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Die GOLDENE Regel Christi

Die goldene Regel

Mt 7,12:
 Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.



Liebe Schwestern und Brüder,

gestern war es mal wieder soweit: ein gemütlicher Fernsehabend stand vor der Tür. Vieles konnte man leider nicht als Fernsehunterhaltung bezeichnen – aber das sind wir ja schon lange gewöhnt, oder etwa nicht?

Während ich in gelassener Wartestellung verharrte – vielleicht findet man doch noch was Interessantes an diesem Abend – sah ich einen Bericht über zwei Nachbarn, die sich vor geraumer Zeit definitiv den Krieg erklärt haben. Gerichtsverfahren ohne Ende, zufriedene Rechtsanwälte und zwei mittlerweile verbissene Männer, denen der Streit zur täglichen Herausforderung geworden zu sein scheint.
Alle Nachbarn, Jeder der Wohnanlage, einfach ein jeder hat schon mal versucht, das Kriegsbeil der beiden Herren zu begraben. Sie ahnen es: nichts hat sich verändert. Während andere Ihre Ruhe suchen bricht nebenan wieder ein neues Wortgefecht aus. Die Gründe kenne ich leider nicht – es ist auch reine Vermutung, aber ob es die beiden Knaben noch den Grund des Kriegs wissen, muss ich bezweifeln. Jeder Tag bedeutet Gezänk und Unfrieden. Ja, hier möchte man ganz sicher seine Freizeit verbringen, geschweige denn dort wohnen!

Viele Anwohner haben schon versucht, die Beiden umzusiedeln, raus aus diesem Wohnblock, raus aus dem Leben der leidgeprüften Nachbarn. Viele sind umgezogen, andere planen Ähnliches. Das bedeutet: der Vermieter verliert seine Einkünfte, je mehr Anwohner das Weite suchen. Dieses Gezänk bedeutet Einnahmeschwund, obgleich der Vermieter auch von etwas leben muss. Und gerade das ist in Gefahr!

Was glauben Sie? Was das Bisherige reine Glosse, eine Geschichte der Fiktion?
Dann haben Sie leider Unrecht. Es gibt diese Kriegsschauplätze mitten unter uns. Niemand weiß, wie lange er seine Feierabendruhe noch hat. Doch als Optimist rechnet man nicht wirklich mit dem Schlimmsten – doch klar ist: es kann jeden treffen.

Das Jesuswort der heutigen Predigt spricht zu uns: Frieden muss in unserem Herzen beginnen.
Hätten doch nur unsere beiden Zankäpfel darüber mehr gehört? Vielleicht hätten sie gespürt, das sie sich beide gemeinsam zum Opfer machen. Und dann passiert es: Herzinfarkt und Co lassen in einer solchen Situation nicht lange auf sich warten. Und was dann? Die bittere Erkenntnis, Jahre des kostbaren Lebens mit einem solchen Müll verbracht zu haben. Was nütz jetzt noch die neue Heckenhöhe des Nachbarn, was hilft jetzt der Rückbau einer 2cm zu großen Garage? Das soll es gewesen sein? Wenn man doch die Uhr zurück drehen könnte. Doch dafür ist es jetzt vielleicht schon zu spät. Wer weiß das schon?

Auch wenn wir jetzt nicht weiter wissen: Gott schenkt uns die Lösung.
Christus spricht in seiner Bergpredigt die Worte der goldenen Regel. Kurz um: das, was man von anderen Menschen erwartet, das sollten wir gleichermaßen von uns selbst erwarten. Keine Abzüge, keine Entschuldigungen.
Nur so werden wir erkennen und spüren: Christus ist das Maß der Dinge, das Maß, das an uns angelegt ist.
Der Rebell aus Nazareth durchwandert weite Teile seiner Heimat. Er tut Wunder, er heilt, er hilft, überall dort, wo er gebraucht wird. Die Menschen erkennen: solche ein Mann, solch ein Prophet kann sich als die Erfüllung des Gesetzes der Liebe bezeichnen.
Dieser Christus wurde Mensch für uns alle. Keiner kennt uns und unsere Dunkelheiten am besten. Doch er bleibt und errettet jeden, der Rettung möchte. Unser Jesus lebt für uns, was bedeutet: er wurde ganz frei von sich selbst. Man erkennt in seinem Leben die Konstante der Liebe, der Gnade und Barmherzigkeit. Jesus lebt aus dem Willendes Vaters. Das ist seine Mission. Dafür lebt er!

Und wofür leben wir? Für die Arbeit, für die Familie, für uns selbst? Antworten gibt es so viele wie es Menschen gibt.
Doch fragen wir uns ernsthaft: wie sehr wollen wir uns verändern? Denn klar ist: wir müssen unser Leben umkrempeln, wir brauchen die Erkenntnis, das wir alle ein Umdenken bedürfen.
Genau! Wir alle, ohne Ausnahme.
Sicher – ich habe erkannt, das hier eine Lebensaufgabe auf uns wartet. Wir können uns nicht „sim salabim“ zu besseren Menschen zaubern. Das kostet Zeit. Das kostet Einsatz. Das kostet Mut!
Auch wenn unser Denken gefangen ist in einem Reflex, der zuerst die Schuld auf einen anderen projiziert.
Immer wieder begegne ich Menschen, die sich völlig ungehemmt über das Verhalten Anderer aufregen können. Das kocht die Wut, da will man Vergeltung, eine Vergeltung die meistens zu eigenen Aufwertung dienen soll.
Doch stelle ich mir nunmehr die Frage: wie sieht es denn vor meiner Tür aus? Habe ich nicht das, worüber ich mich aufrege, nicht vielleicht schon oft selbst begangen? Ist meine Schuld vielleicht viel schwerer als die, über die wir zu richten versuchen? Und dann merkt man: die Wut verschwindet. Wir werden wieder frei im denken und fühlen. Vielleicht haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, das Zorn letztlich nur uns selbst zerstört.Während wir mit Wut im Bauch an unserem ersten Magengeschwür arbeiten, sitzt das Objekt der Wut vermutlich gemütlich zu hause und genießt sein Leben. Ist es das wirklich wert?

Ist das so? reicht hier die Betrachtung nicht an eine wirklich befriedigende Lösung heran?
In einer Zeit, in der der Mensch zum Einzelsubjekt geworden ist, bedeutet eine solche Regel der Mitmenschlichkeit einen inneren Widerspruch dagegen?
Was tun denn die anderen mir Gutes? Und wie komme ich dazu, fremden Menschen Freundlichkeiten und Gefallen hinter her zu werfen? Und überhaupt: habe ich das nötig?
Wie Du mir so ich Dir – das muss reichen!

Nur reicht das wirklich? Wie sähe denn unsere Gesellschaft aus, wenn das Diktat von „ Du mir so ich Dir“ Wirklichkeit würde.
Verschiedene Fragen stellen sich dabei: Wozu sollen Menschen ihr Leben in den Dienst der Mitmenschlichkeit stellen? Krankenpfleger, Ärzte, Sozialdienste und viele mehr – wozu machen solche Leute einen derart anstrengenden Job? Was bekommen diese denn zurück? Dankbarkeit? Anerkennung? Weder noch.

Ich hoffe darauf, das im Falle einer Krankheit, bei Pflegebedürftigkeit oder auf meinem letzten Weg Menschen sich dafür einsetzen, das ich Hilfe, das ich Menschenwürde erfahren kann.
Diese Erwartung bleibt nicht ohne Anspruch. Was mir die anderentun sollen, das soll ich meinem gegenüber gleichermaßen angedeihen lassen. Hier ergeht der klare Gottesappell: der Mensch ist zur Hilfe berufen, egal wie diese aussehen mag. Wir Menschenkinder sollen gegenseitig uns mit Würde und Achtung begegnen, denn das erwarten wir auch von unserem Gegenüber. So einfach und so schwer ist das. Wenn ich Hilfe benötige, dann bitte ich meinen Herrn, das er mir helfende Hände zur Seite stellt. Doch dabei wird klar: ich muss gleichermaßen eine helfende Hand für andere werden. Jeder wird gebraucht! Ohne Ausnahme! Wir Menschenkinder sind auf gegenseitige Solidarität angewiesen. Denn jeder weiß: ohne die sind wir verloren.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann erkennen Sie, wie ernst die Lage ist. Allen ist klar: unsere Welt, wir alle brauchen Gottes Liebe und Menschen, die aus dieser Liebe heraus helfen, trösten, ermutigen.
Vielleicht wissen Sie schon, wo und wie Sie sich engagieren können? Seien Sie versichert – es mangelt nicht an Angeboten.
Wie sehr hungert Sie es danach, unserem Heiland als Werkzeug zu dienen? Wie gern möchten Sie einfach loslegen, dem Herrn zuliebe?
Warten Sie nicht. In jeder Gemeinde, in jeder Suppenküche oder Tafel werden Sie – ja genau Sie – dringend gebraucht.
Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt. Geben Sie von unserem unermesslichen Reichtum etwas an die weiter, denen das Nötigste zum Leben verwehrt ist.
Jeder Euro, jeder Cent für die Armen bedeutet die Rettung eines Menschenlebens. Es ist oftmals schockierend, wie wenig benötigt wird, um so viele Leben vor dem Tod zu bewahren.
Neben Staatshilfen und Rettungspaketen – lassen Sie sich nicht vom Wichtigsten ablenken. Gott braucht Sie, Sie und mich.
Packen wir es an !

AMEN