Gottseidank24.de Aktuell
Seligsprechung von Johannes Paul II
Johannes Paul II. wird seliggesprochen
Die Katholische Kirche hofft nach zahlreichen Missbrauchsskandalen endlich wieder auf einen erhabenen, emotionalen Moment: Papst Benedikt XVI. hat offiziell ein "Wunder" anerkannt, das auf seinen Vorgänger zurückgehen soll. Johannes Paul II. kann nun am 1. Mai seliggesprochen werden.
Rom - Oft dauert es mehrere Jahrzehnte, ehe der Pontifex die Entscheidung zur Seligsprechung trifft: In diesem Fall ging es deutlich schneller. Der frühere Papst Johannes Paul II. wird am 1. Mai seliggesprochen. Wie der Vatikan am Freitag mitteilte, unterzeichnete der derzeitige Papst Benedikt XVI. ein entsprechendes Dekret - und erkannte damit ein angebliches Wunder an, das auf Johannes Paul II. zurückgeführt wird. Der polnische Papst mit dem bürgerlichen Namen Karol Wojtyla war von 1978 bis zu seinem Tod im Jahr 2005 Oberhaupt der katholischen Kirche.
Bei dem Wunder geht es um die Heilung der französischen Ordensfrau Marie Simon-Pierre, die an Parkinson litt. Sie soll plötzlich von der Krankheit befreit gewesen sein, nachdem Johannes Paul II. in den Monaten nach seinem Tod in Gebeten um Hilfe angefleht worden war. Auch Johannes Paul II. selbst war an Parkinson erkrankt. Benedikt XVI. hatte im Mai 2005 die Seligsprechung seines Vorgängers eingeleitet.
Die feierliche Zeremonie für Johannes Paul II. sei auf den ersten Sonntag nach Ostern gelegt worden, teilte der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Angelo Amato, mit.
Als möglicher Zeitpunkt für die offizielle Zeremonie der Seligsprechung, zu der Massen an Gläubigen in Rom erwartet werden, war zunächst auch der 2. April, der Todestag Wojtylas, vorgeschlagen worden. Zudem war ein Termin im Oktober im Gespräch. Am 16. Oktober 1978 war Wojtyla zum Papst ernannt worden.
"Wir haben alle vorgesehenen Schritte befolgt"
Man habe trotz der Beschleunigung an der Prozedur keine Abstriche gemacht, sagte Amato im Gespräch mit Radio Vatikan. "Der Fall ist wie alle anderen auch abgewickelt worden, wir haben alle vorgesehenen Schritte befolgt."
Selige und Heilige werden in der katholischen Kirche als Vorbilder christlichen Lebens verehrt. Die Seligsprechung erlaubt die offizielle Verehrung eines verstorbenen Menschen in einer bestimmten Region. Die Heiligsprechung dehnt diese Verehrung auf die gesamte katholische Weltkirche aus. Mit der Seligsprechung stellt der Papst fest, dass ein Gestorbener vorbildlich aus dem Glauben heraus gelebt hat und Jesus Christus "in besonderer Weise nachgefolgt" ist. Darunter sind auch zahlreiche Päpste.
Den Antrag zur Seligsprechung stellt der örtlich zuständige Bischof. Ein Kirchengericht prüft dann, ob die fragliche Person tugendhaft gelebt hat, im "Ruf der Heiligkeit" gestanden, ein Martyrium erlitten oder Wunder gewirkt hat. Nach dem Urteil des Gerichts prüft die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Vatikan die Unterlagen und gibt eine Empfehlung an den Papst.
Das von Benedikt beschleunigte Verfahren für seinen Vorgänger war im Jahr 2009 ins Stocken geraten, als Zweifel an der Heilung der französischen Ordensfrau aufkamen. Die zuständige Medizinerkommission rollte den Seligsprechungsprozess daraufhin neu auf, um das Wunder schließlich zu bestätigen.
Viele Katholiken hatten schon gleich nach dem Tod des beliebten Pontifex, der wegen seiner zahlreichen Reisen in die Welt auch der "eilige Vater" genannt wurde, auf schnelle Heiligsprechung gedrängt. Benedikt XVI. hatte ihren "Santo subito"-Ruf rasch erhört und nach nur knapp drei Monaten den Prozess der Seligsprechung, also der Stufe vor der Heiligkeit eingeleitet. Dieser kann normalerweise erst fünf Jahre nach dem Tod beginnen. Im Dezember 2009 erkannte Joseph Ratzinger in einem Dekret die für die Kanonisierung notwendigen "heroischen Tugenden" seines polnischen Vorgängers an.










