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Du sollst nicht ehebrechen!

Monatspredigt für November 2010
Du sollst nicht ehebrechen?
Liebe Schwestern und Brüder in Christo,

Bis das der Tod euch scheidet. Wer schon einmal den Schritt der Ehe gewagt hat, kennt diese Worte nur zu gut. Die Ehe ist vor Gott etwas Besonderes, ein Bund zwischen zwei Menschen, ein Bund, der vor Gott geschlossen wird.
Jesus spricht in seiner Bergpredigt mit deutlichen Worten: eine Ehe ist mehr als ein verwaltungsrechtlicher Akt zwischen Ehemann und-frau. Sie ist kein Vertrag, den man beliebig eingehen oder lösen kann.
Doch ist diese Sicht noch aktuell? Engt uns das nicht viel zu sehr ein?

Heutzutage will man sich einfach nicht mehr so recht binden. Sicher, die Trauungen sind zurückgegangen, sagt zumindest die Statistik. Und die Scheidungen? Wenn man sich diese Zahlen so einmal betrachtet erkennt man: hier kann es doch um keinen Bund fürs Leben gehen. Heiraten ist aber auch romantisch. Kirche, Kleid und Blumenkinder – das will man erleben, nichts im Leben verpassen. Und wenn es einmal schwierig wird in der Beziehung: na dann wird sich halt geschieden! Einfach und bequem von zuhause aus – die Scheidung per Internet findet immer mehr Anhänger. Drum prüfe wer sich ewig bindet?

Warum denn nur immer so große Begriffe? Bindung, Ewigkeit, bis das der Tod uns scheidet?
Diese Fragen hört man sicherlich oft. Denn der Zeitgeist heute ist ein anderer geworden. Kurzlebig, spontan, für den Moment lebend. Es ist einfach nicht mehr en vogue die Ehe als Sakrament Gottes anzusehen, als einen Bund, der daselbst Verantwortung von uns fordert. Denn wer die Ehe nach dem „Spaßfaktor“, nach einem überhöhten Maßstab von Glück und Erregung beurteilt, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die goldene Hochzeit feiern.
Denn halten wir uns vor Augen: wir alle werden älter, die Körperlichkeit verändert sich, optisch meistens nicht hin zum Besseren. Und dann der Ehealltag. Grau, monoton, oftmals lähmend. Wer ist da nicht manches mal bedroht von den Verlockungen der Sinne, wenn plötzlich ein Vertreter des anderen Geschlechts Interesse für uns zeigt? Ist das nicht spannend? Ist das nicht wieder ein Moment des Glücks, den man auskosten muss, soll, darf?

Jesus findet hier ganz deutliche Worte, Worte, die schon das Volk Israel im alten Bund als Gebot kannte: Du sollst nicht ehebrechen! Das ist die Aussage, eine Aussage, die klar und deutlich sagt: der kleine Fehltritt nach der Weihnachtsfeier mit der Chefin, das aufregende Pussieren mit der Kollegin – all das bricht die Ehe. Ohne Ausnahme.
Aber wenn es einem nun gut tut? Warum ist denn Jesus nur so streng? Da kann ja Kirche nicht interessant werden, wenn dort immer nur mit Verboten herumgewedelt wird.
Also dann doch lieber auf den lieben Gott pfeifen und das Leben jetzt auskosten, ohne Konsequenzen, ohne Schuldgefühle, aber auch ohne Rücksicht?

Doch lassen wir nun wieder Jesus zu Wort kommen.

Wenn wir gemeinhin über den Ehebruch reden, so kommen einem klare Vorstellungen darüber in den Sinn. Ehebruch ist eben immer mit fremdgehen verbunden. Doch Jesus macht hier ganz deutlich: es gibt nicht nur schwarz oder weiß. Auch wir kennen diese Nuancen. Ist der Flirt mit einem/einer anderen schon ein Ehebruch? Ist das Nachschauen an warmen Sommertagen hinter der Damen – oder Herrenwelt schon Ehebruch? Was meinen Sie?

Jesus ermahnt: wer eine Frau ansieht sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
Hier geht es eben nicht um den Grundsatz „ Die Gedanken sind frei“, nicht um die Klassifizierung, ob man mit einem anderen nunmehr geschlafen hat. Es geht um die Gesinnung, um das, was in unserem Herzen passiert. Denn vor Gott ist kein ansehen der Person. Gott prüft das, was im Herzen ist.

Und so was heute. Gerade heute, wo doch die Fesseln der Sexualität endlich abgestriffen wurden. Und dann solch ein Wort?
Im Fernsehen, in der Zeitung, in den Zeitschriften dieser Welt: wo lächelt uns nicht ein nettes, attraktives Menschenkind entgegen? Wo soll der Körper nicht die Absatzzahlen für Cornflakes oder Kosmetik in ungeahnte Höhen treiben?
Und dann solche Ansichten? Kein Wunder das die Kirchen leer bleiben – einige werden dies sicherlich gedacht haben. Kein Vorwurf! Auch ich habe hier das Gefühl, hier treffen zwei Welten aufeinander.
Doch müssen wir auch erkennen: Jesus stellt nicht das Bewundern des menschlichen Körpers unter Strafe. Wir müssen also nicht mit gesenkten Kopf durch das Leben finden, um ja nicht mit einem verschämten Blick mehr zu sehen, als es uns Gott zugesteht.
Das wäre allerdings lebensfremd. Denn Christus spricht vom Begehren, das zum Ehebruch oftmals verführt.
Nur was genau heißt denn: begehren? Wo fängt es an? Wie kann es uns denn schaden – auf den ersten Blick keine einfache Frage.

Kennen Sie das auch? Sie gehen gemütlich in der Stadt an den vielen bunten Schaufenstern vorbei und bleiben plötzlich stehen. Und da steht dieser laden, mit so vielen wunderbaren Dingen. Bei mir wäre es ein Bücherladen, bei den Damen unter uns vielleicht der ... ich spreche es gar nicht aus, denn ich denke, wir wissen was jetzt gekommen wäre.
Man entdeckt, man lässt sich fangen von der Vorstellung, den begehrten Gegenstand zu beseitzen, ihn einfach zu haben. Nicht das man ihn bräuchte, nicht das es notwendig wäre, nein, es genügt der reine Appetit. Und dann tut man etwas oftmals Unüberlegtes – doch gerade das macht ja den Spaß aus. Man kauft es sich! Natürlich im wissen darüber, das es wieder einmal viel zu teuer war, das man es eigentlich nicht hätte kaufen dürfen. Und dennoch: man geht zufrieden nach hause.
Begehren ist, wie wir sehen, nichts Unbekanntes für uns. Und doch kann gerade das uns in Schwierigkeiten bringen. Denn man kauft gerade dann Dinge, die man nicht braucht mit Geld das man nicht hat oftmals für Menschen, die man nicht mag. Sie sehen – es ist recht kompliziert mit dem Begehren.

Auch die Bibel berichtet davon. Herodes war ein Herrscher, mit einem recht rigorosen Verhalten – autoritäer Führungsstil nennt man das glaube ich heute. Ohne zu zögern nimmt er sich die Herodias, die Ehefrau seines Bruders Phillipus. Ehebruch, ganz klar. Und doch tritt hier ein Mann dem Fürsten entgegen – Johannes der Täufer und macht deutlich: es ist Unrecht, so mit Menschen, sogar mit Menschen der gleichen Familie umzugehen. Normalerweise wäre Johannes der Täufer daraufhin dem Henker übergeben worden, doch Herodes wusste: dieser Mann hat viele Anhänger im Volk. Sein Tod wäre durchaus gefährlich für ihn. Also erst mal inhaftieren – der Rest findet sich.
Eines schönen Tages feiert Herodes seinen Geburtstag. Die Tochter der Herodias führte einen Tanz für den König auf, einen Tanz der wohl bei Herodes ein begehren auslöste. Denn er versprach: was sich dieses Mädchen wünscht, soll ihr gewährt werden. Ein mutiger, ein riskanter Eid, den Herodes hier gab.

Dies bekam er auch zu spüren. Denn angestiftet von der Herodias, ihrer Mutter, verlangte sie den Kopf Johannes des Täufers.
Und nun stand Herodes in der Pflicht, der er nun nachkommen musste.

Kann man sich denn nicht vor solchen Gedanken und Begierden schützen, kann man nicht mit der Kraft der eigenen Vernunft Schaden unterbinden?
Gerade hier erkennen wir: Begierde ist etwas sehr gefährliches, nicht nur im Bezug zum Ehebruch. Denn die Begierde lähmt die guten Kräfte des eigenen Gewissens, der eigenen Vernunft. Nicht umsonst sagt man, das Liebe blind macht.

Du sollst nicht ehebrechen – dies ist die klare Anforderung Jesu an uns. Auch wenn Versuchungen uns auf unserem Weg begleiten – das Gebot bleibt unverrückbar. Gerade in der Zeit, als Jesu dies den Menschen in seiner Bergpredigt offenbarte, eine ungewöhnliche und drastische Anforderung. Denn mit der Monogamie war es nicht sehr weit her, damals wie heute, würde ich ergänzen.

Du sollst nicht ehebrechen! Das bedeutet auch: mit den Versuchungen des Lebens jeden Tag in der rechten Weise umzugehen. Denn man kann schließlich nicht immer entscheiden, was man denkt, fühlt, begehrt. Doch eines können wir immer: den Herrn bitten, uns in dieser Prüfung beizustehen.
Denn auch wenn wir über und über mit Versuchungen und Begierden geprüft werden – in unserem Glauben, im Gebet mit unserem Herrn können wir gegen dererlei Anfechtungen angehen.
Denn immer, wenn wir im Vater unser bitten: und führe uns nicht in Versuchung, immer dann wird Gott uns beistehen. Wir sind nicht uns selbst ausgeliefert, wir sind keine willenlosen Menschlein, denen nichts anderes übrig bleibt, als den eigenen Träumen und Begierden nachzugehen. Der Ehebruch im Herzen – hier ist der Anfang vom Ende einer Ehe zu suchen. Auch wenn wir uns die größte Mühe geben, uns im Leben von Moral, Ethik oder Glauben nicht einengen zu lassen, so wird ein jeder, der seine Ehe bricht erkennen: das alles war es nicht wert gewesen. Ein Beziehungshaus, das 10,20,50 Jahre bestand wird durch eine Dummheit, eine Begierlichkeit ganz plötzlich, ganz unumkehrbar vernichtet. Gott legt an uns nicht seine Maßstäbe, damit wir ihm einen Gefallen tun. Nein, die Einhaltung dieser Gebote macht unser Leben reicher, ruhiger, tiefer. Denn letztlich schaden wir uns selbst, letztlich werden wir dann allein in einem Haus sitzen, in dem vorher noch eine Familie lebte.
Ist es das wirklich wert?

Ich bewundere hier immer Josef, den Angetrauten der Maria, der Mutter Jesu. Denn man stelle sich das einmal vor: die eigene Frau ist schwanger. Und man weiß: dieses Kind ist nicht von mir. Die logische Konsequenz: Vorhaltungen, Streit, Emotionen, Scheidung. Nur all zu viele Ehen sind so auseinander gegangen.
Auch Josef war schon fast soweit. Er wollte seine Maria verlassen – ein Engel Gottes, der ihm erschien konnte das verhindern.
Josef fügte sich dem Willen Gottes. Er stellte Maria nicht zur Rede, er fand auch kein Mitleid mit sich selber, das er einen Sohn großziehen soll, der letztlich nicht von ihm war – schonungslos bedingungslos.
Gerade an ihm können wir lernen, was es heißt, eine Ehe vor Gott zu führen. Keine Moralpredigt, das liegt mir fern. Es kann immer Situationen geben, in denen es nur noch Qual wäre, eine kaputte Ehe weiterzuführen. Diese Umstände gibt es, das dürfen wir nicht leugnen. Keine Kirche, keine Lehre kann und darf rigoros die Sünde der Scheidung in jedem Fall lehren. Das wäre weltfremd.
Ehe heißt Verantwortung – das wusste Josef genau. Er, der in den Evangelien nur am Rande erwähnt wird, hat durch das Tun des Willen Gottes Großes geleistet. Denn er sorgte für seine Familie, so gut er konnte. Gäbe es doch nur noch mehr Männer dieser Art, gäbe es nur noch mehr Menschen, denen die Größe der Verantwortung einer Ehe bewusst ist.
Man kann auch scheitern in einer Beziehung, auch Josef hätte beinahe das ereilt. Doch der Kontakt zu Gott half ihm dabei die richtige Wahl zu treffen.
Tun wir es dem Josef gleich. Bringen wir unsere Gedanken, unsere Probleme in Ehe und Familie immer nur vor Gott, denn er weiß den Weg für uns, den richtigen Weg. Er weiß darum, wie es in den Herzen der Menschen aussieht. Er kennt die Lösungen für unsere Probleme. Warum also selbst im Dunkeln herumirren, wenn doch der Herr nur auf unser Gebet wartet? Werfen wir all unsere Sorge auf ihn, denn er sorgt bestimmt für uns!

Die Kirche und mit ihr viele Glaubensgemeinschaften sehen in der Scheidung gleichermaßen den Zwang des Partners, Ehebruch zu begehen. Denn die Ehe ist von Gott und ist heilig.
Doch da machen wir es uns zu leicht.

Der schlagende Ehemann, Psychoterror zwischen Menschen, die sich einmal liebten, gegenseitig auf einender herumtreten, sei es zu hause oder in der Öffentlichkeit – und auch da ist es Sünde, sich scheiden zu lassen?
Die Worte Jesu lassen hier keinen Zweifel. Scheidung und Wiederheirat von einer Geschiedenen ist mit dem Ehebruch gleichzusetzen.
Was also tun?
Also nun doch den prügelnden Mann weiter ertragen, also doch die Kinder und sich körperlicher und psychischer Bedrohung aussetzen? Oder das Gebot Gottes bewusst brechen? Beide Alternativen erscheinen nicht wirklich unser Problem zu lösen.

Ich persönlich bin überzeugt: wir sind sündige Menschen, keine Heiligen aus uns heraus. In unserem Tun werden wir früher oder später Schuld auf uns laden, in unserem Sein sind wir der Sünde gestorben durch die Erlösung Christi am Kreuz des Kalvarienberges.
So wie Christus der sündlos Schuldige wurde, denn er trug unser aller Schuld auf seinen Schultern, so sind auch wir immer wieder Schuldige vor ihm. Ein Leben das das umgehen will, endet bitter. Ein christliches Leben, das nicht mit der Gnade der vergebung Gottes rechnet, wird früher oder später an diesem Maßstab scheitern. Wir brauchen Gottes Gnade, seine Liebe und Vergebung. Auch wenn wir notwendigerweise unsere Ehe scheiden müssen, dann bitten wir den Herrn, uns das zu vergeben. Denn Gott sucht nicht unser Unglück und sein Gebot steht nicht über dem Seelenheil seiner Kinder. Wir sind keine perfekten Menschen, das weiß Gott alle mal. Darum bitte wir um Gnade, um Vergebung und lassen wir ihm die Zeit, uns zu antworten. Auch wenn es ein wenig dauert – Gott wird ihnen auftun, wenn sie klopfen.

Du sollst nicht ehebrechen – ein hoher Anspruch, den Christus an uns stellt. Und dennoch: der Versuchung zu widerstehen, körperlich wie seelisch kann nur mit der tragenden Hilfe Gottes geschehen. Er lässt uns nicht im Stich. Er ist bei uns, gerade weil Christus um die Anfechtungen der Menschen weiß.
Die Verantwortung der Ehe auf sich zu nehmen, um die Ehe zu kämpfen und eben nicht nach einer verlorenen Runde den Kampf anzusagen – das ist die Erfüllung des Gebotes Gottes. Auch wenn uns das nicht immer gelingen mag – Gott ist an unserer Seite.
Doch es zeigt auch: Gott ist nicht grausam, ihm ist die Erfüllung seines Gebotes nicht wichtiger, als unser Leben, unser Glück. Es gibt Ehen, die gescheitert sind, es gibt Ehen, die einem Gefängnis entsprechen, einem Gefängnis, das letztlich beide Partner über kurz oder lang zerstören wird. Auch wenn wir uns schuldig machen bei einer Scheidung, auch einer notwendigen – Gottes Gnade und seine Liebe werden uns tragen, uns vergeben. Denken wir nicht nur in den Kategorien schwarz und weiß – denn Gott tut das auch nicht.

Fürchtet euch nicht, denn ich habe euch erlöst!

AMEN!