Jahrespredigt 2012
Jahrespredigt 2012
„Laß es dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“(2.Kor.12ff);
Liebe Schwestern und Brüder,
ein neues Jahr steht vor der Tür. Was wird es bringen? Werden wir erfolgreich sein? Behalten wir unsere Arbeit? Bleibt die Familie gesund?
Sie sehen: der Fragen sind nicht wenige. Ei neues Jahr ist immer so etwas wie der Aufbruch in ein fernes Land. Man sieht den Weg, das Ziel noch nicht. Dennoch: Schritt für Schritt werden wir durch jenes Land geführt. Und eines ist klar: auch diese Reise durch das 2012 wird schwierig, vielleicht auch schmerzvoll aber auch schön werden.
Die Jahreslosung 2012 holt uns bei unseren Befürchtungen ab. Gottes Kraft wird hier uns verheißen. Ein wunderbarer Anfang. Dennoch: die Zusicherung der Gnade Gottes bedeutet nicht, wir können ein gemütliches, anstrengungsloses Tagleben leben, denn Gottes Gnade, seine Kraft immer auch gleichzeitig höchste Herausforderung an uns ist. Denn Gott schenkt jene Kraft den Schwachen, den vermeintlich Kleinen dieser Welt. Doch klein wird man nur im Leid, nur in Auseinandersetzung und Demütigung. Hier gilt die Zusage Gottes: meine Kraft wird auch in Dir mächtig werden. Verzage nicht, verzweifle nicht, denn ich bin bei dir. Verlasse Dich auf meine Gnade – werde ruhig vor mir uns erwarte gelassen mein Tun.
Das ist Gottes Verheißung für uns alle, für dieses Jahr, für unsere noch unklare Zukunft.
Eine wunderbare Verheißung, die uns Paulus in seinem 2. Korintherbrief uns schenkt.
Paulus, der reisende Apostel des Herrn hat wohl in seiner Mission für das Wort und das Evangelium mehr Leid, mehr Kraft und Mut gebraucht wie all jene Apostel, denen ein leichteres Leben zugedacht wurde.
Denn Führer von Gemeinden zu sein ist für Paulus kein einfaches, kein leichtes Leben. Sorge um all jene, die zu Gott gefunden haben, den Druck der Verfolger zu jeder Zeit im Nacken zu spüren – all das geht doch über das menschliche Vollbringen hinaus? Wer soll das durchhalten, wer kann hier vor dem Anspruch Gottes bestehen?
Worte, die nachdenklich, die ein klein wenig auch betroffen machen. Unweigerlich fragt man sich: unser Leben ist im Vergleich mit jenem des Paulus um so viel einfacher. Wir leben im Frieden, wir haben das zum Leben Nötigste. Dennoch leiden wir an Schwäche, an einem „ich kann nicht mehr“ . Sind wir zu schwach für unseren Glauben? Haben wir Gottes Zuwendung letztlich wirklich verdient?
Zu jener Zeit, in der der 2. Korintherbrief verfasst wurde, hatte Paulus schwere Kämpfe mit jener Gemeinde in Korinth auszustehen. Seine Autorität, seine Rolle als Führer unter Gottes Gnade wurde massiv angegriffen. Jener Apostel, der federführend die Revolte begann schildert Paulus als „Stachel in seinem Fleisch“, als Satans Engel, der ihn tag täglich mit Fäusten schlägt. Man sieht: Paulus flüchtet sich nicht in die Arbeit für andere Gemeinden, Gemeinden, die dankbar für jenes Geschenk des Glaubens waren Er stellt sich dagegen, egal, welche Kraft hier von ihm abverlangt wird. Dieser Konflikt, diese Demütigungen machen den Paulus nicht bitter. Er erkennt: jenes Leid steht den Visionen seines Gottes gegenüber. Ohne Leid, ohne jene Angriffe unterläge jener Paulus dem Virus des Stolzes, eines Stolzes, besonders jenem Gott nah zu sein. Eine gesunde, eine sehr positive Gedankenkette, die klar macht: Leid und Kummer haben einen Sinn, nur sie führen uns hin zu Gott daselbst.
Doch dann sei die Frage erlaubt: weshalb zerbrechen so viele Menschen täglich an ihrem Leben? Burn out, die sich zur Volkskrankheit aufschwingt, eine Krankheit, die den Menschen sich selbst verlieren lässt, eine Krankheit, in der jener keinen Funken Kraft mehr in sich findet. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig?
Im Angesicht von Kriegen und Terrorismus, im Angesicht von Verfolgung uns Menschenrechtsverletzungen stellt sich die Frage: wo war denn jener gute Gott, dessen Kraft doch gerade jenen zum Sieg hätte verhelfen müssen, die an der vermeintlichen Macht Anderer zu zerbersten drohen?
Auch ich habe mir jene Fragen schon öfter gestellt. Gerade in Zeiten, in denen wir in Konflikten zerfließen, in Zeiten, wo Andere einen selbst verachtend begegnen. Mobbing ist leider mehr als eine Modeerscheinung geworden. Jene Gewissenserkrankung greift immer mehr um uns, denn je mehr wir die Ehrfurcht vor Gott und den Menschen verlernen, desto mehr betrachten wir den Gegenüber lediglich als Objekt, dessen aus dem Weg räumen die eigenen Chancen erheblich verbessern würden. Egal ob beruflich oder privat. Und leider heiligt der Zweck oftmals die Mittel.
Immer wenn ich mit Menschen rede, die jenen unmenschlichen Menschen ausgesetzt sind, die auf der Arbeit manipuliert, verfolgt, verleumdet werden, möchte man mit der Faust auf den Tisch hauen. Denn genau das kann das Opfer oftmals nicht mehr. Die eigene Kraft reicht scheinbar nicht aus. Als Ausweg bleibt: das Ertragen bis zum Zusammenbruch, gerade weil eben oft jene Mechanismen der Arbeitnehmervertretungen in welcher Form auch immer, versagen, weil gerade jenen der gemütliche Betriebsfrieden erträglicher erscheint als das Gegen angehen verbunden mit Konflikten und Auseinandersetzungen.
Unsere heutige Zeit ist dazu übergegangen, eigene Maßstäbe für richtig und falsch, aber auch eigene Stereotypen zu definieren, denen gemäß beurteilt wird, wer etwas in dieser Welt, dieser Gesellschaft zu bedeuten hat. Und wer hier nicht hineinpasst: der wird so lange geschliffen, bis er in die vorgefertigten Formen passt oder aber selbst jenen Weg abbricht – mit allen Konsequenzen. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, das vermeintlich attraktive Menschen schneller die Leiter der Karriere besteigen, als jene, die eben als 0-8-15 sich zu erkennen geben. Qualifikationen, Eignung für bestimmte Tätigkeiten treten hier leider in den Hintergrund. Auch allen Trotzrufern sei gesagt – sie selbst wissen doch längst bescheid über dieses „kleine Geheimnis“ des Erfolgs.
Lass es Dir an meiner Gnade genügen. Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig – so spricht Gott zu Paulus. Doch gleichermaßen spricht er auch Sie und mich an.
Natürlich wissen wir: der Glaube an Jesus Christus ist kein Weg des Erfolgs in dieser Welt. Maßstäbe der Ethik, das Stehen für oder gar gegen bestimmte Missbildungen in unserer Gesellschaft – all das mag die jenseitige Besetzungscouch nicht so gern haben. Wir schreiben das Zeitalter der Flexibilität – nur schade, das jenes Gebiet eine Gleichgültigkeit für die Wahrheit diktiert. Immer mit dem Fluss schwimmen, nur nicht auffallen, es sei denn, der Chef bemerkt es auch. Opportunismus richtig angewandt bringt leider mehr als eine Moral und Lebensprinzipien, ein Leben, das eben nicht nur auf sich selbst, sondern ab und zu auch den lieben Gott im Blick behält. Und so etwas hat man oftmals nicht so gern als Unternehmer, Politiker, Leiter.
Gottes Kraft ist die Kraft der Liebe, des Glaubens und der Wahrheit. Unser Glaube an Gott den Herrn bringt uns keine Punkte in dieser Welt. Gewiß nicht. Doch was wiegt schwerer? Das Gewissen und sich selbst willfährig zu unterdrücken um gerade so ein Image zu erschaffen, das einem sich selbst raubt? Die Gewißheit geliebt zu werden, die Erkenntnis, worauf es im Leben ankommt und worauf nicht – das ist jene Kraft, die aus Gott Kraft und Sinn schöpft. Ein Leben lang.
Gott zu lieben, dieser Welt mit Gelassenheit zu begegnen – das ist die Kraft, die in den Schwachen mächtig ist oder werden kann. Gott hilft uns wieder uns selbst zu finden und uns dann selbst anzunehmen, wie wir von Gott bedingungslos angenommen sind. Das ist Gnade, eine Gnade, die Leben gebiert, die Leben lebenswert macht. Nicht der dicke Scheck macht uns glücklich, sondern allein die Liebe und die Gewissheit, von Gott bedingungslos angenommen zu sein.
Dennoch: egal, was Ihnen schon widerfahren ist. Ab Heute haben wir alle eine neue, eine tragende Hoffnung. Gottes Gnade, die seine Kraft in uns ist, wird mit uns sein, mit uns handeln. Schluss mit ängstlichen Gedanken, denn jene Zusage des Herrn duldet keine Abwege von Zorn, Verzweiflung, Apathie. Auch wenn wir am Abgrund stehen, einfach nicht mehr können, keine Kraft mehr in uns finden – dann können wir unser Leben, unser Handeln in die Hand Gottes legen. Er wird mit uns handeln, damit ein jeder erkenne: keinen Schritt weiter, denn hier ist die Kraft des lebendigen Gottes sichtbar geworden. Niemand wird es wagen, auf uns ein zu treten, uns auf den Boden zu pressen, denn Gott ist in uns mächtig. Nichts, was uns angetan wird, bleibt ohne Strafe. Das ist die Gerechtigkeit des Herrn, die uns trägt und tröstet. Wir stehen in Gottes Gnade, in seiner Gunst, wie weit unten Sie sich vielleicht auch fühlen mögen. Er erhält uns aus Gnade aufrecht, jene Gnade duldet kein Aufgeben, gerade weil Gott niemals aufgiebt, wenn seine Kinder niedergemacht werden. Machen Sie sich das immer klar – jeden Tag, jede Stunde. Geben Sie Ihre Ängste, ihre Demütigungen Gott. Denn er wird Ihr Unrecht in sein Recht wandeln.
Lass es dir an meiner Gnade genügen. Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Jene Worte reißen Paulus aus seiner Dunkelheit. Er erkennt: egal, wie ich auch zu kämpfen habe – in mir zeigt Gott seine Kraft. Mein Stolz, mein Sein ist Gott selbst, aus seiner Gnade heraus werden jene, die ihn in Verruf bringen wollen, der Gerechtigkeit Gottes zugeführt werden. Schwach fühlt sich Paulus und doch erschien er niemals stärker gewesen zu sein. Egal welchen Umständen Sie sich ausgesetzt fühlen, ausgesetzt sind: Lassen Sie Gottes Licht, seine Kraft der Gnade in ihnen wirkmächtig werden. Sie stehen in Gottes Gunst. Er ruft ihnen wie damals Josua zu: „Niemand soll vor dir bestehen dein Leben lang. .. Sei unerschrocken, mutig und stark und sei nicht verzagt.Denn Gott der Herr ist bei dir überall, wo du auch hingehst.“ ( vgl. 1.Jos.1, 5,6;9)
Erkennen wir: Gottes Kraft schenkt er einem jeden seiner Kinder, besonders auch Ihnen, die sie vielleicht nicht mehr weiter wissen, das Leben als grausam und sinnlos erachten. Gott hat Ihnen, uns, mir GEBOTEN – sei unerschrocken, mutig und stark. Egal was uns bedroht – weichen wir nicht vom Weg des Herrn. Denken wir nie über uns selbst, über die eigene Wirkmächtigkeit nach. Folgen wir voller Vertrauen und Liebe unserem Herrn der Gnade
AMEN.

