Lieder der Ewigkeit
O Tod, o Tod, du greulichs Bild
2. Komm nur mit deinem Bogen bald / und ziele mir zum Herzen; / in deiner seltsamen Gestalt / versuchs mit Pein und Schmerzen: / Was wirst du damit richten aus? / Ich werde dir doch aus dem Haus / einmal gewiss entlaufen.
3. Ich weiß, dass dir zerschlagen ist / dein Schloss und seine Riegel / durch meinen Heiland Jesum Christ; / der brach des Grabes Siegel / und führte dich zum Siegesschau, / auf dass uns nicht mehr von dir grau; / ein Spott ist aus dir worden.
4. Besiehe deinen Palast wohl / und deines Reiches Wesen, / ob’s noch anitzo sei so voll / als es zuvor gewesen: / Ist Moses nicht aus deiner Hand / entwischt und im gelobten Land / auf Tabor schön erschienen?
5. Wo ist der alten Heilgen Zahl, / die auch daselbst begraben? / Sie sind erhöht im Himmels- saal, / da sie sich ewig laben. / Des starken Jesus Heldenhand / hat dir zersprengt all deine Band, / als er dein Kämpfer wurde.
6. Was soll’s denn nun, o Jesu, sein, / dass mich der Tod so schrecket? / Hat doch Elisa Totenbein, / was tot war, auferwecket: / Viel mehr wirst du, den Trost hab ich, / zum Leben kräftig rüsten mich, drum schlaf ich ein mit Freuden.
Du bist zwar mein und bleibest mein
2. Ach, gült es Wünschens, wollt ich dich, / du Sternlein meiner Seelen, / vor allem Weltgut williglich / mir wünschen und erwählen; / ich wollte sagen: Bleib bei mir! / Du sollst sein meines Hauses Zier; / an dir will ich mein Lieben / bis in mein Sterben üben.
3. So sagt mein Herz und meint es gut, / Gott aber meints noch besser. / Groß ist die Lieb in meinem Mut, / in Gott ist sie noch größer. / Ich bin ein Vater und nichts mehr, / Gott ist der Väter Haupt und Ehr, / ein Quell, da Alt und Jungen / in aller Welt entsprungen.
4. Ich sehne mich nach meinen Sohn, / und der mir ihn gegeben / will, dass er nah an seinem Thron / im Himmel solle leben. / Ich sprech: Ach weh, mein Licht verschwindt! / Gott spricht: Willkommn, du liebes Kind, / dich will ich bei mir haben / und ewig reichlich laben.
5. O süßer Rat o schönes Wort / und heilger als wir denken! / Bei Gott ist ja kein böser Ort, / kein Unglück und kein Kränken, / kein Angst, kein Mangel, kein Versehn, / bei Gott kann keinem Leid geschehn; / wen Gott versorgt und liebet, / wird nimmermehr betrübet.
6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, / die Unsrigen zu zieren; / wir gehn und sorgen Tag und Nacht, / wie wir sie wollen führen / in einen feinen selgen Stand, / und ist doch selten so bewandt / mit dem, wohin sie kommen, / als wir’s uns vorgenommen.
7. Wie manches junge fromme Blut / wird jämmerlich verführet / durch bös Exempel, dass es tut, / was Christen nicht gebühret. / Da hat’s denn Gottes Zorn zum Lohn, / auf Erden nichts als Spott und Hohn, / der Vater muss mit Grämen / sich seines Kindes schämen.
8. Ein solches darf ich ja nun nicht / an meinem Sohn erwarten; / der steht vor Gottes Angesicht / und geht in Christi Garten, / hat Freude, die ihn recht erfreut, / und ruht von allem Herzeleid; / er sieht und hört die Scharen, / die uns allhier bewahren.
9. Er sieht und hört der Engel Mund, / sein Mündlein hilft selbst singen; / weiß alle Weisheit aus dem Grund / und redt von solchen Dingen, / die unser keiner noch nicht weiß, / die auch durch unsern Fleiss und Schweiß / wir, weil wir sind auf Erden, / nicht ausstudieren werden.
10. Ach, sollt ich doch von fernen stehn / und nur ein wenig hören, / wenn deine Sinnen sich erhöhn / und Gottes Namen ehren, / der Heilig, Heilig, Heilig ist, / durch den du auch geheiligt bist: / Ich weiß, ich würde müssen / vor Freuden Tränen gießen.
11. Ich würde sprechen: Bleib allhier! / Nun will ich nicht mehr klagen: / Ach, mein Sohn, wärst du noch bei mir! / Nein; sondern: Komm du Wagen / Eliä, hole mich geschwind / und bring mich dahin, wo mein Kind / und so viel liebe Seelen / so schöne Ding erzählen.
12. Nun, es sei ja und bleib also, / ich will dich nicht mehr weinen. / Du lebst und bist von Herzen froh, / siehst lauter Sonnen scheinen, / die Sonnen ewger Freud und Ruh; / hier leb und bleib nun immerzu, / ich will, will’s Gott, mit andern / auch bald hernacher wandern.
Erhebe dich, betrübtes Herz
2. Dein Schad ist groß, das ist ja wahr, / doch ist ja auch bekannt und klar / des höchsten Vaters Gnade: / Die macht, dass uns des Unglücks Schar / nicht um ein Härlein schade.
3. Der Fall, der unverhoffte Fall / schlägt uns nicht anders als der Schall / des Donners aus der Höhe: / Gott aber hilft, dass Knall und Fall / zum Glück und Guten gehe.
4. Was stürzt wohl eines Frommen Sinn? / Wo soll ein Christ auch anders hin / als in den Himmel fallen? / Trost, Fried und Freud erhalten ihn, / Angst muss zurückeprallen.
5. Was hat der Tod mit seiner Müh, / er komme spät an oder früh, / an gottergebnen Seelen? / Nimmt er sie bald, befreit er sie / vor langem sauren Quälen.
6. Wer plötzlich stirbt und stirbt nur wohl, / der nimmt ein Ende, das man soll / erwünscht und selig preisen: / Ist’s Herze gut und glaubensvoll, / was schadt das schnelle Reisen?
7. Was fragt ein Kämpfer nach der Zeit, / wenn er den Feind nur in dem Streit / hat ritterlich empfangen? / Wie mancher kann die Siegesbeut / im Augenblick erlangen.
8. Ein solches Lob und edlen Lohn / hat auch fürwahr und trägt davon / der, den wir jetzt beweinen: / Er sieht nun selbst ein helle Kron / auf seinem Haupte scheinen.
9. Er hat gesiegt, das ist gewiss. / Er ist durch Todes Finsternis / zu Gottes Licht gekommen. / Er lebt, obschon ein schneller Riss / ihn von uns hingenommen.
10. Den schnellen Riss hat Gott getan, / der nichts als Gutes machen kann / im Himmel und auf Erden. / Was Gott tut, hebts gleich traurig an, / muss doch zuletzt gut werden.
11. Wir wünschen zwar, ach hätten wir / doch bei dem Bette sollen hier / in seinem Ende stehen / und hören gegen dir und mir / sein letztes Wort gegeben.
12. Denkt aber, denkt, ob dies Gehör / uns mehr betrübt als tröstlich wär, / und gebt euch wohl zufrieden, / weil er in Gott zu Gottes Ehr / auf Gottes Wort verschieden.
13. Hilf Gott! sprach sein gottselger Mund, / das hörte Gott, und half zur Stund / ihn in die hohen Freuden, / da wo sich Aug und Herzensgrund / in reiner Wollust weiden.
14. Da hat er nun all Hilf und Heil, / ist froh in seinem Erb und Teil, / wonach er hier gestrebet, / ruht fern vom Tod und Todespfeil, / in dem er ewig lebet.
15. Nun darf sein Herz nicht traurig sein / und fühlt nicht mehr den schweren Stein / des Kummers wie hienieden, / da sein Fleiß in der Sorgen Pein / sich täglich musst ermüden.
16. Sein süßer Mund, des edle Zier / des Höchsten Weisheit für und für / so treulich hat gelehret, / der predigt, was kein Ohr allhier / bei uns je hat gehöret.
17. Er predigt seines Gottes Ruhm / und füllt das güldne Heiligtum / und die so schönen Tore, / sein Name riecht gleich einer Blum / im heilgen Engelchore.
18. Die Pflänzlein, die er vorgeschickt, / hat er auch schon mit Lust erblickt / und herzlich sich ergetzet, / nun ist sein Geist in ihm erquickt / und alles Leid ersetzet.
19. Was wollt ihr nun mit eurem Leib, / ihr, die ihr ihm gewogen seid, / euch selbst nun ferner plagen? / Wems wohlgeht und sich glücklich freut, / den darf man nicht mehr klagen.
20. Wischt eure Tränen vom Gesicht / und lasst des lieben Trostes Licht / in eure Herzen brechen, / so wird, der alles Herzleid bricht, / euch Herz und Mut einsprechen.
21. Nehmt eure Zuflicht zu ihm zu, / und glaubt, dass er nichts anders tu / als nur, was uns kann nützen: / Wer das behält, wird in der Ruh / und Gott im Schoße sitzen.
22. Wer Gott vertraut, wird in der Tat / erfahren, dass des Höchsten Rat / ihn weislich werde führen / und hier und dort mit großer Gnad / und reichem Segen zieren.
Liebes Kind, wenn ich bei mir
2. Kein Smaragd mag je so schön / in dem feinen Golde stehn, / keine Rose mag im Lenzen / dir gleich, schöne Blume, glänzen.
3. Dein Gebärde, dein Gesicht / und der beiden Augen Licht / war in Tugend ganz verhüllet / und mit guter Zucht erfüllet.
4. Deine Liebe, deine Gunst / ging und hing nach lauter Kunst; / viel zu lernen, viel zu wissen, / war dein edler Geist geflissen.
5. Auch war hier ein guter Grund, / da das ganze Werk auf stund, / nämlich Gott und sein Wort hören / und die heilge Bibel ehren.
6. Wollte, wollte Gott, das nur / deines Lebens schwache Schnur / etwas noch hier auf der Erden / hätte müssen länger werden.
7. O wie manche große Freud, / o wie manch Ergötzlichkeit / würden wir von deinen Gaben / noch zuletzt genossen haben.
8. Nun, mich jammerts; aber du, / liebes Kind, schweigst still dazu, / wohnst in Gottes Stadt und Mauern, / kehrst dich nicht an unser Trauern.
9. Deines Wesens hoher Stand / ist auch nun also bewandt, / dass, wers gut will mit dir meinen, / dich nicht dürfe mehr beweinen.
10. Du bist ungleich besser dran, / als die Welt hier sinnen kann; / du hast mehr, als wir dir gönnen, / mehr auch, als wir wünschen können.
11. Es ist an dir ganz und gar, / was hier unvollkommen war; / was du hier hast angefangen, / hast du dort vollauf empfangen.
12. Deine Seel hat Gottes Reich, / und du bist den Engeln gleich: / Alle Himmel hörst du singen / und du gehst in vollen Springen.
13. Nun so lebe, wie du lebst! / Schweb in Freuden, wie du schwebst! / Balde, balde wird’s geschehen, / dass du uns, wir dich dort sehen.
Nun sei getrost und unbetrübt
2. Erschrecke nicht vor deinem End, / es ist nichts Böses drinnen; / dein lieber Herr streckt seine Händ / und fordert dich von hinnen / aus soviel tausend Angst und Qual, / die du in diesem Jammertal / bisher hast ausgestanden.
3. Zwar heißt’s ja Tod und Sterbensnot, / doch ist da gar kein Sterben; / denn Jesus ist des Todes Tod / und nimmt ihm das Verderben, / dass alle seine Stärk und Kraft / mir, wenn ich jetzt werd hingerafft, / nicht auf ein Härlein schade.
4. Des Todes Kraft steht in der Sünd / und schnöden Missetaten, / darin ich armes Adamskind / so oft und viel geraten; / nun ist die Sünd in Jesu Blut / ersäuft, erstickt, getilgt und tut / fort gar nichts mehr zur Sachen.
5. Die Sünd ist hin und ich bin rein; / trotz dem, der mir das nehme! / Hinfüro ist das Leben mein, / darf nicht, dass ich mich gräme / um einger Sünden Lohn und Sold; / wer ausgesöhnt, dem ist man hold / und tut ihm nichts zuwider.
6. Ei nun, so nehm ich Gottes Gnad / und alle seine Freude / mit mir auf meinen letzten Pfad / und weiß von keinem Leide. / Der wilde Feind muss nun ein Schaf, / sein Ungestüm ein süßer Schlaf / und sanfte Ruhe werden.
7. Du, Jesu, allerliebster Freund, / bist selbst mein Licht und Leben: / Du hältst mich fest, und kann kein Feind / dich, wo du stehest, heben. / In dir steh ich, und du in mir; / und wie wir stehn, so bleiben wir / hier und dort ungeschieden.
8. Mein Leib, der legt sich hin zur Ruh, / als der fast müde worden; / die Seele fährt dem Himmel zu / und mischt sich in den Orden / der ausgewählten Gottesschar / und hält das ewge Jubeljahr / mit allen heilgen Engeln.
9. Kommt dann der Tag, o höchster Fürst / der Kleinen und der Großen, / da du zum aller-letzten wirst / in die Posaune stoßen / so soll denn Seel und Leib zugleich / mit dir in deines Vaters Reich / zu deiner Freud eingehen.
10. Ist’s nun dein Will, so stell dich ein, / mich selig zu versetzen. / Ach, ewig bei und mit dir sein, / wie hoch muss das ergetzen! / Eröffne dich, du Todespfort, / auf dass an solchen schönen Ort / ich durch dich möge fahren!
Hörst du hier die Ewigkeit
2. Fürchte dich vor Gottes Grimm / und vermeide deine Tritte, / wende deines Lebens Schritte / von den bösen Wegen üm: / Sonsten wird, mit ewgem Nagen, / ewges Feur und Wurm dich plagen.
3. Werde fromm und lebe recht, / diene dem, der dich erschaffen, / mit des Lichts und Glaubens Waffen / als ein treuer kluger Knecht: / Also wird vorm ewgen Leide / dich befrein die ewge Freude.
Ich bin ein Gast auf Erden (Psalm 119)
2. Was ist mein ganzes Wesen / von meiner Jugend an / als Müh und Not gewesen? / Solang ich denken kann, / hab ich so manchen Morgen, / so manche liebe Nacht / mit Kummer und mit Sorgen / des Herzens zugebracht.
3. Mich hat auf meinen Wegen / manch harter Sturm erschreckt; / Blitz, Donner, Wind und Regen / hat mir manch Angst erweckt; Verfolgung, Hass und Neiden, / ob ich’s gleich nicht verschuld’t, / hab ich doch müssen leiden / und tragen mit Geduld.
4. So ging’s den lieben Alten*, an deren Fuß und Pfad / wir uns noch täglich halten, / wenn’s fehlt am guten Rat; / sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, / bis dass der Tod sie nieder / legt in des Grabes Schoß. *Glaubenszeugen
5. Wie manche schwere Bürde / trug Isaak, sein Sohn! Und Jakob, dessen Würde / stieg bis zum Himmelsthron, / wie musste der sich plagen, / in was für Weh und Schmerz, / in was für Furcht und Zagen / sank oft sein armes Herz!
6. Die frommen heilgen Seelen, / die gingen fort und fort / und änderten mit Quälen / den erstbewohnten Ort; / sie zogen hin und wieder, / ihr Kreuz war immer groß, / bis dass der Tod sie nieder / legt in des Grabes Schoß.
7. Ich habe mich ergeben / in gleiches Glück und Leid; / was will ich besser leben / als solche großen Leut? / Es muss ja durchgedrungen, / es muss gelitten sein; / wer nicht hat wohl gerungen, / geht nicht zur Freud hinein.
8. So will ich zwar nun treiben / mein Leben durch die Welt, / doch denk ich nicht zu bleiben / in diesem fremden Zelt. / ich wandre meine Straße, / die zu der Heimat führt, / da mich ohn alle Maße / mein Vater trösten wird.
9. Mein Heimat ist dort droben, / da aller Engel Schar / den großen Herrscher loben, / der alles ganz und gar / in seinen Händen träget / und für und für erhält, / auch alles hebt und leget, / wie es ihm wohlgefällt.
10. Zu dem steht mein Verlangen, / da wollt ich gerne hin; / die Welt bin ich durchgangen, / dass ich’s fast müde bin. / Je länger ich hier walle, / je wen’ger find ich Freud, / die meinem Geist gefalle; / das meist ist Herzeleid.
11. Die Herberg ist zu böse, / der Trübsal ist zu viel. / Ach komm, mein Gott, und löse / mein Herz, wenn dein Herz will; / komm, mach ein seligs Ende / an meiner Wanderschaft, / und was mich kränkt, das wende / durch deinen Arm und Kraft.
12. Wo ich bisher gesessen, / ist nicht mein rechtes Haus. / Wenn mein Ziel ausgemessen, / so tret ich dann hinaus; / und was ich hier gebrauchet, / das leg ich alles ab, / und wenn ich ausgehauchet, / so scharrt man mich ins Grab.
13. Du aber, meine Freude, / du meines Lebens Licht, / du ziehst mich, wenn ich scheide, / hin vor dein Angesicht / ins Haus der ewgen Wonne, / da ich stets freudenvoll / gleich wie die helle Sonne / mit andern leuchten soll.
14. Da will ich immer wohnen / - und nicht nur als ein Gast - / bei denen, die mit Kronen / du ausgeschmücket hast; / da will ich herrlich singen / von deinem großen Tun / und frei von schnöden Dingen / in meinem Erbteil ruhn.
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt
2. Des bin ich herzlich hoch erfreut / und habe gar kein Scheuen / vor dem, der alles Fleisch zerstreut / gleich wie der Wind die Spreuen. / Nimmt er gleich mich und mein Gebein / und scharrt uns in die Gruft hinein, / was kann er damit schaden!
3. Mein Heiland lebt! Ob ich nun werd / ins Todes Staub mich strecken, / so wird er mich doch aus der Erd / hernachmals auferwecken; / er wird mich reißen aus dem Grab / und aus dem Lager, da ich hab / ein kleines ausgeschlafen.
4. Da werd ich eben diese Haut / und eben diese Glieder, / die jeder jetzo an mir schaut, / auch was sich hin und wieder / von Adern und Gelenken findt / und meinen Leib zusammenbindt, / ganz richtig wieder haben.
5. Zwar alles, was der Mensche trägt, / das Fleisch und seine Knochen, / wird, wenn er sich hin sterben legt, / zermalmet und zerbrochen / von Maden, Motten und was mehr / gehöret zu der Würmer Heer; / doch soll’s nicht stets so bleiben.
6. Es soll doch alles wieder stehn / in seinem vorgen Wesen, / was niederlag, wird Gott erhöhn, / was umkam, wird genesen. / Was die Verfaulung hat verheert / und die Verwesung ausgezehrt, / wird alles wiederkommen.
7. Das hab ich je und je gegläubt / und fass ein fest Vertrauen, / ich werde den, der ewig bleibt, / in meinem Fleische schauen; / ja, in dem Fleische, das hier stirbt / und in dem Stank und Kot verdirbt, / da werd ich Gott inn sehen.
8. Ich selber werd in seinem Licht / ihn sehn und mich erquicken, / mein Auge wird sein Angesicht / mit großer Lust erblicken. / Ich werd ihn mir sehn, mir zur Freud, / und werd ihm dienen ohne Zeit, / ich selber, und kein Fremder.
9. Trotz sei nun allem, was mir will / mein Herze blöde machen! / Wär’s noch so mächtig groß und viel, / kann ich doch fröhlich lachen. / Man treibt und spanne noch so hoch / Sarg, Grab und Tod, so bleibet doch / Gott, mein Erlöser, leben.
Weint, und weint gleichwohl nicht so sehr
2. Hier sind wir auf der wilden See / im Sturm und tiefen Fluten, / da geht’s uns, dass vor Ach und Weh / das Herze möchte bluten. / Sobald der Mensch ins Leben tritt, / sobald kommt auch die Trübsal mit / und folgt ihm auf dem Fuße.
3. Da ist kein Kind so zart und klein, / es muss sein Leiden tragen; / ein jedes hat sein Angst und Pein, / kann’s oft nicht von sich sagen; / und wenn’s auch gleich noch etwas spricht, / so bleibt doch drum das Elend nicht / von seines Leiben Gliedern.
4. Kommt’s auf die Bein und wächst herzu, / lernt schwarz und weiß verstehen, / so merkts, was man auf Erden tu, / wie Menschenwerke gehen, / sieht lauter Böses, gar nichts Guts, / darüber wird’s betrübtes Muts / und fängt sich an zu grämen.
5. Hilft endlich Gott zur vollen Kraft / und reifen Mannesjahren, / tritts in den Stand, da man was schafft, / da kann’s denn recht erfahren, / wie alles so voll Mühe sei; / und hat doch selten mehr dabei / als wenig gute Stunden.
6. Das alles sieht der Vater an, / die Mutter nimmts zu Herzen, / und niemand ist, der helfen kann; da kommen denn die Schmerzen, / die häufen sich ohn Unterlass / und halten stets die Augen nass / bei Eltern und bei Kindern.
7. Drum lasst’s Gott machen, wie er will! / Er weiß die besten Weisen. / Wer balde kommt zu seinem Ziel, / der darf nicht ferne reisen; / und wer bei Zeit wird ausgespannt, / der darf des Jammers schweren Stand / nicht allzu lange ziehen.
8. Was unser Welt ist zugedacht, / darf euer Kind nicht schmecken; / es schläft und ruht, bis Gottes Macht / es wieder wird erwecken. / Und wann ihr kommt ins Himmels Saal, / so wird euch eurer Kinder Zahl / mit großer Lust empfangen.
9. So schlaf nun wohl, du herzes Kind, / doch tröste Gott die Deinen, / wann jetzt ihr Herz und Auge rinnt, / und kehr ihr bittres Weinen / zu seiner Zeit, die er bestellt, / auf Weis und Art, die ihm gefällt, / in Freud und süßes Singen.
