Gedanken zum ökumenischen Kirchentag 2010
Michael Otto
Gründungsprediger Gottseidank24.de
„Auf das ihr Hoffnung habt!“ ( 1.Petr.1,20 ff.)
Gedanken zum Leitmotto des ökumenischen Kirchentag 2010
Liebe Schwestern und Brüder,
kurz vor Beginn des diesjährigen Kirchentags aus München, kann man schon einmal die Frage stellen, ob denn der christliche Glaube solche Massenevents wirklich braucht.
Sicherlich, einen jeden Christen kann es freuen, wenn im Namen des Glaubens und der Kirchen so viele Menschen sich zusammenfinden, treffen, lachen, singen, feiern.
Denn der Glaube ist Freude, Freude an der lebendigen Hoffnung, gehalten zu sein, Freude, das diese oftmals grausame Welt letztlich in Gottes Liebe bewahrt war, ist und immer sein wird.
Ich sage: ja, der Glaube, die Kirche, jeder Gläubige kann so viel Stärkendes und Aufrichtendes aus solchen „Events Gottes“ erfahren.
Hier geht es einmal nicht im Prominente, um Kleider,Klatsch und Oberflächlichkeit. Frei von dem Zwang, Außergewöhnlichkeit produzieren zu müssen, befangen von dem Wissen, das Gott allein genügt sage ich: lasst uns alle diesen wunderbaren, helfenden und heilenden Glauben an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist feiern.
Laßt uns aufbrechen, lasst uns aufstehen, lasst uns reden über Gott und die Welt!
Denn wir im Glauben wissen: es gibt noch ehrliche, wirkliche Hoffnung für uns alle, egal, wo jemand steht, was jemand ist oder zu wem jemand werden will. Gott ist Hoffnung, eine Hoffnung, die trägt, stützt,aufrichtet.
Dennoch: der erste Petrusbrief , aus dem das diesjährige Motto des Kirchentags entnommen ist, spricht nicht von täuschender, naiver Hoffnung.
Hier wird nicht nach dem Motto „ alles ist gut“ verfahren, hier wird die Realität dieser Welt nicht durch eine rosa rote Brille gesehen, die einem vermittelt: es gäbe keine Verzweiflung, keine Tiefschläge, keine Einsamkeit.
Wer das Licht Gottes, das Licht der Hoffnung sieht, der weiß auch um die Schattenseiten des Lebens.
Es ist nicht alles gut und aller Wahrscheinlichkeit nach, wird es einen solchen Zustand auf Erden niemals geben. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten – das Leben unseres Herrn macht das ganz deutlich.
Christus lief nicht durch das Heilige Land und verkündete einen Glauben, der letztlich nur sich selbst betrügt, der daselbst billige Glückseligkeit und Schwärmerein verbreitet. Christus verkündet ganz klar: es gibt Sorgen, Verzweiflung, es gibt Trauer,Einsamkeit,Verirrung im Leben, der Glaube an ihn ist keine billige Gnade, die alle Belastungen und Prüfungen leicht hinter sich lässt. Und doch erkennen wir: Christus ist immer für uns da, er öffnet, wenn geklopft, er tröstet, wenn geklagt, er richtet auf, wenn Niedergeschlagenheit einen niederdrückt.
Ja liebe Schwestern und Brüder – das Leben ist auch im gehen mit Gott nicht simpel und gelassen und doch wissen wir alle: dieses Leben ist gehalten und getragen von Gott. Dieser Glaube vermittelt Sinn. Dieser Glaube trägt das ganze Leben. Dieser Glaube hat sein Ziel in der Ewigkeit, der Glückseligkeit, der Gegenwart unseres Gottes.
In meinem Umfeld und meiner Tätigkeit begegne ich vielen Menschen, die den christlichen Glauben ablehnen, ihn als hinterweltlich ansehen, ja oftmals wird auch der Glaube daselbst allein als Ursache von Kriegen und Kreuzzügen in Verbindung gebracht.
Die Wissenschaft, das was man sehen, fühlen, hören kann scheint der neue Gott unserer Zeit geworden zu sein.
Der Glaube an Wissenschaft und Technik ist durch seine scheinbare Rationalität mehrheitsfähig geworden. Oder kennen sie einen Fall, in dem ein Gläubiger der Wissenschaft für seine Ansicht verfolgt wurde?
Sicherlich: Gott hat hier die scheinbar schlechteren Karten, denn Gott ist nicht im Experiment beweisbar, wir können ihn nicht im Mikroskop oder in der Petrischale anfassen, beweisen,erkennen. Also 1:0 für den Positivismus der Wissenschaft.
Doch Petrus liefert uns in seinem ersten Brief den entscheidenden Vorteil: unser Glaube hat dennoch ein Gesicht, denn er ist Mensch geworden mitten unter uns.
Und dieser Mensch mit Namen Christus, ist Fundament eines Glaubens, der Hoffnung schenkt, eine Hoffnung, die keine Welt und kein Reagenzglas züchten oder klonen kann.
Dieser Christus, ganz Gott und ganz Mensch, spricht zu uns in seiner Liebe, denn er ist die Liebe daselbst.
Alle Rationalität, die immer als so wichtig und tragend dargestellt wird, ist für sich genommen eine grausame Enttäuschung. Denn sie nimmt letztlich dem Menschen die Kraft, die ihn leben lässt, was immer ihm auch widerfahren wird. Diese Kraft heißt Hoffnung, eine Hoffnung auf Leben, Geborgenheit,Sinn.
Denn Christus lebte und starb in der Erniedrigung des Kreuzes damit wir,“Hoffnung haben“. Für uns hat Christus gelitten, für Sie und für mich, für einen jeden seiner Kinder.
Was kann da Wissenschaft, Aufklärung und Positivismus dagegen setzen? Was der Mensch auch versucht, Gott als These zu widerlegen, was für Geistgebilde er auch erschaffen mag – alles scheitert an der letzten Frage: wie ist diese Welt, der Mensch, jedes Lebewesen ohne einen Schöpfer entstanden? Ob Urknall oder welch Modelle auch immer: die Wissenschaft, die Rationalität kann niemals diese letzte Frage beantworten und bleibt damit immer einen Schritt hinter der Wahrheit, die einen Namen trägt: Jesus Christus.
Sicher können wir alle heute dankbar sein für die vielen Errungenschaften der Forschung, in der Medizin oder allgemein gefasst in den vielen Lebensbereichen unserer Zeit. Niemand kann sich heute noch vorstellen, ohne Kühlschrank oder Waschmaschine überhaupt leben zu können – ich im Übrigen, möchte mir das auch nicht wirklich vorstellen.
Die vielen Menschen unserer Elterngeneration können da noch ganz andere Geschichten erzählen. Denn wir Christen wissen und erkennen: die Wissenschaft, die Rationalität ist etwas Gutes, wenn sie sich nicht aufmacht, gottesgleich werden zu wollen. Die Apotheose des Positivismus kann zwar den Glauben verwerfen – doch dann mutiert dieser Götze zur Grausamkeit.
Ein jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens mit den existentiellen Fragen des menschseins konfrontiert werden. Wer bin ich? Warum lebe ich? Wozu soll ich weiterleben, wenn alles um mich herum dunkel geworden ist?
Was sagen wir einem Menschen, der am Grab steht, was kann ihn trösten und erneute Hoffnung ans Leben schenken?
Das war es, das Leben ist zu ende, ein Mensch weniger auf der Liste der Menschenfamilie – das wäre die Antwort der gemütslosen Rationalität. Neben dem Menschen würde dieser Trauernde auch noch seine Lebenskraft, seine Hoffnung verlieren. Denn was macht denn dies alles, das Leid, die Probleme, die Dunkelheiten unseres Lebens dennoch lebenswert?
Die Antwort: allein der feste Glaube daran, das wir jemanden gehören, das wir zu einer wunderbaren Hoffnung auf das Leben in Ewigkeit berufen sind, das unsere Lieben in Frieden und in Liebe auf uns warten und so mit Christus immer mit uns verbunden sind und sein werden. Das ist Hoffnung, die trägt, das ist Kraft des Lebens, denn das ist letztlich für uns Christen das Fundament des Lebens, des Glaubens.
Ja liebe Schwestern und Brüder – das feiern wir nunmehr bald an dem kommenden Kirchentag. Nicht der Eventcharakter, nicht die Außergewöhnlichkeit einer Gemeinschaft aus so vielen Menschen lädt zum Feiern ein. Wir feiern unseren Glauben und den, der zutiefst Inhalt dieses Glaubens ist – unser Herr Jesus Christus.
Immer wieder berichtet die Bibel von Menschen, die wirklich in dieser Hoffnung lebten.
Ein jeder von euch kennt Hiob.
Ein Mann, der einst reich gesegnet war von Gott und dem dann alles genommen wurde: sein Besitz, seine Familie, seine Gesundheit.
Letztlich sitzt er tief betroffen in Sack und Asche, Verzweiflung macht sich langsam breit.
Seine Freude lamentieren vom grünen Tisch über den Unwert des Haderns mit Gott. Seine ganze Welt liegt vor ihm in Trümmern.
Und nun frage ich euch: wie könnte diesem Hiob ohne die Hoffnung des Glaubens, in reiner Rationalität ein Grund geliefert werden, weiterzuleben?
Denn hier würde sich der Götze der Selbstbestimmung und Wissenschaftlichkeit selbst vernichten und den, der in Dunkelheit der Lebensumstände lebt, Gleiches antun.
Die Familie tot, arm und krank – warum sollte dieser Hiob nicht einfach ganz selbstbestimmt sein Leben beenden? Warum soll er sein Leid verlängern, ein Leid, das offenbar nie wieder ein Ende finden wird?
Im Leben und im Leid des Hiob finde ich immer wieder den tiefsten Grund und Halt eines Lebens im Glauben. Denn er flüchtet nicht vor seinem Leben, denn er weiß: Gott gab ihm dieses Leben, es ist nicht an ihm, darüber zu verfügen. Die Liebe Gottes, die ihn so viele Jahre segnete, bewegt ihn in seinen schwersten Stunden zu der Antwort an seinen Gott: ICH WEISS DASS MEIN ERLÖSER LEBT.
Erlösung wird nicht zum Postulat der Selbstbestimmung, Erlösung ist etwas außerhalb unseres selbst liegendes, Erlösung ist gleichermaßen wie das Leben und der Tod allein dem vorbehalten, der uns immer in Liebe anblicken wird: unserem Herrn und Gott.
Erkennen wir endlich: wir brauchen Gott, wir brauchen die Worte Gottes der Bibel um immer wieder zu erkennen: Gott gab sich dem Tod hin, damit WIR Hoffnung haben.
Hoffnung, trotz Kriege in dieser Welt, Hoffnung, trotz Krankheiten und Leid, trotz Verzweiflung und Ausweglosigkeit. Denn Hoffnung ist das Fenster zu unserem Herzen, unserer Seele.
Ohne Hoffnung, die allein Gottes Liebe uns schenkt, die uns gewiß macht, das wir nie tiefer fallen können als in Gottes Hand, verdunkelt sich unser Licht des Glaubens, unser Licht, das immer für uns da sein wird. Trotz der Liebe und der Gegenwart Gottes werden wir ohne Hoffnung auf sein Wirken für Gott erblinden.
So wie Christus dem Blinden Mann zurief „Efata“, so ruft er auch uns heute zu: öffne deine Augen für mich, sieh nur, zu welcher Hoffnung ich dich berufen habe!
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus
AMEN.





