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Die Gier der Banken - von der Anziehungskraft des

Die Gier nach mehr ist der Beginn des Untergangs

Über die Skrupellosigkeit der Banken




Liebe Schwestern und Brüder,

in den Nachrichten läuft hoch und runter nur eine Aussage: die Gier, die Skrupellosigkeit des Finanzsektors steht am Rande des Untergangs. Europa zaubert fast täglich neue Schauermärchen aus dem Zauberhut einer Krise, die mit Ethik, mit festen Grundsätzen der Nachhaltigkeit nie hätte passieren können. Wir reden hier über keine einfache Rezession, ein Ereignis, das schuldlos über ein Finanzsystem herüber rollt. Wir sprechen von Auswirkungen, die die Maßlosigkeit, die Gier nach mehr, nach immer mehr und mehr geboren wurde. Hier und da die Schraube des Geschäftsrisikos angezogen, alle Bedenken und Frühwarnzeichen missachtet – so macht man heute Gewinne, oder auch Verluste, die ganze Volkswirtschaften in ihrer Existenz bedrohen.
Denn eines wissen wir: mit dem Gewissen, mit Entscheidungen, die aus einem satten Gewinn nicht eine Goldquelle machen wollen, wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Blicken wir über den Tellerrand unserer eigenen Wirtschaft – überall bröckelt es, überall sehen und erkennen wir zu spät: hier kann etwas nicht gut gehen. Hier übersteigt ein Risiko die Gewinnchance, hier muss man sich zurück nehmen, egal was einem die Lust am Nervenkitzel auch immer verleitend ins Ohr flüstert. Menschenverstand, Ethik, das Wissen um eine Wahrheit, die wir uns nicht selbst gemacht haben, sondern die von ganz woanders unserem Leben das rechte Maß und Ziel vorgeben kann und vorgeben muss.
Denn wo Menschenhand sich selbst beschränken will, wo eigene Regeln ihre Ausnahmen definieren – da wird es immer Lücken, immer Notausgänge geben, die daselbst den Zweck der Beschränkung der Gier zum Kauf anbietet.

Doch wir stehen heute nicht vor einem Problem, das wir als Erste erleben. Vielleicht ist der Rahmen anders, vielleicht auch die Mittel für jene Folgen, die wir nunmehr so deutlich zu spüren bekommen. Doch klar ist: der Mensch ist vernunftbegabt. Er ist berufen, über die Güter der Schöpfung zu regieren. Hier liegt eine besondere Verantwortung verborgen, eine Verantwortung die begreift, das wir Gottes Werk bewahren und nicht auszubeuten haben. Gott verlangt keinen utopischen Shareholder Value, er gibt uns nicht Erfolgsauflagen. Und dennoch wird klar: in der Wahrheit seiner Worte finden wir jenen Rahmen, den wir bitteschön endlich zu finden haben.
Eine Weltwirtschaft, die immer mehr einem Ideal von Machtfülle und Kommerz dient, zerbricht an sich selber. Hätte man mir vor 10 Jahren davon erzählt, das Banken und ganze Länder insolvent werden – ich hätte jenen nur milde belächelt. So traurig es auch ist: wer das Spektrum dieser Finanzkrise im Ganzen betrachtet, erkennt: dort, wo Gier und Maßlosigkeit regieren, da regiert auch der Untergang. Wir können es eben uns nicht erlauben, einfach so weiter zu machen wie bisher. Wir brauchen eine neue Moral, eine Grenze, die als letztes nicht überschritten werden darf. Sicher: eine Wirtschaft, die sich selbst eine Moral und Ethik erschafft, eine Wirtschaft, die für Nachhaltigkeit, für Solidität arbeitet – eine solche Wirtschaft wird sicher keine Rekordgewinne generieren, doch eines erkennen wir: Gewinne, die auf einem Fundament stehen, Gewinne, die nicht ergaunert oder manipuliert werden, sind sichere, nachhaltige Gewinne. So sichert man ein Wirtschaftssystem. Die Schraube des „immer mehr“ muss gebremst werden. Besser gestern als heute!

Dennoch: ist denn nicht das Gewinnstreben geradezu der Motor, der eine Wirtschaft zum Laufen bewegen kann? Brauchen wir nicht den Wunsch nach immer mehr, um Motivation und Erfolg zu generieren?
Sind es nicht gerade die Gewinnziele der Unternehmen, die darüber entscheiden, ob der Börsenkurz fällt oder steigt? Denn klar ist: schon lange haben die Kurse der Märkte jedweden Kontakt zur Solidität verloren. Wenn ein Gewinnziel verfehlt wird, wird das Unternehmen bestraft – das ist Normalität im Finanzgewerbe. Leider!
Faktoren wie Mitarbeiterzufriedenheit, Nachhaltigkeit, Ethik der Unternehmensführung – all das sind Fundamente eines Unternehmens, egal welcher Branche. Doch eben diese Faktoren haben keinen Börsenwert, und werden dabei nur all zu gern in das Hinterzimmer der Unbedeutung verwiesen.
Aus jahrelanger Erfahrung weiß ich, das die Bankenbranche brutal einfach geworden ist. Das Ziel heißt Geld verdienen. Da muss eben mal eine Eigenkapitalrendite von 25% auf die Segen geschrieben werden. Doch klar ist: solche Erwartungen können nur mit Druck, Manipulation und Gier verdient werden.
Natürlich gibt man das als Bank nicht gern zu. Man handle ja nur im Kundeninteresse – doch letztlich glaubt man diesen Platitüden auch nicht mehr. Sei es die Stiftung Warentest oder andere Verbrauchertester – welche Bank kommt hier mit dem Prädikat „Fairness“ die Wahrung der Kundeninteressen auf das Segen geschrieben? Denn letztlich ist klar: es ist schon lange nicht mehr von Bedeutung, wann man welches Produkt verkaufen kann, damit es auch rechnerisch sinnvoll für den Kunden erscheint. Das ist uninteressant geworden. Die Bank von heute erzieht sich mühevoll Berater, denen ein DIN A 4 Blatt mit dem Produktnamen ausreichen, dieses oder jenes dem Kunden überzuhelfen. Diesen Männern und Frauen ist das fast gar nicht übel zu nehmen, wenn man weiß, wie „Abweichler“, also Menschen, die hinterfragen und sich wirklich zum Ziel gesetzt haben, eine Hilfe für den Kunden zu sein, vom System der Bank zerfressen werden. Mobbing, Fehlerkonstruktionen, Tribunale, in denen unverholen die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes geschürt wird – das sind die Methoden von heute, Methoden, die dem Dämon Gier und Unmäßigkeit dienen doch letztlich nur zum Zusammenbruch des ganzen Systems führen werden. Das Finanzsystem von heute zeigt dies überdeutlich.

Das Finanzsystem von Heute braucht Lenkung und Korrektur. Es kann so nicht weiter gehen. Doch frage ich mich: vielleicht ist es gerade diese Finanzkrise, die aufrütteln und gerade so den rechten Weg zu finden lehrt. Reale Gewinnerwartungen, Nachhaltigkeit des Unternehmens, eine positive Personalführung. Das sind die Gemarkungen, die heutzutage GÄNZLICH den Banken abhanden gekommen sind. Das gebot „Du sollst nicht stehlen“ macht klar: jede Form von Übervorteilung, jede Form von Täuschung ist Diebstahl, nämlich am Kapital des Kunden. Denn wenn Christus in seiner Bergpredigt die Menschen auffordert, sich nicht um Geld, Kleidung und Lebenshaltung SORGEN zu machen, dann macht er klar: Ziel des Menschen darf nie reine Gewinnmaximierung sein. Realtitätsbewußtsein, Klarheit darüber, was fair verdient werden kann – das brauchen wir mehr denn je. Leider reicht meine Naivität nicht aus, um realistisch an die erreichung dieses Zustandes glauben zu können. Doch was der Mensch aus eigener Kraft nicht erreichen kann oder will, das wird irgendwann von Gott erreicht. Denn ihm geht es um den Menschen, ihm geht es nur um die Liebe zu seinen Kindern. Auch wenn uns schwere wirtschaftliche Zeiten bevorstehen, so weiß ich dennoch: was Gott getan ist wohl getan ( Johann Sebastian Bach).