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Jahrespredigten

Jahrespredigt 2007



Predigt zur Jahreslosung
19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?( Jes.43,19a)„

Der Herr stehe euch bei, seine Gnade bewahre euch alle in Christus Jesus!

Liebe Brüder und Schwestern,

ein neues Jahr bricht heran, viele von uns fassen gute Vorsätze, deren Verwirklichung, meistenfalls, nicht wirklich zu gelingen scheinen. Viele neue Dinge erwarten uns, seien es die neuen Steuern oder was einen sonst so alles Neues im täglichen Leben erwartet. Doch eigentlich bleibt vieles so, wie wir es gewohnt sind: das Leben wird teurer, der Frieden in der Welt scheint gleichwohl keine Ausbreitung zu finden, Menschen leben weiterhin in Armut und Hunger. „ Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf„ - dieser Satz, der uns im Buch Jesaja geschenkt wird, kann doch eigentlich nur mit der Bejahung des nicht erkennens beantwortet werden. Lieber Gott, so könnte man fragen, wo ist denn dein Neues, wo ist die Gerechtigkeit, auf die wir warten, wo ist denn der neue Arbeitsplatz, dem ich seit Jahren hinterherlaufe, wo ist denn die Heilung von meiner Krankheit, meinem Schmerz?

Gott befreit sein Volk Israel, so schildert es uns der Prophet Jesaja. Er stößt die Gefängnisse auf, er befreit sein Volk von Knechtschaft und Unterdrückung. 15Ich bin der HERR, euer Heiliger, der ich Israel geschaffen habe, euer König„ - Gott, der Kyrus, richtet seine Herrschaft unter seinem Volk erneut auf - er ist der König Israels, er hat dieses Volk geschaffen und er wird es niemals aus den Augen verlieren. Gott bedient sich hier keinem menschlichen Führer, der sein Volk aus der Knechtschaft befreit - er selbst wird es führen, ihnen zu essen und zu trinken geben, ihnen den Weg ebnen. Er ist Israels König - er hält sein Volk in seiner Hand.

18 >Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! 19 Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?„ - Gott macht einen Neuanfang, er setzt einen Schlussstrich unter die Greultaten seines Volkes, das von ihm abgefallen der Kulterei und dem Götzendienst anhängig war - Gott rechnet nicht nach, er vergibt aus Gnade, kein eigener Verdienst ist dafür notwendig - Gottes Barmherzigkeit schenkt Vergebung, die allein eine neue Beziehung, ein neues Verhältnis zu bauen versteht und seinen Höhepunkt im Sühnetod Jesu Christi findet, der die Schuld der ganzen Menschheit dispensiert und in Vergebung und Liebe umformt.

Gott hat geschickt nach Babel, um die Gefängnisse aufzustoßen. Umweigerlich denkt man bei diesen Worten an Israels Gefangenschaft in Ägypten - unter ärmlichsten Bedingungen, ausgenutzt und versklavt strebt ein ganzes Volk seinem Untergang entgegen.

Doch trifft das auch hier zu?

Fest steht, das zu der Zeit der Verschleppung des Volkes Israels durch den babylonischen König Nebukadnezar viele Israeliten sehr schnell fuß fassten in der babylonischen Gesellschaft. Viele von ihnen machten eine ansehnliche Karriere, genossen Vorteile und Privilegien, lebten ein begütertes, angenehmes Leben.
Wo sind also die Gefängnisse? Wo ist denn hier die Not, die nach Befreiung schreit?

Um diese Fragen näher zur Beantwortung führen zu können, müssen wir also vornehmlich die Frage stellen, was die babylonische Gesellschaft gekennzeichnet hatte. Wie lebten die Menschen, wie war ihre Beziehung zu Gott?

Die Beantwortung dieser Frage führt uns direkt in das Buch der Offenbarung des Johannes, in dem ein recht erschreckendes Bild des Babylonischen Reiches uns entgegentritt. Hier heißt es:

>Und es kam einer von den asieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir zeigen das Gericht über die große Hure, die an vielen Wassern sitzt, >mit der die Könige auf Erden Hurerei getrieben haben; und die auf Erden wohnen, sind betrunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei. Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das war voll lästerlicher Namen und hatte sieben Häupter und zehn Hörner.>Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und geschmückt mit Gold und Edelsteinen und Perlen und hatte beinen goldenen Becher in der Hand, voll von Greuel und Unreinheit ihrer Hurerei, und auf ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Und ich sah die Frau, betrunken von dem cBlut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu. Und ich wunderte mich sehr, als ich sie sah ( Off, 17,1-6)

Verkommen, käuflich, verschlossen für Gott - so wird uns Babylon beschrieben. Die große Hure wird dieses Reich genannt. Ein erschreckendes Bild tritt uns hier entgegen. Sicherlich war das babylonische Reich von Reichtum und Macht gekennzeichnet. Dennoch scheint diesem Reich keine Verkommenheit fremd zu sein. Maßstabslos lebt es vergnügungssüchtig vor sich hin, Gott spielt hier keine Rolle.
Vor dem Spiegel des hier Gesagten tritt uns die Bedeutung des Symbolons des Gefängnisses entgegen, von dem uns der Prophet Jesaja berichtet. Nicht nur der Körper kann ganz handfest gefangen sein, auch das Schlechte und das Böse kann einen Menschen vereinnahmen, ihn fesseln und ihn gleichgestaltend „verderben„.
In dieser Gefahr befand sich Gottes Volk, das nicht mehr an Gott den Retter glaubte, das aus eigener, verzweifelten Kraft versuchte, sich die Situation der Gefangenschaft erträglich zu gestalten. Angepasst wollten sie sein, nicht mehr ein Sklavenvolk, das würdelos und unterdrückt vor sich hin lebt. Gott? Wo soll er denn sein? Er hat uns schon nicht vor der Gefangenschaft gerettet, wieso also jetzt?

Gott rettet sein Volk, er führt es sich und damit dem Guten und der Liebe entgegen. Nicht das Böse, das Verkommene und die Anpassung daran sollen sein Volk bestimmen, sondern Gott selbst, der König Israels soll wieder sichtbarer Mittelpunkt des Lebens dieses Volkes werden.

Die Metapher der „ babylonischen Zustände„ tritt uns auch in der heutigen Zeit immer wieder entgegen. Stellen wir uns also die Frage, inwieweit die Lebensweise der babylonischen Bevölkerung auch Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft aufweist.

Zuersteinmal möchte ich herausstellen, das die Verkommenheit, die Babylon damals durchaus zu kennzeichnen verstand, keinesfalls kongruent zu unserer heutigen Gesellschaft zu bezeichnen ist. Dennoch, auch wir sind heute von Unmenschlichkeit, Verrohung und einer entsättigten Ethik bedroht. Immer mehr scheint der Virus der Maßstabslosigkeit unter uns zu wüten, ethische Werte verkommen zu vorgestrigen Doktrinen, deren Befolgung bedrohlich und einschränkend empfunden werden. Unsere Ohren scheinen taub geworden zu sein für Gott, zu viele andere Frequenzen überlagern das leise Wort Gottes in unserer heutigen Zeit. Der Zustand unserer Gesellschaft ist allenthalben nicht vergleichbar mit den Entartungen des Babylonischen Reiches - betrachtet man allerdings den Ursprung der Fehlentwicklung, nämlich das verstecken, das fortrennen von Gottes Angesicht, der Versuch, Gottes Ordnung, die auf seinem Wort, auf Zuwendung und Liebe basiert zu dispensieren - dann reflektiert sich hier auch für uns heute die Gefahr, weiter „ herabzufallen„, das „Unkraut des Weizenfeldes( vgl. Mt.13,24-30)„ zu düngen, es unter uns wuchern zu lassen und somit gesellschaftlich weiter zu verwahrlosen, gleichwohl es in Babylon der Fall gewesen ist.

Doch nicht nur gesellschaftlich, gleichwohl für uns Christen birgt die Prophezeiung des Deuterojesajas eine immanente Bedeutung.

Israel, das von Gott gesammelte und über alle Maßen geliebte Volk, war und wird immer von Gottes Hand getragen werden. Er ist Israels König - so tritt es uns in dem vorliegenden Text entgegen. Israel gilt immer als das Chiffre des Gottesvolkes, das sich allein durch den Glauben an den trinitarischen Gott, insbesondere an Christus, konstituiert.

Israel ist nun im all zu weltlichen Babylon gefangen. Es widersteht den dortigen Versuchungen nicht, es versucht sich anzupassen, es verliert den Willen, Salz der Erde sein zu wollen. Die eigenen Bequemlichkeit, die Angst vor Bedrohung und Verurteilung lähmt dieses auserwählte Volk.

Irgendwie erscheint mir das hier beschriebene Bild sehr treffend Teile des heutigen Christentum zu umschreiben. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, christliche Feste werden kommerzialisiert, der heilige Sonntag scheint allenthalben nur durch exzessives „shopping„ ausgefüllt werden zu können. So viele Missstände und so wenige, die dagegen aufstehen und ihr Wort erheben. Salz der Erde sollen wir sein, kraftvoll und weltunerschrocken - dennoch erdrückt uns nur allzu oft die Angst vor Konsequenzen, die Angst vor Bestrafung. Warum vertrauen wir Gott so wenig?
Ich denke, ein wichtiger Grund liegt in unseren falschen Lebensprioritäten. Gott hat nicht den ersten Platz in unserem Leben, er ist ins Private verdrängt. Sehr häufig kreisen unsere Gedanken nur um uns selbst, Um unseren Vorteil, um unsere Probleme, um unser Leben. Wir schauen immer nur zurück und erstarren wie die Frau des Lots zur Salzsäule unserer eigenen Person. Wir wollen unser Leben in unsere eigen Hand nehmen, dabei verfangen wir uns in uns selbst, verpuppen uns vor Gott und der Welt.

Gott zuerst, dann die Anderen, dann man selbst. Solche Prioritäten befreien uns aus unserer Verkapselung, befreien uns wirklich. Nur indem man sich selbst gibt, den anderen wertschätzt und auch an dessen Vorteil denkt, nur so findet man zur wahren Freiheit, einer Freiheit, die uns aufstehen lässt, wenn Unrecht geschieht, einer Freiheit, die das Wort Gottes mit Leben zu füllen versucht und somit zum wirklichen Salz der Erde wird.
Finden wir wieder zu dieser Stärke. Vertrauen wir wieder der Stärke Gottes, erst dann wird unser Leben frei und recht werden.

Nur wie sollen wir das denn machen? Wie soll Gott, der irgendwie so gar nicht fassbar ist, lebendig werden unter uns, wie soll er die erste Stelle unseres Lebens einnehmen? Ist es nicht viel wichtiger, das es den Meinigen gut geht, das der Beruf recht gelingt, das man selbst gut zu leben vermag?

Zuerst, eine lebendige Beziehung zu Gott beginnt immer mit einem Geschenk - schenken Sie Gott Zeit! Treten Sie in den Tag mit seinem Wort und beenden Sie ihren Tag in seiner Gegenwart. Gott ist immer für sie da, lassen sie ihn nicht unbarmherzig an der Seite stehen - er sucht genau sie, suchen sie auch ihn.

Leider ist der Mensch derartig gestaltet, das er irgendwie immer nach dem quantifizierbaren strebt - Geld, Prestige, Macht. Gott passt da irgendwie nicht in dieses Schema - er ist nicht greifbar, allein der Geist vermag ihn zu sehen. Und doch brauchen wir ihn so unendlich dringend - unser Leben, unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen und unserer Familie, das Glück unseres Lebens - all das, was wir so oft Gott vorziehen - nur in der rechten Beziehung zu Gott wird auch unsere Beziehung zu den Menschen recht werden. Öffnen Sie ihre Türen für Christus - denn er gibt alles und verlangt nichts!



19 l>Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?„ - bittend, fast flehend rüttelt Gott an den Herzen seines Volkes. Tut die Augen auf, erkennt, das ich es gut mit euch meine, welche große Gnade ich euch zukommen lasse! Er ist der König von Israel, die allgegenwärtige Stärke und dennoch zugleich der tröstende, mitfühlende und gütige Vater, der die Seinigen nicht fallen lässt, ihnen nachgeht, an ihren Herzen rüttelt.

Doch was geht das uns heute an? Wie kann mir das alles persönlich etwas sagen?

Gleichwohl Gott seinem Volk nachging, es mit offenen Armen erwartete, ihnen Trost und Stärke schenkte - gleichwohl wartet er auch auf Sie, mich, uns alle. Gott ist die Liebe( vgl. 1.Johannesbrief) - er liebt all seine Geschöpfe, er möchte auch ihnen Trost, Hoffnung und Freude schenken. Lassen Sie Christus in ihr Herz - er wartet auf Sie!

Gott schenkte seinem Volk einen Neuanfang. Christus kam auf die Welt, um einen Neuanfang mit einem jeden Menschen zu vollziehen. Er wurde für uns verachtet, mit Dornen gekrönt, ans Kreuz genagelt und getötet - für uns. Wir hätten das alles verdient - doch Gott will keine Opfer, sondern Barmherzigkeit. Gott hat das beschmutzte Bild des Menschen aus dem Staub gehoben und neu vor sich hingestellt. Nun sind wir nicht alle dem Tod preisgegeben, sondern wir alle können in der Hoffnung leben, das Gott uns auch nach unserem Tod mit väterlicher Güte erwartet. Einen jeden von uns, ohne Ausnahme. Nehmen Sie Gott als ihren Herrn an, lassen sie sich beschenken von seiner Liebe, Gnade und Barmherzigkeit.
Durch Christus wurden wir erlöst - er nahm allen Schrecknissen unseres Lebens die Endgültigkeit. Wir wissen nun, das alles Leid und all unser Schmerz vorläufig sein wird - dieses Leben ist nicht der bestimmende Schlusspunkt unserer Existenz, sondern dieses Leben ist eine Pilgerschaft zum Vater, zur Liebe und zu seiner Herrlichkeit. Wieviel leichter wird ihr Leben werden, wenn sie Gott dazu einladen, ihnen tragen zu helfen!

Bitten wir daher unseren Herrn, das er uns von allem Bösen unserer Seele befreie, das er uns stärke und aufrichte, uns Hoffnung und Freude schenke, wie er es uns in seinem Wort verheißen hat. Bitten wir ihn, das wir die Kraft geschenkt bekommen, Salz seiner Erde und Licht seiner Welt sein zu können. Möge Gott uns die Weisheit schenken, in allen Dingen ihn und seinen Willen zu erkennen. Bitten wir darum, sein „ Neues„ zu erkennen - seine Lichtstrahlen der Freude wahrzunehmen, wenn uns unsere Lebensdunkelheiten bedrohen. In jedem Tag, sei er auch noch so schlimm, versteckt Gott Lichtblicke seiner Freude - finden wir diese und danken darin Gott, unserem Herrn.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unseren Herrn.

Amen.