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Andachten

Gedanken zum Ewigkeitssonntag 2011



Liebe Schwestern und Brüder,

Ewigkeitssonntag – ein Tag, der einen jeden von uns emotional herausfordert. Gedanken an Tod und Ewigkeit belasten. Niemand will sich wirklich mit diesem Thema auseinandersetzen, denn immer schwebt der Gedanke über uns, das auch uns jener letzter Weg erwarten wird.

Gerade heute zieht es viele von uns hin zu den Friedhöfen der Stadt. Die Gräber unserer Lieben werden verziert, ja vielmehr noch wird jenen Menschen, der da vor uns ging, Ehre zuteil.
Ein Gang über den Friedhof erweckt in mir immer unterschiedliche Gedanken. Zu vielfältig kann man auf Jene blicken, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Was hat jene Menschen bewegt? Was war ihnen wichtig? Wie haben die Familien den oft so frühen Tod verkraftet?
Hier der geliebte Ehemann, dort die junge Mutter. Schicksale begegnen einem beim Spaziergang über eben jenen Friedhof.

Gerade in der kalten Jahreszeit, an Tagen, an denen so ganz das Licht zu fehlen scheint, befallen uns jene dunklen Gedanken, die sich immer mit einem Ende zu beschäftigen scheinen. Zweifel umgeben uns, vielleicht sogar oder besonders an diesem Tag.
Der Tod – er steht agressiv unserem Glauben gegenüber. Das Herz ist erfüllt von Angst, Angst vor dem Ungewissen, dem unveränderlichen Ende, Angst um jene, die wir in dieser Welt zurück lassen. Dennoch: unser Glaube geht einen anderen Weg. Natürlich wissen wir um die Liebe Gottes – wir haben sie alle schon mehr als einmal erlebt. Natürlich wissen wir um Jesus, der für uns gestorben und gerade so uns neu geboren hat als Kinder Gottes. Wovor fürchten? Weshalb zweifeln?

Sicherlich gute Fragen, doch sind es gerade jene Fragen, die uns in einen Konflikt werfen, ein Konflikt, der gerade an jenen Tagen wie heute zum Vorschein kommt. Leben oder Tod? Wofür sollen wir uns entscheiden?
Ich persönlich bin auch immer wieder durch das Bild des Todes, des verlassens, herausgefordert. Immer wieder stellt sich jener Konflikt vor Augen – bei jeder Beerdigung, bei jeder Todesanzeige eines lieben Menschen stelle ich die Frage: warum nur müssen wir Menschenkinder solches erleiden? Warum gehört es zum Leben dazu, das oftmals Liebste was man hat, verloren geben zu müssen? Warum diese Qual, warum diese Grausamkeit, eine Grausamkeit, die manch einem Menschen jedwede Lebenskraft heraus saugt.
Wir alle suchen Antworten auf ganz persönliche Fragen.

Nur was sagt Gott dazu?

Im Johannesevangelium des 11.Kapitels begegnet uns die vielleicht bekannteste Bibelstelle des neuen Testaments. Hier heißt es:



Die Auferweckung des Lazarus als Zeichen

17 Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.
18 Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.
19 Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.
21 Marta sagte zu Jesus: Herr,



wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 
22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. 
23 Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 
24 Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. 
25 Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? 
27 Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. 
28 Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. 
29 Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm. 
30 Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte. 
31 Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. 
32 Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 
33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. 
34 Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh! 
35 Da weinte Jesus. 

Marta und Maria – zwei Schwestern, die ihren lieben Bruder zu Grabe tragen mussten. Sie alle kennen Jesus, kennen seine Wunder und Taten als der Messias Gottes.
Unverständnis breitet sich aus: warum musste unser Lazarus sterben? Wo war Jesus, als es mit ihm zuende ging? Warum war er nicht hier, hier bei uns, bei ihm?

So auch lassen sich die ersten Worte Martas zu Jesus erklären: 21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 

Ein jeder, der jene Erfahrung der Schwestern teilen kann, wird deren Einwurf verstehen, nachvollziehen, zustimmen. Das Warum bleibt bei einem jeden Verlust immer das Gleiche. Angesichts all des Bösen dieser Welt, all jener, die Gottes Wort und somit



ihn verachten, leben oftmals in Frieden und Freuden und jene, die sich selbst aufgaben, um sich anderen zu verschenken, werden nur all zu früh in den Tod gerufen. Ist das etwa gerecht? Warum war Jesus nicht bei der Mutter, als das Krankenhaus nichts mehr tun konnte? Wo war Jesus, als die liebe Ehefrau urplötzlich aus dem Leben gerufen wurde? Ja, wo warst Du, Jesus?

Eine Frage, die einen jeden antreibt, ja vielmehr auch einer zufriedenstellenden Lösung nicht zu finden im stande ist.
Alle Tragödien unserer Geschichte stellen auch heute immer noch jene Frage. Ist Gott uns so fern, nimmt Gott überhaupt Anteil am eigenen Leben?

Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Wie hätte ich mich wohl verhalten, nach solch einer Anklage? Vielleicht Rechtfertigungen vorgebracht, so als ob das jemals zu etwas nutze gewesen wäre.
Doch Christus überrascht.
Ganz kühl, ja nahezu das zu Sagende als Selbstverständlichkeit zu formulieren, spricht er zu Martha: „Dein Bruder wird auferstehen“.
Sicherlich, denkt Martha. Am Jüngsten Tag, wenn diese Welt überwunden ist, dann werden die Toten auferstehen. Dennoch: sie hat ihren Bruder für das ganze zukünftige Leben verloren. Hier in dieser Realität ist leider der Tod unumkehrbar. Und was danach kommt? Wer weiß das schon ganz sicher?

Gerade hier erkennen wir: Christus apelliert an den Glauben der Schwester. Ihr wird im Laufe der Zeit klar werden: Jesus und der Glaube sind die Lebenselixiere unserer Zeit, unseres Lebens.
Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? 

Gerade jetzt, gerade heute stellt uns Christus jene Frage, eine Frage, die gerade heute aktueller denn je ist. Nicht unsere Vorstellungen von Himmel und Hölle, keine Bilder des letzten Tages
können uns retten – denn was nach diesem Leben passiert, bleibt ein Geheimnis.
Nicht unsere eigenen Vorstellungen sind hier gefragt – denn die Liebe Gottes zu uns allen muss Grundlage des eigenen Glaubens werden.
Auch wenn ich nicht weiß, was kommt, eines ist sicher: auf der anderen Seite erwartet mich Jesus, seine Liebe, seine Zuwendung. Wer braucht schon ein „Wann, Warum, WIE“ , wenn wir doch einem Gott vertrauen, der eben Rettung verheißt und nicht das Gottesgericht der Gerechtigkeit.
Wenn auch Sie heute wie Martha empfinden, wenn Fragen, dunkle Gedanken und Hoffnungslosigkeit sie befallen – Christus ist da, er ist Realität. Seine Liebe ist unseres Schrittes Licht. Ja, wir haben liebe Menschen verloren und sicherlich erinnert gerade dieser Tag an die Dunkelheit, die der Tod verbreitet. Doch ich weiß genau: weder Tod und Teufel, weder Macht und Geist können mich der Liebe meines Herrn entfremden. Christus wartet auf uns, auf die liebe Ehefrau, auf die Mutter und den Vater, den wir aus dieser Welt heraus für verloren halten. Es gibt das Licht inmitten des Todes, der Dunkelheit des Lebens. Dieses Licht ist Jesus Christus. Er ist uns immer nahe – vergessen wir das nie. Denn er, seine Macht und Barmherzigkeit macht ihn allein zur Auferstehung, ja vielmehr noch zum guten Hirten, der seine Schafe liebt wie kein anderer.
Christus ist die Auferstehung, egal wann und wie sie erfolgen wird. Denn ER ist die Auferstehung und das Leben! Vertrauen wir uns dieser Liebe an und erkennen wir: der Glaube ist es, der lebendig macht – dieses und jenes Leben.

Liebe Schwestern und Brüder. Dieser Tag, diese kommende Woche werden uns innerlich betroffen machen, uns erschüttern, vielleicht auch traurig machen. Dennoch: Christus gibt Ihnen, uns, Martha und Maria eine klare Antwort auf die Frage nach Tod, Leben, Ewigkeit:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

Wovor fürchten wir uns, wenn doch Christus immer an unserer Seite ist. Er ist kein ferner Gott, kein Gott, der uns im Leiden allein lässt. Unsere Liebe zu ihm schenkt uns die Gewissheit: der Tod hat nicht das letzte Wort, denn Christus ist Auferstehung, die den Toten lebendig macht und die Lebenden niemals sterben lässt. Auch wenn wir nicht wissen, was uns dort im Jenseits erwarten wird – doch eines weiß ich bestimmt: es wird Liebe sein

AMEN!

Gott sei mit euch allen!

Liebe Schwestern und Brüder,

Ewigkeitssonntag. Kein leichter Tag, denn auf ihm liegt oftmals bleierne Trauer, schmerzende Herzen.
Menschen, an denen wir hingen, die Teil unseres Lebens waren, haben wir verloren. Auf einmal wendet sich Gemeinschaft hin zur Einsamkeit. Das Bett dort, der Stuhl dort hinten – Erinnerungen werden wach, Erinnerungen, die nun im Spiegel von Verlust,Tod und Trauer weh tun. Unser Leben ist ärmer geworden. Gerade heute wird uns das glasklar.

Verstehe jemand diesen Paulus. Wie kann er so unverholen von Herrlichkeit sprechen, von Hoffnung auf die Herrlichkeit der anderen Seite, der Seite von Ewigkeit und Auferstehung.
Und doch: der Schmerz bleibt, ein Schmerz, der uns das sehen lässt was wir verloren haben, ein Schmerz, der die Hoffnung, von der Paulus spricht, nicht wahrnimmt, nicht wahrnehmen kann.

Die Bachkantate „Komm süßer Tod, komm selge Ruh“ zeigt uns eine ganz andere Perspektive, eine ganz andere Sicht auf Tod und Trauer.
In der ersten Strophe, wie hörten sie gerade, heißt es:

Komm, führe mich in Friede,
weil ich der Welt bin müde,
komm, ich wart auf dich,
komm bald und führe mich,
drück mir die Augen zu
Komm selge Ruh!
Der Tod als einzige Antwort auf Weltmüdigkeit, auf eine Müdigkeit, die Leid und Schmerz kaum noch ertragen lässt. Und doch empfindet man eine gewisse Wärme, eine Vertrautheit, die tröstet, den Weg, den wir gehen müssen, erleichtert.
Komm und führe mich – hier kämpft kein Verzweifelter mit sich um den Tod. Hier ist Leben, Trauer und Leid dem großen Du Gottes anvertraut. Man lässt sich führen, man ist bereit zu gehen, wenn nur Gott, wenn nur Christus uns führt. Denn seine Liebe weist den Weg des Lebens, nicht des Todes.
Der Tod als Erlöser, der Tod, der zu Frieden und Ruhe führt. Ohne Aufgeregtheit, ohne Befürchtungen, die in der Liebe zu Christi jedem von uns genommen werden.
Ja, diese Seite gibt es auch.
Wenn Schmerzen, wenn Qual von Krankheit und hilfloser Hilfe, die nur noch versucht, Leid zu mindern, nicht mehr heilen, nicht mehr Besserung bringen kann – dann ist es oftmals der Tod, der Frieden im Gesicht dessen hinterlässt, der sein Leben in Gott vollendet hat. Komm selge Ruh, komm ich wart auf dich, komm bald und führe mich, drück mir die Augen zu, komm selge Ruh!Diejenigen, die gehen, fühlen nicht den Schmerz des Abschieds. Der Zurückbleibende leidet.(Henry Wadsworth Longfellow - Zitate und Sprüche Henry Wadsworth Longfellow)
Gerade heute wird uns das allen wieder bewusst. Der Verlust, der Tod – es verletzt, eine Verletzung, die nicht durch tröstende Worte, durch ein gut gemeintes „das wird schon wieder“ geheilt werden kann.

Also wovon spricht hier Paulus?
Das dieser Zeit Leiden ein nichts sind gegenüber der Herrlichkeit Gottes, die er uns offenbaren wird am Ende der Zeit?
Und dennoch fällt es so schwer daran zu glauben. Auch heute, wenn wir das Grab dessen vor uns sehen, der doch so geliebt war von uns. Da scheint keine Herrlichkeit zu sein, kein Licht, kein Trost.
Sicher, wir Christen wissen: Christus liebt uns vorbehaltlos. Seine Liebe lässt uns niemals los, sie schadet nie und errettet immer.
Der Glaube an diese Liebe wird es sein, der uns auch wieder aus diesem tiefen dunklen Loch heraushelfen wird. Dennoch: Es gibt kein Leben ohne Leid, ohne Abschiede und Schmerzen. Und gerade so darf es keinen Tod ohne empfundene Trauer geben. Denn Paulus will nicht vertrösten. Seine Worte sollen Hoffnung schenken, ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar werden lassen.
Gerade heute am Ewigkeitssonntag müssen wir zu unseren Emotionen stehen, sie nicht verdrängen oder gar vertrösten.
Der zurückbleibende leidet (Henry Wadsworth Longfellow). Und Leid muss bearbeitet werden, muss gelebt werden, damit der Schmerz in unserer Seele sich bessern, heil werden kann.
Gott ist der gute Hirte, der uns im Tal unseres Leids führen wird. Der Psalm 23 erzählt uns davon.
Christus zeigt uns in seinem Leben, das der Tod keine letzte Macht über uns haben wird. Denn Jesus starb, um uns die Tür zum Vater, aufzustoßen. Die Seele ist unsterblich. Große Worte, ich weiß, und dennoch ist es für mich immer ein großer Trost zu wissen, das man nach dem Sterben nicht einfach weg ist, nicht einfach dem Leben gestorben ist ohne Rückkehr. In der Liebe Christi wissen wir: seine Liebe kennt keinen Tod, keine Grenze. Wir wissen nicht genau, was nach unserem Tod passieren wird, sicherlich. Doch das müssen wir auch nicht. „Ich weiß, das mein Erlöser lebt“; das sprach Hiob. Und auch wir können im Glauben an Gott erkennen: kein Tod, keine Krankheit, keine Gewalt im Himmel und auf Erden kann uns trennen von der Liebe Gottes! Der Tod entfernt uns nunmehr vorerst von einem geliebten Menschen und doch weiß ich: er ist dort drüben, dort wo Frieden ist, dort, wo Christus ist. Machen wir Gott und jenem Menschen, der und vorausging mit unserem Leben eine Freude. Denn was würde wohl Christus zu uns sagen, wenn er uns in Verzweiflung aufgelöst finden würde, wenn wir keinen Weg aus dem Tal der Tränen finden könnten? Fragen wir uns, was jenem Menschen Freude machen würde? Würde er sich freuen, wenn wir unser Leben wieder leben könnten? Würde es ihn freuen, wenn wir anderen eine Hilfe würden, vielleicht auch jenen, die Gleiches durch zu machen haben? Tun Sie alles was sie machen mit Liebe zu Gott und den Menschen, die man liebt. Denn der Tod trennt nicht! Tod wo ist Dein Stachel?

Im 2. Petrusbrief heißt es: (2Petr 3,13) “Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ Gibt das uns nicht schon heute Kraft und Zuversicht? Denn wir erkennen: was für Leid wir auch tragen: es wird zeitlich sein. Denn am Ende steht der neue Himmel und die neue Erde, in der kein Leid, kein Tod mehr sein wird.
Johann Sebastian Bach drückte das so aus:

Komm süßer Tod, komm selge Ruh!
Im Himmel ist es besser,
da alle Lust viel größer,
drum bin ich jederzeit
schon zum Valet bereit,
ich schließ die Augen zu.
Komm selge Ruh!
Komm süßer Tod, komm selge Ruh!
O Welt, du Marterkammer,
ach! bleib mit deinem Jammer,
auf dieser Trauerwelt,
der Himmel mir gefällt,
der Tod bringt mich darzu.
Komm selge Ruh!
Who wants to live forever? Diese Zeile sang die legendäre Band Queens. So gesehen eine gute Frage!
Denn stellen wir uns das einmal vor – ewig im Hier und Jetzt zu leben. Ein Leben, das niemals endet, das immer und immer weiter gehen wird.
Denn eines ist nicht zu leugnen: die Welt ist oft eine „Marterkammer“, wie es Bach ausdrückt. Hier in dieser Welt ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Jeder weiß darum. Im ewigen „stirb und werde“ gibt es Kummer und Verzweiflung und mehr als einmal kam mir diese Welt wirklich vor wie eine solche Trauerwelt.
Und doch ist es gerade an uns Christen, die Menschen vom Licht zu überzeugen, einem Licht, das einem jeden brennt, egal wo, wie oder warum! Denn dieser Glaube ist es, der zu einer Hoffnung im Leben führen wird, einer Hoffnung, die trotz aller Dunkelheiten, Zweifel, Sorgen Hoffnung bleibt. Sie ist untrügbar, verlässlich, tragend.
Doch eines ist auch klar: Hoffnung ist nicht Gewissheit, ist nicht das Wissen, sondern das Erwarten.

Im 2. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 7 heißt es: „Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“Warum also macht es Gott so spannend? Warum macht er in dieser Welt nicht klar: hier bin ich, ich bin, ich lebe nahe bei euch allen!
Wäre es dann nicht vorbei mit den Kriegen der Religionen, wäre es dann nicht vorbei mit Atheismus und Agnostizismus, wäre es vorbei mit leeren Kirchen und arbeitslosen Priestern?
Und doch hat er anders entschieden. Wie Paulus es beschrieb: wir glauben, wir schauen nicht. Doch dabei wird mir klar: mein Glaube ist ein Weg von Ungewissheit hin zur Gewissheit meines Glaubens. Denn wer sein Leben mit Gott verbringt, der wird ihn mit den inneren Sinnen, mit Herz und Verstand erkennen. Natürlich gebe ich hier Paulus recht wenn er sagt: wir hoffen auf das, was wir nicht sehen. Doch mit Geduld, mit Liebe und Offenheit wird unser Herz erkennen: mein Erlöser lebt. Gott wird zur Gewissheit werden, zum großen DU des eigenen Lebens. Ein Glaube der wächst wird letztlich immer unsere Liebe zu Gott wachsen lassen. Und gerade in den schweren Stunden unseres Lebens wird diese Liebe uns tragen, führen, trösten.

Tod wo ist dein Stachel?
Natürlich tut der Tod immer weh. Denn wir erkennen: unsere Welt ist kleiner geworden. Doch der Tod ist nicht mehr grausam für den Christen, denn der Christ hat eine Hoffnung, die trägt. Auch wenn uns ständig Schmerzen quälen vom Verlust eines geliebten Menschen, so wissen wir doch auch: am Ende der Zeit wird das alles überwunden sein. Kein Leid, kein Tod wird mehr sein. Auch wenn ich jetzt leide – ich weiß um meine Erlösung, um meinen Erlöser. Die, die wir liebten sind nicht einfach weg, weg von der Welt und weg von Gott. Sie sind in den liebenden Händen Christi – dort, wo Geborgenheit und Trost zu Ewigkeit werden.







Johann Sebastian Bach drückte dies so aus:Komm süßer Tod, komm selge Ruh!
Ich will nun Jesum sehen
Und bei den Engeln stehen.
Es ist nunmehr vollbracht,
drum Welt zu guter Nacht,
mein Augen sind schon zu.
Komm selge Ruh!

Hier wird uns klar: Glaubensgewissheit tröstet über den Tod hinweg. Komm süßer Tod, sang der Chor gerade eben, ein Tod, der nicht zerstört, sondern Frieden und Ewigkeit bedeutet.
Im Buch Kohelet lesen wir, das alles seine Zeit hat – auch das Sterben. Jedes Leben findet seine Vollendung in Gott, denn unsere Zeit steht in seinen Händen. Wer das zu akzeptieren weiß, der hat begonnen, wirklich auf Gott hin zu leben.
Wenn wir alle gleich den Friedhof besuchen und sie vor dem Grab ihrer Lieben stehen, werden sie erkennen: hier ist wahrlich Frieden, Frieden und Ruhe. Hier kann die Seele zu Gott finden, hier ist die Welt vor den Mauern stehen geblieben. Eine wunderbare Erfahrung. Auch wenn unsere Seele schmerzt, so wissen wir doch: bei Christus ist Frieden und selge Ruh, ein Frieden, den wir hauchfein auch hier spüren können.
Es ist nunmehr vollbracht, drum Welt zur guten nacht, mein Augen sind schon zu, komm selge Ruh! ( Johann Sebastian Bach)

AMEN











Andacht zum Karfreitag

Jesus ist auferstanden!

Predigt zur Andacht

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