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Predigt zur Jahresaktion 2009

Predigt "mit-Menschlichkeit 2008"

Aktion „mit-Menschlichkeit 2011“

Mt.25,45: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan

Die Gnade Gottes sei alle Zeit mit euch!

Liebe Schwestern und Brüder,

„Wer Arbeit finden will, der findet Arbeit“, oder „ die Obdachlosen – die sind doch alle selber Schuld“ – diese und andere Worte sind leider nur all zu oft ausgesprochene Realität in unserem Land und in unserer Gesellschaft. Leid, sozialer Abstieg – einen jeden kann es treffen – da verliert man die Arbeit, oder der Lebenspartner verstirbt – die Liste der Schicksalsschläge kann nahezu endlos fortgesetzt werden. Und dann? Verlust der Wohnung, Verlust von Ansehen und Würde – der Abstieg an den Rand unserer Gesellschaft, an einen Rand, den wir alle nicht wirklich gern zu sehen bekommen, geht schneller, als wir es uns vielleicht jetzt vorstellen können. Und was tun wir? Sicherlich, im spenden sind wir Deutschen immer recht großzügig, keine Frage. Doch reicht dies wirklich aus? Reicht die Spende zum Weihnachtsfest, die wir in einer Anwandlung von Ergriffenheit aufwenden wahrlich aus, unserer Verpflichtung Gott und den Geringsten in der Welt gerecht werden zu können? Bitte verstehen sie mich nicht falsch – eine jede Spende ist wichtig und gebraucht – nur haben wir nicht die Verpflichtung, mehr zu tun? Sehen nicht auch wir jeden Tag Menschen, bei denen Diskriminierung leider kein Fremdwort mehr abbildet, sondern längst schon zur traurigen Lebensrealität geworden ist?
Was also tun?
Der Evangelist Matthäus berichtet uns in seinem Evangelium von einer Begebenheit, die genau das im Kern trifft, wovon wir bisher zu reflektieren versuchten. Jesus spricht hier zu jedem von uns ganz konkrete Worte, die Geringsten und Ausgegrenzten einer Gesellschaft betreffend. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ – helfen, in jedem Menschen die gottgegebene Würde erkennen, ihn nicht als „Wertlosigkeit“ aus der Gesellschaft ausgrenzen, sondern gerade diesem Bruder helfend zur Seite stehen – dies ist eine wahrliche Nachfolge Christi. In einem jeden Menschen ist ein Wert enthalten, der durch keine Obdachlosigkeit, kein anderes Aussehen, keine Arbeitslosigkeit verloren werden kann. Gott schuf uns alle mit einer unsterblichen Seele und einem in seinem Namen gegründeten Würde und Ehre. Doch sind wir Christen hier nicht besonders in der Pflicht? Finden wir gerade hier im Geringsten unter uns den Nächsten, den wir gerade jetzt und hier so lieben sollen wie uns selbst?
Nur wie können wir uns selbst überwinden? Sicherlich, ein jeder Christ weiß natürlich um die Notwendigkeit, den Niedrigen und meistenfalls auch Verachteten zur Seite zu stehen – doch in der Situation selbst? Im vollen Einkaufszentrum einem Obdachlosen helfen? Am Arbeitsplatz dem verhassten und ausgegrenzten Kollegen zur Seite stehen, notfalls auch gegen die Meinung unserer Kollegen? Nein, einfach ist dies nicht.
Doch Christus lässt uns ja mit dieser Last niemals allein. In jedem Menschen das Antlitz Christi erkennen, in jeder Situation den Willen Gottes erkennen – dies ist die Frucht eines wirklichen geistlichen Lebens. Nicht das Ansehen in dieser Welt führt zu Christus, nicht die Akzeptanz in der Diesseitigkeit hilft uns, der Liebe Gottes erwidernd gerecht zu werden – nein, Passion, auch Leid und eigene Ausgrenzung – dies sind die Gemarkungen eines Glaubenslebens, das wahrlich sich selbst verleugnet, das Kreuz der Liebe zu Christus auf sich nimmt, um dem Meister, unserem Erlöser Jesus Christus fröhlich nachzufolgen versteht.





Der Auftrag des Christen

„ Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt“ – nichts braucht diese Welt mehr, als ein salziges und heißes Christentum. Gott verherrlichen, in allen Dingen auf ihn hin schauen und leben – dies ist der Auftrag des Christen, der Kirche und der Welt.
Hinschauen, wo andere wegschauen, trösten, wo andere nur Gleichgültigkeit empfinden, aufrichten, wo andere nur Verachtung empfinden – in einem solchen Leben ist die Sollbruchstelle gefunden, in der wir wahrhaft Träger der christlichen Liebe werden, an der die Herrlichkeit Gottes wirklich zu uns und zu den Menschen einbrechen kann.
Nur wie sollen wir diesem Anspruch gerecht werden? Geht das überhaupt?

„Allein – was kann ich allein denn ausrichten?“ – diese und andere Fragen bewegen sicherlich einige von uns. In Angesicht solch großen Leids, das in dieser Welt vorfindlich ist – was kann man da schon erreichen?
Keine Angst – ich denke, ein jeder von uns wird einmal im Leben so denken, ja vielmehr noch glaube ich, das ein solches denken notwendig ist, um sich in allen Dingen und Taten, wirklich auf Christus hin ausrichten zu können. Denn wir allein vermögen nichts hervor zu bringen – doch mit Gott an unserer Seite vermögen wir alles. Glauben wir daran, fordern wir immer wieder von uns diesen Glauben – denn Gott ist allmächtig und in ihm werden wir zu Werkzeugen seiner Liebe und Gnade. Stellen wir unser Leben nicht auf den Sandboden unserer eigenen Person – bauen wir unser Lebenshaus auf dem Felsengrund Gottes, wo keine Stürme des Schicksals oder Resignation platz haben werden. Arbeiten wir jeden Tag daran, unterstützen wir uns immer gegenseitig – denn ein wir ist immer stärker als ein ich!

Kampf der Intoleranz

Individualismus, Unangepasstheit – dies sind die Schimpfwörter unserer heutigen Zeit. Anpassung, mit dem Strom schwimmen – dies ist die maßregelnde Maxime, nicht nur in der heutigen Arbeitswelt. Da ist mitunter dem Personalchef ein attraktiver Modeltyp für den Bürojob lieber, als vielleicht der optisch anspruchlosere Mitarbeiter mit der höheren Qualifikation. Sicherlich, das was ich hier zum Besten gebe, erscheint Ihnen jetzt vielleicht unglaublich undifferenziert und klischeehaft – dennoch, ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, ganz falsch ist dies ganz sicher auch nicht – viele Menschen, die durch Krankheit oder genetische Benachteiligung das Leben zu meistern versuchen, haben mindestens einmal schon eine solche, zugegeben verallgemeinerte, Situation bereits durchlebt. Ja, von allen Seiten der Gesellschaft wird das Thema Gleichberechtigung in allen Formen und Farben skandiert. Da gibt es die Familienmutter, der es nunmehr eiligst erlaubt wird, ihr Neugeborenes so schnell als möglich den versprochenen Krippenplatz bekommen zu lassen, obgleich eine solch frühe Trennung von dem Kind ganz sicher förderlich für die Karriere der Mutter sein wird, dennoch gut für die seelische Entwicklung des Kindes kann eine solche Gefühlszäsur nicht wirklich sein. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – eine jede Initiative, die gegen Ausgrenzung und Diskriminierung ins Feld rückt, wird von mir bedingungslos unterstützt. Doch kann sich unsere Gesellschaft schon auf den Lorbeeren ausruhen? Sind wir gesellschaftlich schon so weit gewachsen, als das ein Thema, wie das der Ausgrenzung, keine Rolle und Gewicht mehr in unserer Zeit besetzen soll?

Intoleranz gegenüber Menschen, die allenthalben in Aussehen oder Lebensführung nicht den geltenden Maßstäben der Gesellschaft zu entsprechen scheinen, ist immer auch eine Anklage gegenüber Gott. Gott hat einen jeden von uns nach seinem Ebenbild erschaffen. Seine Welt, seine Schöpfung ist bunt – keine Schublade, kein vorgefertigtes Bild kann diese Vielfalt in sich aufnehmen. Doch wie ist die Realität? Wo sind denn in Gesellschaft und Politik die Fürsprecher für die Arbeitslosen, die anders Aussehenden, wo ist die Lobby für Mobbingopfer, wo macht sich die Gesellschaft an ihren Grenzen stark für die Schwächeren und Ausgegrenzten?
Sicherlich, auf dem Gebiet der Justiz hat es gute Fortschritte gegeben. Seit nunmehr geraumer Zeit ist das Mobbing gegenüber Kollegen strafbar, ja überhaupt justiziabel geworden.
Also, warum erhebe ich die Stimme, werden sie sich vielleicht jetzt fragen – ja es gibt Fortschritte auf der juristischen Ebene, doch es liegt in der Natur der Sache, das Mobbingattacken, Diskriminierung und Ausgrenzung meistenfalls im Hintergrund, im zeugenlosen Dunkel vollzogen werden. Wie also soll hier die Justiz helfen, deren Wesen und Hilfe allein anhand von Beweisen und Zeugen Anwendung finden kann?

Das Bild der Gesellschaft

Wie also vorankommen? Wie sollen wir eine verbesserte, eine offenere Gesellschaft bauen? Ist denn nicht alles Bemühen darum eine Illusion, kann denn überhaupt der Einzelne etwas ausrichten?

Wer bestimmt eigentlich das Bild der Gesellschaft? Sind wir wirklich wirkneutral, ja indifferent ausgeliefert, in eine Kultur und Gesellschaft hineingegeben?
Nein – die Gesellschaft ist nicht eine ganze Bevölkerung, die Gesellschaft ist nicht globalisierbar; nein, unsere Gesellschaft, der Wirkort unserer Kraft und Bemühung, das ist unser Nachbar, der vielleicht Hilfe braucht, unsere Gesellschaft ist der alte Mann auf der Straße, der unsere Hilfe benötigt, unsere Gesellschaft ist der einfach Andere, gegen dessen Ausgrenzung wir angehen müssen. Unsere alltäglichen Orte, die uns jeden Tag umgebenden Menschen – hier ist ein jeder gerufen, hier ist ein jeder aufgefordert, den Keimling der Intoleranz zu bekämpfen.
Nur wie soll das zugehen? Hält uns unser inneres Alarmsystem nicht zurecht davon ab, gegen Intoleranz, gegen Menschen, deren Verstand die bunte Vielfalt der Schöpfung Gottes nicht erfassen kann, vorzugehen? Am Ende werde ich noch verletzt, am Ende bin vielleicht ich der, der die Ausgrenzung erfährt, am Ende ist es das Subjekt meiner Hilfe gar nicht wert, eine solche Hilfe von mir zu bekommen! Solche und andere Worte hat sicherlich ein jeder schon einmal gehört, vielleicht auch schon verlauten lassen.

Christus gibt uns in seinem Leben ein Bild, eine Schablone, wie Toleranz gelebt, wie dieser wichtige Wert grundlegend für unsere Gesellschaft werden muss.
Die Bergpredigt, die uns im 5. und 6. Kapitel des Matthäusevangeliums geschenkt wird, beschäftigt sich mitunter mit genau diesem Thema.

„Mit dem Maß mit dem ihr messt wird man euch auch messen“ – ein jeder Mensch wird in seinem Leben Situationen erleben, bei denen er der Andere, der Fremde sein wird. Da gibt es den neuen Arbeitsplatz, in den man erst hineinwachsen muss, da gibt es das ferne Urlaubsland, in dem man als Gast und Fremder angesehen wird – die Beispiele könnte man nunmehr endlos fortsetzen. „Ihr habt mich nicht aufgenommen als ich ein Fremder war“ – Jesus, der gute Hirte, sieht sich in den Verletzungen, die wir anderen Menschen antun, selbst betroffen. Jede Art von Ausgrenzung, jede Form von Intoleranz trifft Jesus Christus daselbst. Toleranz, so lernen wir von den Worten Christi, ist kein Gebot, nein, es geht deutlich darüber hinaus. Jeder Mensch, jedes Lebewesen dieser Erde, ist von Gott geschaffen worden, so wie es uns begegnet. Jede Anfeindung, jedes „Nein“ zu dem Anderen, ist gleichzeitig ein „Nein“ zu Gott. Denken wir immer daran, das der Splitter im Auge unseres Bruders uns eigentlich den Balken in unserem eigenen Auge bedenken lässt. Leben wir Toleranz, seien wir offen für einen jeden anderen Menschen, um Christi Willen. Ein jeder Mensch ist gewollt, ja gebraucht von Gott und ein jeder Mensch ist dabei auch immer Empfänger der Liebe Gottes, die größer ist als alle Abgründe der Unterschiedlichkeit, die bedeutsamer ist als all das, was uns Menschen doch scheinbar so oft voneinander getrennt erscheinen lässt.

Aktion „mit Menschlichkeit 2009“

Ich bin fest davon überzeugt, das unsere Gesellschaft nichts dringender benötigt in diesen Zeiten, als ein brennendes, wirkmächtiges Christentum. Ein jeder Christ, ein jeder Nachfolger Christi ist hier angesprochen. Wir können aus unserer Liebe zu Gott nicht mehr einfach tatenlos hinschauen, wie der Virus der Intoleranz immer mehr unter uns zu wüten scheint.

„Ein jeder ist berufen? Eigentlich habe ich für so ein Engagement keine Zeit. Sind da nicht die großen Hilfsorganisationen und vor allem die Kirchen berufen, intervenierend einzugreifen? Ich jedenfalls kann doch sowieso nichts ausrichten.“
Diese und ähnliche Gedanken gehen einen schon manchmal durch den Kopf, wenn man zu Engagement und Tat berufen zu werden scheint. Denn der Wille ist bei vielen Menschen durchaus gegeben, doch die Angst vor eigener Ausgrenzung und die Selbstzufriedenheit, die alle Handlungsverweigerung vor dem Menschen zu rechtfertigen scheint, ist der Keimling, aus dem Gleichgültigkeit erwächst, die dann wiederum Ausgrenzung und Intoleranz die Türen und Tore weit aufzuschließen versteht.
Gottseidank24.de hat sich mit der Aktion „mit Menschlichkeit 2008“ entschieden, handelnd diesem wichtigen Thema entgegenzutreten. Doch sicherlich eines ist gewiss – ohne ihre Hilfe, liebe Freunde von Gottseidank24.de, wird es nicht gehen.

Das Handlungsfeld ist sicherlich fast erschreckend groß. Doch auch ein Handeln im Kleinen, eine Berufung zur Intervention im eigenen Umfeld, vermag so viel auszurichten.

In der ersten Überschrift wird Gottseidank24.de seelsorgerliche Hilfe anbieten für Menschen, die aufgrund von eigener Ausgrenzung , die Nähe und Hilfe Gottes suchen. Hier wird der Betroffene Seelsorge empfangen können, gleichwohl bieten wir auch gern Adressen und Hilfsangebote anderer christlicher Organisationen an.
Wir möchten im Rahmen dieser Aktion Anlaufpunkt sein für Menschen, die von Mobbing und Intoleranz getroffen, einfach Beistand benötigen.

Zudem möchten wir auch dazu beitragen, das die Frage nach der menschlichen Toleranz ein immer mehr öffentliches Thema wird. Ein jeder, der im Verborgenen, ja beinahe heimlich unter Intoleranz leidet, kann sich vertrauensvoll an uns wenden, damit diese Fälle an das Licht einer größeren Öffentlichkeit gelangen. Mit dem Einverständnis der Betroffenen,, werde ich mich bemühen, mit gezielter Veröffentlichung der Sachverhalte, sprichwörtlich Licht in das Dunkel zu bringen. Denn eines ist gewiss – das mitunter Schlimmste, was einem Mobbingoopfer beispielsweise widerfährt, ist die immer vorherrschende Heimlichkeit, die nicht nur die Beweisbarkeit dieser Taten zunichte macht, sondern auch den Tätern das Gefühl der Unantastbarkeit vermittelt, das in fast allen Fällen die Taten mit noch mehr Feindseligkeit aufzuladen versteht.

Ein jeder kann helfen, ein jeder ist zum Helfen berufen. Seien wir wachsam, schauen wir nicht weg, wenn wir doch zum hinschauen berufen sind, greifen wir dort ein, wo niemand sonst vielleicht eingreifen will – sicher, ein solcher Grundsatz ist nicht leicht mit Leben zu füllen, sicherlich schwingt auch hier immer die Angst mit, selbst Opfer von einer gleichgearteten Tyrannei werden zu können – doch unsere Liebe zu Christus, unsere Nachfolge von ihm lässt keine andere Alternative als das Eingreifen zu. Einfach ist dies sicherlich nicht – doch wann hat Christus gesagt, das der Glaube an ihn, das Leben mit ihm, das Handeln für ihn einfach sein wird.

Liebe Freunde von Gottseidank24.de – wenn sie Menschen kennen, denen unser Hilfsangebot weiterbringen könnte, oder wenn auch sie selbst Opfer von Anfeindungen sind – bitte wenden sie sich vertrauensvoll an mich.

Der Friede Gottes sei alle Zeit mit ihnen!

Ihr

Michael Otto
Gottseidank24.de