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Leid und Trost

4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
(Mt.5,4)



Ps 126,5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Jes 57,15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.
Offb 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.



Liebe Schwestern und Brüder,

Schicksale – täglich begegnen wir Ihnen. Dort der Familienvater, der geplant die ganze Familie auslöscht, hier der Mann, der mit dem Tod von Frau und Bruder an seinem Schicksal zerbricht, scheitert, untergeht.
Das Leben hier auf Erden ist kein Leichtes. Immer wieder wirft uns der Wille des Herrn von einer Ecke des Lebenshauses in die andere. Probleme kennt ein jeder, Einschnitte in das Mark unserer Existenz kennt ein jeder. Niemand geht nur sonnenfroh durchs Leben – so ist nun mal das Menschsein.
Wie oft fragen wir uns: wieso hat Gott dieses oder jenes zugelassen? Wieso steht er dem Schmerz dieser Welt scheinbar ohnmächtig gegenüber? Warum müssen seine Kinder solche Schmerzen tragen, ertragen?
Und doch kennen wir die Antwort. Wir Menschenkinder sind zur Freiheit des Lebens berufen. Wir sind keine Marionetten des Herrn, der vorsorglich an unseren Stricken zieht, wenn das Leid, das Böse oder die Verzweiflung in unserem Leben Wurzeln zu schlagen droht. Gott ist da – in jeder Sekunde, in aller Not und Finsternis. Denn er ist in uns, in einem jeden. Er ist die Kraft die uns trägt, er ist alle Hoffnung die wir haben, er ist immer für uns da, jeden Tag, jede Stunde. Seine Barmherzigkeit trägt unser Leben und gebiert eine klare Hoffnung: wenn eines seiner geliebten Kinder wahrlich zerbricht am Leben, wenn einem das Leben ganz aus dem Ruder gelaufen ist sind wir getrost und wissen: Gottes Barmherzigkeit wird uns retten, aufrichten, zu ihm gehen lassen.

Ist es nicht ein großer Trost zu wissen: dort, wo ich vom Leben, vom Schicksal getroffen werde, ist Gott immer bei mir. Unser Leben, das in Gott mündet, unterliegt von nun an dem Willen des Herrn, nicht dieser Welt. Und so wissen wir getrost: Gott ist da mit seiner Barmherzigkeit, wenn wir am Leben zu zerschellen drohen, wenn Dunkelheit unser denken, unser fühlen unter sich begräbt. Wir sind gehalten von ihm – was auch passiert: Gott lässt es nicht zu, das wir an uns selbst, an dieser Welt kaputt gehen, denn er liebt uns. Gott lässt es nicht zu, das wir im Morast des Heute versinken, denn er liebt uns. Ist das kein Trost, ist das keine Hoffnung, auf der wir unser Feld des Lebens weiter bestellen können?



4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
(Mt.5,4)

Egal, wie schwer ihr Leben gerade ist – Gott ist da, er sucht sie, er sucht ihr Leben, ihre Sorgen. Gott ist die Liebe – und eines steht fest: Gott liebt sie alle, liebt einen jeden. Darauf können wir vertrauen. Sicherlich: wenn sie gerade versunken sind in Trauer, Zukunftsangst, Angst vor dem Job oder der Arbeitslosigkeit, wenn sie ständigen Anfeindungen ausgesetzt sind, wenn sie zu erschöpft sind, um wirklich zu leben, wenn sie an Krankheit oder Süchten leiden – Gott sagt klar zu ihnen allen: Ihr sollt getröstet werden.
Gott verspricht uns etwas, etwas wirklich Großes: er macht klar, das unser Tal der Tränen in ihm ein Ende finden wird. Wir werden getröstet, wir werden jenes Tal der Schatten durchschreiten – denn Gott ist unsere Kraft und Stärke. Egal wie dieser Lösungsweg auch aussehen mag: Gott wir ihr Leben retten – immer und immer wieder. Ist das kein Wort der Hoffnung, ist das etwa kein Trost? Ja, Gott sei es gedankt.

Und klar ist: unser größter Trost im Leben und im Sterben ist, das wir jemanden gehören. Wir sind nicht allein, auch wenn man geneigt ist, das zu glauben. Wachen wir auf – Gott ist da – unmittelbar in unserem Leben. Seine Worte sind kein leeres versprechen. Reißen wir auf unsere Herzen für Christus. Verleugnen wir ihn nie, und vor allem: vertrauen wir seinen Worten. Zweifeln wir nie am Wort des Herrn. Denn Zweifel sind die größten Hindernisse auf unserem Weg mit Gott.

Und doch erwischt man sich bei der Frage: wann wird nur jene Zeit anbrechen, wann wird uns jener Trost, jene Last der Seelenschmerzen genommen werden? Und wie sieht dieser Trost aus? Wozu nur müssen wir jene Schmerzen ertragen: die Schmerzen des Todes, der Wut, der Verzweiflung? Was hat Gott hier konkret mit uns vor?

Der Psalmis gibt uns eine Antwort im 126 Psalm:

Ps 126,5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

Hier wird eines ganz deutlich: welcher Schmerz uns auch getroffen hat – Gott ist größer. Welchen Feindseligkeiten wir auch ausgesetzt sind – Gott ist stärker. Welchen Dunkelheiten von Krankheit und Tod wir auch begegnen müsen – Gott ist größer.
Keine Träne, die wir vor unsrem Herrn vergießen, kein Stück Leid, kein Kummer, kein noch so finsteres Tal kann unser Leben zunichte machen, denn Er hält uns alle in seiner Hand. Lernen wir diese Erkenntnis, lassen wir sie in unser Herz sickern – Gottes Trost wird uns zuteil werden, wenn ER erkennt, das wir überfordert, am Boden liegend uns selbst zu verlieren drohen. Sein Willen geschehe!

Dennoch: auch wenn sie in der Tiefe ihres Herzens sich in dunklen Gedanken zu verlieren drohen – Gottes Trost wartet auf sie, ja auf genau sie! Aus unseren Tränen wird Gott etwas Gutes erwachsen lassen, unser Leid ist nie umsonst. Klar erkennen wir: auch in Trauer, auch in Verzweiflung bleibt Gott unser Gott. Verlassen Sie sich nur noch auf ihn. Legen Sie ihr Leben in seine Hände und folgen sie behutsam seinen Schritten. Nur dann bleiben wir auf dem Pfad Gottes.
Während sie diese Zeilen lesen, erkennen Sie: nichts, was uns diese äußerliche Welt zufügen will, nichts was wir vielleicht fürchten, kann unser tiefstes Innere, unseren inneren Seelenraum beschmutzen oder auch nur zu Gesicht bekommen. Innerlich bleiben wir frei und gesund – egal was diese Welt des Mephistopheles auch für uns bereit hält. Durch Gottes Geist, der in uns ist und wirkt, hat das Böse sein Gegenüber verloren. Wir sind Kinder Gottes, das heißt: wir sind von Gott versiegelt. Kein Aufstand in diesem Leben wird daran etwas ändern, etwas ändern können!
Nur wie wird das sein? Wie sieht denn nun jenes Wohl, jene Gerechtigkeit aus? Was können wir uns nur darunter vorstellen?
Diese Frage ist sicher populär. Dennoch: jene letzte Dinge werden wir nur als Überraschung erleben. Doch Johannes hinterließ einen Türspalt hinein in jene noch fremde Welt in seiner Offenbarung. Hier heißt es:

Offb 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

Auch wenn wir nicht wissen, wie genau wir Gott schauen werden – eines wissen wir: wir werden ihn schauen und erkennen, so wie wir durch ihn erkannt sind. Er wird unsere Tränen abwischen, er wird mit seiner Liebe uns heilen, trösten, Gerechtigkeit schenken. Das ist unsere Hoffnung. Das ist unser Lebenselixier, der Kern des Glaubens, die Hoffnung, die ein Leben trägt. Wir werden nicht verloren gehen, denn wo Gott ist, da sind auch wir.

Und was nun? Nun stehen viele von uns immer noch in dem Scherbenhaufen des Leids, des Lebens. Dennoch: wir haben wieder von der unverlierbaren Liebe unseres Herrn gehört. Wir wissen, das er mit uns ist, was auch passiert. Wenn wir scheitern, sagen wir das unserem Herrn, wenn wir siegen, in Glück und Zufriedenheit – sagen wir es dem Herrn. Egal wie chaotisch ihr Leben wirken mag – leben sie Schritt für Schritt allein nach dem Wort des Herrn. Es gibt niemanden, der nicht Trost und Hilfe aus dem Wort Gottes empfangen hätte. Suchen wir in allen Dingen des „christian way of life“ , folgen wir Gott und nicht den Menschen. Denken wir immer daran, wenn wir in Schwierigkeiten gelangen: ihr Seelenraum in ihnen ist unantastbar durch Mensch und Welt. Ziehen sie sich so oft es geht hier zurück, in ihr kleines Refugium, in dem Gott der Herr in uns wohnt. Er ist immer nur eine Haaresbreite von unserem Denken und fühlen entfernt. Gott ist da – und wo sind Sie?

AMEN