Die Versuchungen Christi
Die Unbesiegbarkeit des Wortes Gottes
Jesu Versuchung
1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.
2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.
10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.
Der Friede unseres Herrn sei alle Zeit mit euch!
Liebe Schwestern und Brüder,
„Und der Geist führte ihn in die Wüste, damit er vom Teufel versucht werde!“. So sagt es das Matthäusevangelium.
Jesus, als der leibhaftige Sohn Gottes, wurde vom Teufel versucht? Unweigerlich frage ich mich: was soll das nur bedeuten? Will Gott der Vater seinen Sohn testen, will er ihn stärken für alles Kommende, oder aber zweifelt der Vater am Sohn?
Dennoch: das Erdenleben Jesu stand nie auf einem Podest über dem Leben seiner Jünger. Er wurde getauft obgleich er der Sohn Gottes war, er wurde versucht vom Satan in der Wüste obgleich Gott allenthalben schon Sieger über Tod und Teufel war.
Während ich diese Zeilen lese, kommt mir das letzte Abendmahl Christi in den Sinn. Versammelt mit Menschen, die Christus am nahesten sein müssten und dennoch zu Flucht und Verrat im Moment der beginnenden Passion Christi fähig waren. Sie alle flüchteten, als Christus verhaftet wurde, sie verleugneten den Sohn Gottes, dessen Leben er mit ihnen geteilt hat.
Jesus wusste um die Schwächen seiner Herde. Und dennoch: nach dem Essen machte sich Jesus auf, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Der Rabbi, der Meister unterwirft sich im Dienst an seinen Jüngern tief unter seine Demut. Er machte dies nicht um zu beeindrucken, sondern um seinen geliebten Freuden ein Beispiel zu geben. Denn der Dienende ist groß, nicht der Bediente. Der Niedrige steht in der Gunst des Herrn, nicht die Mächtigen und Reichen dieser Welt.
Denn im Christi Leben war seine tiefste Dimension immer der Dienst, ein Dienst, der in tiefster Demut immer das Wohl des Gegenübers zum Zweck hatte.
Er brauchte keine Anerkennung, keine Bezahlung oder Exponierung innerhalb seiner Lebensumwelt. Christus lebte für die anderen, für alle Menschen, die so sehr der Liebe und Gegenwart des Herrn dürsteten.
Der Größte unter euch ist der, der den anderen dient. Wie weit sind wir heute von dieser Vorstellung entfernt, entrückt. Der Egoismus ist der erbärmliche Sieger über uns geworden. Gleichermaßen erkennen wir: der Mensch hat aufgehört, Christus zu folgen, ihm unser Leben anzuvertrauen, denn allein er kann dieses Leben nutzen und gleichermaßen so den Seelenpanzer von uns entfernen, einen Panzer, der unsere Seele verkapselt in der ständigen Sorge um unser Selbst
„Unterm Strich zähl ich“ – dieser Werbeslogan drückt leider das Lebensgefühl von heute aus. Das Ich wird groß geschrieben, nicht das Wir.
Altruismus wird belächelt in einer Zeit, in der der Mensch sich selbst genügt. Wer braucht schon Gott? Wenige würden an dieser Stelle die Hände heben. Ein Klischee? Ein Vorurteil? Nun, das muss letztlich ein jeder für sich herausfinden.
Im Matthäusevangelium erkennen wir: Gott, Christus Jesus lebt ein ganz anderes Leben. Er will nahe bei seinen Kindern sein, er will leben wie der neue Adam, der frei vom Abfall Gottes wieder den Weg zu Gott hin finden will und kann.
Vor diesem Hintergrund verstehen wir die Versuchung Jesu – er will uns ein Beispiel sein. Er will das wir erkennen, welches Geschenk uns Gott in Christus und seinem Wort gemacht hat.
Gottes Wort als Waffe?
In der Versuchung des Teufels sage ich: absolut! Denn schon die Schrift erzählt uns: das Wort des Herrn ist wie ein zweischneidiges Schwert, ein Schwert gegen das Böse und das Ungerechte, ein Schwert gegen Verzweiflung und Anfeindung. Keine andere Waffe kann sich mit diesem Wort Gottes messen, vergleichen. Keine Waffe hat die Kraft dazu.
Christus schenkt uns heute im Evangelium etwas besonders Wertvolles: er weist uns den Weg auch und gerade heute gegen die Anfeindungen des Bösen. Er zeigt uns: besinne dich auf Gott, denn er ist Deine Stärke. Warum nur ergreifen wir nicht diese liebende Hand? Warum liegt uns so wenig an der Zuwendung Gottes?
Alles hat Gott uns offenbart. Wir wissen: Gott ist die Wahrheit, eine Wahrheit, die wir in seinem Sohn, in der Gegenwart des Vaters und der Liebe der Mutter Jesu erfahren, erspüren. Wer weiß ob es Gott gibt? Diese Frage ist feige. Denn ein jeder weiß: unsere Lebenswelt, die Schöpfung von Mensch und Tier lässt sich ohne Gott niemals erklären, verstehen. Nur die göttliche Vernunft kann aus dem Nichts Erschaffenes hervorbringen. Sein Wirken ist Liebe im Vollzug – wann erkennen wir das endlich?
Die Versuchung beginnt
Die Evangelien der Bibel schildern uns weiter: Jesus fastete 40 Tage und Nächte. Ihn hungerte. Und plötzlich passiert es: die Schlange des Teufels fragt Christus: warum nutzt du deine Macht nicht? Mach doch aus diesen Steinen Brot. Wirke ein Mirakel, widersetze dich dem Willen Gottes, was macht das schon!
Doch Christus erkennt seine Absicht. „ Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“. Er stellt heraus: Der Mensch ist mehr als der Leib, mehr als die Bedürfnisse des Körpers. Der Mensch lebt aus seinem Glauben, der alles andere dazu gibt. Der Respekt und die Ehrfurcht vor dem Willen Gottes verbietet es Jesu, seine Macht zum Selbstzweck zu nutzen. Er zeigt uns: achtet nicht selbstverkapselt auf eure Bedürfnisse des Leibes. Ihr lebt aus Gott heraus und er wird es auch sein, der sich um all das andere kümmern wird, wenn wir nur glauben. Gottes Wirken braucht Vertrauen, ein Vertrauen, das sich immer wieder dem eigenen Leben hingibt, wartet, ermuntert.
40 Tage verbringt Jesus fastend in der Wüste. Er macht eine Wüstenerfahrung von Einsamkeit und Hunger. Er verbringt eine Zeit, die auch seine Jünger eines Tages verleben werden, verleben müssen.
Ihre Wüstenerfahrung wird ihre Seele, ihren Geist betreffen. Denn es waren genau 40 Tage, die zwischen der Kreuzigung und Auferstehung Christi bis hin zur Ausgießung des Heiligen Geistes lagen.
40 Tage waren seine Jünger in der Wüste der Gottesferne. Kein Jesus war um sie, niemand leitete sie an, zeigte ihnen den Weg der Wahrheit, den Weg des Lebens. Sie lebten in der kargen Verzweiflung, das verloren zu haben, was sie alle als ihr Leben ansahen, egal wie feige sie manchmal auch gewesen waren. Christus war ihr Leben, ihr Fundament.
Auch wir machen in unserer heutigen Zeit immer wieder solche Wüstenerfahrungen. Es gibt die Wüsten der Gottesferne, die Wüsten des Verlustes von Respekt gegen jedermann, die Wüsten einer Ethik, die wirklich Gerechtigkeit zu schaffen vermag.
Was bedeutet denn heute Gott für uns? Ist er wirklich mehr als Anlass für ein paar hübsche Feste mit freien Tagen? Hat sein Wort noch Gewicht in unserem Leben?
Sicherlich: pauschal kann und darf ich nicht verurteilen, nichts liegt mir ferner. Doch mache ich mir Sorgen, wohin uns das noch führen wird. Wir brauchen Gott – jedermann zu jeder Zeit. Ein Lebensentwurf der sich Gott entzieht, kann nur schwerlich sich so erden, als das die Stürme des Leidens und der Verzweiflungen an diesem fragilen Lebenshaus vorbeiziehen werden.
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ sagt Jesus zum Teufel.
Er lebt von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Das bedeutet: lassen wir es zu, das das lebendige Wasser unseres Herrn unsere Wüsten der Ferne von Gott ertränkt.
Wir brauchen eine lebendige Beziehung zu Christus, der daselbst das lebendige Wort Gottes ist. In diesem Wort zu denke, all sein Sein in das Gotteswort zu versenken – das macht uns allein immun gegen Teufel und Versuchung, gegen Abfall von Gott und der Liebe zum Bösen.
Gottes Wort ist ein zweischneidiges Schwert – unbesiegbar, machtvoll, unüberwindbar.
Im Geiste dieses offenbarten Wortes unseres Herrn sind wir Christen dazu berufen, auszustehen, aufzustehen gegen Unrecht und Missachtung der Würde eines jeden Menschen.
Wir Deutschen, wir achten doch immer die Rechte eines jeden Menschen. Denken wir zumindest. Dennoch: die aktuellen Pläne der Regierung lassen etwas anderes vermuten. Natürlich weiß ich, das die heutigen wirtschaftlichen Gegebenheiten Opfer von jedermann bedingen. Zuviel hat man den Kräften der Gier Raum gegeben. Zulange hat man weg gesehen, bis das Minenfeld der Egoismen der Wirtschaftsbosse einfach nicht mehr übersehbar wurde.
Doch können wir es verantworten vor Gott und den Menschen, von denen zu nehmen, die am wenigsten haben, das Leben derer bis zur Unerträglichkeit zu erniedrigen, die oftmals schon am Boden liegen, die Macht über das eigene Leben verloren haben?
Wie soll ein Hartz IV Bezieher mit noch weniger Geld überleben?
Wir können nicht plakativ gegen Kinderarmut in Deutschland angehen, wenn wir den Familien dieser Kinder die Existenzgrundlage, das Minimum an Lebensunterhalt kürzen und streichen? Das ist skandalös, erniedrigend, verantwortungslos.
In einem der reichsten Länder dieser Welt sind Einrichtungen wie die Tafel notwendig und lebenserhaltend für viele geworden. Hier braucht es Initiative und Phantasie, Menschen ihre Würde wieder zurückzugeben, indem ich nicht alle Hartz IV Bezieher im vorhinein als Schmarotzer und Arbeitsfaule abstempele. Es ist einfach falsch, das eigene Gewissen damit zu betäuben, zu glauben, das ein jeder arbeiten kann, der nur arbeiten will. Dieser Gedanke ist Klischee und doch unauslöschlich in vielen Köpfen verankert. Stehen wir auf für die Menschen, für die niemand aufsteht, für die es keine Privilegien und Parteispenden gibt. Es sind Menschen wie wir – gleich wichtig, gleich geliebt von Gott. Vergessen wir das niemals!
Deutschland läuft immer mehr Gefahr, sich gesellschaftlich zu entsolidarisieren.
Nur warum höre ich nichts von den christlichen Kirchen dieses Landes, die doch gerade für die geringen Gottes aufstehen müssten? Wo sind die Brüder und Schwestern des Herrn, wo steht jemand auf und führt uns allen wieder vor Augen, das eine Gesellschaft ohne Solidarität, eine Gesellschaft, die die Starken stützt und die Schwachen verachtet, eine Löwengrube werden wird. Denn unser Glaube an Gott hat immer auch eine soziale Dimension, ohne die eine Nachfolge Christi undenkbar ist. Denn er schütze die Schwachen und demaskierte die Starken, die Erfolgreichen im Sinne dieser Welt.
Die zweite Versuchung Christi
Blicken wir weiter im Evangelium der heutigen Betrachtung, so erleben wir, wie der Teufel nahezu zu Höchstform aufläuft. Er versucht Jesus nunmehr nicht mit dem Einfordern eines Mirakels, in dem Christus seine Gottessohnschaft beweisen soll, nein, der Teufel schwingt sich auf zum Kenner des Wortes Gottes.
Wir lesen: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.
Fast könnte man denken: Christus, zeig es diesem Höllenbewohner, zeig ihm, das du der Sohn Gottes bist, demaskier diesen Mephisto vor dir und der Welt.
Doch Christus antwortet: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
Die Versuchung, dem Teufel in die Schranken zu weisen, die Machtfülle der Liebe Gottes zu einem solchen Zweck zu missbrauchen – das ist die Waffe, die der Teufel jetzt direkt auf Jesus richtet.
An der Antwort Christi erkennen wir: der wirkliche Glaube an Gott, den Allmächtigen, lässt es nicht zu, das das Wort des Herrn missbraucht, entstellt wird.
Das Wort der Bibel kann mißbraucht werden, fragen sich vielleicht viele.
Die Antwort darauf ist ebenso einfach: unbedingt!
Dort, wo das Wort unseres Gottes unter beliebige Motive und persönliche Ziele untergeordnet wird, dort, wo das Wort der heiligen Schrift nur dazu verwendet werden soll, dem eigenen Egoismus einer Rechtfertigung zuzuführen – hier beginnt das Wirken des Teufels, des Bösen dieser Welt.
Immer wieder in der Geschichte passierte genau das. Kriege, Plünderungen, Verfolgungen anders Denkender – wie oft wurden diese Angriffe auf Gottes Liebe mit den Inhalten von Religion und Glauben gerechtfertigt.
Denn wenn Menschen glauben, einen heiligen Krieg gegen andere Menschen, andere Geschöpfe Gottes führen zu müssen, wenn Menschen denken, der Glaube verlange Mord und Totschlag gegen Andersdenkende – dort hat die zweite Versuchung Christi Wurzeln schlagen können.
Denn immer fragt man sich: was denken solche Menschen, die im Terror Verteidigung des eigenen Glaubens finden wollen, was denken solche Menschen, wozu Gott diese braucht, um Andere wegen ihres Glaubens zu bestrafen?
Ein solches denken ist absurd. Ein solches denken zeigt nur eines: hier ist jemand grundlegend vom Weg des Dienstes an Gott abgekommen, einem Dienst, der daselbst der wahrhaftigen Liebe mit Terror und Mord dienen will. Alle Geschöpfe sind Geschöpfe des Herrn. Einander gleich an Wert und Würde.
Niemand hat es verdient, Gewalt zu erfahren, nur weil er anders denkt, anders glaubt.
Die Typologien, die wir Glaubenden über einander gezüchtet haben, müssen immer wieder neu an der Realität der Liebe Gottes geprüft werden. Der Islamit ist nicht per se gewalttätig, der Christ ist nicht per se verschlossen gegen andere Kulturen, der Orthodoxe hasst nicht per se die Kirche des Westens. Klischees, ungeprüfte mißdeutige Meinungen – das ist die wahre Gefahr, die wahre Versuchung, die letztlich ein Irrweg für einen jeden begründen kann.
Doch eines erkennen wir auch: Ermahnungen, Kritik, Diskussionen dürfen nicht allenthalben aus Angst vor dem Gegenüber unterlassen werden. In fast jeder Religion gibt es Verformungen, Bewegungen, die nicht im Einklang mit dem Glauben stehen können. Hier muss eingeschritten, hier muss das Wort ergriffen, hier muss der Gegenüber offen angesprochen werden.
Jesus gewann das Wortduell mit dem Teufel durch und mit dem Gotteswort. Denn der Heilige Geist bewahrt uns davor, das Gesamtbild, den Gesamtkodex der heiligen Schrift aus den Augen und aus dem Sinn zu verlieren.
Niemals kann, niemals darf ein Wort Gottes zur Rechtfertigung von Egoismus, Machtstreben, Krieg und Gewalt benutzt werden. Niemals dürfen wir aufhören, an der Schrift zu lernen, sie immer wieder zu lesen und zu verstehen. Denn wir Christen wissen: Christus ist die Offenbarung des Wortes Gottes. Er ist das fleischgewordene Wort des Herrn, er ist es, den wir hinter jedem Buchstaben der Bibel sehen, erkennen müssen. Halten wir uns das immer vor Augen.
Fragen wir uns in unserem handeln immer: widerspricht es hier dem Willen Gottes, hätte Christus wirklich so gehandelt, wie ich es gerade tue? Hätte Christus sich von Vorurteilen leiten lassen, hätte er Klischees rechtfertigt? Hätte die fleischgewordene Liebe, das wahre Gute wirklich persönlichen Motiven gedient?
Der Jakobusbrief schreibt in seinem ersten Kapitel:
Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt.
Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung.
Die durchscheinende Frage ist: wie kann das wahrhaft Gute Versuchung zum Bösen, zum Schlechten sein.
Denn jetzt erkennen wir: die Versuchung selbst ist nicht von Gott, denn Versuchung führt zur Sünde, zum Tun des Bösen, des Falschen.
Wie Jakobus schon erkannte – Gott führt seine Kinder nicht in Versuchung, in Gefahr, den Glauben an ihn zu verlieren.
Denn Versuchung ist nichts weiter als ein aufbegehren gegen Gott, das letztlich den Menschen dazu führt, den Gehorsam gegenüber Gott zu verlieren. Doch Jesus lebte aus der Gewissheit, in allen Dingen dem Vater zu dienen, ihn zu verherrlichen, was auch geschieht. Er konnte sich nicht widersetzen, in Versuchung geraten, den Willen des Vaters wegzudrängen, um den eigenen Vorstellungen dienen zu können. Denn das Leben Christi war immer ein Leben aus und für Gott. Keine Gewalt, weder Tod noch Hölle noch Teufel konnte daran etwas ändern.
Natürlich: wir sündigen Menschenkinder können und dürfen uns nicht mit Jesus auf einer Stufe sehen, denn wir sind schwach, verführbar, verletzbar.
Doch eines erkenne ich: das handeln unseres Herrn kann und muss Vorbild auch für uns werden. Denn wir müssen den Willen aufbringen, in allen Dingen Christus zu dienen, ihm immer folgen zu wollen, was auch geschieht.
Die Versuchungen Jesu sind auch unsere Versuchungen. Und eines weiß der Teufel ganz sicher: wo man uns verletzen, uns verwirren kann.
Doch wir Christen wissen: Gott vollbringt in uns das Wollen und das Vollbringen. Unsere Stärke ist der Glaube, unsere Waffe ist Gottes Wort, unser Schutz ist Gottes Liebe zu uns. Niemand kann tiefer fallen als in Gottes Hand, die Hand des liebenden Vaters.
Wenn unser Leben auch noch so in Problemen versunken erscheint: Gott ist da. Ihr werdet erkennen: was auch passiert, Gott ist da für mich. Verlassen wir uns auf Gott, nicht auf Menschen oder uns selber. Denn Gott ist Liebe – das erkennen wir, wenn wir uns ihm anvertrauen. Wovor haben wir Angst? Was hält uns zurück?
Wagen wir immer und überall konsequent das Leben aus dem Wort des Herrn.
Die dritte Versuchung – weltliche Macht gegen die Ohnmacht des Glaubens
Ich, Sie, wir alle werden dann erkennen: der Glaube ist keine Privatsache, die man im Verborgenen vorsichtig belässt. Der Glaube muss bekannt werden, Christus muss verkündigt werden jeden Tag durch einen jeden Christen.
Gerade so verteidigen wir Christus und unseren Glauben an ihn. Denn auch die zweite Versuchung besteht Jesus, er besiegt hier den Teufel wiederum mit der Schlagkraft des Wortes Gottes.
Doch der Teufel gibt nicht klein bei.
Er hat erkannt: nichts liegt in den Menschen reichlicher als der Wunsch nach Macht, Geld und Luxus – wer weiß das nicht besser als der Mephisto, der den Götzen Geldgier erst erschaffen hat.
Doch schauen wir in das Evangelium.
Hier steht geschrieben:
Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.
10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen. «
11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.
„ Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott und ihm allein dienen“. Beschämt sah ich auf den Boden, als ich diese Predigt niederschrieb.
Gott sollen wir dienen – jeden Tag, jede Stunde. Und doch schaffen wir das nicht.
Immer wieder nimmt uns der Alltag, die Sucht des anerkannt sein, die Eitelkeit vollends gefangen. Immer scheint so viel anderes so viel wichtiger zu sein, als eben dem Gott unseres Lebens die Ehre zu geben. Weit haben wir uns schon von Gott entfernt.
Die Hybris hat in vielen Teilen der Menschheit Gott in Klammern gesetzt. Wer braucht schon Gott – viele menschliche Katastrophen standen unter diesem Motto.
Wir haben damit begonnen, nur noch an das zu glauben, was wir sehen. Alles andere kann, alles andere darf nicht sein.
Doch eines habe ich erkannt: eine Welt, eine Gesellschaft, die Gott verleugnet wird letztendlich an sich selbst zugrunde gehen. Denn der Glaube bedeutet auch und gerade Verantwortung.Für andere, für sich selbst, für die Schöpfung des Herrn.
Das Fundament des Unglaubens kann sich da nur an den weltlichen Ehren ausrichten. Geld, Macht, wirtschaftliche Überlegenheit. Das ist es letztlich, was der Satan Christus vor Augen führt.
Alles kann dir gehören, hört man den Teufel fast sagen, alle Herrlichkeit dieser Welt soll Christus gehören. Der Preis – das letzte und eindringlichste Aufbegehren gegen den Herrn. Denn der Teufel will angebetet werden, er, der Herrscher und Beherrscher dieser Welt.
Christus soll ihm gehorchen, seine Sendung für den Vater aus Eigennutz zugunsten von Macht und Reichtum verwerfen.
Und doch bedachte der Satan nicht: Christus ist Einheit mit dem Vater, ihn zu verwerfen wäre gleichzusetzen mit einer konsequenten Selbstaufgabe. Denn dort, wo Gott in die Seele Einzug gehalten hat, dort wird der Glaube an ihn unbeirrbar, unverletzbar.
Christus spricht uns direkt an: wann erkennen wir nur, das auch die herrlichste höchste Machtfülle über die Welt ein Nichts ist gegen die Herrlichkeit der nächsten Welt Gottes. Alle Reiche, aller Reichtum ist einfach nichts wert, wenn Gott dabei aus unserem Leben gedrängt wird. Nichts kann die Liebe des Herrn ersetzen, nichts hat auch nur den annähernden Wert der Liebe Gottes zu uns. Wann begreifen wir das? Wann machen wir uns alle auf, der Wahrheit und der Liebe zu dienen, als den Götzen Macht und Herrlichkeit? Wann nur, liebe Schwestern und Brüder, wann nur?
Der Teufel, so lesen wir am Ende des Evangeliums, verliert seinen Kampf gegen Christus. Er versuchte seinen Willen, seinen Geist, seine Seele.
Und eines sehen wir hier ganz deutlich: auch wir müssen auf der Hut sein vor Anfechtung und Abfall von Gott.
Denn nur allzu oft sind wir Menschen nicht in der Lage, die richtigen Prioritäten in unserem Leben zu setzen. Sicherlich: Sonntags, wenn wir wieder Berührung mit Gott finden, da ist uns die Bedeutung des Glaubens vollends bewusst. Wir wissen, das Gott der Mittelpunkt unseres Lebens sein soll, doch die Polyphonie des Alltags entfremdet uns immer wieder von diesem Vorsatz.
Was können wir tun, was können wir lernen, Gott immer näher kommen zu können?
Die Klostertraditionen vieler Orden hat diesbezüglich die meditatio mortis ins Leben gerufen.
Das kontemplative Nachdenken über das eigene Ende, ein Hinterfragen der Dinge, die wir gerade jetzt für so wichtig halten. Denn welche Bedeutung hat Geld, am Ende des Lebens, welche Bedeutung hat Macht wenn wir von der Welt gehen?
Letztlich werden wir erkennen: 90% unserer Sorgen haben letztlich und grundlegend keine Bedeutung. Das Aufregen über den Chef, das Verzweifeln am eigenen Alltag – was hat das für eine Bedeutung, wenn wir zu Gott gerufen werden?
Seine Nähe, das Anbeten seiner Herrlichkeit, die Freude am Wort Gottes – das hat Bestand, das lässt den Glauben an Gott tief in unsere Seele ein, eine Seele, die unsterblich ist.
Wir müssen erkennen, das wir sterblich sind. Nichts ist fragiler als das eigene Leben, ein Leben, das morgen schon wieder zu Ende sein kann.
Lassen wir es nicht zu, das weltliche Versuchungen und Begierden uns den Weg zu Christus verstellen. Lassen wir es nicht zu, das wir Macht und Reichtum mehr begehren, als den Platz am Tisch des Herrn am Ende der Zeit.
"Tod, Verbannung und alles andere, was furchtbar erscheint, halte dir täglich vor Augen, vor allem aber den Tod, und du wirst niemals schäbige Gedanken haben oder etwas maßlos begehren." (eine meditatio mortis.)
Der Glaube an den Herrn ist auch immer Anspruch an jeden einzelnen. Das Leben, das er uns schenkte müssen wir eines Tages wieder genutzt an ihn zurückgeben. Das ist unumstößlich, unumstritten, unumgehbar.
Ein Leben, das zum Selbstzweck diente, dem das eigene Wohl wichtiger war, als das Leben sinnvoll zu nutzen und zu gestalten – ein solches Leben mag zwar in den Augen der Welt Erfolg nach sich ziehen, ein solches Leben wird vielleicht auch bestaunt,bewundert. Doch darauf kommt es nicht an.
„Du sollst deinen Gott anbeten und ihm allein dienen“ – nur das zählt in den Augen des Herrn. Was für Fehler wir auch machen, eines wissen wir: Gott zählt nicht die Siege im Leben, sondern die Motive. Wer ihn an erster Stelle des eigenen Lebens setzt – ein solcher wird und ist schon angenommen in der Liebe Gottes. Jagen wir diesem Ziel nach. Richten wir uns auf Gott hin aus! Wir werden es nie bereuen!
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ sagt Jesus zum Teufel.
Er lebt von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Das Wort des Herrn ist das lebendige Wasser, aus dem unser Leben sich nährt. Nichts steht darüber, nichts ist wertvoller, erstrebenswerter.
Solange wir dieses Leben auf dieser Erde führen, solange werden wir Ziel der Angriffe des Satans sein. Versuchungen, Tücken, Heimsuchungen – er ist zu allem fähig. Also seien wir wachsam, wie Petrus uns sagte, denn der Teufel geht um wie ein brüllender Löwe und sucht wen er verschlingen kann. Fragen wir uns vor jeder Entscheidung, vor jedem handeln: hätte sich Christus, das fleischgewordene Wort Gottes gleichermaßen entschieden, gehandelt? Denn wir haben erkannt: auch der Teufel beherrscht das Wort des Herrn.
Immer und immer wieder müssen wir uns am Gotteswort stärken – jeden Tag. Denn das ist die einzige Waffe gegen Versuchung und Glaubensabfall. Sprechen wir über das Evangelium des Herrn, organisieren wir Bibelstunden in unserer Gemeinde, betrachten wir unser Leben immer so, wie Christus es sehen würde.
Immer wieder von neuem müssen wir in unserem Leben Prioritäten setzen, uns nicht vom Alltag mit seinen Sorgen verschlingen, verwirren lassen.
Widerstehen wir den Götzen Geld und Macht so wie es Christus tat. Denn ihn sollen wir anbeten, nicht Reichtum und Machtfülle, die daselbst am Ende der Zeit nichts wert sein wird. Überlegen wir immer wieder: was wird am Ende meines Lebens von Bedeutung sein? Unser Kontostand, eine Menge von falschen Freuden, denen das Geld wichtiger ist als der Mensch dahinter?
Allein unsere Seele ist unsterblich.
Der sittliche, der religiöse Mensch liebt seine Seele, der gewöhnliche sein Eigentum.
( Konfuzius). Zu wem wollen wir gehören?
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus
AMEN

