Wann reicht es endlich?
Wann reicht es endlich?
Wann reicht es endlich?
Heute Morgen: ein Lauffeuer geht um die Welt – Whitney Housten ist tot. Sie wurde 48 Jahre alt.
Betroffenheit macht sich breit. Kollegen sind erschüttert. Man kann es kaum glauben.
Nur wo waren jene Menschen, als die hochtalentierte Sängerin das Fahrwasser des Lebens nicht mehr ertrug, wo Drogen und Alkohol eine verletzte, erkrankte Seele betäuben sollten? Wo waren Freunde und das Management, als Whitney Housten begann, die eigene Karriere zu demontieren, weil zugelassen wurde, jemanden in Konzerthallen zu verfrachten, der dort in jenem Zustand niemals hätte hingelangen dürfen. Wo waren Sie?
Schicksale wie diese sind leider nicht neu für uns. Amy Whinehouse, Michael Jackson – die Liste ist traurig lang. Wie kommt es nur, das Menschen, die vermeintlich als privilegiert, als Superstars galten geradewohl am Leben scheiterten, es daselbst einfach nicht mehr ertragen konnten? Welche Qualen müssen jene mit gemacht haben wenn eine andere Sicht auf Glamour und Starrummel sich breit macht?
Die Welt der Schönen und Reichen – jeden Tag lesen, hören, sehen wir davon. Doch beim zweiten Blick erkennt man: jene Welt ist eine oberflächliche, fragile und oftmals auch eine zerstörerische Welt, wenn man in ihr gefangen die Eigene innere Welt mit den Maßstäben von Glitter und Schein zu bemessen versucht. Erfolg – das ist eine höchst sensibler Gefährte. Erfolg reißt einen ganz nach oben und verschwindet leider auch gleichschnell wieder. Zurück bleibt ein verstörtes Menschenkind, dem eine sehr sehr harte Landung bevorsteht.
Was also tun?
Ganz klar: die Maßstäbe müssen weiter wachsen. Das Gute von Heute ist das Mittelmäßige von Gestern. Immer und immer wieder muss das was man tut außergewöhnlich sein: noch verrückter, noch origineller, noch besser. Mit erbarmungsloser Brutalität kommt da ein in seinen Ressourcen beschränktes Menschenkind an die eigene Grenze der Leistungsfähigkeit. Der Mensch funktioniert nicht in der Sphäre von einer unbegrenzten Erweiterbarkeit der eigenen Kraft. Und gerade hier schwingt das Damoklesschwert scheinbarer Erfolglosigkeit über einem. Denn wer nicht liefert, der ist bald vergessen.
Jenes Phänomen tritt nicht nur in der Glamourwelt der Reichen und Schönen zutage. Auch in unserem Alltagsleben begegnen wir jenen Menschen, die scheinbar alles tun würden für Karriere, Macht und Geld. Doch wo Anstand und Moral scheinbar als alter Ballast abgeworfen werden, wo keine Intrige zu niedrig und keine Anfeindung zu übertrieben zu sein scheint – dort sind wir auf dem sicheren Weg in Richtung Abgrund.
„ Ich bin Gott und du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ – dies Gebot fasst eigentlich alles zusammen. Hören wir auf Götzen dieser Welt hinterher zu laufen, hören wir auf zu denken, das Anerkennung und das Brillieren in der öffentlichen Meinung Maßgrößen sein können, von denen Weh und Ach meines Lebens abhängen. Wir müssen wieder erkennen lernen, wann es genug ist, wann unser Einkommen, unsere Arbeitsmenge und Güte, wann unsre Beziehungen einfach ausreichen für ein glückliches Leben, denn alles Andere führt nur zu Selbsthass, Verzweiflung, emotionale Finsternis.
Die Aktion „7 Wochen ohne“ will uns allen wieder vor Augen führen, das es auch ohne falschen Ehrgeiz geht. Gut ist nun mal gut genug. Machen wir uns frei von einem Leistungsdenken, das krank macht und vor allem: unglücklich.
Ich unterstütze diese wunderbare Aktion der evangelischen Kirche aus tiefster Überzeugung.
Wir alle müssen wieder Grenzen finden für unser Leben. Wann ziehen wir die Reißleine, wann erkennen wir alle, das ein Leben unter dem Druck des „ besser-sein-zu-müssen“ letztlich lebensfeindlich, ja lebensunwert werden kann. Halten wir einmal an mit unserem Lebensschiff und fragen uns: führe ich das Leben, das ich führen will? Bin ich glücklich? Was muss ich anders machen? Wo sind meine Grenzen?
All jene Antworten werden unsere Seele, unser ganzes Ich heilen und bewahren.
Leben wohl, liebe Whitney Housten – möge Gott dich segnen mit seinem ewigen Frieden
AMEN!

