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5.Todestag Johannes Paul II

Seligsprechung Johannes Paul II Johannes Paul II. wird seliggesprochen Die Katholische Kirche hofft nach zahlreichen Missbrauchs...

Der Prozess der Seligsprechung Seligsprechung Seligsprechung oder Beatifikation (lat.: beatus "glücklich, selig", facere "mache...

Was sind Wunder? Als Wunder (griechisch thauma) gilt umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen man si...

Johannes Paul II.
26 reiche Jahre

1978
- 16. Oktober: Der Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyla, wird vom Konklave mit 111 Kardinälen im achten Wahlgang zum Papst gewählt. Er nimmt den Namen Johannes Paul II. an. Um 18.18 Uhr steigt weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle. Um 19.20 Uhr hält Papst Johannes Paul II. eine erste Ansprache.
- 22. Oktober: Johannes Paul II. übernimmt bei einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz sein Hirtenamt. Vom Fenster seines Arbeitszimmers aus spricht er anschließend Worte zum Angelus, wie er es seitdem fast jeden Sonntag tut.

1979
- 25. Januar bis 1. Februar: Johannes Paul II. unternimmt die erste Apostolische Reise nach Lateinamerika. In Puebla spricht er vor der dritten Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe.

1980
- 15. bis 19. November: Apostolische Reise nach Deutschland.

1981
- 16. bis 27. Februar: Pastoralvisite in Asien, u.a. in Hiroshima und Nagasaki.
- 13. Mai: Der Papst wird bei einem Anschlag schwer verletzt. Er wird über fünf Stunden lang operiert.

1982
- 13. Mai: Im Rahmen seines Pastoralbesuchs in Portugal dankt der Papst in Fatima der Muttergottes für seine Rettung nach dem Attentat. Er erneuert die Weihe der Menschheit an das Unbefleckte Herz Mariens.
- 10. Oktober: Der polnische Minoritenpater Maximilian Kolbe wird auf dem Petersplatz heilig gesprochen.
Papst Johannes Paul II

2001: In Kiew ein Treffen mit dem Oberrabbiner von Kiew.

1983
- 25. Januar: Promulgation des Codex Iuris Canonici, des neuen Kirchenrechts.
- 27. Dezember: Johannes Paul II. besucht den Attentäter Ali Agca im Gefängnis »Rebibbia«.

1984
- 6. Mai: Im Rahmen der Pastoralreise nach Ostasien spricht der Papst in Seoul 93 koreanische und zehn französische Märtyrer heilig.

1985
- 25. Mai: Beim Konsistorium werden 28 neue Kardinäle kreiert, unter ihnen die Deutschen Augustin Mayer, Alfons Stickler und Friedrich Wetter.

1986
- 18. Mai: Enzyklika »Dominum et vivificantem« über den Heiligen Geist im Leben der Kirche und der Welt.

1987
- 30. April bis 4. Mai: Zweiter Besuch in Deutschland.
- 1. bis 30. Oktober: Vollversammlung der Bischofssynode zum Thema »Auftrag und Sendung der Laien in Kirche und Welt – zwanzig Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil«.

1988
- 28. Juni: Kreierung von 24 Kardinälen, unter ihnen Erzbischof Hans Hermann Groër und Bischof Franz Hengsbach. Auch Professor Hans Urs von Balthasar sollte die Kardinalswürde erhalten, stirbt aber zwei Tage vor dem Konsistorium.

1989
- 13./14. November: Begegnung mit den Diözesanbischöfen der Bundesrepublik Deutschland.

1990
- 30. September bis 28 Oktober: Weltbischofssynode: »Die Priesterausbildung unter den derzeitigen Verhältnissen«.

1991
- 15. Januar: Telegramme an Saddam Hussein und George Bush vor dem Golfkrieg.
- 27. Oktober: Seligsprechung von Adolph Kolping.
Papst Johannes Paul II

Ein Treffen mit Mutter Teresa auf dem Petersplatz in Rom.

1992
- 25. März: Neuordnung der Kirche in Polen mit der Errichtung von 13 neuen Bistümern.
- 25. Juni: Katechismus der Katholischen Kirche approbiert.

1993
- 29. Mai: Der Papst ruft auf Sizilien die Mafia zur Umkehr auf.
- 6. August: Enzyklika »Veritatis splendor« über grundlegende Fragen der kirchlichen Moral.

1994
- 15. Juni: Der Heilige Stuhl und Israel nehmen volle diplomatische Beziehungen auf.
- 2. bis 29. Oktober: Bischofssynode zum Thema "Das gottgeweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt".

1995
- 25. Mai: Enzyklika »Ut unum sint« über den Einsatz für die Ökumene.
- 21. September: Brief an die deutschen Bischöfe zum Problem der Schwangerenbe­ratungsstellen.

1996
- 22. Februar: Apostolische Konstitution »Universi Dominici gregis« über die Vakanz des Apostolischen Stuhles und die Wahl des Papstes von Rom.
- 21. bis 23. Juni: Apostolische Reise nach Deutschland mit Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner am 23. Juni in Berlin.
- 1. November: Goldenes Priesterjubiläum.

1997
- 13. August: Instruktion zu Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester »in forma specifica« approbiert.
- 16. November bis 12. Dezember: Sonderversammlung der Bischofssynode für Amerika.
Papst Johannes Paul II

2000: Empfang für die britische Königin Elisabeth II..

1998
- 11. Januar: Brief an die deutschen Bischöfe, in dem der Papst eindringlich darum bittet, dass die staatlich für eine Abtreibung geforderte Beratungsbescheinigung in den kirchlichen Beratungsstellen nicht mehr ausgestellt wird.
- 14. September: Enzyklika »Fides et ratio« über das Verhältnis von Glaube und Vernunft.

1999
- 31. Oktober: Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der katholischen Kirche.
- 25. Dezember: Öffnung der Heiligen Pforte zum Großen Jubiläum des Jahres 2000.

2000
- 18. bis 25. Juni: Feier des Eucharistischen Weltkongresses.
- 8. Oktober: Heiligjahrfeier der Bischöfe mit 1500 Oberhirten; Weiheakt an die Gottesmutter.

2001
- 21. Februar: Die Erzbischöfe Johannes Joachim Degenhardt und Walter Kasper sowie Bischof Karl Lehmann und Prof. Leo Scheffczyk werden zu Kardinälen kreiert.

2002
- 25. bis 28. Juli: Teilnahme am Weltjugendtreffen in Toronto.
- 31. Oktober: Ehrenbürger von Rom.

2003
- 10. Februar: Kardinal Roger Etchegaray reist als Sondergesandter des Papstes in den Irak, um Staatschef Saddam Hussein ein Schreiben des Heiligen Vaters zu überbringen – eine von vielen Initiativen zur Verhinderung eines Krieges.
- 20. April: Auf dem XVIII. Weltjugendtag in Rom erhalten junge Menschen aus Deutschland das Weltjugendtagskreuz. Es wird bis zum XX. Weltjugendtag in Köln durch verschiedene Länder und durch die deutschen Diözesen getragen.

2004
- 24. März: Der Papst erhält den erstmals verliehenen außerordentlichen Aachener Karlspreis.
- 14./15. August: In Lourdes richtet der Papst während seiner Pilgerfahrt einen Friedensappell an die Welt.
Papst Johannes Paul II

2003: UNO-Generalsekretär Kofi Annan in Rom.

2005
- 1. Februar: Der Papst wird wegen eigener "akuten Atemwegsentzündung" in die römische Gemelli-Klinik eingeliefert.
- 10. Februar: Jubelnde Menschen säumen die Straßen Roms, als Johannes Paul II. aus der Klinik in den Vatikan zurückkehrt.
- 24. Februar: Wegen eines »Rückfalls einer Grippe-Erkrankung« wird der Papst erneut in die Gemelli-Klinik gebracht. Ärzte setzen ihm mittels eines Luftröhrenschnittes ein Röhrchen ein, das seine Atmung erleichtern soll.
- 13. März: Nach 17 Tagen verlässt Johannes Paul II. früher als erwartet die Klinik.
- 20. März: Mit dem Palmsonntag beginnen die Kar- und Osterliturgien, deren Leitung Papst Johannes Paul II. erstmals Kardinälen überträgt.
- 27. März: Am Ostersonntag gibt Johannes Paul II. den Segen "Urbi et Orbi", allerdings stumm, weil ihm die Stimme versagt.
- 30. März: Obwohl die übliche Generalaudienz am Mittwoch abgesagt wurde, zeigt sich der Papst überraschend am Fenster. Erneut misslingt sein sichtlich angestrengter Versuch zu sprechen. Es ist der letzte öffentliche Auftritt des Papstes.
- 1. April: Der Gesundheitszustand des Papstes verschlechtert sich nach einem Herz-Kreislauf-Kollaps in der Nacht dramatisch. Sein Sekretär, Erzbischof Dzwicz spendet ihm die Krankensalbung.
- 2. April: Johannes Paul II. stirbt um 21.37 Uhr, während Zehntausende auf dem Peters­platz für ihn beten.

Gedanken zu Johannes Paul II

Liebe Schwestern und Brüder,

Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen ( Mt.16,18) – 1978 erging an Karol Woityla der Ruf in das Amt als Nachfolger Petri.
Er wurde zum buchstäblichen Felsen für seine Kirche, eine Kirche, die er weit über 20 Jahre durch dick und dünn hindurchmanövriert hat.
Und immer erging sein Blick zu der verehrten Mutter Gottes, der er sein Leben, sein Pontifikat und seine ganze Seele gewidmet hat. Papst Johannes Paul II war ein starker Führer – trotz Krankheit und Attentat, trotz Ermüdung.Und dennoch fand er durch seinen Herrn immer wieder einen Weg durch das sprichwörtliche dunkle Tal. Doch immer wieder rief er zu uns – fürchtet euch nicht! Fürchtet keine weltliche Macht, fürchtet keine Menschen, keine Diktatoren, fürchtet euch nicht vor Gott und vor euch selbst! Denn Christus ist bei euch, der Messias, der nichts verlangt und doch dabei alles schenkt.

Unbeirrbar war sein Einsatz für unseren Gott, dessen Liebe und Gnade, dessen Gerechtigkeit er in diese Welt hineintrug – ein jedes Mal aufs neue. Johannes Paul II wurde Anwalt der Entrechteten, er gab denen Stimme, die als gesellschaftliche Randmenschen kein Gehör, keine Beachtung erfuhren. Kaum ein anderer Papst pilgerte so konsequent durch diese Welt, eine Welt, die seine Passion für Gottes Liebe oftmals nicht erkannte, eine Welt, die sich immer wieder von dem Starkmut dieses Papst in der eigenen Existenzberechtigung bedroht fühlte. Das Leben, das Pontifikat von Johannes Paul II war für ihn beschwerlich,verzehrend und schmerzhaft. Doch nichts konnte ihn von seiner Liebe zu Gott trennen. Er war der Papst, er war ein kranker Mann und dennoch blieb er bis zum Schluss Führer der Kirche Jesu Christi.
Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. In kaum einem anderen Pontifikat traf dieser Ausspruch mehr zu. Der kleine Lolek der zum großen Johannes Paul II wurde – er möge uns alle vom Haus des Vaters segnen, er möge uns helfen, führen,trösten.

II. Petrus der Felsen Christi

Auf diesen Felsen, sprach Christus deutend auf Petrus, soll die Kirche fundiert sein. Auf seinen Schultern soll die Kirche Christi Halt finden und Liebe schenken, eine Liebe, wie nur Gott sie zu geben im stande ist.
Ein Blick zurück auf diesen Petrus offenbart uns: er war kein Siegfried, er war kein heroischer Führer, kein makelloser Christ, sondern daselbst nur Mensch, manchmal stark doch öfter auch schwach, fehlerhaft und weit entfernt von Perfektion. Doch machte er ein Geheimnis daraus? Verbarg er sich selbst hinter einer Maske der scheinbaren Perfektion? Nein, noch vor seiner Berufung zum Menschenfischer beichtete er Christus, das er sich unwürdig fühlt, unwürdig von Jesus berufen zu werden, unwürdig, Beachtung durch Christus erfahren zu können.
Doch Christus sah in ihm genau den Menschen, genau den Felsen, den eine Kirche immer braucht, einen Felsen der Standhaftigkeit, einen Felsen, der sich immer wieder dem Rückbezug zu Gott anvertraut. Ja Petrus, Dich sucht der Herr, einen Mann der Demut, einen Mann der auch nicht scheinbar perfekt wirken will, einen Mann, der erkannte, Gottes Hilfe wann und wo auch immer er sich befand zu bedürfen.
Sein Glaube, so berichtet uns das Evangelium, zerfiel des öfteren. Mir kommt hier das Gleichnis des sinkenden Petrus auf dem See Genezareth in den Sinn.
Jesus geht auf dem Wasser, nährt sich seinen Jüngern, gibt sich aber nicht sofort zu erkennen. Eine sicherlich unheimliche Begegnung kam da auf die Jünger Christi zu. Und dann: Christus spricht Petrus an, zu ihm auf das Wasser heraus zu kommen. Ja auf Wasser soll auch er gehen, auf dem Wasser Christus entgegenkommen – doch letztlich scheitert er. Erschrocken von der Größe des gerade Passierten, ungläubig gegenüber sich selbst und Jesus sinkt er in das Wasser der Gotteszweifel. Ich bin es doch, Petrus, kein Prophet oder Wunderwirker, nein, nur ein kleiner, unbedeutender Fischer. Was nur passiert hier gerade?
Doch nicht nur einem verwunderten Petrus begegnen wir in der Bibel, nein, auch dem Menschen, der Angst empfindet, einem Menschen, der nicht immun ist gegen Zweifel an Christus, einem Christus, der gleich einem Schwerverbrecher verhaftet wird.
Was erwächst daraus? Petrus verleugnet seinen Herrn, für den er doch immer auch sein Leben geben wollte. Doch woher dieser Sinneswandel? Ein Wandel, zwischen dem Glauben an Gott und dem Zweifel am Gefangenen namens Jesus. Und wie von selbst führt dieser Konflikt zur Verleugnung, zu Mitverwerfung Christi.
Eignet sich ein solcher Mensch wirklich für den Aufbau von Kirche, Gemeinde und Mission? Eignet sich ein Mann als Fels Gottes, der seinen Herrn aus Angst vor Konsequenzen die Treue bricht? Ja, lieber Gott, ist das der Fels den du gesucht hast?

Doch fragen wir einmal weiter – was braucht es denn, um als Fels in der Brandung Gottes Kirche zu führen, was braucht es, alle menschlichen Emotionen wie Angst,Verwirrung und Zweifel hinter sich lassen zu können?
Wir blickten bereits auf den zweifelnden, auf den ängstlichen Petrus, der ganz menschlich Schwächen zeigte, um die er wusste und nicht verbarg. Er, mit all seinen Vorzügen und Widrigkeiten ist Petrus, ist Berufener, ist Jünger und Apostel Christi – trotz alledem.
Dieses Bild von Petrus, dieser Entwurf seines Charakters kommt doch unseren Unzulänglichkeiten recht nahe, oder was meinen Sie?
Ich kenne dieses Bild von Petrus gerade durch mich selbst recht gut. Auch ich, auch andere Menschen handeln aus Furcht vor ewtas. Sei es nur das Ungewohnte oder aber konkrete Vorstellungen, die uns bedrücken – niemand handelt immer ethisch, immer korrekt, immer glaubend. Wir Menschen sind von uns aus keine Helden, keine Vorbilder. Nur Gott schenkt einem die Furchtlosigkeit oder die Lebensfrömmigkeit, die wir doch oftmals missen lassen.

Petrus, auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen – das bedeutet auch: liebe kinder Gottes, gebt eure Schultern, werdet Tragende, werdet Säulen für die Kirche, die Gemeinde Gottes. Ein jeder ist angesprochen, angesprochen zum Aufbruch hin zur bedingungslosen Liebe zu Christus, eine Liebe, die niemals vollkommen sein wird. Denn Liebe heiß oftmals auch zweifeln, heißt oftmals auch die Unfähigkeit, diese Liebe ausdrücken zu können. Ja ich kann diesen Petrus nur all zu gut verstehen, was meinen Sie?

Auch Johannes Paul II blieb während seines Lebens immer vor allem eines: Mensch. Ein Mensch mit Emotionen, ein Mensch, der auch Verzweiflung und Schmerzen kennt, ein Mensch, der nicht die Höhe seines Amtes mit der Exponierung seiner eigenen Person verwechselte.
Johannes Paul II blieb auch in den schweren Stunden demütig, kein Erfolg seines Pontifikats stellte er als seinen Erfolg dar. Er ist Diener und Werkzeug des Herrn, ein Werkzeug, das sein Leben dazu hingibt, seinem Herrn zu diensten sein zu können, allein zu seiner Ehre all sein handeln hinzuschenken.
Johannes Paul II war, ist und bleibt in unseren Herzen ein Fels in der Brandung und das überkonfessionell. Ja, die katholische Kirche war seine Kirche, war sein „Jerusalem“, das mit allen seinen Mitteln verteidigt wurde, doch eines fällt dabei ins Auge: sein Charisma, seine Gläubigkeit wirft ihr Licht auf alle Konfessionen, die an den einen, lebendigen Gott glauben. Denn eines war sein Pontifikat: ein steter Aufruf zum Glauben, zum Frieden und zur Menschlichkeit.





II. Das Symbol des Felsens

In den Wechselstürmen des Lebens wünsche ich mir auch oftmals einen Felsen für die eigene Seele. Gerade in starker Brandung, wenn Wellen der Anfechtung sich an unserem Gemüt brechen, wenn wir uns verletzlich fühlen, wenn wir vom Leben in Konflikte und Nöte geworfen werden – da wünscht man sich gerade einen solchen Felsen der Sicherheit und des Vertrauens.
Der Glaube an den lebendigen Gott ist ein solcher Felsen, ein Anker in stürmischer See, der uns immer und immer und immer wieder diese gesuchte Sicherheit verleiht. Dennoch bedeutet dies nicht, Glauben wäre eine Garantieurkunde zur Sorglosigkeit, oder aber der Glauben verklärt unser reales, oftmals schweres Leben hin zur Sinnestäuschung. Ein Glaube, so wie ihn uns Johannes Paul der II in all den Jahren vorlebte war vor allem eines: glaubwürdig, biblisch und lebendig.

Sein Glaube trug, auch wenn er nichts mehr zu tragen im stande war. Sein Glaube an Gott war unverbrüchlich verwoben mit seiner Seele, verwoben mit seinem ganzen Denken und tun. Einen Tag ohne Gott, ohne Beistand und ohne das Verspüren der Liebe Gottes gab es für Johannes Paul II nicht mehr. Johannes Paul II, der im Haus des Vaters uns alle segnet,grüßet und leitet – sein Wort, seine Taten und all sein Streben schenkten uns so viele Jahre Stärke und Sicherheit, Trost und Erbauung. Denn eines war Johannes Paul II ganz sicher – ein Fels in der Brandung, ein Fels mit Charme.

III. Der Fels mit Charme

Korintherbrief 13,13: Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei: aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
Glaube, Liebe, Hoffnung – diese Trias war auch für Johannes Paul II lebensbestimmend, lebensbestimmend gegenüber sich selbst und den Idealen, für die er eintrat. Sein Glaube war unerschütterlich, unerschütterlich gegenüber all denen, denen weltliche Macht gegeben ward, die dennoch aber kläglich an der Vorsehung und der Stärke Christi scheitern mussten.
Am plakativsten? Sein Kampf gegen den Kommunismus, einem System, das den Menschen hinein in eine Volksmasse zergliederte, einem System, für das Gott nicht Realität war, sondern vertröstende Fiktion. „Opium fürs Volk“, so benannte Marx den christlichen Glauben und gleichermaßen benannte Johannes Paul II jedweden Atheismus, der sich an ein Gedankengebilde verwebt, das aber der festen,lebendigen Grundlage entbehrt und gerade so Verblendung derer war, die sich selbst als Nabel der Welt ansahen. Scheitern musste ein System, das inhuman wurde. Scheitern musste ein System, das den Glauben an den lebendigen Gott als Feindbild erkoren hat, erkoren hat als Verblendung, derer man sich entledigen musste.
Der Beispiele sind viele, welchen Verfolgungen sich Christen ausgesetzt sahen, welchen Verfolgungen ihr Leben und ihr Glaube ausgesetzt wurde. Schikanen, Verbot der Errichtung von Kirchen, bis hin zum strafbewährten Verbot jedweden Ausdrucks eigener Religiosität.
Johannes Paul der II formulierte dies folgendermaßen:

Im 20. Jahrhundert haben totalitäre Regime ganze Generationen ausradiert, weil sie die drei Pfeiler der menschlichen Zivilisation zerstörten, die Anerkennung der göttlichen Autorität, den Respekt vor der Würde des Menschen, die Pflicht, die Macht im Dienst jedes einzelnen Mitglieds der Gesellschaft auszuüben. Dass die Kommunisten Gott verleugneten, hat die Menschen nicht befreit, sondern in die Sklaverei geführt. Die politische Macht wurde auf ein Niveau von brutaler Gewalt und Unterdrückung geführt."

Respekt,Intoleranz gegenüber anders Denkender und oftmals brutale Gleichgültigkeit Gott gegenüber– das waren die Parameter des Kommunismus geworden.
Ja, der Glaube von Johannes Paul II war unzerbrüchlich und unzerbrüchlich war auch seine Liebe zu den Menschen, ob arm oder reich, ob machtvoll oder am Rande der Gesellschaft. Sein Bestreben versuchte immer, die Liebe Gottes hinein in diese Welt zu tragen, hinein in eine Welt, die diese Liebe so bitterlich benötigt.
Schon früh als Kind verlor Karol Woityla seine leibliche Mutter. Doch gerade durch den Glauben seines Vaters und der Hilfe Gottes lernte er seine neue Mutter kennen – die Mutter Gottes. Ihr galt seine ungeteilte Liebe, Ihr zu ehren und oftmals allein aus der Kraft dieser Liebe vollendete er ein Pontifikat, das gerade in den letzten Jahren unvorstellbare Belastungen ihm zur Bewältigung aufgab.
Seine Liebe zu Gott wurde getragen von einem starken Fundament, einem Fundament, das sogar ihn durch die Leiden an den Folgen eines Attentats auf ihn hindurchtrug
Sonderbar, medizinisch nicht erklärbar – dies waren die Attribute, die die Ärzte der vatikanischen Gemelli Klinik für den Verlauf der Waffenkugel im Körper Woitylas fanden. Wie durch ein Wunder wurde sein Leben verschont.Wie durch ein Wunder setzte Johannes Paul II sein Pontifikat fort, denn er erkannte: Gott und seine geliebte Maria hatten Pläne mit ihm.
Karol Woityla war kein Mann uneingeschränkter Beliebtheit. Doch darf man das überhaupt sein? Beliebtheit ist auch immer verbunden mit einer Mehrheitsfähigkeit, einer Mehrheitsfähigkeit, die mehr schaden als nutzen kann.
Das erkannten auch viele Jugendliche, die trotz Verbot von Pille und Kondom, trotz Mahnungen zu einem gottgefälligen Leben IHN einfach liebten. Die von Johannes Paul II ins Leben gerufene Weltjugendtage fanden einen unglaublichen Widerhall, einen Widerhall, den man in der Neuzeit kaum erwarten konnte. Doch die Jugend dieser Welt liebte IHN einfach. Trotz seiner Strenge, mit der er Abfall von Gott, Verlust von Moral und Ethik in dieser Welt anprangerte – sie alle liebten IHN einfach.
Viele Menschen haben sich gefragt, woher dieser Papst die persönliche Strahlkraft hernahm. Die Antwort: er lebte einfach aus und von dem Licht des Glaubens, das auch immer ein Licht der Liebe ist. In ihm wurde deutlich das Strenge und das Eintreten für etwas, das größer ist als man selsbt, sich nicht ausschließen.

Johannes Paul der II war in seinem Herzen kein Politiker, kein Mann, der mit geschliffenen Formulierungen jedwede Verbindlichkeit vermeiden möchte.Nein, er war Vater und Brückenbauer des Friedens, der Freundschaft und der Solidarität. Seine Liebe zu den Menschen war ehrlich, so ehrlich wie seine Liebe zu Gott.

Ut unum sint – auf das wir alle eins seien

Worauf hoffte ein Mann wie Johannes Paul II? Woraus schöpfte er die Kraft, immer weiter im Dienste der Ökumene, immer weiter im Dienst an den Menschen voranzuschreiten – unbeirrbar, unbestechlich, unverblendbar.

Wer erinnert sich nicht an das Weltgebetstreffen in Assisi am 06.09.2006. Ein Treffen der Vertreter aller Weltreligionen auf dem Boden eines gemeinsamen Fundamentes: dem Gebet an den einen Gott, an den einen Gott, der oftmals anders gesehen, anders empfunden und auch anders geehrt wird. Denn Ökumene heißt vor allem: Respekt vor dem anderen, Toleranz gegenüber dem anderen und Besinnung auf die Gemeinsamkeiten im Glauben, nicht an die trennenden Unterschiede. Das war Karol Woitylas Mission.

Doch worauf hoffte er im Blick auf diese Welt? Welche Vision hatte er für seine kirche, für unsere Gesellschaft, ja vielmehr für die Menschen dieser Welt?

Machen wir uns nichts vor – diese Welt wird niemals perfekt oder paradiesähnlich sein und werden, dennoch: diese Welt kann mit uns allen schöner werden, diese Welt kann lebensfreundlicher werden, ja diese Welt ist nicht verloren, denn ihr Schicksal liegt allein in Gottes Hand.
Aufbrechen, hinschauen, das Handeln nicht nah den Wahrscheinlichkeiten des Erfolgs ausrichten – denn gerade in dieser Welt verhungern Kinder und die Industrienationen vernichten im Blick auf Preisstabilität so dringend benötigte Lebensmittel, gerade in dieser Welt werden Menschen ausgegrenzt, ihrer Würde beraubt und anderswo wird gottgegebene Macht schamlos zum eigenen Vorteil missbraucht. Dies erkannte Karol Woityla und gerade hier machte er sich auf, Anwalt derer zu werden, die nach den Maßgrößen dieser Welt kaum Beachtung, kaum Wert zugesprochen bekamen. Doch eines wusste Johannes Paul II ganz klar: Missstände in dieser Welt können nicht ohne das Fundament des Glaubens verändert, behoben werden.
Er benannte, was die einen als hinterweltliche Thesen ansahen und die anderen sahen die Anforderungen des Evangeliums an das Leben jedes einzelnen sogar als inhuman an. Pille, Kondom und Abtreibung – das wurde und wird so oft als einzige Inhalte der Kirche angesehen, so als ob Kirche Synonym für untersagene Verbote wäre, ohne Potential und Wirkkraft für einen jeden einzelnen.

Im Rückblick auf das eben Gesagte fragen wir uns doch, wie es wohl mit unserer Welt, mit unserer Gesellschaft und den Menschen weitergehen soll?
Was haben wir bisher erreicht?
Nun, Gott scheint in der momentanen Gegenwart nur noch als Hypothese zu existieren. Besinnung auf den eigenen Egoismus, Abwägungen von Geld und Macht – das scheinen die Früchte unserer momentanen Lebensprinzipien zu sein.
Sind wir glücklicher geworden? Haben wir, trotz hohem Lebensstandart, trotz Wohlstand, Sinn für unser Leben gefunden?

Ein solch authentischer Mann wie Johannes Paul II zeigt uns allein durch sein Leben hindurch, wie wichtig Glaubwürdigkeit ist, wie wichtig es ist, allein der Mensch werden zu wollen, zu dem Gott ihn erschaffen hat.
Doch was machen wir heute? Wir leben in einer Gesellschaft der Maskierung. Der Chef darf nichts von privaten Problemen wissen, niemand darf erfahren, das man vielleicht eben nicht reich und mächtig ist, die Öffentlichkeit darf nicht erfahren, wie krank die eigene Seele schon geworden ist.
Mein Blick geht auf Robert Enke, einem Mann, der zugunsten der öffentlichen Meinung Hilfe ablehnen musste, die ihm wahrscheinlich das Leben hätte retten können. Wie verzweifelt ist ein Mann, der seine Familie zurücklässt in dem er sich selbst das Leben nimmt? Wie verzweifelt sind neben Robert Enke die Unzähligen, denen es ähnlich ergeht.
Reißt eure Masken herunter! Jeder Mensch, so wie er ist, ist wertvoll, ein jedes Leben ist Geschenk und somit unendlich kostbar. Reißen wir unsere Masken herunter, lernen wir wieder, zu sich zu finden, ob wer auch immer auch etwas dagegen haben könnte. Wir brauchen Gott und nicht die Spielregeln dieser Welt. Wir brauchen Gott, der Halt für uns ist, wenn das Leben auch gerade den Fluß hinab treibt. Wir alle brauchen Gott, damit das Wort Liebe auch Verwirklichung in unserem Leben bewirkt, damit wir erkennen, das die Liebe Gottes zu einem jeden einzelnen die einzig, unverbrüchliche, wahre Liebe ist. Dafür stand Johannes Paul II während seines bemerkenswerten Pontifikats.

Viel haben wir nunmehr gehört von dem bemerkenswerten Mann Karol Woitylas. Ein jeder von uns, der jetzt gerade den Blick auf das eigene Leben wirft, erkennt, wie weit wir oftmals von einem solchen apologetischen Leben entfernt sind. Und doch wissen wir: jedes Leben ist ein Unikat und dementsprechend nicht untereinander kommensurabel. Jedes Leben beinhaltet Berufungen – sei es die Berufung zum Bauarbeiter oder die zum Vorstandschef.

Unsere Welt muss wieder lebenswert werden, unsere Welt muss erkennen, das JEDES Leben zählt, auch das von kranken, behinderten oder alten Menschen. Wenn wir das doch nur erkennen würden.
Denn was erleben wir heute? Alte Menschen werden oftmals gequält, gequält, weil eben so wenig Personal oder andere Banalitäten nichts anderes zulassen, Kinder werden missbraucht, Kranke werden oftmals nur noch als Belastung angesehen.
Wir alle müssen umkehren, wir alle müssen wieder unsere Würde und die Würde eines jeden Menschen neu entdecken.
Wie sähe wohl eine Welt im Einklang mit dem Evangelium aus?
Natürlich, wir wissen das nicht und werden, so befürchte ich, das niemals erfahren. Doch die Erde ist kein Paradies, die Diesseitigkeit ist nicht das Jenseitige, das Leben auf Erden ist kein ewiges Leben.
Doch würden wir uns dann gegenseitig nicht anders sehen? Würden wir nicht alle begreifen, wie unnötig Egoismus und Feindseligkeit ist, würden wir nicht alle mehr Frieden, mehr Menschlichkeit in unserer Welt vorfinden?
Eine wunderbare Vision. Und doch: hören wir niemals auf, gerade dafür zu kämpfen. Johannes Paul II tat dies sein ganzes Leben, ein Leben, das er Gott opferte, es ihm zu Füßen legte.
Kämpfen wir wie er den guten Kampf des Glaubens!

Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit

AMEN

Trauer um den Jahrhundertpapst