Andachten
Gedanken zum Ewigkeitssonntag 2011 |
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Gott sei mit euch allen!
Liebe Schwestern und Brüder,
Ewigkeitssonntag. Kein leichter Tag, denn auf ihm liegt oftmals bleierne Trauer, schmerzende Herzen.
Menschen, an denen wir hingen, die Teil unseres Lebens waren, haben wir verloren. Auf einmal wendet sich Gemeinschaft hin zur Einsamkeit. Das Bett dort, der Stuhl dort hinten – Erinnerungen werden wach, Erinnerungen, die nun im Spiegel von Verlust,Tod und Trauer weh tun. Unser Leben ist ärmer geworden. Gerade heute wird uns das glasklar.
Verstehe jemand diesen Paulus. Wie kann er so unverholen von Herrlichkeit sprechen, von Hoffnung auf die Herrlichkeit der anderen Seite, der Seite von Ewigkeit und Auferstehung.
Und doch: der Schmerz bleibt, ein Schmerz, der uns das sehen lässt was wir verloren haben, ein Schmerz, der die Hoffnung, von der Paulus spricht, nicht wahrnimmt, nicht wahrnehmen kann.
Die Bachkantate „Komm süßer Tod, komm selge Ruh“ zeigt uns eine ganz andere Perspektive, eine ganz andere Sicht auf Tod und Trauer.
In der ersten Strophe, wie hörten sie gerade, heißt es:
Komm, führe mich in Friede,
weil ich der Welt bin müde,
komm, ich wart auf dich,
komm bald und führe mich,
drück mir die Augen zu
Komm selge Ruh!
Der Tod als einzige Antwort auf Weltmüdigkeit, auf eine Müdigkeit, die Leid und Schmerz kaum noch ertragen lässt. Und doch empfindet man eine gewisse Wärme, eine Vertrautheit, die tröstet, den Weg, den wir gehen müssen, erleichtert.
Komm und führe mich – hier kämpft kein Verzweifelter mit sich um den Tod. Hier ist Leben, Trauer und Leid dem großen Du Gottes anvertraut. Man lässt sich führen, man ist bereit zu gehen, wenn nur Gott, wenn nur Christus uns führt. Denn seine Liebe weist den Weg des Lebens, nicht des Todes.
Der Tod als Erlöser, der Tod, der zu Frieden und Ruhe führt. Ohne Aufgeregtheit, ohne Befürchtungen, die in der Liebe zu Christi jedem von uns genommen werden.
Ja, diese Seite gibt es auch.
Wenn Schmerzen, wenn Qual von Krankheit und hilfloser Hilfe, die nur noch versucht, Leid zu mindern, nicht mehr heilen, nicht mehr Besserung bringen kann – dann ist es oftmals der Tod, der Frieden im Gesicht dessen hinterlässt, der sein Leben in Gott vollendet hat. Komm selge Ruh, komm ich wart auf dich, komm bald und führe mich, drück mir die Augen zu, komm selge Ruh!Diejenigen, die gehen, fühlen nicht den Schmerz des Abschieds. Der Zurückbleibende leidet.(Henry Wadsworth Longfellow - Zitate und Sprüche Henry Wadsworth Longfellow)
Gerade heute wird uns das allen wieder bewusst. Der Verlust, der Tod – es verletzt, eine Verletzung, die nicht durch tröstende Worte, durch ein gut gemeintes „das wird schon wieder“ geheilt werden kann.
Also wovon spricht hier Paulus?
Das dieser Zeit Leiden ein nichts sind gegenüber der Herrlichkeit Gottes, die er uns offenbaren wird am Ende der Zeit?
Und dennoch fällt es so schwer daran zu glauben. Auch heute, wenn wir das Grab dessen vor uns sehen, der doch so geliebt war von uns. Da scheint keine Herrlichkeit zu sein, kein Licht, kein Trost.
Sicher, wir Christen wissen: Christus liebt uns vorbehaltlos. Seine Liebe lässt uns niemals los, sie schadet nie und errettet immer.
Der Glaube an diese Liebe wird es sein, der uns auch wieder aus diesem tiefen dunklen Loch heraushelfen wird. Dennoch: Es gibt kein Leben ohne Leid, ohne Abschiede und Schmerzen. Und gerade so darf es keinen Tod ohne empfundene Trauer geben. Denn Paulus will nicht vertrösten. Seine Worte sollen Hoffnung schenken, ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar werden lassen.
Gerade heute am Ewigkeitssonntag müssen wir zu unseren Emotionen stehen, sie nicht verdrängen oder gar vertrösten.
Der zurückbleibende leidet (Henry Wadsworth Longfellow). Und Leid muss bearbeitet werden, muss gelebt werden, damit der Schmerz in unserer Seele sich bessern, heil werden kann.
Gott ist der gute Hirte, der uns im Tal unseres Leids führen wird. Der Psalm 23 erzählt uns davon.
Christus zeigt uns in seinem Leben, das der Tod keine letzte Macht über uns haben wird. Denn Jesus starb, um uns die Tür zum Vater, aufzustoßen. Die Seele ist unsterblich. Große Worte, ich weiß, und dennoch ist es für mich immer ein großer Trost zu wissen, das man nach dem Sterben nicht einfach weg ist, nicht einfach dem Leben gestorben ist ohne Rückkehr. In der Liebe Christi wissen wir: seine Liebe kennt keinen Tod, keine Grenze. Wir wissen nicht genau, was nach unserem Tod passieren wird, sicherlich. Doch das müssen wir auch nicht. „Ich weiß, das mein Erlöser lebt“; das sprach Hiob. Und auch wir können im Glauben an Gott erkennen: kein Tod, keine Krankheit, keine Gewalt im Himmel und auf Erden kann uns trennen von der Liebe Gottes! Der Tod entfernt uns nunmehr vorerst von einem geliebten Menschen und doch weiß ich: er ist dort drüben, dort wo Frieden ist, dort, wo Christus ist. Machen wir Gott und jenem Menschen, der und vorausging mit unserem Leben eine Freude. Denn was würde wohl Christus zu uns sagen, wenn er uns in Verzweiflung aufgelöst finden würde, wenn wir keinen Weg aus dem Tal der Tränen finden könnten? Fragen wir uns, was jenem Menschen Freude machen würde? Würde er sich freuen, wenn wir unser Leben wieder leben könnten? Würde es ihn freuen, wenn wir anderen eine Hilfe würden, vielleicht auch jenen, die Gleiches durch zu machen haben? Tun Sie alles was sie machen mit Liebe zu Gott und den Menschen, die man liebt. Denn der Tod trennt nicht! Tod wo ist Dein Stachel?
Im 2. Petrusbrief heißt es: (2Petr 3,13) “Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ Gibt das uns nicht schon heute Kraft und Zuversicht? Denn wir erkennen: was für Leid wir auch tragen: es wird zeitlich sein. Denn am Ende steht der neue Himmel und die neue Erde, in der kein Leid, kein Tod mehr sein wird.
Johann Sebastian Bach drückte das so aus:
Komm süßer Tod, komm selge Ruh!
Im Himmel ist es besser,
da alle Lust viel größer,
drum bin ich jederzeit
schon zum Valet bereit,
ich schließ die Augen zu.
Komm selge Ruh!
Komm süßer Tod, komm selge Ruh!
O Welt, du Marterkammer,
ach! bleib mit deinem Jammer,
auf dieser Trauerwelt,
der Himmel mir gefällt,
der Tod bringt mich darzu.
Komm selge Ruh!
Who wants to live forever? Diese Zeile sang die legendäre Band Queens. So gesehen eine gute Frage!
Denn stellen wir uns das einmal vor – ewig im Hier und Jetzt zu leben. Ein Leben, das niemals endet, das immer und immer weiter gehen wird.
Denn eines ist nicht zu leugnen: die Welt ist oft eine „Marterkammer“, wie es Bach ausdrückt. Hier in dieser Welt ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Jeder weiß darum. Im ewigen „stirb und werde“ gibt es Kummer und Verzweiflung und mehr als einmal kam mir diese Welt wirklich vor wie eine solche Trauerwelt.
Und doch ist es gerade an uns Christen, die Menschen vom Licht zu überzeugen, einem Licht, das einem jeden brennt, egal wo, wie oder warum! Denn dieser Glaube ist es, der zu einer Hoffnung im Leben führen wird, einer Hoffnung, die trotz aller Dunkelheiten, Zweifel, Sorgen Hoffnung bleibt. Sie ist untrügbar, verlässlich, tragend.
Doch eines ist auch klar: Hoffnung ist nicht Gewissheit, ist nicht das Wissen, sondern das Erwarten.
Im 2. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 7 heißt es: „Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“Warum also macht es Gott so spannend? Warum macht er in dieser Welt nicht klar: hier bin ich, ich bin, ich lebe nahe bei euch allen!
Wäre es dann nicht vorbei mit den Kriegen der Religionen, wäre es dann nicht vorbei mit Atheismus und Agnostizismus, wäre es vorbei mit leeren Kirchen und arbeitslosen Priestern?
Und doch hat er anders entschieden. Wie Paulus es beschrieb: wir glauben, wir schauen nicht. Doch dabei wird mir klar: mein Glaube ist ein Weg von Ungewissheit hin zur Gewissheit meines Glaubens. Denn wer sein Leben mit Gott verbringt, der wird ihn mit den inneren Sinnen, mit Herz und Verstand erkennen. Natürlich gebe ich hier Paulus recht wenn er sagt: wir hoffen auf das, was wir nicht sehen. Doch mit Geduld, mit Liebe und Offenheit wird unser Herz erkennen: mein Erlöser lebt. Gott wird zur Gewissheit werden, zum großen DU des eigenen Lebens. Ein Glaube der wächst wird letztlich immer unsere Liebe zu Gott wachsen lassen. Und gerade in den schweren Stunden unseres Lebens wird diese Liebe uns tragen, führen, trösten.
Tod wo ist dein Stachel?
Natürlich tut der Tod immer weh. Denn wir erkennen: unsere Welt ist kleiner geworden. Doch der Tod ist nicht mehr grausam für den Christen, denn der Christ hat eine Hoffnung, die trägt. Auch wenn uns ständig Schmerzen quälen vom Verlust eines geliebten Menschen, so wissen wir doch auch: am Ende der Zeit wird das alles überwunden sein. Kein Leid, kein Tod wird mehr sein. Auch wenn ich jetzt leide – ich weiß um meine Erlösung, um meinen Erlöser. Die, die wir liebten sind nicht einfach weg, weg von der Welt und weg von Gott. Sie sind in den liebenden Händen Christi – dort, wo Geborgenheit und Trost zu Ewigkeit werden.
Johann Sebastian Bach drückte dies so aus:Komm süßer Tod, komm selge Ruh!
Ich will nun Jesum sehen
Und bei den Engeln stehen.
Es ist nunmehr vollbracht,
drum Welt zu guter Nacht,
mein Augen sind schon zu.
Komm selge Ruh!
Hier wird uns klar: Glaubensgewissheit tröstet über den Tod hinweg. Komm süßer Tod, sang der Chor gerade eben, ein Tod, der nicht zerstört, sondern Frieden und Ewigkeit bedeutet.
Im Buch Kohelet lesen wir, das alles seine Zeit hat – auch das Sterben. Jedes Leben findet seine Vollendung in Gott, denn unsere Zeit steht in seinen Händen. Wer das zu akzeptieren weiß, der hat begonnen, wirklich auf Gott hin zu leben.
Wenn wir alle gleich den Friedhof besuchen und sie vor dem Grab ihrer Lieben stehen, werden sie erkennen: hier ist wahrlich Frieden, Frieden und Ruhe. Hier kann die Seele zu Gott finden, hier ist die Welt vor den Mauern stehen geblieben. Eine wunderbare Erfahrung. Auch wenn unsere Seele schmerzt, so wissen wir doch: bei Christus ist Frieden und selge Ruh, ein Frieden, den wir hauchfein auch hier spüren können.
Es ist nunmehr vollbracht, drum Welt zur guten nacht, mein Augen sind schon zu, komm selge Ruh! ( Johann Sebastian Bach)
AMEN
Andacht zum Karfreitag
Jesus ist auferstanden!
Predigt zur Andacht
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