Ein Haus, ein Unwetter und der liebe Gott
Ein Haus, ein Unwetter und der liebe Gott
Predigttext: Mt. 7, 24-27
Vom Hausbau
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre;
29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
Liebe Schwestern und Brüder,
es ist zum verrückt werden! Dieser oder ähnliche Gedanken werden wohl Mose im Laufe der Zeit gekommen sein in der er das Volk Israel in das gelobte Land anführte.
Es ist ein halsstarriges Volk – soviel wissen wir. Geknechtet, unterdrückt, ausgenutzt – das sind die Eckpfeiler des Lebens der Israeliten.
Doch dann passiert das Unglaubliche.
Gott der Herr führt diese Menschen weg von den Fängen der Sklaverei hinein in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Was will man mehr? Welche Dankbarkeit muss diese Menschen angetrieben haben, die doch so viel ihrem Gott verdanken?
Doch Dankbarkeit scheint dieses Volk nicht wirklich anzutreiben.
Während sie der Freiheit entgegen gehen, werden plötzlich die Mühe und die Entbehrungen eines solchen Weges gerade diesem Volk zuviel. Was sollen wir trinken? Warum haben wir kein Fleisch zu essen? Hatten wir das nicht alles in unserer Knechtschaft? Also sollen wir vielleicht nicht doch besser zurück gehen?
Sicher stellte sich Mose im Laufe der Zeit die Frage, weshalb eigentlich diese Menschen nichts begriffen haben. Sicherlich – die Freiheit wurde ihnen nicht anstrengungslos hinter her geworfen. 40 Jahre im kargen Land zu wandern klingt gleichermaßen nicht wie ein Urlaub auf den Malediven. Dennoch: hat dieses Volk nicht begriffen, was ihm widerfahren ist?
Gott selbst hat sich zu einem kleinen Haufen Menschen daselbst hernieder gebeugt, jene Verknechtete zu befreien. Immer und immer wieder hat er bewiesen, das es jenem Volk niemals an Fürsorge, Liebe, Zuwendung fehlen wird, was auch passieren möge. Doch das Ergebnis: Undankbarkeit, Wehleidigkeit, Renitenz. Ja, es ist wirklich zum verrückt werden!
Während wir uns zurücklehnen, in Gedanken uns vergegenwärtigen, das solch eine Undankbarkeit gegenüber Gott uns ganz sicher nie passieren würde, blicke ich demütig zu Boden, den mir wird klar: wir sind kein Deut besser als diese Hand voll Menschen in der Wüste.
Sicherlich können Sie jetzt verwundert, ja erbost sein über mein Eingeständnis. Doch letztlich ändern wir nichts daran!
Dennoch: wir leben heute in schwierigen Zeiten. Politik, Wirtschaft und Kirchen haben vielschichtige Probleme zu lösen, die einen leicht überfordern können. Wir alle wissen, das wir eine Entscheidung fällen müssen – gehen wir unser Leben mit Gott oder mit uns selbst allein? Hier ist die Gabelung zu den zwei Leben – den Weg des Heils und den Weg dieser Welt.
Wie gern hätten wir alles unter Kontrolle. Wie gern hätten wir Vertrauen zu Unternehmen, Banken, Führungskräften das eben das, was gerade mit den Wirtschaftssystemen passiert, von vorhinein abgewendet werden kann. Doch während Sie diese Zeilen lesen/hören wird klar: das letzte Quentchen Einfluss, Kontrolle haben wir aus den Händen gegeben. Denn kein Wirtschaftssystem hat versagt. Versagt hat der Mensch, der seine Gier nach mehr nicht unter Kontrolle hat. Das muss uns ganz klar vor Augen stehen!
Wenn ich tag täglich die Meldungen der Presse studiere, dann wird mir klar: der Mensch hat vergessen, mit Gott zu rechnen. Der Mensch hat vergessen, ihm zu vertrauen und eben nicht einem selbst.
Unruhen, Kriege, Attentate – all das ist zur weltlichen Normalität geworden. Hier verliert sich jede Hoffnung des Propheten Jesaja, in der Waffen zu Pflugscharen werden. Wir sind heute weiter entfernt davon als je zuvor.
Christus formuliert dies in einem Gleichnis – wir haben es am Anfang gehört!.
Hier wird die Frage aufgeworfen, warum wir ohne Rast und Unterlaß an unserem Leben, an Karriere und Machteinfluss auszurichten, ohne dabei das Fundament geprüft zu haben.
Krankheiten, psychische Zusammenbrüche, Süchte, Panik und Angst – all das sind die Folgen eines fehlenden Fundaments, einem Fundament, das von den Stürmen der Welt, des Lebens nicht berührt oder gar zerstört werden kann.
Der Sandboden dieser Welt trägt in Zeiten der Ausweglosigkeit, der Verzweiflung und Trauer unser Leben keinen Meter. Karriere und Geld geben keinen Halt, keine Sicherheit. Diese Welt ist eine Welt fern von Gott. Doch Gott sei dank ist Gott nicht fern von dieser Welt, von seinen Kindern.
Christus, das Evangelium und die Kirche Gottes sind der Felsengrund, auf dem wir ein Leben errichten können. Denn Gott ist Gegenwart und Gottvertrauen ist unsere Zukunft. Warum nur klammern wir unsere 4 Wände des Lebens an die Vergänglichkeit? Warum können wir nicht loslassen, nicht Gottes Willen und Wirken gegenwärtig werden in unserem Leben? Gott ist nur einen Schritt von uns entfernt. Gehen wir diesen Schritt. Klopfen wir an die Tür zu seinem Herzen – er wird sie uns öffnen.
Lassen Sie mich Ihnen von einem Mann erzählen, der ein wahres Vorbild für Gottvertrauen für uns ist.
Er, der selbst einmal die Gemeinde Christi verfolgte, er, der Christus verstieß zugunsten eines fernen Gottes, von dem nur Strafe und Furcht zeugen werden – dieser Mann erkannte: Gott ist in Christus Mensch geworden. Die Liebe hat unsere Welt erleuchtet – wir sind nicht verloren.
Unermüdlich reiste er umher, gründete Gemeinden, verkündete das Evangelium.
Er wurde verhaftet, gefoltert, erlitt Schiffbruch, Hunger und Durst. Kurzum: man will sich solch ein Leben gar nicht vorstellen. Und dennoch: dieser Mann wurde durchlässig für das Licht Gottes, das ihn immer zuversichtlich und heiter sein ließ. Gott reichte diesem Mann die Hand und den Glauben – und er veränderte diese Welt.
Sie haben ihn erkannt? Natürlich was die rede von Paulus, der uns ganz besonders heute den Weg hinein ins Gottvertrauen weisen soll. So wie in ihm soll unser Lebenshaus auf dem Felsengrund Christi und seiner Kirche ein Fundament finden. Werden wir immer mehr erstreben, Gott überall in seiner Schöpfung zu erkennen. Steigen wir aus dem Boot unseres Lebens aus, treten wir einen Schritt hin zu Christus, wenn uns Angst und Überforderung bedroht. Gott wird uns nie enttäuschen. Er ist da – hier und heute gleich wie morgen und in Ewigkeit.
Gelobt sei Jesus Christus!
AMEN

