ihr lag.
Das kleine Kind im Stall von Bethlehem wurde mit tiefer Liebe und Freude empfangen, obgleich die Armut der beiden stolzen Eltern groß war.
Und doch hören wir keine Klagen. Hier erleidet niemand Furcht ob der Behausung, in der die junge Familie nunmehr unter gekommen war. Leben, ein neues Leben, das Gott Maria und uns immer wieder schenkt in der Geburt eines Kindes, wird hier nicht als Bedrohung aufgefasst. Der Glaube daran, das Gott niemanden im Stich lassen wird, trägt über alle Widrigkeiten hinweg. Dieses Kind, das uns heute geboren wurde, ist Geschenk des Lebens und der Erlösung für uns alle.
Ein kleines Kind bringt uns Menschen Sinn und Hoffnung für dieses Leben im Blick auf das Kommende. Ein kleines Kind schenkt uns allen die wir glauben Erlösung, eine Erlösung, die die Welt nicht geben kann. Das feiern wir zu Weihnachten.
Weihnachten soll besinnlich, soll schön sein, ohne Zweifel, denn wir feiern die Geburt unseres Herrn. Aber vergessen wir nicht: Weihnachten darf nicht zum wohlig warmen Winterfest degradiert werden, ein Fest, wo man sich an bunten Lichtern und Glühweinduft berauscht. Geschenke, ein Weihnachtslied, einen Actionfilm im Fernsehen – so sieht leider oft der Heilige Abend aus. Traurig, aber wahr.
Und gerade in der Heiligen Nacht werden Familienfeste, in denen zugunsten von Friede, Freude, Eierkuchen alles Konfliktiöse unter den Teppisch gekehrt wird, passiert es plötzlich: Man stolpert über diese große Schwelle. Das Ergebnis: Krach, Unfriede, verletzte Gefühle. Freut euch ihr Gläubigen?

Der Kern des Weihnachtsfestes liegt in uns selbst. Unsere Freude darüber, das wir erlöst und getragen werden, unsere Freude darüber, das das Leben trotz seiner vielen Prüfungen wichtig, sinnvoll ist. Kein Leben, kein Lebenslauf ist unbedeutend. Zumindest nicht für Gott. Und auf den kommt es an!
Denn eines können wir nicht unter den Teppich des Schweigens kehren: wir alle brauchen diese Hoffnung.
Hoffnung braucht der Kranke, das er eben immer geliebt und wichtig ist in den Augen Gottes des Herrn. Hoffnung braucht der Einsame, denn Christus ist immer mit ihm, lässt ihn nie allein. Hoffnung braucht der Manager, damit er erkennt, das Menschen für ihn arbeiten und nicht Automaten. Hoffnung braucht der Arme und Obdachlose, das es Menschen gibt, denen sein Leben nicht egal ist. Hoffnung brauche auch ich damit ich erkenne: diese Welt, die oft so kalt und jämmerlich uns bedrückt, ist nichts Endgültiges. Was kommt, weiß ich nicht, weiß niemand genau. Und doch bin ich mir sicher: Christus wird dort sein, um mich zu führen in sein Reich der Liebe und Wärme.



Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus. Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.( Titus2,11-14)Wer könnte den Sinn der Weihnacht, den Sinn des Lebens und die Tiefe unserer Hoffnung besser ausdrücken, als diese Worte des Titus Briefes.
Es ist Weihnachten! Ein Fest das uns die Vorfreude auf Leben schenkt. Feiern wir dieses Fest zusammen mit Gott, der für uns Vater, Bruder und Geist geworden ist. Also schließe ich mit den Worten von Theodor Storm:

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte

Weihnachtsgedicht


Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
ein milder Stern herniederlacht;
vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchen durch die Winterlüfte,
und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken.
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
mich lieblich heimatlich verlocken
in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
anbetend, staunend muss ich stehn;
es sinkt auf meine Augenlieder
ein goldner Kindertraum hernieder,
ich fühls, ein Wunder ist geschehn.

(Weihnachtsgedicht, Autor: Theodor Storm (1817-1888))

In diesem Sinne – frohe Weihnachten!

AMEN!