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Osterbrief 2008

Predigt zu Ostern 2008

Osterbrief 2008
„ Ja Gott, ich will nicht wollen“ – Gedanken zu Ostern 2008



Die Gnade unseres Herrn sei alle Zeit mit euch!

Liebe Schwestern und Brüder,

„Ostern abgeschafft – Sommerferien werden um zwei Wochen verlängert“ - so oder ganz ähnlich könnte die Schlagzeile lauten, die uns vielleicht irgendwann einmal wirklich die Abschaffung des Osterfestes zu verkündigen hat.
Sicherlich, dupiert, ja entrüstet wären die Menschen über eine solche Maßnahme – Proteste würden folgen, Diskussionen in Funk und Fernsehen würden sich sicherlich im Bieten des höchsten Unterhaltungswertes gegenseitig zu überrunden versuchen. Da ein Interview mit Promi X, hier eine Politdiskussion, in der sich die widerstreitenden Positionen so unterhaltsam gegenseitig an die Gurgel gehen.
Gegen den Verlust von insgesamt 4 freien Tagen – das könnte niemand auch nur ansatzweise umzusetzen versuchen – denn wo der Mensch seine Freizeit bedroht fühlt, da ist er auch schon mal bereit lauthals zu protestieren, da ist er auch meistenfalls dazu bereit, seine Stimme zu erheben, um für sein hehres Ziel eintreten zu können.

Gestern zum Gründonnerstag machte ich mir den Spaß, einmal das Fernsehprogramm genauer zu sichten.
Also, gemütlich setze ich mich auf meine Couch um genauestens das sogenannte Feiertagsprogramm einmal in Augenschein zu nehmen. Denn wenigstens am Karfreitag, an dem unser Herr und Erlöser in seiner Passion, uns zum Opfer und zur Befreiung geschenkt wurde – wenigstens an einem solchen Tag habe ich ein Mindestmaß an Pietät erwartet – doch ich sollte enttäuscht werden.
Nach einer halben Stunde des intensiven Suchens musste ich frustriert feststellen, das die Fernsehsender in überwiegender Anzahl zwar noch in Ihrem Programm den Feiertag entdecken lassen, hingegen von dem Geist der Ernsthaftigkeit des Osterfestes, des höchsten Festes der Christenheit, war ganz und gar nichts zu sehen. Vom Actionfilm, über die Komödie, bis hin zur „Versteckten Kamera“ – alles war vertreten.

Was ist denn bloß passiert? Haben wir vergessen, das unsere Wurzeln, das unsere ganze Lebensarchitektur nun einmal in christlicher Prägung gestaltet ist, haben wir denn auch ein Mindestmaß an religiösen Anstand verlernt, in dem wir immer mehr gesellschaftlich und ethisch entleert, in dem Osterfest und der Passion unseres Herrn Jesus Christus allenthalben nur noch den Feiertag zu sehen im stande sind?

Mein Wille geschehe!

Nichts liegt doch unserer Gesellschaft von heute ferner, als sich nicht dem eigenen Willen allein unterwerfen zu wollen. Wir wollen doch eigentlich gar nichts mehr von Ethik oder Moral hören – Selbstbestimmung, das ist das Zauberwort von heute, denn genau hier versucht der Mensch erneut, sich von Gott zu lösen, hier versucht das Geschöpf, sich dem Schöpfer zu entledigen, in ihm nur ein belastendes Bollwerk der übertriebenen Moralität zu erkennen, dessen Normen und Werte doch eigentlich so gar nicht mehr zeitgemäß zu sein scheinen.

Ich für meinen Teil bin ja ein großer Freund der Klassischen Musik. Besonders angetan bin ich immer wieder von den Schöpfungen des Barock, die der Musik, aber auch der Architektur so mannigfaltige Monumente der Schönheit allen Generationen zum Geschenk gemacht haben. Obgleich dies alles ja nunmehr fast 2 Jahrhunderte zurückliegt, so denke ich manchmal, ob unsere Kultur nicht diametral einen ganz schönen Schritt nach hinten gemacht hat. Tokio Hotel und der Plattenbau gegen Bach und die Kirchenkunst – welch Negativentwickung tritt hier zu tage! Nur wie konnte das passieren?

Nun, ich denke, das die Werke des Schönen, die uns wohl immer wieder in Erstaunen versetzen werden, die uns wohl immer wieder einen Anklang wahrer Kunst zur Ansicht geben werden ihre fesselnde Begeisterung aus einer tiefen Hinwendung zu Gott schöpfen.Hier wird Glaube, hier wird die Schönheit der Liebe zu Gott in Musik und Baukunst übersetzt. Ich bin davon überzeugt, das man wahrlich Schönes nur dann erschaffen kann, wenn unser Herz eine Vorstellung und einen Maßstab findet, der über uns hinauszureichen vermag. Je mehr der Mensch von heute sich von dem Willen und der Existenz Gottes zu befreien versucht, desto mehr entfernt er sich von der Größe und der Wirkmächtigkeit des menschlichen Potentials, das nur auf Gott hin genordet, seine Entfaltung vorantreiben kann.

Unser eigener Wille, unsere Emanzipation von Gott wird seine Entfaltung niemals auf Ewigkeit hinordnen können. Wir sehen in unserem Leben nur den Augenblick – und genau das ist auch die Grenze, die dem Menschen für sein Leben gesetzt wurde. Eine Entfernung von Gott heißt dabei auch immer wieder eine Entfernung von uns selbst, eine Entfernung von der Würde und der Größe des von Gott erschaffenen Menschen.

Denken wir in diesen Tagen doch immer wieder daran, wie sehr Gott wohl an unserer Durchschnittlichkeit, an unserer inneren Verhärtung zu leiden hat. Denn er hat Sie und mich und einen jeden Menschen zu etwas ganz Besonderen erschaffen – und was machen wir daraus? Arbeiten, Geld verdienen, großes Auto, großes Haus – das scheinen die Grenzen des Anspruchs der Gesellschaft an sich selbst zu sein. Nur wenn wir lernen, Gott in unser Leben zu lassen, nur wenn wir seine Liebe mit unserem Herzen zu sehen im stande sind – nur dann kann unser Menschsein gelingen, nur dann können wir wahrlich sagen, das wir zu etwas Großem geschaffen wurden – denn nichts ist schöner, als sein Leben als Ausdruck und Übersetzung der Liebe zu Gott aufzufassen.

Die Lehrmeisterin der Willenlosigkeit

„Ich bin die Magd des Herrn – mir geschehe nach seinem Willen“ – Maria die Mutter Gottes kann uns wahrlich zum Vorbild darin werden, welche Schönheit aus dem Entsagen des eigenen Willens hervorbrechen kann. Sei es bei der Verkündigung der Mutterschaft, sei es in der Jämmerlichkeit des Kreuzes – sie legt ihr Herz und ihren Willen ganz dem Vater zu Füßen.
Auch im Angesicht der Leiden des Sohnes – es gibt wohl für eine Mutter nichts Schlimmeres, als das eigne Kind unschuldig dahingemartert zu sehen – immer wieder ordnet sie sich Gott unter. Hier am Kreuz sieht sie weg von sich selbst und immer wieder hin, auf den Willen dessen, dem sie sich in ihrem ganzen Leben und Tun verschrieben hat. Sie rebelliert nicht gegen den Mob der Dutzendmenschen, die sich gaffend um des Spektakels willen, unter dem Kreuz Jesu versammelt haben, denn Maria weiß – was Gott an mir, was Gott in Christus an den Menschen tut, ist höchster Ausdruck der Liebe, die alles Leid in Freude und alle Angst in Zuversicht zu wandeln im stande ist. Ihr Christus wurde aus Liebe Mensch und schenkte sich so zurück an die Welt und die Menschen. Sein Martyrium war wahrlich zum Kreuz für Maria geworden, das sie auf sich nehmen musste, um auch wirklich im und durch den Willen Gottes leben zu können.

Lernen wir also gleichsam von Maria, der Mutter Gottes. Unser Wille darf nicht das letzte Wort in unserem Leben sprechen – denn dann wird der Christ zu seinem eigenen Maßstab, dessen Jämmerlichkeit seinen Glauben irgendwann zerstören wird, ja zerstören muss. Schauen wir auf Christus, schauen wir auf Maria, erkennen wir in ihnen, das Gott der Vater alles wahrlich recht macht – denn nur, wenn wir unseren egoistischen Kleinstwillen überwinden, erst dann lassen wir es uns an der Gnade Gottes genügen, denn dann erkennen und erleben wir, das Gottes Kraft gerade in den Schwachen, gerade in den manchmal weltlich so belächelten Menschen, mächtig ist und auch immer sein wird.

Feiern wir also Ostern als ein Fest, das uns näher zu Gott führen wird. Sehen wir in Ostern nicht nur die Dimension der Feiertage, nein, nutzen wir diese Tage um in einer wahren Einkehr zu Christus uns selbst und so auch die Liebe Gottes wiederzuentdecken. So wie die Finsternis des Karfreitags sich in das schillernde Glänzen des Ostersonntags wendet, so werden auch wir im Tun des Willens unseres Vaters wahrlich zum Licht der Welt und zum Salz der Erde.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine gesegnete und frohe Osterzeit.

Gottes Segen begleite sie ewiglich

Ihr

Michael Otto
Gottseidank24.de