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Jahresendpredigt 2010

Predigt zum Jahresendgottesdienst

Jahreslosung 2010: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.“
( Joh.14,1)

Der Friede des Herrn sei alle Zeit mit euch!

Liebe Schwestern und Brüder,

ein ganzes Jahr geht nunmehr in großen Schritten dem Ende zu. Wieder einmal. Die Zeit ist wirklich schnell vergangen – wieder einmal.
Alle Welt ist voll von Jahresrückblicken, von Bilanzen eines Für und Wider, von Erinnerungen und Erfahrungen, von Freude und Leid.
Ein jeder begeht diesen Jahresabschluss anders, denn ein jedes Jahr ist für einen jeden Menschen irgendwie anders. Anders im Erleben, anders im erinnern, anders im verarbeiten.
Ein ganzes Jahr stand unter dem Johanneswort des 14. Kapitels: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ ( Joh.14,1). Eine wunderbare Aussage, ein Wunsch wie aus einer anderen Welt. Euer Herz erschrecke nicht! Dennoch: Vieles kann einen Menschen in den heutigen Zeiten, auch im vergangenen Jahr erschrecken, aufrütteln, betroffen machen. Es ist eben nicht alles in Ordnung, weil man sein Leben im Licht des Glaubens führt. Wir Christen leben in der gleichen Welt, erleben die gleichen Ängste, verspüren die gleichen Unsicherheiten. Euer Herz erschrecke nicht – einfach gesagt. Doch wenn dann die Staumauern unseres Lebens reißen, wenn wir geradezu überspült werden von Tragödien und Lebenseinschnitten – ja dann fällt es einem unsagbar schwer, nicht Furcht, nicht Erstarrung zu spüren. Also doch nur fromme Worte, die Johannes zu uns spricht?

Für mich ist eines klar: wir Christen leben nicht in einer frommen Parallelwelt in der alles irgendwie Sinn ergibt, in der es keine Konflikte und Zerwürfnisse, in der alle einander vertrauen und lieben. Das klassische Klischee. Du bist Christ? Na dann lebe mal dein Leben neben unserem her. Was weißt du denn schon von unseren Problemen!
Das sind Gedanken, die mir schon oft begegneten. Die Menschen wissen einfach nicht genug darüber, was es heißt, Christ sein wollen. Da schweben manchen Paradigmen wie Klostermauern, Papst und Zölibat vor dem geistigen Auge herum. Das passiert, wenn man unreflektiert Meinungen Dritter, oder gar der Öffentlichkeit annimmt. Denn dann kommt oft unser Geist zu dem Schluss: na wenn das alle sagen, dann wird schon was dran sein.
Ein gewaltiger Irrtum!
Nur was soll man denn noch denken? Wir leben in einer Welt, in der es keinen Frieden gibt, in der Menschen verhungern, wo andere im Überfluss leben. Wir leben in einer Welt, in der der Mensch dem Götzen Geld dient und dabei ihm zuliebe die Welt daselbst für ein paar gute Geschäfte zerstört, frei nach dem Motto: „nach mir die Sinnflut!“ All das kann Angst machen. Verzweiflungen und Ausweglosigkeiten machen Angst. Wenn der Job bedroht ist, wenn uns eine schwere Diagnose gestellt wird, wenn Menschen die wir lieben uns verlassen, wenn Beziehungen brechen und Ehen zerstört sind – euer Herz erschrecke nicht?

Für mich ist eines klar geworden. Zum Leben gehören Ängste, Bedrohungen, Krisen dazu. Das ist nicht zu leugnen. Wir leben nun einmal nicht in einer rosa roten bunten Welt. Die Welt, das Leben können grausam sein. Ein jeder weiß davon.
Das war auch Jesus ganz klar, als er mit seinen Jüngern spricht. Er spricht hier nicht von einem Wohlfühlleben, einem Leben ohne Krisen und Probleme. Auch das ist klar, denn bis auf einen Jünger starben sie alle für ihren Glauben, für ihren Herrn.
Doch Christus macht klar: was auch passiert, wie sehr ihr auch gefordert werdet, ihr habt einen festen Halt im Vater und in mir. Das ist der Inhalt von Vertrauen.
Im Glauben, im wirklichen Vertrauen steckt eine Kraft, die unermesslich ist.
Die Bibel berichtet von diesem Vertrauen.
Im alten Testament lesen wir von einem Mann namens Daniel. Er liebt seinen Gott, ja vielmehr Gott ist sein Leben, Er führt ihn, er vertraut ihm immer und immer wieder sein Leben an.
Nach Intrigen und Verleumdungen ist sein König dazu gezwungen, Daniel den Löwen zum Fraß vorzuwerfen. Doch was passiert? Daniel geht hier nicht auf die Knie und bittet um Gnade, er sucht ganz klar keinen Ausweg über die Gunst des Königs. Daniel geht in diese Situation – angstfrei, voller Glauben. Und was passiert: Gott hilft ihm, er bleibt unverletzt. Ein Wunder würden wir heutzutage sagen.
Auch wir haben so unsere Löwengruben im Laufe des Lebens kennengelernt oder aber stehen unmittelbar vor einer solchen. Ungewiss, wie es weitergehen soll, unsicher und aufgewühlt. Der Glaube scheint im Angesicht von Tod, Krankheit oder Trauer diese Gefühle nicht zu bändigen. Unser Herz erschrickt, auch wenn es das vielleicht nicht sollte. Und dennoch: wir haben diesen wunderbaren Glauben an diesen wunderbaren Gott, der uns sieht, der uns liebt, der uns helfen will. Also lassen wir auch seiner Hilfe Platz in unserem Leben. Denn wie oft habe ich mir schon das Leben zu Hölle gemacht, weil ich mit Dingen haderte, auf deren Ausgang ich nicht den geringsten Einfluss hatte. Ich habe keinen Einfluss darauf, ob und wie ich wieder gesund werden kann, ich habe keinen Einfluss darauf, ob ich der nächste sein werde, wenn Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Diese Wahrheit hat auch Daniel erkannt. Denn er lag nicht wach mit der Frage, wie schmerzhaft er denn nun von dieser Welt gehen muss. Er wusste: Gott wählt den Weg für mich – lasse ich das in seiner Hand, denn was mir auch zustößt: Gott ist mit mir.

Das ist der Weg, wenn wir Gott, wenn wir unserem Christus vertrauen. Möge uns auch am Anfang Angst und Schrecken befallen. Im Wissen um die Liebe dieses Gottes können wir dem Teufel recht breit ins Gesicht grinsen. Denn wir kennen einen, der stärker ist als er. Unser Herr Jesus Christus besiegte diese Welt, ihre Sünde und Bosheit. Wir wissen: wir werden aus welcher Situation auch immer heraus als Sieger vom Platz gehen. Aber nur, wenn wir Christus Platz in unserem Leben machen. Räumen wir diese ganzen Ängste, die entstehen, wenn man versucht, sich selbst an den Haaren aus dem Treibsand zu ziehen, weg. Schmeißen wir sie zum Fenster heraus, denn wir wissen nunmehr: wir brauchen sie nicht mehr, denn wir schenken unserem Herrn und Gott unser Leben mit all seinen oft verwirrenden Emotionen. Wir müssen nur eines wissen: wer an Gott, wer an Christus glaubt, dessen Herz erschrickt nicht, dessen Herz wird nicht mehr verdunkelt werden von Verzweiflung und Angst.

Lieber Gott, ich danke dir ganz persönlich dafür, das du uns alle dieses Jahr behütet und geführt hast. Unter Deinem Wort haben wir Klippen umschifft und Löwen gebändigt. Lasse uns doch niemals fallen aus deiner Hand der Liebe!

Amen!.