Historische Beweise für die Existenz Jesu
Die historische Existenz Jesu
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Eine erste Frage im Zuge der kritischen Auseinandersetzung mit dem Christentum könnte lauten: „Hat Jesus Christus existiert?“, „Ist er nicht nur eine sagenumwobene, ausgedachte Gestalt?“ Dabei ist die Kritik an der historischen Existenz Jesu heute absolut nicht mehr tragbar und wird auch von keinem ernstzunehmenden Wissenschaftler angezweifelt werden. Die Existenz Jesu gehört zu den bestdokumentiertesten historischen Ereignissen der Menschheit, nicht zuletzt durch die fortwährende Überlieferung durch die katholische Kirche. Im Neuen Testament finden sich über 50 verschiedene Bezeichnungen für den Gottessohn. Am häufigsten kommt darunter der „Christus“-Titel mit mehr als 500 Stellen vor; dicht gefolgt von der Ehrenbezeichnung „Kyrios“ (griech. „Herr“) mit 350 Stellen. Die Evangelien, die Apostelgeschichte, die Paulusbriefe sowie (im Kontext betrachtet) diverseste Prophetien im Alten Testament sind biblisch-historische Zeugnisse der Existenz Jesu. Am interessantesten sind jedoch die außerbiblischen sowie außerchristlichen Quellen, welche unabhängig und objektiv von der Person Jesus Christus berichten. Hierbei sind antik-römische Quellen auf der einen und antik-jüdische Quellen auf der anderen Seite zu nennen.
Die römisch-antiken Quellen
Ca. 70-125 n. Christus berichtet der römische Schriftsteller Sueton von jenem Edikt gegen die Juden, von dem auch in der Apostelgeschichte 18,2 berichtet wird. In dieser Stelle trifft Paulus auf einen Juden namens Aquila. Aquila hatte Italien verlassen müssen, da Claudius angeordnet hatte, dass alle Juden Rom verlassen müssen. Sueton selbst schreibt dazu: „Claudius verjagte die Juden aus Rom, die auf Anstiften des Chrestos nicht aufhörten, Unruhen zu stiften“ (Vita Claudii, Leben des Claudius 25).
"[...]über die Christen, Menschen, die sich einem neuen und gefährlichen Aberglauben ergeben hatten, wurde die Todesstrafe verhängt." [Nero, Par 16] Suetonius/326.
Reichhaltigere Informationen dazu gibt uns der römische Schriftsteller Plinius der Jüngere. In einem Brief wendete er sich an Kaiser Trajan und erfragt von diesem, wie in seinem Amtsgebiet mit den Christen umgegangen werden soll. Der Brief 96 der antiken Plinius-Schriftensammlung ist zweifellos echt. Er berichtet dem Kaiser davon, wie die Christen sich weigerten den Göttern zu opfern, wie sie sich zu bestimmen Tagen versammeln und auf Christus Loblieder anstimmen, so als ob sie ihn als Gott verehren würden („Christo tamquam deo carmen dicere“), sie hielten feierliche Mahle und hätten sich ganz dem streng sittlichen Leben verschrieben. Viele Menschen hätten die Christen verflucht, als sie dies mitbekamen und anonyme Anzeigen erstattet. Weiterhin schreibt er, dass die Christen diese Praxis selbst unter Folter nicht einstellten. Er gibt zu, dass all dies zwar harmlos, aber in seinen Augen doch ein großer Aberglaube sei. Plinius gibt hier ungewollt eines der ersten Zeugnisse über die frühchristliche Praxis des eucharistischen Gedächtnisses, auch wenn diese ungenau beschrieben wird. Kaiser Trajan antwortet in seinem Rückschreiben (Brief 97), dass gegenüber diesen Christen Zurückhaltung geübt werden solle. Anonym Angezeigte seien nicht einzuschränken, lediglich Überführte sollten bestraft werden. Wer ganz Hartnäckig dieser Lehre anhängt, solle mit dem Tod bestraft werden.
Der bekannte römische Senator und Historiker Tacitus (55-120 n. Chr.) beschreibt die Christenverfolgung unter dem brutalen Herrscher Kaiser Nero in Rom und geht auf die Herkunft des Namen der Christen ein. Er erklärt:
"Dieser Name stammt von Christus, den der Prokurator Pontius Pilatus unter der Herrschaft des Tiberius zum Tod verurteilt hatte. Dieser abscheuliche Aberglaube, der eine Weile verdrängt worden war, verbreitete sich von neuem nicht nur in Judäa, wo das Übel begonnen hatte, sondern auch in Rom, wo alles, was es auf der Welt Schreckliches und Schändliches gibt, zusammenströmt und zahlreiche Anhänger findet." (Annales 15,4).
Er berichtet ebenfalls von den Todesarten, welche die Märtyrer der Urchristenheit erdulden mussten. Sie erlitten den Kreuzestod oder wurden, in Tierhäute eingewickelt, als Fackeln für den kaiserlichen Garten verbrannt. Als Grund für dieses grausame Vorgehen nennt er nicht etwa das allgemeine Interesse der römischen Lebensüberzeugung, sondern schlicht und ergreifend die bestialische Brutalität Neros.
Der römische Satiriker Lucian bezeichnet Jesus Christus im Band 2/9 seiner Schriften "Lucian" als "den in Palästina gekreuzigten Menschen", der "diese neuen Mysterien in die Welt einführte", und schreibt weiterhin: "Ferner beredete er sie ihr erster Gesetzgeber, dass sie alle untereinander Brüder wären, wenn sie einmal die hellenischen Götter abgeschworen hätten, jenen ihren gekreuzigten Sophisten anbeteten und nach seinen Gesetzen lebten [...]"
Die jüdisch-antiken Quellen
Der Talmud, die mündlich überlieferte jüdische Gesetzesschrift aus dem Jahr 70 n. Chr., berichtet polemisch über den vom Juden Josephus Flavius bezeichneten Messias: „Jesus von Nazareth trieb Zauberei, er verführte Israel, spottete über die Worte der Weisen, hat 5 Jünger, wurde am Vorabend des Pascha gehenkt, war uneheliches Kind von dem römischen Soldaten Panthera.“
"Am Vorabend des Pesachfestes haben sie Jesus gehängt. Der Herold aber ging vierzig Tage vor ihm her: Dieser geht hinaus, um gesteinigt zu werden, weil er Zauberei getrieben und Israel verlockt und abgesprengt hat. Jeder, der etwas zu seinen Gunsten weiß, komme und plädiere für ihn. Aber sie fanden nichts zu seinen Gunsten und hängten ihn am Vorabend des Pesahfestes." (Babylonischer Talmud, Sanhedrin 43). (Der Talmud spricht hier von "Hängen" und nicht "Kreuzigen", da den Juden diese Strafe nur aus dem Rechtssystem der Römer bekannt war).
Joseph Klausner, ein jüdischer Literaturwissenschaftler, zitiert in seinem Buch "Jesus von Nazareth. Seine Zeit, sein Leben und seine Lehre.":
"Akiba, du hast mich erinnert. Einmal ging ich durch den oberen Markt (in der Tosefta: Straße) von Sepphoris und traf da einen Mann [von den Jüngern des Jesus des Nazareners], und Jakob aus dem Dorfe Sechania (in der Tosefta: Sichnin) war sein Name. Der sprach zu mir: In eurer Thora ist geschrieben: Bringe nicht Dirnenlohn...in deines Gottes Haus. Was soll damit geschehen - soll man daraus eine Latrine fuer den Hohenpriester machen ? Ich aber sagte nichts. Da sprach er zu mir: So lehrte mich Jesus der Nazarener (in der Tosefta: »Jesus ben Panteri«): Aus Dirnenlohn ward es aufgehäuft und zu Dirnenlohn soll es wieder werden. Vom Ort des Schmutzes sind sie gekommen und zum Ort des Schmutzes sollen sie zurückkehren." - Dies hat mir gefallen, und deshalb ward ich wegen Ketzerei ergriffen. Übertreten habe ich, was in der Thora geschrieben ist: »Dein Weg führe fern von ihr« - gemeint ist: die Ketzerei; » und nähere dich nicht der Tür ihres Hauses « - gemeint ist: die Obrigkeit."
Josephus Flavius berichtet an zwei Stellen von Jesus Christus. Im sogenannten „Testimonium Flavianum“ schreibt er von einem Mann, der in der Zeit des Aufstandes gegen Pilatus wirkte. Interessanterweise gibt dieser jüdische Geschichtsschreiber mehrere Begründungen für die Übermenschlichkeit dieser Person Jesu und legt ein ergreifendes, historisch nahes Zeugnis über dessen Wesen und Leben ab:
„Während dieser Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller jener Menschen, die mit Freuden bereit sind, die Wahrheit zum empfangen. So zog er viele Juden und auch viele Griechen an sich. Er war der Messias. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch die jenigen, die ihn von Anfang an geliebt hatten, ihm nicht untreu, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorher verkündet hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht der Stamm der Christen, wie sie sich nach ihm nannten, fort.“ (Jüdische Altertümer [Antiquitates] 18,3,3)
In einer zweiten Stelle berichtet er von der Hinrichtung des Jakobus, welche sich ca. 62 n. Chr. zugetragen hat. Dort bezeichnet er diesen als den „Bruder Jesu, des sogenannten Christus“. (20,9,1)
Manche Wissenschaftler unterstellen der ersten Josephus-Quelle eine nachträgliche Verbesserung. In einem arabischen Manuskript über Tacitus' Briefe findet man den etwas anderen Wortlaut:
"Zu dieser Zeit gab es einen weisen Menschen namens Jesus. Und sein Wandel war gut, und [er] war als tugendhaft bekannt. Und viele Leute aus den Juden und aus den anderen Völkern wurden seine Jünger. Pilatus verurteilte ihn zur Kreuzigung und zum Tode. Und alle, die seine Jünger geworden waren, blieben in der Jüngerschaft. Sie berichteten, daß er ihnen drei Tage nach der Kreuzigung erschienen sei und daß er lebendig sei; demnach war er vielleicht der Messias, über den die Propheten Wunder erzählt haben."
