Umkehr
Umkehr
ERSTE LESUNG
Jona 3, 1 - 5.10
Die Leute von Ninive wandten sich von ihren bösen Taten ab
Lesung aus dem Buch Jona
1Das Wort des Herrn erging an Jona:
2Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde.
3Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.
4Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört!
5Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.
10Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht
EVANGELIUM
Mk 1, 14-20
Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus
14Nachdem man Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes
15und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!
16Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer.
17Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
18Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
19Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.
20Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.
Umkehr!
Umkehr – ein großes und wichtiges Wort für unseren Glauben. Wir alle brauchen sie – immer und immer wieder.
Es reicht schon das Aufschlagen der Zeitung jeden Morgen, um zu wissen: hier in dieser Welt geht vieles schief. So viele Schicksale, so viel Leid, soviel Kälte. Sicherlich: einfach ist eine solche Umkehr nicht, denn es wird für den Menschen immer schwierig, gewohnte Bahnen zu verlassen.
Dennoch: jede Umkehr ist ein Quell der Hoffnung und ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes. Denn haben wir eine solche Chance verdient, vielleicht mit vielen vermeintlichen Guttaten?
Klar ist: Gott ist für uns gestorben und für uns auferstanden. Aus Gnade und Barmherzigkeit. Seine Liebe folgt uns immer, wie sehr wir uns auch verirren. Denn es stimmt: Gott ist die Liebe!
In der ersten Lesung dieses Sonntags erleben wir leibhaftig eine solche Umkehr. Jona predigt in Ninive, eine Stadt, fern des Glaubens, fern von Gott. In 40 Tagen plant Gott jene Stadt zu vernichten. Er beauftragt Jona jenen Menschen ihren Untergang anzukündigen.
Gott hatte es nicht leicht, jene Prophezeiung diesen Menschen überbringen zu lassen, denn sein Prophet entpuppte sich als schwieriger, störrischer Kamerad. Es wollte nicht nach Ninive um sich des Auftrags des Herrn zu entledigen. Er ignorierte Gott. Anfangs.
Erst nach Schrecken und Todesangst wurde Jonas eines Besseren belehrt. Er kehrte um zu Gott und seinem Willen.
Und die Bürger von Ninive?
Erstaunlich ist: jene Menschen schienen irgendwie auf ein solch klares Zeichen Gottes gewartet zu haben. Denn nach der Prophetie kehrten sie alle um zu Gott, büßten für ihre Schuld und öffneten das Herz für Gott den Herrn. Und gerade so verschonte Gott diese Stadt.
Umkehr – Jona und das Volk Ninives wendeten gerade so ihr Schicksal. Denn beide bekehrten sich von der Gleichgültigkeit Gott gegenüber, beide traten in das Licht des Herrn, um sich Gott in seine Hände nehmen zu lassen.
Auch heute stehen wir wieder wie Jona und die Menschen von Ninive vor dem Wort Gottes, das klar auch unsere Umkehr einfordert.
Jene Menschen, die ihr Amt für die eigene Vorteilsnahme nutzen, für jene, die Menschenleben vernichten oder zerstören, um die eigenen Ziele zu erreichen, für jene, die sich selbst über das Wort Gottes stellen und für jene, die ganz einfach von den Verlockungen von Gier, Geld und Macht nicht genug zu bekommen scheinen – jene sollen wissen: kehrt um zu Gott. Nur wie soll das gehen?
Umkehr, das ist keine Ankündigung eines Einzelereignisses. Umkehr zwingt uns erst einmal dazu, einen kritischen Blick auf das eigene Leben zu werfen.
Sicherlich: gern tun wir das nicht, denn wer will schon in der eigenen Schuld, den eigenen Vergehen baden? Und das gerade dann, wo vielleicht unser Verdrängungsmechanismus
gerade so richtig anfängt zu arbeiten. Müssen wir uns das antun?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, das so eine schonungslose Analyse des eigenen Selbst nicht ganz schmerzfrei einhergehen kann. Schuld, verpasste Chancen – all das kommt in uns zum Vorschein. Dennoch: wir sind nicht allein, eine Erfahrung, die auch Jona, die auch die Menschen von Ninive machten. Gott ist da, er ist bei uns, er ist „unser Weg, die Wahrheit und das Leben“. Müssen wir uns aber nicht schämen all der Abweichungen von Gottes Wegen, müssen wir nicht uns ängstigen ob der vielen Sünden, die wir begangen und begehen?
Christus spricht: wer anklopft, dem wird geöffnet werden. Sein Herz ist offen für uns – schuldig oder ungeduldig mit unserem Glauben, mit Gott.
Mit Christus im Herzen beschreiten wir einen Weg – seinen Weg. Und jeder Weg beginnt mit dem ersten und strebt mit kleinen Schritten dem Ziel entgegen, Christus entgegen.
Wer nach seiner Selbstoffenbarung erkannt hat, das er ein schuldiger Mensch vor Gott ist, der hat aber auch erkannt: Gott fordert nicht – er schenkt, er schenkt sich selbst. Handeln wir so, als ob wir mit unserer Abkehr von Welt und Tod nicht scheitern könnten. Gehen wir mutig und unbeirrbar den Weg, den auch Jonas beschritt – den Weg hin zu unserer Berufung in Gott dem Herrn. Auch wenn wir Angst haben, auch wenn wir wie Jonas versuchen, jenen schmerzhaften Weg zu meiden – Gottes Liebe trägt uns alle – wenn wir wollen immer und immer wieder zurück auf seinen, auf Gottes Weg. Nur so kann Abkehr, ja eine Umkehr im Leben vollzogen werden. Vergessen wir nicht: Gott will unsere Liebe und Hingabe. Er verlangt keine Leistungsziele, weil Liebe nicht bemessbar ist.
Dennoch: Eine Abkehr von aller Gottlosigkeit und fehlender Liebe bedarf gleichermaßen einer Hingabe, einer Umkehr hin zu jener Mission, zu der wir hier auf Erden sind. Diese gilt es zu finden.
Im Evangelium dieses Sonntags lesen wir davon.
Galiläa – ein Ort, in dem man damals von der Hände Arbeit, vornehmlich der Fischerei lebte. Die Anfeindungen Jesu und seiner Lehre haben längst begonnen – Johannes der Täufer ist bereits eingesperrt worden.
Dennoch: Jesus trägt die Gute Nachricht hin zu den Menschen. Er predigt, er schenkt Hoffnung. „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“
Gottes Reich ist nahe. Gott ist kein fernes Wesen, sonder real, hier und jetzt. Macht euch auf den Weg zur Umkehr – bekehrt euch von der Logik dieser Welt hin zu Gott selbst. Glaubt an das Evangelium – erkennt: Gottes Wort ist unser Weg, Wort und Wahrheit.
Am See Genezareth beruft er 4 seiner Jünger: „ Ich will euch zu Menschenfischern machen“. Kommentarlos verlassen jene 4 Jünger ihr altes Leben. Selbst Familie und Freunde bleiben unbenachrichtigt zurück.
„Und Jesus trat herzu und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. 19 Gehet [nun] hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“(Mt.28,18)
Dieses Jesuswort beruft nicht nur die Jünger – es ergeht gleichermaßen an jeden von uns ohne Unterlass. Sicher: Unweigerlich fragt man sich, wie das denn konkret gehen soll. Schließlich hat man Aufgaben, Pflichten. Da ist kein so rechter Platz für ein neues Ziel im Leben. Und überhaupt: eigentlich reicht einem doch dieses Leben. Wozu es ändern?
Jene Worte sind zur größten Gefahr unseres Glaubens geworden. Nur, wenn wir den Mut haben, umzukehren zu Jesus – nur dann kann das Leben gelingen. Natürlich: Sie sollen nicht die Welt retten, keiner verlangt Bestnoten oder blinden Aktivismus. Jeder so viel er kann – mehr verlangt doch Gott nicht von uns. Auch Freundlichkeit und Wärme gegenüber Anderen, das „dasein“ für Freunde und Familie – all das dient Gott dem Herrn und uns selber. Sie werden sehen: stetig und langsam ändert sich ihr Leben. Neue Perspektiven erreichen Sie. Gott wird zu ihrem besten Freund – eine Freundschaft, die ewig, die unverlierbar ist.
Machen wir uns auf. Machen wir alle Nationen zu Jüngern, verbreiten wir das Evangelium in Wort, Bild und Schrift. Lassen wir uns durchsichtig werden für das Licht Christi das in uns bewirkt das Wollen und das Vollbringen
AMEN!
