Beten – Elixier des Lebens oder frommes Selbstgespräch?
Mt. 7, 7-12
Liebe Schwestern und Brüder in Christi!
Pleite. Das hartverdiente Geld des Vaters mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen. Aus dem angestrebten sorgenfreien Leben wird da jetzt wohl nichts. Im heutigen Bibeltext spricht Jesus in seiner Bergpredigt vom beten. Beten, das ist für Jesus kein Selbstgespräch, denn er weiß: Gott erhört all unsere Gebete, ganz egal wer wir sind, oder was wir glauben sein zu wollen. Beten, das ist Kommunikation mit dem, auf den es letztlich im Leben ankommt.
In dem Gleichnis vom verlorenen Sohn erfahren wir mehr darüber, welche Barmherzigkeit und geduld Gott jeden Tag mit seinen Kindern hat. Denn sicher wissen wir: diese Liebe, diese Geduld unseres Herrn mit uns können wir uns nicht verdienen. Wir sind allenthalben Menschen, Menschen, die sündhaft, Menschen, die oft genug lieblos gegen sich, gegen andere und gegen Gott sind. Und doch finden wir gerade in den dunklen, den schweren Zeiten unseres Lebens oftmals hin zu Gott, denn wir hoffen: Gott ist Person, Gott liebt einen jeden von uns, egal was er auch getan hat. Dennoch: gerade dann, wenn wir das Tief überwunden haben, verliert Gott nur all zu oft seine Faszination.
Leider berichtet uns die Bibel nicht, wie es mit dem verlorenen Sohn weitergegangen ist. Wir wissen: er wollte einfach raus aus dem elterlichen Haus. Arbeit und Mühsal schreckten ihn, so dass er kurzerhand sich sagte: jetzt will ich das Geld meines Erbes ausgeben. Spaß haben, nicht auf den Pfennig achten müssen, ja als Akt der Befreiung mag er die Lossagung vom Vater empfunden haben. Und sogleich wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Dennoch: der Blick des Sohnes fällt nicht zurück auf den Vater, einem Vater, der so bereitwillig die Freiheitspläne des Sohnes unterstützt. Denn überlegen wir: wäre das unser Sohn gewesen, ich hätte das Erbe nie wirklich einfach mal so ausgezahlt. Geht es Ihnen genau so? Doch weh hat das dem Vater sicher getan. Sein Sohn, sein Fleisch und Blut sagt sich quasi von der Familie los. Ihn interessieren keine Gefühle der anderen, nämlich die Gefühle derer, die diesen Chaoten wirklich lieben. All das lässt er hinter sich, weil der Wunschtraum von der Realität genug Geld zu haben offenbar so verlockend ist.
Doch wäre es nicht auch anders gegangen? Warum nur, frage ich mich, haben sich die Beiden nicht an einen Tisch gesetzt und geredet? Warum diese Gleichgültigkeit, warum dieses endgültige Handeln so als ob die Familie nur noch Ballast auf dem Weg zum Glück wäre?
Wie dieses Glück dann letztlich aussah, das wissen wir recht deutlich. Das Geld verprasst, die Party ist zuende. Doch was nun? Geld zum essen, Geld für ein Dach über dem Kopf – woher nehmen? Diese Sorgenlast schüttelt man nicht so einfach ab von sich. Denn man weiß: man ist schuldig geworden. Schuldig am Vater, an der Familie und schuldig an sich. Die Brücken scheinen abgebrochen zu sein. Das Leben scheint wie eine Seifenblase zerborsten zu sein.
Dennoch: man rafft sich auf und sucht sich Arbeit, doch wird man auch fündig? Die schlimmste Sklavenarbeit, das Hüten von Schweinen, muss zur Arbeit des |
verlorenen Sohnes werden. Und der Lohn? Man hat noch nicht einmal genug zu essen. Gedanken tauchen auf, Gedanken an den Vater, an das Leben zu Hause. Wovor ist man denn nur weg gelaufen? Doch mittlerweile fasst man sich ein Herz. Nach dieser Erniedrigung ist ihm klar geworden: das rüdeste Verhalten des Vaters, all die Vorwürfe, die er verdient hätte – all das ist besser, als hier in Dreck und Gestank elendig zu verrecken.
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Der Tag ist gekommen. Von Weitem sieht man die Tore des heimischen Hofes. Kein Palast hätte schöner sein können, als dieser Blick hin zum Vertrautem. Heimat. Endlich.
Je näher die Schritte zum Haustor einen führen, umso mehr drückt das schlechte Gewissen. Was wird passieren? Was wird „er“ wohl sagen?
In der Wohnstube des Hofes sitzt der sich sorgende Vater. Von Weitem erkennt er den Sohn, den verlorenen Sohn. Er ist zurück. Er ist nicht gestorben. Es gibt ihn noch wirklich. Und sogleich rennt der Vater dem Sohn entgegen. Und nun: die Begegnung. Es scheint, als ob der Vater die ernst gemeinte Entschuldigung des Sohnes gar nicht so recht hören. Der Vater nimmt seinen Sohn in den Arm. Alles scheint vergessen. Alles scheint nie passiert zu sein.
Liebe Schwestern und Brüder, man kann es kaum glauben. Diese Barmherzigkeit, diese Liebe zu seinem Sohn – wer kann so etwas vergleichbares aufbieten? Ich denke, meine Reaktion wäre menschlicher ausgefallen. Diese bedingungslose Liebe, die das Schlechte, die Verletzungen nicht mehr sieht, sehen möchte. Kaum zu glauben.
Liebe Schwestern und Brüder, wir alle haben diesen Vater, den wir gerade noch so bewunderten. Ein jeder, Sie, Sie und ich. Jeder wird mit der gleichen Liebe geliebt wie der verlorene Sohn.
„Bittet Gott, dann wird euch gegeben.Sucht und ihr werdet finden. Klopft an und euch wird die Tür geöffnet. Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet.Und wer anklopft, dem wird aufgetan werden.“ ( Mt. 6,7) – so hörten wir das im Evangelium des Tages. In diesem Abschnitt erkennen wir: Gott ist lebendig, er ist Person, die ansprechbar, die gebeten werden kann, seine Kinder kennt und liebt. Es scheint, als ob Gott auf unsere Gebete, unsere Zuwendung wartet, wie der Vater des verlorenen Sohnes. Und wenn er uns und wir darin ihn erkennen, lässt uns seine Liebe nie mehr im Stich. Wir reden von einer Liebe, die ewig ist und gerade so über Leben und Tod hinaus zielt, begleitet, erbaut. Voller Reue kam der Sohn zum Vater, er bat ihn um eine Hilfsarbeit – so weit war er gesunken. Doch die Barmherzigkeit des Vaters war größer, größer als alle Erwartungen.
Gerade in unserer heutigen Zeit wird der Gläubige Christ eh nur noch bedauert angesehen. Gott spielt keine Rolle mehr im Leben der Menschen. Und dabei wird vergessen: wir brauchen nichts sehnlicher, als diesen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Denn diese Welt ist kalt und oftmals überfordernd geworden. Viel zu viel lastet oft auf unseren Schultern bis man erkennt: hier kann ich nicht weiter. Es zerstört mich. Also zerstöre, was dich zerstört. Doch klar ist: das macht das Leben nicht einfacher. So wie Simon von Kyrene Christus das Kreuz zum Kalvarienberg trug, so müssen auch wir
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lernen, Gott zu bitten, an sein Herz zu klopfen, ihn anzurufen um Einlass in sein Herz, seine Liebe zu finden. Gott ist da. Er wartet auf Sie und mich. Lassen wir ihn ein in unsere Herzen, unser Leben. Reißen wir die Türen auf für Christus. Gehen wir jeden Tag zusammen mit Gott. Sprechen wir mit ihm, nicht nur privatim am Abend. Wenden wir uns ihm zu: in Arbeit, Freizeit, Alltag. Gott wartet auf unsere verantwortliche Taten. Gehen wir voran: mutig und entschlossen. Denn wer den Willen Gottes tut, kann nicht scheitern!
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So einfach soll das sein? So einfach soll man Zugang zu Gott bekommen? Natürlich fragt man: wo liegt der Haken? Kann man dien Verheißungen überhaupt trauen?
Der Vater des abtrünnigen Sohnes tat es zumindest. Er vertraute darauf, das Liebe immer stärker sein wird als die Verdammung, Verurteilung. Natürlich hätte sein Herz härter sein können – wer hätte das nicht verstanden. Doch klar wird hier: wir sind nicht auf Erden, um zu richten. Wir Christen sind auf dieser Welt, um zu lieben, die Liebe Gottes zu uns in die Welt hinein zu tragen. Nur warum traut man, trauen auch wir uns manches mal nicht, an diese Worte der Wahrheit zu glauben? Nur weil wir Menschen sind? Nur weil wir darum wissen, das Schwäche und Verwirrungen an unserem Naturell liegen? Oder haben wir die Wahl und dazu all zu feige, diese Wahl zu treffen und durch zu setzen?
Die Antwort scheint kompliziert und dennoch ganz einfach. Christus sprach zu seinen Jüngern, das es ihnen nicht besser ergehen kann, als ihm, den Lehrer und Meister. Und so frage ich: hat man Jesus und seinem Wort vertraut? Hat man erkannt, wer dieser Mann aus Nazareth ist und war? Hat man sein Leben aus Liebe zu Gott verschont? Also frage ich auch: geht es uns nicht bedeutend besser als unserem Herrn Jesus Christus? Sein Wort, seine Lehre und sein Weg des Lebens steht diametral den Lebensvorstellungen dieser Welt entgegen. Bei Gott zählt der innere, der bußfertige Mensch, ganz egal, welche Sünden er beging, ganz egal, wie wenig er sein Herz für Andere geöffnet hat. Umkehr! Erkenntnis! Bedauern. Das sind die Eintrittskarten zum Herz Christi. Denn mir ist klar: all die Oberflächlichkeiten dieser Welt, Geld, Macht und viele andere gelten vor Gott rein gar nichts. Das bedeutet natürlich nicht, das wir alle der Welt entsagen und uns in ein menschenleeres Waldstück flüchten sollen. Denn es ist an uns, diese Welt zu verändern – mit Gottes Hilfe. Wenn wir erkennen: Gott allein genügt ( Theresa von Avila), seine Liebe ist es, die wir brauchen, seine Gegenwart ist es, aus der heraus wir leben – dann haben wir auf den schmalen Pfad hin zum Leben, hin zu Christus gefunden. Doch ohne ihn geht es nicht. Also zögern wir nicht: Bitten wir ohne Unterlaß, rufen wir unseren Herrn! Rütteln wir täglich, stündlich, minütlich an der Tür der Gegenwart Gottes, rütteln wir alle am Herzen Gottes. Denn seine Liebe ist unser Erbteil am Erbe des Vaters, Erbe des Glaubens. Machen wir uns auf, hin zu Gott, hin zum Berg Sinai, wo Sicheln zu Pflugscharen werden, wo Gott einen jeden von uns empfängt, empfängt mit Liebe und Barmherzigkeit. Machen wir uns auf, den Dialog in dieser Welt zu suchen, machen wir uns auf, Gott im Bruder, in der Schwester zu sehen. Denn das ist der Blick der Liebe, der Blick auf den Gott, der die Liebe ist.
AMEN!
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