Tod und Ewigkeit
Gedanken zum Ewigkeitssonntag
Liebe Schwestern und Brüder,
Ewigkeitssonntag – ein Tag, der einen jeden von uns emotional herausfordert. Gedanken an Tod und Ewigkeit belasten. Niemand will sich wirklich mit diesem Thema auseinandersetzen, denn immer schwebt der Gedanke über uns, das auch uns jener letzter Weg erwarten wird.
Gerade heute zieht es viele von uns hin zu den Friedhöfen der Stadt. Die Gräber unserer Lieben werden verziert, ja vielmehr noch wird jenen Menschen, der da vor uns ging, Ehre zuteil.
Ein Gang über den Friedhof erweckt in mir immer unterschiedliche Gedanken. Zu vielfältig kann man auf Jene blicken, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Was hat jene Menschen bewegt? Was war ihnen wichtig? Wie haben die Familien den oft so frühen Tod verkraftet?
Hier der geliebte Ehemann, dort die junge Mutter. Schicksale begegnen einem beim Spaziergang über eben jenen Friedhof.
Gerade in der kalten Jahreszeit, an Tagen, an denen so ganz das Licht zu fehlen scheint, befallen uns jene dunklen Gedanken, die sich immer mit einem Ende zu beschäftigen scheinen. Zweifel umgeben uns, vielleicht sogar oder besonders an diesem Tag.
Der Tod – er steht agressiv unserem Glauben gegenüber. Das Herz ist erfüllt von Angst, Angst vor dem Ungewissen, dem unveränderlichen Ende, Angst um jene, die wir in dieser Welt zurück lassen. Dennoch: unser Glaube geht einen anderen Weg. Natürlich wissen wir um die Liebe Gottes – wir haben sie alle schon mehr als einmal erlebt. Natürlich wissen wir um Jesus, der für uns gestorben und gerade so uns neu geboren hat als Kinder Gottes. Wovor fürchten? Weshalb zweifeln?
Sicherlich gute Fragen, doch sind es gerade jene Fragen, die uns in einen Konflikt werfen, ein Konflikt, der gerade an jenen Tagen wie heute zum Vorschein kommt. Leben oder Tod? Wofür sollen wir uns entscheiden?
Ich persönlich bin auch immer wieder durch das Bild des Todes, des verlassens, herausgefordert. Immer wieder stellt sich jener Konflikt vor Augen – bei jeder Beerdigung, bei jeder Todesanzeige eines lieben Menschen stelle ich die Frage: warum nur müssen wir Menschenkinder solches erleiden? Warum gehört es zum Leben dazu, das oftmals Liebste was man hat, verloren geben zu müssen? Warum diese Qual, warum diese Grausamkeit, eine Grausamkeit, die manch einem Menschen jedwede Lebenskraft heraus saugt.
Wir alle suchen Antworten auf ganz persönliche Fragen.
Nur was sagt Gott dazu?
Im Johannesevangelium des 11.Kapitels begegnet uns die vielleicht bekannteste Bibelstelle des neuen Testaments. Hier heißt es:
Die Auferweckung des Lazarus als Zeichen
17 Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.
18 Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.
19 Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.
21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
23 Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
24 Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.
25 Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
27 Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
28 Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen.
29 Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.
30 Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.
31 Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.
32 Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.
34 Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!
35 Da weinte Jesus.
Marta und Maria – zwei Schwestern, die ihren lieben Bruder zu Grabe tragen mussten. Sie alle kennen Jesus, kennen seine Wunder und Taten als der Messias Gottes.
Unverständnis breitet sich aus: warum musste unser Lazarus sterben? Wo war Jesus, als es mit ihm zuende ging? Warum war er nicht hier, hier bei uns, bei ihm?
So auch lassen sich die ersten Worte Martas zu Jesus erklären: 21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Ein jeder, der jene Erfahrung der Schwestern teilen kann, wird deren Einwurf verstehen, nachvollziehen, zustimmen. Das Warum bleibt bei einem jeden Verlust immer das Gleiche. Angesichts all des Bösen dieser Welt, all jener, die Gottes Wort und somit ihn verachten, leben oftmals in Frieden und Freuden und jene, die sich selbst aufgaben, um sich anderen zu verschenken, werden nur all zu früh in den Tod gerufen. Ist das etwa gerecht? Warum war Jesus nicht bei der Mutter, als das Krankenhaus nichts mehr tun konnte? Wo war Jesus, als die liebe Ehefrau urplötzlich aus dem Leben gerufen wurde? Ja, wo warst Du, Jesus?
Eine Frage, die einen jeden antreibt, ja vielmehr auch einer zufriedenstellenden Lösung nicht zu finden im stande ist.
Alle Tragödien unserer Geschichte stellen auch heute immer noch jene Frage. Ist Gott uns so fern, nimmt Gott überhaupt Anteil am eigenen Leben?
Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Wie hätte ich mich wohl verhalten, nach solch einer Anklage? Vielleicht Rechtfertigungen vorgebracht, so als ob das jemals zu etwas nutze gewesen wäre.
Doch Christus überrascht.
Ganz kühl, ja nahezu das zu Sagende als Selbstverständlichkeit zu formulieren, spricht er zu Martha: „Dein Bruder wird auferstehen“.
Sicherlich, denkt Martha. Am Jüngsten Tag, wenn diese Welt überwunden ist, dann werden die Toten auferstehen. Dennoch: sie hat ihren Bruder für das ganze zukünftige Leben verloren. Hier in dieser Realität ist leider der Tod unumkehrbar. Und was danach kommt? Wer weiß das schon ganz sicher?
Gerade hier erkennen wir: Christus apelliert an den Glauben der Schwester. Ihr wird im Laufe der Zeit klar werden: Jesus und der Glaube sind die Lebenselixiere unserer Zeit, unseres Lebens.
Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
Gerade jetzt, gerade heute stellt uns Christus jene Frage, eine Frage, die gerade heute aktueller denn je ist. Nicht unsere Vorstellungen von Himmel und Hölle, keine Bilder des letzten Tages
können uns retten – denn was nach diesem Leben passiert, bleibt ein Geheimnis.
Nicht unsere eigenen Vorstellungen sind hier gefragt – denn die Liebe Gottes zu uns allen muss Grundlage des eigenen Glaubens werden.
Auch wenn ich nicht weiß, was kommt, eines ist sicher: auf der anderen Seite erwartet mich Jesus, seine Liebe, seine Zuwendung. Wer braucht schon ein „Wann, Warum, WIE“ , wenn wir doch einem Gott vertrauen, der eben Rettung verheißt und nicht das Gottesgericht der Gerechtigkeit.
Wenn auch Sie heute wie Martha empfinden, wenn Fragen, dunkle Gedanken und Hoffnungslosigkeit sie befallen – Christus ist da, er ist Realität. Seine Liebe ist unseres Schrittes Licht. Ja, wir haben liebe Menschen verloren und sicherlich erinnert gerade dieser Tag an die Dunkelheit, die der Tod verbreitet. Doch ich weiß genau: weder Tod und Teufel, weder Macht und Geist können mich der Liebe meines Herrn entfremden. Christus wartet auf uns, auf die liebe Ehefrau, auf die Mutter und den Vater, den wir aus dieser Welt heraus für verloren halten. Es gibt das Licht inmitten des Todes, der Dunkelheit des Lebens. Dieses Licht ist Jesus Christus. Er ist uns immer nahe – vergessen wir das nie. Denn er, seine Macht und Barmherzigkeit macht ihn allein zur Auferstehung, ja vielmehr noch zum guten Hirten, der seine Schafe liebt wie kein anderer.
Christus ist die Auferstehung, egal wann und wie sie erfolgen wird. Denn ER ist die Auferstehung und das Leben! Vertrauen wir uns dieser Liebe an und erkennen wir: der Glaube ist es, der lebendig macht – dieses und jenes Leben.
Liebe Schwestern und Brüder. Dieser Tag, diese kommende Woche werden uns innerlich betroffen machen, uns erschüttern, vielleicht auch traurig machen. Dennoch: Christus gibt Ihnen, uns, Martha und Maria eine klare Antwort auf die Frage nach Tod, Leben, Ewigkeit:
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
Wovor fürchten wir uns, wenn doch Christus immer an unserer Seite ist. Er ist kein ferner Gott, kein Gott, der uns im Leiden allein lässt. Unsere Liebe zu ihm schenkt uns die Gewissheit: der Tod hat nicht das letzte Wort, denn Christus ist Auferstehung, die den Toten lebendig macht und die Lebenden niemals sterben lässt. Auch wenn wir nicht wissen, was uns dort im Jenseits erwarten wird – doch eines weiß ich bestimmt: es wird Liebe sein
AMEN!
