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Lieder zur Passionszeit

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (Joh.1,29)



2. Das Lämmlein ist der große Freund / und Heiland meiner Seelen; / den, den hat Gott zum Sündenfeind / und Sühner wollen wählen: „Geh hin, mein Kind, und nimm dich an / der Kinder, die ich ausgetan / zur Straf und Zornesruten; / die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, / du kannst und sollst sie machen los / durch Sterben und durch Bluten.“

3. „Ja, Vater, ja von Herzensgrund, / leg auf, ich will dir’s tragen; / mein Wollen hängt an deinem Mund, / mein Wirken ist dein Sagen.“ / O Wunderlieb, o Liebesmacht, / du kannst - was nie kein Mensch gedacht - / Gott seinen Sohn abzwingen. / O Liebe, Liebe, du bist stark, / du streckest den in Grab und Sarg, / vor dem die Felsen springen.

4. Du marterst ihn am Kreuzesstamm / mit Nägeln und mit Spießen; / du schlachtest ihn als wie ein Lamm, / machst Herz und Adern fließen: / das Herze mit der Seufzer Kraft, / die Adern mit dem edlen Saft / des purpurroten Blutes. / O süßes Lamm, was soll ich dir / erweisen dafür, dass du mir / erweisest so viel Gutes?

5. Mein Lebetage will ich dich / aus meinem Sinn nicht lassen, / dich will ich stets, gleich wie du mich, / mit Liebesarmen fassen. / Du sollst sein meines Herzens Licht, / und wenn mein Herz in Stücke bricht, / sollst du mein Herze bleiben; / ich will mich dir, mein höchster Ruhm, / hiermit zu deinem Eigentum / beständiglich verschreiben.

6. Ich will von deiner Lieblichkeit / bei Nacht und Tage singen, / mich selbst auch dir nach Möglichkeit / zum Freudenopfer bringen. / Mein Bach des Lebens soll sich dir / und deinem Namen für und für / in Dankbarkeit ergießen; / und was du mir zugut getan, / das will ich stets, so tief ich kann, / in mein Gedächtnis schließen.

7. Erweitre dich, mein Herzensschrein, / du sollst ein Schatzhaus werden / der Schätze, die viel größer sein / als Himmel, Meer und Erden. / Weg mit dem Gold Arabia! / Weg Calmus, Myrrhen, Casia! / Ich hab ein Bessers funden: / Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ, / ist dieses, was geflossen ist / aus deines Leibes Wunden.

8. Das soll und will ich mir zunutz / zu allen Zeiten machen; / im Streite soll es sein mein Schutz, / in Traurigkeit mein Lachen, / in Fröhlichkeit mein Saitenspiel; / und wenn mir nichts mehr schmecken will, / soll mich dies Manna speisen; / im Durst soll’s sein mein Wasser- quell, / in Einsamkeit mein Sprachgesell / zu Haus und auch auf Reisen.

9. Was schadet mir des Todes Gift? / Dein Blut, das ist mein Leben. / Wenn mich der Sonnen Hitze trifft, / so kann mirs Schatten geben. / Setzt mir der Wehmut Schmerzen zu, / so find ich bei dir meine Ruh / als auf dem Bett ein Kranker. / Und wenn des Kreuzes Ungestüm / mein Schifflein treibet um und um, / so bist du dann mein Anker.

10. Wenn endlich ich soll treten ein / in deines Reiches Freuden, / so soll dein Blut mein Purpur sein, / ich will mich darein kleiden; / es soll sein meines Hauptes Kron, / in welcher ich will vor den Thron / des höchsten Vaters gehen / und dir, dem er mich anvertraut, / als eine wohlgeschmückte Braut / an deiner Seite stehen.

O Welt, sieh hier dein Leben



2. Tritt her und schau mit Fleiße: / Sein Leib ist ganz mit Schweiße / des Blutes überfüllt; / aus seinem edlen Herzen / vor unerschöpften Schmerzen / ein Seufzer nach dem andern quillt.

3. Wer hat dich so geschlagen, / mein Heil, und dich mit Plagen / so übel zugericht’? / Du bist ja nicht ein Sünder / wie wir und unsre Kinder, / von Übeltaten weißt du nicht.

4. Ich, ich und meine Sünden, / die sich wie Körnlein finden / des Sandes an dem Meer, / die haben dir erreget / das Elend, das dich schläget, / und deiner schweren Martern Heer.

5. Ich bin’s, ich sollte büßen / an Händen und an Füßen / gebunden in der Höll; / die Geißeln und die Bande / und was du ausgestanden, / das hat verdienet meine Seel.

6. Du nimmst auf deinen Rücken / die Lasten, die mich drücken / viel schwerer als ein Stein; / du wirst ein Fluch, dagegen / verehrst du mir den Segen; / dein Schmerzen muss mein Labsal sein.

7. Du setzest dich zum Bürgen, / ja lässest dich gar würgen / für mich und meine Schuld; / mir lässest du dich krönen / mit Dornen, die dich höhnen, / und leidest alles mit Geduld.

8. Du springst in Todes Rachen, / mich frei und los zu machen / von solchem Ungeheur. / Mein Sterben nimmst du abe, / vergräbst es in dem Grabe, / o unerhörtes Liebesfeur!

9. Ich bin, mein Heil, verbunden / all Augenblick und Stunden / dir überhoch und sehr; / was Leib und Seel vermögen, / das soll ich billig legen / allzeit an deinen Dienst und Ehr.

10. Nun, ich kann nicht viel geben / in diesem armen Leben, / eins aber will ich tun: / Es soll dein Tod und Leiden, / bis Leib und Seele scheiden, / mir stets in meinem Herzen ruhn.

11. Ich will’s vor Augen setzen, / mich stets daran ergötzen, / ich sei auch, wo ich sei; / es soll mir sein ein Spiegel / der Unschuld und ein Siegel / der Lieb und unverfälschten Treu.

12. Wie heftig unsre Sünden / den frommen Gott entzünden, / wie Rach und Eifer gehn; / wie grausam seine Ruten, / wie zornig seine Fluten, / will ich aus diesem Leiden sehn.

13. Ich will daraus studieren, / wie ich mein Herz soll zieren / mit stillem, sanftem Mut / und wie ich die soll lieben, / die mich doch sehr betrüben / mit Werken, so die Bosheit tut.

14. Wenn böse Zungen stechen, / mir Ehr und Namen brechen, / so will ich zähmen mich; / das Unrecht will ich dulden, / dem Nächsten seine Schulden / verzeihen gern und williglich.

15. Ich will ans Kreuz mich schlagen / mit dir und dem absagen, / was meinem Fleisch gelüst’; / was deine Augen hassen, / das will ich fliehn und lassen, / soviel mir immer möglich ist.

16. Dein Seufzen und dein Stöhnen / und die viel tausend Tränen, / die dir geflossen zu, / die sollen mich am Ende / in deinen Schoß und Hände / begleiten zu der ewgen Ruh.

O Haupt voll Blut und Wunden an das Angesicht

2. Du edles Angesichte, / davor sonst schrickt und scheut / das große Weltgewichte: / wie bist du so bespeit, / wie bist du so erbleichet! / Wer hat dein Augenlicht, / dem sonst kein Licht nicht gleichet, / so schändlich zugericht?

3. Die Farbe deiner Wangen, / der roten Lippen Pracht / ist hin und ganz vergangen; / des blassen Todes Macht / hat alles hingenommen, / hat alles hingerafft, / und daher bist du kommen / von deines Leibes Kraft.

4. Nun, was du, Herr, erduldet, / ist alles meine Last; / ich hab es selbst verschuldet, / was du getragen hast. / Schau her, hier steh ich Armer, / der Zorn verdienet hat. / Gib mir, o mein Erbarmer, / den Anblick deiner Gnad.

5. Erkenne mich, mein Hüter, / mein Hirte, nimm mich an. / Von dir, Quell aller Güter, / ist mit viel Guts getan; / dein Mund hat mich gelabet / mit Milch und süßer Kost, / dein Geist hat mich begabet / mit mancher Himmelslust.

6. Ich will hier bei dir stehen, / verachte mich doch nicht; / von dir will ich nicht gehen, / wenn dir dein Herze bricht; / wenn dein Haupt wird erblassen / im letzten Todesstoß, / alsdann will ich dich fassen / in meinen Arm und Schoß.

7. Es dient zu meinen Freuden / und tut mir herzlich wohl, / wenn ich in deinem Leiden, / mein Heil, mich finden soll. / Ach möcht ich, o mein Leben, / an deinem Kreuze hier / mein Leben von mir geben, / wie wohl geschähe mir!

8. Ich danke dir von Herzen, / o Jesu, liebster Freund, / für deines Todes Schmerzen, / da du’s so gut gemeint. / Ach gib, dass ich mich halte / zu dir und deiner Treu / und, wenn ich nun erkalte, / in dir mein Ende sei.

9. Wenn ich einmal soll scheiden, / so scheide nicht von mir, / wenn ich den Tod soll leiden, / so tritt du dann herfür; / wenn mir am allerbängsten / wird um das Herze sein, / so reiß mich aus den Ängsten / kraft deiner Angst und Pein.

10. Erscheine mir zum Schilde, / zum Trost in meinem Tod, / und lass mich sehn dein Bilde / in deiner Kreuzesnot. / Da will ich nach dir blicken, / da will ich glaubensvoll / dich fest an mein Herz drücken. / Wer so stirbt, der stirbt wohl.