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Ein Leben für die Kunst

Ein Leben für die Kunst

In Memoriam

Hans-Gerald Otto – ein Leben für die Kunst

Ein Portrait





30.07.1939 – mit Spannung wird die Geburt von Hans-Gerald erwartet. Nun endlich, es ist der 31.07.1939 ist es soweit und Hans-Gerald Otto, Sohn von Hans Otto, dem örtlichen Pfarrer und Anita Otto, erblickt das Licht der Welt.

Schon in der Schulzeit zeigt sich sein dichterisches Talent – Aufsätze schreiben wird zu seiner liebsten „ Schulverpflichtung“, mit der er allenthalben seine Lehrer zu beeindrucken wusste.
Schon in seinen Jugendjahren findet Hans-Gerald seine „ Erste Liebe“ – die Musik.
Der Stadtsingechor in Halle/Saale wurde in dieser Zeit seine musikalische Heimat.

Nachdem er, wir alle sind dafür dankbar, einer Optikerlehre „entging“, studierte er Musikwissenschaft in Leipzig – das erste Mal weg von zu Hause nutzte er seine Studienzeit um Erfahrungen vielerlei Art zu sammeln – er schrieb Artikel für die örtlichen Zeitungen, sprach in Theatern Einleitungen zu seinen geliebten „ Händelopern“, wobei auch der Spaß mit seinen Studienkollegen niemals zu kurz kommen sollte.

Endlich geschafft – das Ende der Studienzeit, eine neue Liebe und ständig nur Kritik

Es ist vollbracht – das schwere Musikwissenschaftstudium ist beendet. Doch was nun? Was mit dem nun aufziehenden, neuen Lebensabschnitt anfangen?

Nun, neben seiner ersten Liebe, der Liebe zur Musik, gesellte sich eine weitere, die den Namen Ingrid Meier trug – 1962 heiraten die Beiden, 1973 und 1978 wird er stolzer Vater seiner Söhne Matthias und Michael Otto.

Beruflich findet er seinen Weg zur Theaterkritik, einem Genre in dem er brillierte und sich einen „ republikweiten“ Ruf aufzubauen wusste. Berlin hieß die neue Heimat, zum Glück nicht allzu weit weg von seiner Heimatstadt Halle/Saale. „Theater der Zeit“, eine Fachzeitschrift für das Musiktheater, die einzigste Fachzeitschrift dieser Art, die auch von „ der anderen Seite“ gelesen werden konnte, hieß sein Refugium. In dieser Zeit traf er weltbekannte Operngrößen, wie Felsenstein und Kupfer, die gleichwohl dem jungen „ Kritiker“ sehr wohlgesonnen gegenüberstanden. Es war eine harte Zeit, Gehalt gab es kaum
– was also tun? Ganz einfach, das was er am besten konnte – schreiben und komponieren.

Zahlreiche Texte für Chansons und Lieder aller Art entsprangen seiner Feder und verdienten somit den spärlichen Lebensunterhalt der jungen Familie Otto.

Eine neue Freiheit, ein Plätzchen im Grünen und ganz viel Theater

So sehr Hans-Gerald auch den Beruf des Theaterkritikers liebte, das Geld reichte für eine Familie einfach nicht aus. Und so arbeitete er freischaffend als Autor zahlreicher Chansons, Liedertexte und sogar ganzer Revuen.
Sein Name als Theaterkritiker eilte ihm voraus, als er von dem „ Alten“ Friedrichstadtpalast als Autor entdeckt wurde – zahlreiche Revuen ( das Haus brachte jeden Monat eine neue heraus!) entstammen seiner Feder. Schon in dieser Zeit „ verliebte“ er sich in das Genre des Revuetheaters, eine Liebe, die für seinen weiteren Lebensverlauf sehr bestimmend werden sollte.

Privat lief auch alles „ rund“ – die Tätigkeit seiner „ Icke“, die als Kindergartenleiterin reüssierte, trieb die Beiden in das schöne Rosenthal, das für die ganze Familie Otto als „ grüne Oase inmitten der Großstadt Berlin“ Heimat wurde und bleiben sollte.

Der „ Alte“ Friedrichstadtpalast war abgerissen, ein neues Haus in der gleichnamigen Friedrichstraße war erbaut, da entschloss man sich, Hans-Gerald fest als Musikdramaturg anzustellen. Mit viel Liebe füllte er diese Tätigkeit aus, aber auch seine Arbeit als Autor kam in dieser Zeit nicht zu kurz – zahlreiche Revuen, darunter die bekannten Produktionen des Friedrichstadtpalastes „ Revue-Zirkus“ und „ Wie ein Vogel schwerelos“ aber auch viele Kinderrevuen schrieb Hans-Gerald in dieser Zeit.

Besonders den Kindern war seine schöpferische Tätigkeit zugewandt, einmalige Phantasie und Sensibilität prägten seine Kinderstücke – ein Höhepunkt war zweifelsohne die Kinderplatte „ In Dingsbumshausen ist was los“, für die er die kompletten Liedtexte verfasste.

Die Wende, ein ganz anderes Leben und die Dunkelheiten seines Lebens

Die Wendezeit brach heran, die alte Führungsriege seines geliebten Friedrichstadtpalastes wurde „ gegangen“ – führungslos war das Haus, Gerüchte über Verkauf und Schließung kursierten, eine beängstigende Zeit brach heran.

Doch es sollte ganz anders kommen. Hans-Gerald wurde Intendant dieses Hauses, das er zielsicher durch die rauen Witterungen der Nachwendezeit hindurchzuführen verstand.

Eine sich verschlechternde Gesundheit, Diabetes und eine schwere Lungenentzündung kamen hinzu, machten Hans-Gerald ab 1994 zum „ Privatier“ – sein Schöpfungsdrang war ungebrochen, hingegen musste sich dieser von seiner Gesundheit Einhalt gebieten lassen.

Der Paukenschlag seines Lebens ereilte ihm in Jahr 2002, als seine geliebte Mutter verstarb. Kurz darauf, erhält er die Diagnose: „ Krebs“.

Sein schwerer Leidenskampf, der alle Dunkelheiten, die eine solche Krankheit aufzubieten versteht, durchschritt, endete am 29.12.2005 mit seinem friedlichen Heimgang, den er zu Hause bei seiner Familie antreten konnte.

Sein Tod hat eine tiefe Lücke hinterlassen. Doch unvergessen bleibt er uns in unserem Herzen, seine heitere Art, seine Schaffenskraft und Phantasie haben dieser Welt viel gegeben – hab Dank dafür, für die Freude, die du uns gabst und einfach dafür, das es dich gab.

Herzlichst

Ingrid, Matthias und Michael Otto