Lieder zum christlichen Leben
Ich erhebe, Herr, zu dir (Psalm 121)
2. Meine Hilfe kommt allein / von des Höchsten Händen her, / der so künstlich, hübsch und fein / Himmel, Erde, Luft und Meer, / und was in dem allen ist, / uns zum Besten ausgerüst’t.
3. Er nimmt deiner Füße Tritt, / o mein Herze, wohl in Acht, / wenn du gehest, geht er mit / und bewahrt dich Tag und Nacht. / Sei getrost! Das Höllenheer / wird dir schaden nimmer- mehr.
4. Siehe, wie sein Auge wacht, / wenn du liegest in der Ruh, / wenn du schläfest, kommt mit Macht / auf dein Bett geflogen zu / seiner Engel güldne Schar / dass sie deiner nehme wahr.
5. Alles was du bist und hast, / ist umringt mit seiner Hut, / deiner Sorgen schwere Last / nimmt er weg, macht alles gut; / Leib und Seel hält er verdeckt, / wann dich Sturm und Wetter schreckt.
6. Wann der Sonnen Hitze brennt / und des Leibes Kräfte bricht, / wann dich Stern und Monde blendt / mit dem klaren Angesicht, / hat er seine starke Hand / dir zum Schatten vorgewandt.
7. Nun, so fahre immer fort, / der getreue fromme Hirt, / bleibe stets dein Schild und Hort, / wenn dein Herz geängstet wird; / wenn die Not wird viel und groß, / schließt er dich in seinen Schoß.
8. Wenn du sitzest, wenn du stehst, / wenn du redest, wenn du hörst, / wenn du aus dem Hause gehst / und zurücke wieder kehrst, / wenn du trittst aus oder ein, / woll er dein Gefährte sein.
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun (Jer.10,23)
2. Es steht in keines Menschen Macht, / dass sein Rat werd ins Werk gebracht / und seines Gangs sich freue; / des Höchsten Rat, der macht’s allein, / dass Menschenrat gedeihe.
3. Oft denkt der Mensch in seinem Mut, / dies oder jenes sei ihm gut, / und ist doch weit gefehlet; / oft sieht er auch für schädlich an, / was doch Gott selbst erwählet.
4. Es fängt so mancher weise Mann / ein gutes Werk zwar fröhlich an / und bringt’s doch nicht zum Stande; / er baut ein Schloss und festes Haus, / doch nur auf lauterm Sande.
5. Wie mancher ist in seinem Sinn / fast über Berg und Spitzen hin, / und eh er sich’s versiehet, / so liegt er da und hat sein Fuß / vergeblich sich bemühet.
6. Drum, lieber Vater, der du Kron / und Szepter trägst in deinem Thron / und aus den Wolken blitzest, / vernimm mein Wort und höre mich / vom Stuhle, da du sitzest.
7. Verleihe mir das edle Licht, / das sich von deinem Angesicht / in fromme Seelen strecket / und da der rechten Weisheit Kraft / durch deine Kraft erwecket.
8. Gib mir Verstand aus deiner Höh, / auf dass ich ja nicht ruh und steh / auf meinem eignen Willen; / sei du mein Freund und treuer Rat, / was recht ist, zu erfüllen.
9. Prüf alles wohl, und was mir gut, / das gib mir ein; was Fleisch und Blut / erwählet, das verwehre; / der höchste Zweck, das beste Teil / sei deine Lieb und Ehre.
10. Was dir gefällt, das lass auch mir, / o meiner Seelen Sonn und Zier, / gefallen und belieben; / was dir zuwider, lass mich nicht / in Werk und Tat verüben.
11. Ist’s Werk von dir, so hilf zu Glück, / ist’s Menschentun, so treib zurück / und ändre meine Sinnen. / Was du nicht wirkst, das pflegt von selbst / in kurzem zu zerrinnen.
12. Sollt aber dein und unser Feind / an dem, was dein Herz gut gemeint, / beginnen sich zu rächen: / Ist das mein Trost, dass seinen Zorn / du leichtlich könnest brechen.
13. Tritt du zu mir und mache leicht, / was mir sonst fast unmöglich deucht, / und bring zum guten Ende, / was du selbst angefangen hast / durch Weisheit deiner Hände.
14. Ist ja der Anfang etwas schwer / und muss ich auch ins tiefe Meer / der bittern Sorgen treten, / so treib mich nur, ohn Unterlass / zu seufzen und zu beten.
15. Wer fleißig betet und dir traut, / wird alles, davor sonst ihm graut, / mit tapferm Mut bezwingen; / sein Sorgenstein wird in der Eil / in tausend Stücke springen.
16. Der Weg zum Guten ist gar wild, / mit Dorn und Hecken ausgefüllt; / doch wer ihn freudig gehet, / kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, / wo Freud und Wonne stehet.
17. Du bist mein Vater, ich dein Kind; / was ich bei mir nicht hab und find, / hast du zu aller G’nüge. / So hilf nur, dass ich meinen Stand / wohl halt und herrlich siege.
18. Dein soll sein aller Ruhm und Ehr, / ich will dein Tun je mehr und mehr / aus hocherfreuter Seelen / vor deinem Volk und aller Welt, / solang ich leb, erzählen.
O Jesu Christ, mein schönstes Licht
2. Gib, dass sonst nichts in meiner Seel / als deine Liebe wohne, / gib, dass ich deine Lieb erwähl / als meinen Schatz und Krone; / stoß alles aus, nimm alles hin, / was mich und dich will trennen / und nicht gönnen, / dass all mein Mut und Sinn / in deiner Liebe brennen!
3. Wie freundlich, selig, süß und schön / ist, Jesu, deine Liebe! / Wann diese steht, kann nichts entstehn, / das meinen Geist betrübe. / Drum lass nichts anders denken mich, / nichts sehen, fühlen, hören, / lieben, ehren / als deine Lieb und dich, / der du sie kannst vermehren.
4. O, dass ich dieses hohe Gut / möcht ewiglich besitzen! / O, dass in mir dies edle Glut / ohn Ende möchte hitzen! / Ach, hilf mir wachen Tag und Nacht / und diesen Schatz bewahren / vor den Scharen, / die wider uns mit Macht / aus Satans Reiche fahren!
5. Mein Heiland, du bist mir zulieb / in Not und Tod gegangen / und hast am Kreuz als wie ein Dieb / und Mörder da gehangen, / verhöhnt, bespeit und sehr verwundt; / ach, lass mich deine Wunden / alle Stunden / mit Lieb und Herzensgrund / auch ritzen und verwunden.
6. Dein Blut, das dir vergossen ward, / ist köstlich, gut und reine, / mein Herz hingegen böser Art / und hart gleich einem Steine. / O lass doch deines Blutes Kraft / mein hartes Herze zwingen, / wohl durchdringen / und diesen Lebenssaft / mir deine Liebe bringen!
7. O dass mein Herze offen stünd / und fleißig möcht auffangen / die Tröpflein Bluts, die meine Sünd / im Garten dir abdrangen! / Ach dass sich meiner Augen Brunn / auftät und mit viel Stöhnen / heiße Tränen / vergösse, wie die tun, / die sich in Liebe sehnen.
8. O dass ich wie ein kleines Kind / mit Weinen dir nachginge / so lange, bis dein Herz entzündt / mit Armen mich umfinge / und deine Seel in mein Gemüt / in voller süßer Liebe / sich erhübe / und also deiner Güt / ich stets vereinigt bliebe!
9. Ach zeuch, mein Liebster, mich nach dir, / so lauf ich mit den Füßen; / ich lauf und will dich mit Begier / in meinem Herzen küssen. / Ich will aus deines Mundes Zier / den süßen Trost empfinden, / der die Sünden / und alles Unglück hier / kann leichtlich überwinden.
10. Mein Trost, mein Schatz, mein Licht und Heil, / mein höchstes Gut und Leben, / ach nimm mich auf zu deinem Teil, / dir hab ich mich ergeben. / Denn außer dir ist lauter Pein, / ich find hier überalle / nichts denn Galle; / nichts kann mir tröstlich sein, / nichts ist, das mir gefalle.
11. Du aber bist die rechte Ruh, / in dir ist Fried und Freude, / gib, Jesu, gib, dass immerzu / mein Herz in dir sich weide! / Sei meine Flamm und brenn in mir, / mein Balsam, wollest eilen, / lindern, heilen / den Schmerzen, der allhier / mich seufzen macht und heulen.
12. Was ists, o Schönster, das ich nicht / in deiner Liebe habe? / Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht, / mein Quell, da ich mich labe, / mein süßer Wein, mein Himmelsbrot, / mein Kleid vor Gottes Throne, / meine Krone, / mein Schutz in aller Not, / mein Haus, darin ich wohne.
13. Ach, liebstes Lieb, wann du entweichst, / was hilft mir sein geboren? / Wann du mir deine Lieb entzeuchst, / ist all mein Gut verloren. / So gib, dass ich dich, meinen Gast, / wohl such und bester Maßen / möge fassen / und, wenn ich dich gefasst, / in Ewigkeit nicht lassen!
14. Du hast mich je und je geliebt / und auch nach dir gezogen; / eh ich noch etwa Guts geübt, / warst du mir schon gewogen. / Ach, lass doch ferner, edler Hort, / mich diese Liebe leiten / und begleiten, / dass sie mir immerfort / beisteh auf allen Seiten!
15. Lass meinen Stand, darin ich steh, / Herr, deine Liebe zieren / und, wo ich etwas irre geh, / alsbald zurechte führen; / lass sie mir allzeit guten Rat / und gute Werke lehren, / steuern, wehren / der Sünd, und nach der Tat / bald wieder mich bekehren!
16. Lass sie sein meine Freud im Leid, / in Schwachheit mein Vermögen, / und wann ich nach vollbrachter Zeit / mich soll zur Ruhe legen, / alsdann lass deine Liebestreu, / Herr Jesu, bei mir stehen, / Luft zuwehen, / dass ich getrost und frei / mög in dein Reich eingehen!
Wohl dem Menschen, der nicht wandelt (Psalm 1)
2. Wohl dem, der mit Lust und Freuden / das Gesetz des Höchsten treibt / und hie, als auf süßer Weiden, / Tag und Nacht beständig bleibt; / dessen Segen wächst und blüht / wie ein Palmbaum, den man sieht / bei den Flüssen an der Seiten / seine frischen Zweig ausbreiten.
3. Also, sag ich, wird auch grünen, / wer in Gottes Wort sich übt, / Luft und Sonne wird ihm dienen, / bis er reiche Früchte gibt. / Seine Blätter werden alt / und doch niemals ungestalt. / Gott gibt Glück zu seinen Taten, / was er macht, muss wohl geraten.
4. Aber wen die Sünd erfreuet, / mit dem geht’s viel anders zu: / Er wird wie die Spreu zerstreuet / von dem Wind im schnellen Nu. / Wo der Herr sein Häuflein richt’t, / da bleibt kein Gottloser nicht. / Summa: Gott liebt alle Frommen, / und wer bös ist, muss umkommen.
Jesu, allerliebster Bruder
2. Du bist ohne Falsch und Tücke, / dein Herz weiß von keiner List, / aber wenn ich nur erblicke / was hier auf der Erde ist, / find ich alles voller Lügen: / Wer am besten kann betrügen, / wer am schönsten heucheln kann, / ist der allerbeste Mann.
3. Ach, wie untreu und verlogen / ist die Liebe dieser Welt; / ist sie jemand wohl gewogen, / währts nicht länger als sein Geld. / Wenn das Glück uns fügt und grünet, / sind wir schön und hübsch bedienet, / kommt ein wenig Ungestüm, / kehrt sich alle Freundschaft üm.
4. Treib, Herr, von mir und verhüte / solchen unbeständgen Sinn; / hätt ich aber mein Gemüte, / weil ich auch ein Mensche bin, / schon mit diesem Kot besprenget / und der Falschheit nachgehänget, / so erkenn ich meine Schuld, / bitt um Gnad und um Geduld.
5. Lass mir ja nicht widerfahren, / was du Herr zur Straf und Last / denen, die mit falschen Waren / handeln, angedräuet hast, / da du sprichst, du wollest scheuen / und als Unflat von dir speien / aller Heuchler falschen Mut, / der Guts fürgibt und nicht tut.
6. Gib mir ein beständges Herze / gegen alle meine Freund; / auch dann, wenn mit Kreuz und Schmerze / sie von dir beleget seind. / Dass ich mich nicht ihrer schäme, / sondern mich nach dir bequeme, / der du, da wir arm und bloß, / uns gesetzt in deinen Schoß.
7. Gib mir auch nach deinem Willen / einen Freund, in dessen Treu / ich mein Herze möge stillen, / da mein Mund sich ohne Scheu / öffnen und erklären möge, / da ich alles abelege / (nach der Maße, das mir gnügt), was mir auf dem Herzen liegt.
8. Lass mich Davids Glück erleben: / Gib mir einen Jonathan, / der mir sein Herz möge geben, / der auch, wenn nun jedermann / mir nichts Gutes mehr will gönnen, / sich nicht lasse von mir trennen, / sondern fest in Wohl und Weh / als ein Felsen bei mir steh.
9. Herr, ich bitte dich, erwähle / mir aus aller Menschen Meng / eine fromme heilge Seele, / die an dir fein kleb und häng, / auch nach deinem Sinn und Geiste / mir stets Trost und Hilfe leiste: / Trost, der in der Not besteht, / Hilfe, die von Herzen geht.
10. Wenn die Zung und Mund nur liebet, / ist die Liebe schlecht bestellt. / Wer mir gute Worte gibet / und den Hass im Herzen hält, / wer nur seinen Kuchen schmieret / und, wanns Bienlein nicht mehr führet, / alsdann geht er nach der Tür - / ei, der bleibe fern von mir.
11. Hab ich Schwachheit und Gebrechen, / Herr, so lenke meinen Freund, / mich in Güte zu besprechen / und nicht als ein Leu und Feind. / Wer mich freundlich weiß zu schlagen, / ist, als der in Freudentagen / reichlich auf mein Haupt mir geußt / Balsam, der am Jordan fleußt.
12. O, wie groß ist meine Habe, / o, wie köstlich ist mein Gut, / Jesu, wenn mit dieser Gabe / dein Hand meinen Willen tut, / dass mich meines Freundes Treue / und beständigs Herz erfreue! / Wer dich fürchtet, liebt und ehrt, / dem ist solch ein Schatz beschert.
13. Gute Freunde sind wie Stäbe, / da der Menschen Gang sich hält, / dass der schwache Fuß sich hebe, / wann der Leib zu Boden fällt. / Wehe dem, der nicht zum Frommen / solches Stabes weiß zu kommen! / Der hat einen schweren Lauf; / wann er fällt, wer hilft ihm auf?
14. Nun, Herr, lass dirs wohl gefallen, / bleib mein Freund bis in mein Grab! / Bleib mein Freund und unter allen / mein getreuster, stärkster Stab! / Wenn du dich mir wirst verbinden, / wird sich schon ein Herze finden, / das, durch deinen Geist gerührt, / mir was Gutes gönnen wird.
