Herr, wie werde ich endlich reich?
Wer Reichtum sucht, der wird allein in Gott Erfüllung finden. Eine gewagte These. In Gott Erfüllung finden? Wer nach frommen Sprüchen oder Moralvorstellungen sucht, der wird bei Gott Erfüllung finden. So die langläufige Meinung. Doch Reichtum? Finanzielle Unabhängigkeit könnte man euphemistisch den gesuchten, erhofften, ersehnten Reichtum nennen. Geld, Macht – sich alle Wünsche erfüllen können, ein Leben wie Gott in Frankreich. Hat diese Vorstellung nicht etwas Bestechendes? Keinen grauen Alltag mehr, keinen Chef oder nörgelnde Kollegen um sich. Leben eben, wie man will – ohne Regeln, ohne Maß, ohne Rücksicht? Denn eine „hoppla, jetzt komm ich Mentalität“ gibt es leider nur all zu oft mit einem steigenden Kontostand. Über andere braucht man sich ja dann auch keine Gedanken mehr machen, denn wer braucht die schon? Das Geld wird zum besten Freund, der Kontostand zum hauseigenen Götzen. Den Glauben an den einen Gott kann man da ja getrost aufgeben, denn wenn man Seligkeit braucht, dann kauft man sich die eben.
Es klingt schon interessant die Vorstellungen über den Reichtum, den Reichtum, den wir gemeinhin als solchen bezeichnen, einen Reichtum, der sich bemessen lässt, den man in Zahlen und Werten, in Unze und Karat beziffern kann. Doch ist der Mensch nie ein Wesen gewesen, das sich mit dem Erreichten zufrieden geben will. Ein immer mehr, ein nie genug führen oft genug Menschen in eine gefährliche Abwärtsspirale. Risiken werden eingegangen, Normen und Ethik spielen gänzlich gar keine Rolle mehr. Und dann ist auf einmal das Geld verschwunden. Das mittleiweile Wichtigste des Lebens gibt es auf einmal nicht mehr. Und was dann? Wie weiter machen, wenn man den Inhalt des Lebens verloren hat? Macht das Leben hier noch Sinn? Wozu den ganzen Hohn und Spott derer ertragen, die man auf dem Weg nach oben hinter sich gelassen hat, wozu die Freundesflucht aushalten, die proportional zum Kontostand immer weiter einsetzt? Woher einen Sinn für dieses Leben finden?
In unserer heutigen Lesung erfahren wir mehr über die Meinung Gottes zu diesem Thema. Christus mach hier deutlich: vergänglicher Reichtum, Geld, Macht und Luxus verbleiben nun einmal im Vergänglichen. Nichts ist so gefährdet wie Besitz und Macht. Denn so schnell das Geld kommt, kann es auch wieder verschwinden. Das haben viele Menschen erleben dürfen, die sich von Steuer CDs bedroht fühlen mussten. Denn klar ist: keiner von diesen Menschen hatte es existentiell nötig, Geld am Finanzamt vorbei zu leiten. Doch der Hunger nach mehr legitimiert irgendwann jedes Verhalten. In den bunten Illustrierten liest man mehr und mehr von Menschen, die gemeinhin vor Geld nichts mehr mit dem Leben anfangen können. Da behängen sich Gattinnen wie Festtagsgänse mit Schmuck und Juwelen – Hauptsache man sieht was man hat. Doch leider geht diese Rechnung nicht auf, wenn das Gegenüber gleichermaßen denkt. Ein konsumorientiertes Wettrüsten beginnt. Gewinnen kann hier nur der Einzelhandel. Und dennoch wird klar: Sinn, ein Wissen darüber, warum man auf dieser Welt herumläuft kann man sich nicht kaufen. Irgendwann sind die Ferienhäuser eingerichtet, irgendwann geht in die Garage kein Auto mehr, noch nicht mal ein Sportwagen. Dann beginnt auch solch ein Leben zu bedrücken. Aber dafür haben wir ja die Wohltätigkeit entdeckt, das einzige Feld, in dem ich jeden Vermögenden herzlich willkommen heiße. Spendengalas, Charity Aktionen – all das soll doch letztlich nur den Schmerz der Sinnlosigkeit ausgleichen. Denn wenn man so viel Gutes tut, dann hat man den eignen Reichtum ja irgendwie auch verdient. Glaubt man zumindest. Und dennoch: jede Kompensationshandlung, die den Menschen im Schatten dieser Welt zugute kommt, heiße ich uneingeschränkt gut. Ohne Einschränkung oder Ironie.
Doch Christus wirft hier ein ganz anderes Konzept in die Wagschale. Er redet vom Reichtum bei Gott. Das klingt gut – doch was genau meint er damit? Und überhaupt: wenn man dafür das lieb gewonnene Geld dagegen eintauschen muss – ja dann hört der Spaß ja wohl auf, oder? Dennoch fragt man sich: wie soll den dieser Reichtum aussehen? Neugierig wird man da schon. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – wem diese Worte Christi zur Grundkonstante des Lebens geworden sind, der hat wahrlich den Schatz Gottes |
gefunden – Jesus Christus. Ist er nicht unser Ziel des Glaubens? Ist er nicht zum Mittelpunkt des eigenen lebens, leidens, freuens oder weinens geworden? Wen suchen wir denn alle, die einfach nach mehr in ihrem Leben suchen? Zu wem zieht es uns immer wieder hin, weil wir wissen, das dort eine Liebe auf uns wartet, die ungetrübt, rein und ehrlich ist. Liebe Schwestern und Brüder – wen suchen wir im Glauben? Im Evangelium nach Matthäus, im 13. Kapitel lesen wir das Folgende:
44 Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenem Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker
Wie kann der das denn machen? Alles verkaufen? Wer weiß denn, ob dieser Schatz überhaupt etwas wert ist? Aus einer materiellen Ebene berechtigte Fragen. Ich habe in den Jahren, in denen ich Christus folge eines gelernt: der Glaube an ihn, der Glaube an einen Gott, der die Liebe ist – das ist der allergrößte Schatz in meinem Leben. Nichts ist damit zu vergleichen. So wie Christus uns sagte und zeigte, wie vergänglich Geld, Reichtum und Einfluss allenthalben ist, so zeigte er mir ganz deutlich: hier ist jemand, dem man uneingeschränkt vertrauen kann, der mich liebt weil ich eben ich bin. Jesus Christus ist für mich Weg, wahrheit und Leben geworden. Dafür braucht es keine Askese, keine ausgefallenen Rituale oder andere Werke, die einem Zugang zum Glauben gewähren. Der Glaube an Christus ist immer Geschenk, Geschenkt für jeden, der dieses annehmen möchte. Denn geradeso zeigt sich: Gott schenkt sich uns Menschen in Jesus Christus, weil seine Liebe rein, uneigennützig, unverbrüchlich ist. Der Glaube an Gott hat kein Verfallsdatum. Er ist uns Fundament in diesem wie auch im kommenden Leben. Sprechen wir zu Gott, er möge uns den Glauben schenken, den Glauben vertiefen in unser Herz. Eines ist sicher: er wird ihre Worte erhören. Wer wirklich den eigenen Weg mit Gott gehen will, der muss sich klar darüber sein: die Gegenwart muss der Zukunft geopfert werden.
In der Parabel vom reichen Mann und dem Lazarus wird genau davon berichtet, was ich eben sagte. In diesem Textstück der Bibel wird ein reicher Mann und der arme kranke Lazarus gegenübergestellt. Der eine, beschenkt mit Reichtum, Prunk und Ausgelassenheit, der andere, der Lazarus, bettelnd vor dessen Haus um die Abfälle der Küche. Beide versterben – der reiche Mann kommt ins Höllenreich, Lazarus in den Himmel, zur Rechten Abrahams.
Im Leiden, in der Erbärmlichkeit dieser Welt schuf sich Lazarus eine selige, heile Zukunft, eine Zukunft bei Gott. Denn der, der erniedrigt wurde, der, der menschenunwürdig leben musste, der, dem eben kein Mitleid, keine Hilfe zuteil wurde – dieser Mann wurde von der Welt verachtet, aber gerade so um so mehr von Gott geliebt. Doch der reiche Mann, der alles hatte, dem es an nichts fehlte, außer an Liebe und Barmherzigkeit denen gegenüber, denen das Leben zur reinen Qual geworden ist – dieser Mann hat sein Quantum Schmerz und Leid vor sich – eben in der anderen Realität, dem ewigen Leben Gottes.
Wer Reichtum sucht, der wird allein in Gott Erfüllung finden. Diese Welt, mit all ihren Versuchungen und Unwegbarkeiten ist endlich, ist vergänglich und mit ihr all der Reichtum, den sie zu bieten hat. Geld, Macht und Einfluss sind Götzen dieser Zeit geworden, Götzen, die doch letztlich nur Täuschung und Verzweiflung einbringen. Reichtum hat diese welt nicht zu bieten, das wissen wir. Also warum in der Diesseitigkeit, in der Endlichkeit der Welt stecken bleiben, wenn uns doch die Liebe und Ewigkeit Gottes täglich ansieht, leitet, behütet. Christus ist der Reichtum, die Perle im Ackerboden, die letztlich mehr wert ist als alles da Gewesene. Geld, Reichtum im weltlichen Sinn schenkt keine Liebe, keinen inneren Frieden, keinen Trost. Eine reiche und gesunde Seele kann man nicht kaufen, denn es ist gewiss: erst wenn die Seele aus der Gnade Christi trinkt, kann sie gesunden, wachsen, erblühen. Liebe Schwestern und Brüder, schauen sie nicht auf die Täuschungen dieser Welt. Denn sie sind nichts wert. Allein der Reichtum, der unverlierbar in der eigenen Seele verwoben ist, ist wirklicher Reichtum. Christus ist das Ziel und der Beginn unseres strebens, ein streben, das letztlich erkannt hat: wer Reichtum sucht, der wird allein in Gott Erfüllung finden!
AMEN!
|