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Trost und Kraft für jedes Leben

Liebe Schwestern und Brüder in Christo,

eine wunderbare Vision ist uns heute durch das Wort des Jesaja geschenkt worden. Eine Vision voller Kraft, eine Vision, von der Ruhe, Trost und Hoffnung ausgeht. Keine Versprechen Marke „ Friede, Freude, Eierkuchen“, kein billiger Friede, keine Vertröstung, sondern ein Ziel ist uns Christen gegeben, ein Ziel, das Leben trägt, das uns immer wieder zeigen kann und muss, das es Gott sein wird am Ende der Zeit, der richten, zurechtweisen, aufbauen wird.

Aber die Vision des Jesaja macht auch nachdenklich. Warum nur sind wir heute so weit weg von einer Welt, in der Achtung, Respekt, Kooperation herrscht, aber vor allem: Frieden.
Was ist schief gelaufen, was blieb unversucht, wo ganz konkret haben wir Menschen versagt?
Und vielmehr bleibt die ganz persönliche, ganz eigene Frage nach dem Ende der Zeit, unserer Zeit. Was wird sein, nachdem wir diese Welt verlassen werden? Was es das dann? Oder aber gilt diese Weissagung des Jesaja nur für wenige Erwählte, für Heilige, für Gottes VIPs?
Ja, liebe Schwestern und Brüder, was wird dann sein?

Einladend beginnt die Weissagung Jesajas. Hier wird gesprochen von Erhabenheit, von Überlegenheit des Hauses Gottes über alle Hügel, über alle Berge. Nichts wird diesen Anblick verstellen, nichts ihn bedrohen, denn Gott ist größer als alles andere. Fest wird des Herrn Berg, des Herrn Haus stehen: fest, unerschütterlich, unzerstörbar.
Wie oft habe ich mir diese sichtbare Überlegenheit meines Herrn schon gewünscht. Doch oftmals machen wir Christen die Erfahrung, als ob Gott ganz weit weg wäre von uns, der Welt, von allem was uns bedeutsam oder lieb geworden ist. Diese Glaubenserfahrung gibt es immer wieder, denn auch das nicht sehen Gottes gehört zur Prüfung unseres Glaubens. Was würde ein Glaube bewirken, der sich vom sehen, vom ständigen erleben Gottes formen ließe? Könnte dieser Glaube tragen? Könnte uns solch ein Glaube wirklich hin zu besseren Menschen, zu besseren Christen machen? Denn oftmals vergisst man, sich die Größe Gottes vorzustellen, oftmals benutzt man Gott als universellen „Wünscheerfüller“, den man nur um etwas bitten muss und schon wird es Wirklichkeit werden.
Diese Erfahrung macht wohl jeder Christ im laufe seins Glaubenslebens. Ich zumindest kenne keinen, der ganz frei wäre von dererlei Dingen.

An manchen Sonntagen nutze ich gern das Angebot des Fernsehgottesdienstes. Gott via TV.
Ein wirklich wichtiges Instrument, Gott den Menschen wieder näher zu bringen. Frei nach dem Motto: wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg eben... Sie wissen schon.
Und doch frage ich mich oftmals: hat hier die Kirche, der Pfarrer, die Gemeinde wirklich begriffen, gotteswürdig Gott zu feiern? Saxophone, Anflüge von Kunst, Lieder, die in keinem Gesangbuch zu finden sind und dann zu guter Letzt auch noch eine Predigt, die die wunderbaren Aktivitäten der Gemeinde und der Kirche um was auch immer prompt ins Licht, ins Zentrum setzt. Ein nahezu blinder Aktivismus wird hier produziert, die Gemeinde hat offenbar gedacht: wir sind im Fernsehen, also müssen wir hier was ganz Besonderes leisten, vollbringen, darstellen.
Natürlich gibt es auch genügend Beispiele, die ganz anders den Gottesdienst begehen. Und doch müssen wir erkennen: eine Liturgie, die sich als Selbstzweck darstellt, hat ihre Funktion verloren. Es geht mir nicht darum, Gottesdienst wie zu Luthers Zeiten zu feiern. Das wäre nicht zeitgemäß. Dennoch: die Kirche, der Gottesdienst lebt auch zum großen Teil von Glaubenstradition. Das Mitsingen bekannter Lieder, das Beten von Gebeten, die so viele andere schon in den schlimmsten Momenten begleiteten – all das braucht der Gottesdienst, all das braucht der Gläubige, gleich welcher Konfession.
Die Kirche, die Gemeinde, der einzelne Christ darf nicht vergessen: im Gottesdienst steht Gott im Mittelpunkt. Er muss gefeiert werden, ihm ist zu danken, für alles und jeden. Die Kirche als Subjekt des Glaubens hat ihn, Christus, zu verkünden, die frohe Botschaft in die Welt hinein zu tragen. Ohne Gedanken an das, was ankommt, was das Publikum von einer solchen Feier erwartet. Gottesdienst ist Dienst an Gott. Uneingeschränkt, ohne Ausnahme. Denn wir feiern hier den, von dem alles abhängt, der allein unser wollen und unser vollbringen hervorbringt.

Auf der anderen Seite höre ich oft Stimmen, die sagen: die Kirchen sind eben leer, weil den Leuten nichts geboten wird. Uralte Musik, mittelmäßige Geschichten. Kurz um: eine Stunde Langeweile. Wie schön ist es da, von der Vision Jesajas zu hören, in der er beschreibt:

und alle Heiden werden herzulaufen, (2Mo 0; Jes 19,23; Jer 3,17)
3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. (5Mo 4,6; Joh 4,22)
Ganz unwirklich kommen einen diese Zeilen vor. Denn hier wird nichts von einer erfolgreichen Missionierung, einem erzwungenen Proselytismus berichtet. Nein, die Menschen fragen nach Gott, suchen Gott, gehen zu Gott. Und warum da alles? Weil sie nach Weisung, nach Wegweisungen für das eigene Leben suchen.
Diese Menschen scheinen etwas gelernt zu haben, etwas, von dem wir leider noch weit entfernt sind. Doch Jesaja bietet uns hier eine Vision für das Zukünftige, und keinen Bericht über schon Geschehenes.
Und ich frage mich weiter? Was nur hat diese neuerliche Frage nach Gott ausgelöst?
Heutzutage fragt kaum noch einer nach Gott, nach seiner Meinung, seinen Geboten.
Gott ist Gott und Mensch ist Mensch. Und außerdem: wer braucht denn Gott, in einer Zeit, wo der Mensch sich selbst scheinbar Gott geworden ist, wo Technologien, Gentechnik und Fortschritt als etwas selbst Erreichtes angesehen wird?
Und überhaupt: welche Untriebe hat Religion, die Kirche in den letzten 2000 Jahren hervorgebracht? Inquisition, Hexenverbrennung, Ausbeutung von Menschen, Missbrauch Gottes, Eigenapostasie. Die Liste lässt sich sicher weiterführen.
Doch niemand stellt die Frage: was hat der Glaube von Menschen, die im Lichte des Herrn lebten, an Schrecknissen verhindert?
Denn eines ist ganz klar: jedwede Ethik, jedwede Form der Moral oder der Werte kommt ohne den Glauben an Gott nicht von der Stelle. Denn was wären denn

Wertsysteme, die außerhalb des Glaubens bestünden? Menschenwerk, zerbrechliches, oftmals falsches Menschenwerk.
Ethik braucht Wahrheit und die Wahrheit findet der Mensch nur außerhalb des selbst Erdachten, des selbst Erschaffenen. Ethik braucht Gott und wir brauchen eine tragfähige Ethik für unser Zusammenleben.

Die Menschen strömten zum Berg des Herrn. Eine wunderbare Vision, eine Vision, die unser handeln bestimmen muss, eine Vision, die uns Kraft geben kann, wenn wir an den Widerständen dieser Welt zu scheitern drohen.
Denn eines ist klar: die frohe Botschaft ist kein Mainstream. Gott wieder in die Herzen der Menschen zu bekommen ist ein schweres, in Gänze ein nahezu unmögliches Vorhaben. Für uns Menschen!
Auch wenn wir vor oftmals leeren Kirchen predigen, auch wenn wir über unseren Herrn schreiben und damit vor den Maßstäben dieser Welt nicht sonderlich erfolgreich erscheinen: Denken wir immer daran: das wird sich eines Tages ändern. Wir Christen werden, mühevoll, anstrengend, oftmals frustrierend die Frage nach Gott in den Menschen wach halten. Darüber haben wir gerade gelesen. Die Menschen werden hinströmen zum Haus des Herrn. Das ist kein theologischer Hokus Pokus, das ist die Wahrheit. Und dabei erkennen wir: ohne die Vielen, die beharrlich und stetig für das Evangelium ihr Leben aufgeopfert haben, gäbe es den lieben Gott nur noch als Fabelwesen. Jede Tat ist wichtig, gebraucht, gewollt. Gott braucht einen jeden von uns. Sei es, um im Internet oder in einem Buch vom Glauben zu berichten, sei es, alten Menschen die Realität der Liebe Gottes wieder zu vermitteln, oder sei es, sich in die Gesellschaft oder auch in die Gemeinde sich einzumischen, wenn gegen und nicht für das Evangelium unseres Herrn gearbeitet wird. Lösen wir uns von den Erfolgskriterien dieser Welt. Denken wir daher nie an Ergebnisse, denn diese gehören Gott allein. Beurteilen wir unser wirken nicht nach dem, was wir messbar erreichen, sondern nach dem, was wir an Gutem für das Reich Gottes Tag täglich aussäen. Denn nur daran werden wir eines Tages gemessen werden.

Sicher, es steckt viel Kraft in den Worten des Jesaja, eine Kraft, mit der wir uns immer wieder stärken können, müssen, sollen. Denn diese Kraft soll es sein, die auch uns visionsfähig machen muss, eine Fähigkeit, die in Zuversicht und Gottvertrauen Ziele für unser Leben, unser arbeiten zu definieren. Gott berichtet von dem jüngsten Tag. Doch es nicht an uns, tatenlos diesem entgegen zu warten. Gott, diese Welt, die Menschen dieser Welt brauchen das Tun des Wortes Gottes. Und für das Tun sind wir verantwortlich, wer denn sonst?

Sicher könnte man entgegenhalten: was bringt das alles? Was bringt es, Menschen vom Gott, der Liebe ist, zu berichten, wenn Kriege und Gewalt ganze Völker ins Unglück stürzen. Gerade wir Deutschen haben hier viel zu berichten. Ich suche hier kein kollektives Schuldgefühl, das sicher nicht. Dennoch: die Vergangenheit zeigt uns allen, wozu die Grausamkeit von Menschen führen kann, sie zeigt uns, das das Leben des Menschen ein sehr fragiles Gut ist. Gestern, heute, immer.

Die Offenbarung im 21.Kapitel, der Vers 4 drückt das so aus: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“
Jesaja konkretisiert das ein wenig mit den Worten: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Jes 9,4)“

Gott wird die Trauernden trösten, er wird abwischen die Tränen, wie ein gütiger Vater, der Tod ist überwunden, denn die Welt, das Erste ist vergangen.
Wie weit sind wir davon entfernt, und doch zeigt sich: diese Welt, ein jeder Mensch hat nunmehr eine Hoffnung, die Gott uns schenkt, eine Hoffnung, das der Mensch Bosheit und Unvernunft verliert, eine Hoffnung, das letztendlich auch hier Gott das letzte Wort haben wird.
Trost trotz Afghanistan, Trost trotz Irakkrieg, trotz Terror und Diktaturen, trotz Verachtung von Menschenrechten und der Menschenwürde. Doch zeigt uns das: es wird eines Tages dieses Ziel des Friedens geben. Wir arbeiten am Frieden nicht umsonst, auch wenn die Früchte dieses Tun so spärlich geworden sind. Gott, die Liebe, wird siegen, Schwerter werden zu Pflügen, Spieße zu Sicheln. Und vielmehr noch: hinfort werden die Menschen nicht mehr lernen Krieg zu führen.
Die Vision vom Frieden ist keine Utopie, ebenso wenig wie es die vielen Wüsten der Gewalt und Grausamkeit auf dieser Erde sind.
Krieg ist Realität, was wir brauchen sind Antworten, die eben nicht auf Gewalt und Zerstörung hin führen, wir brauchen Phantasie für den Frieden, der allenthalben durch militärische Interventionen niemals erreicht werden kann.
Reichen denn die etwa 106000 zivilen Todesopfer des Irakkrieges nicht aus, endlich aufzuwachen? Alle Bedrohungen des Terrorismus werden durch militärische Interventionen den Fanatismus schüren, nicht den Wunsch nach Frieden.
Natürlich weiß ich: Gewalt ist nicht immer vermeidbar, wenn die Realität eben keinen Raum lässt für anderweitige Interventionen. Doch eines ist auch klar: wir dürfen an diesem Punkt nicht aufhören nachzudenken, wir dürfen nicht aufhören, Visionen für den Frieden, Visionen für die Menschlichkeit zu erdenken. Keine Tat des Friedens, kein Engagement für eine friedlichere Welt ist verloren, unwichtig, erfolglos. Denn wir wissen: die Völker werden Schwerter zu Pflüge und Spieße zu Sicheln machen. Gott wird abwischen unsere Tränen und kein Tod wird mehr sein.

Die Vision des Jesaja – für den einen Utopie, für den anderen Kraftquelle für den täglichen Einsatz und Geduld im Dienst am Menschen, an Gott.
Auch wenn ich an manch einem Tag frustriert bin ob der wenigen Früchte der mühevollen Arbeit, so weiß ich doch: alle Mühe war nicht umsonst, denn auch ich war heute ein Stück weit Werkzeug Gottes auf dem Weg hin zum letzten Tag in dieser Welt, einem Tag, indem Gott keine verunglimpfte Theorie mehr sein wird, zu dem Tag hin, an dem Gottes Erhabenheit nicht mehr verborgen ist, sondern alles in Erhabenheit überstrahlt.
Denken wir immer wieder an die Worte des Jesaja. Finden wir immer wieder Kraft für unseren Weg. Denn in diesen Worten steckt unglaublich viel Potential. Es geht nicht ohne verantwortliche Taten von uns Christen, es geht nicht ohne Liebe und Leid, ohne Apostasie und Gotteszweifel, die leider auch zum Glaubensleben gehören.
Gott unser Erlöser lebt. Er wird abwischen all unsere Tränen, und der Tod wird nicht mehr sein.

AMEN!