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Lieder zum Abend

Nun ruhen alle Wälder


2. Wo bist du, Sonne, blieben? / Die Nacht hat dich vertrieben, / die Nacht, des Tages Feind. / Fahr hin; ein andre Sonne, / mein Jesus, meine Wonne, / gar hell in meinem Herzen scheint.

3. Der Tag ist nun vergangen, / die güldnen Sternlein prangen / am blauen Himmelssaal; / also wird ich auch stehen, / wenn mich wird heißen gehen / mein Gott aus diesem Jammertal.

4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, / legt ab das Kleid und Schuhe, / das Bild der Sterblichkeit; / die zieh ich aus, dagegen / wird Christus mir anlegen / den Rock der Ehr und Herrlichkeit.

5. Das Haupt, die Füß und Hände / sind froh, dass nun zum Ende / die Arbeit kommen sei. / Herz, freu dich, du sollst werden / vom Elend dieser Erden / und von der Sünden Arbeit frei.

6. Nun geht, ihr matten Glieder, / geht hin und legt euch nieder, / der Betten ihr begehrt. / Es kommen Stund und Zeiten, / da man euch wird bereiten / zur Ruh ein Bettlein in der Erd.

7. Mein Augen stehn verdrossen, / im Nu sind sie geschlossen. / Wo bleibt dann Leib und Seel? / Nimm sie zu deinen Gnaden, / sei gut für allen Schaden, / du Aug und Wächter Israel’.

8. Breit aus die Flügel beide, / o Jesu, meine Freude, / und nimm dein Küchlein ein. / Will Satan mich verschlingen, / so lass die Englein singen: / “Dies Kind soll unverletzet sein.“

9. Auch euch, ihr meine Lieben, / soll heute nicht betrüben / kein Unfall noch Gefahr. / Gott lass euch selig schlafen, / stell euch die güldnen Waffen / ums Bett und seiner Engel Schar.

Der Tag mit seinem Lichte

2. Wohlauf, wohlauf, mein Psalter, / erhebe den Erhalter, / der mir an Leib und Seelen / viel mehr, als ich kann zählen, / hat heute Guts getan. / All Augenblick und Stunden / hat sich gar viel gefunden, / womit er sein Gemüte / und unerschöpfte Güte / mir klar gezeiget an.

3. Gleichwie des Hirten Freude, / ein Schäflein an der Weide, / sich unter seiner Treue / ohn alle Furcht und Scheue / ergetzet in dem Feld / und sich mit Blumen füllet, / den Durst mit Quellen stillet: / So hat mich heut geführet, / mit manchem Gut gezieret / der Hirt in aller Welt.

4. Gott hat mich nicht verlassen, / ich aber hab ohn Maßen / mich nicht gescheut, mit Sünden / und Unrecht zu entzünden / das treue Vaterherz. / O Vater, lass nicht brennen / den Eifer, noch mich trennen / von deiner Hand und Seiten: / Mein Tun und Überschreiten / erweckt mir Reu und Schmerz.

5. Erhöre, Herr, mein Beten / und lass mein Übertreten / zur Rechten und zur Linken / ins Meeres Tiefe sinken / und ewig untergehn; / lass aber, lass dagegen / sich deine Engel legen / um mich mit ihren Waffen! / Mit dir will ich entschlafen, / mit dir auch auferstehn.

6. Darauf so lass ich nieder / mein Haupt und Augenlider, / will ruhen ohne Sorgen, / bis dass der güldne Morgen / mich wieder munter macht. / Dein Flügel wird mich decken, / so wird mich nicht erschrecken / der Feind mit tausend Listen, / der mich und alle Christen / verfolget Tag und Nacht.

7. Ich lieg hier oder stehe, / ich sitz auch oder gehe, / so bleib ich dir ergeben, / und du bist auch mein Leben: / Das ist ein wahres Wort. / Was ich beginn und mache, / ich schlaf ein oder wache, / wohn ich als wie im Schlosse, / in deinem Arm und Schoße, / bin selig hier und dort.