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Je mehr er hat je mehr er will...

Das Wort zum Montag

„Je mehr er hat je mehr er will, niemals stehen seine Wünsche still“



Mt.23, 25: „ Wehe euch Ihr Schriftgelehrten und Pharisäer... äußerlich seid ihr wie die Becher, aus denen ihr trinkt: auf Hochglanz poliert. Aber euer wirkliches Leben besteht aus schmutziger Erpressung und Gier“



Der Friede unseres Herrn sei alle Zeit mit euch.

Liebe Schwestern und Brüder,

im Evangelium des Matthäus erleben wir einen zornigen, einen scheinbar vor Wut außer sich seienden Jesus.
Er steht nicht im Schutze seiner Jünger und klagt einfach Missstände der jüdischen Elite an. Sein Wort geht weiter und tiefer.
Und er weiß: das kann ihm sein Leben kosten doch letztlich kam der Sohn des gerechten Gottes nicht in diese Welt, um Gefallen zu finden.
Er weiß um die Gefahr. Und trotzdem: sein Wort wird zum zweischneidigen Schwert. Seine Mission ist das Evangelium sichtbar zu machen denen, die gerettet werden.

Bewundernswert. Hier handelt jemand aus der Gewissheit, das das Richtige verkündet, ans Tageslicht kommen muss. Und er spart nicht mit harten Worten!
„Äußerlich poliert aber innerlich voller Bosheit, voller Erpressung und Gier“. So spricht Christus über Menschen, denen Gott das Wichtigste, der Mittelpunkt des Lebens sein müsste. Doch letztlich schauen diese Menschen nur auf das Prestige, auf das Ansehen vor den Leuten. Gott spielt hier schon lange keine Rolle mehr.

Vielleicht empfindet man die Schärfe der Rede Jesu als übertrieben. Vielleicht kommen einem die Gedanken, ob nicht ein wenig mehr Diplomatie diesem Rebellen mehr genutzt hätte, als diese Mächtigen so direkt, so frontal anzugreifen.
Eines ist klar: solche Überlegungen sind ganz menschlich, ein jeder kennt sicher solche Situationen. Man weiß: hier läuft etwas grundlegend falsch, hier ist eigentlich mein Einspruch vonnöten, doch letztlich: die Angst vor dem Nächsten, dem anderen ist einfach zu groß, zu groß um es ertragen zu können im Mittelpunkt stehen zu können, zu groß, seine Meinung und Gedanken öffentlich Angriffen auszusetzen.
Jesus handelt hier anders.
Er weiß um den Menschen, er kennt die Abgründe, mit denen wir kämpfen. Klar wird hier: hier spricht der Meister, der Sohn des Höchsten mit Menschen, die ihrem Egoismus, ihrer Gier nach mehr erlegen sind.

Von wem man überwunden wurde, dessen Knecht ist man geworden. So lehrt es die Bibel.
Wie leicht verlockt uns diese Welt mit so vielen, mannigfaltigen Erfahrungen, Genüssen, Erlebnissen. Als ob eine kleine Stimme im Kopf zu uns spricht: was überlegst du noch – greif zu, schließlich lebt man nur einmal!

Schließlich lebt man nur einmal – hier bricht der Kern auf, der Nährboden für Geiz, Neid, Gier, Egoismus, Menschenhaß.

Jesus hat es erkannt. Hier leben Menschen, die ganz für Gott da sein wollten, nach den Maßstäben dieser Welt. Sie suchen Anerkennung, der Menschen, nicht der Gottes. Sie suchen Befriedigungen für das eigene Ego, Respekt muss, soll ein jeder vor ihnen haben. Und wo bleibt der Respekt vor Gott?
Äußerlich wird gefrömmelt, wird eine Bühnenreife Inszenierung dargeboten, wie man sich einen religiösen Führer vorzustellen hatte.
Doch letztlich verbleibt ihr streben im Äußeren stecken, in einer Oberflächlichkeit, die tatsächlich davon ausgehen muss, nur einmal zu leben. Hier bricht der Zwang aus: alles muss ich aus meinem Leben herausholen. Doch Gott hat hier keinen Platz mehr.
Jesus greift hier ganz entschieden ein. Doch wir erkennen: seine Zurechtweisung erfolgt nicht, um sich selbst als Primat über die anderen zu postulieren. Christus rettet. Seine Liebe spricht trotz seiner Strenge zu jedem einzelnen: kehre um, kehre um zu deinem Gott, denn sonst bist du verloren, verloren in Ewigkeit.
Vergessen wir nie: Christus ist der gute Hirte. Er verlangt nach Zuwendung zu dem einen Gott und gibt dabei einem jeden seiner Kinder die Erkenntnis, die auch Hoffnung ist: wir leben zwei mal. Die paar Jahre dieses unseres Lebens waren nicht alles, waren nicht alles, wozu wir in diese Welt kamen.
Wir sterben nie, denn der Glaube und die Liebe zu Gott ist größer als Tod, Trauer, Verzweiflung.

Das ist uns geboten zu glauben. Das ist die Wahrheit Gottes, die auch Wahrheit unseres Lebens ist und immer sein wird.

Liebe Schwestern und Brüder – auch und gerade heute spricht Christus zu Ihnen, zu mir. Werdet wahrhaftig. Legt ab eure Masken des Lebens, legt ab das ach so kostbare Image, das so manchem Menschen zum Fluch wurde.
Werden wir wahrhaftig, mit Gottes Hilfe. Wir müssen dem widerstreben, was diese Welt von uns fordert. Das Image des Dynamikers, jung, hübsch, agil, stark, bisweilen skrupellos.
Doch wir wissen: das ist nicht die Schöpfungsrealität Gottes, das ist es nicht, zu dem der Mensch berufen ist.
Einfühlungsvermögen, Sensibilität, Gespür für den anderen, dem Gegenüber. Das sind die Eckpfeiler des Ansehens bei Gott.

Mt.23, 25: „ Wehe euch Ihr Schriftgelehrten und Pharisäer... äußerlich seid ihr wie die Becher, aus denen ihr trinkt: auf Hochglanz poliert. Aber euer wirkliches Leben besteht aus schmutziger Erpressung und Gier“

Erpressung und Gier – das prangert Christus an.
Doch auch uns ist die Gier oft sehr nahe gekommen. Das jagen nach dem „immer mehr“ ist es, das uns unfähig werden lässt, Beziehungen zu pflegen – weder zu Mensch noch zu Gott.

Das Wesen der Gier ist es, das sich plötzlich alles im Leben ihr unterzuordnen scheint.
Immer mehr zieht sich der Betroffene zurück: von seinen Freunden, seiner Familie, seinem Gott.
In seiner Rede zu den Pharisäern und Schriftgelehrten spricht Christus immer wieder das „Wehe euch“. Er warnt, den Zuhörern zur Rettung, den anderen zur Warnung.
Die Heimtücke der Gier ist es, das der Betroffene selbst nicht merkt, was aus ihm geworden ist.
Es sind nicht nur Politiker, Reiche, Wirtschaftsbosse, die diesem Virus verfallen. Auch der kleine Mann, dessen Lebensinhalt das „immer mehr und immer besser“ seinem Nächsten gegenüber lebt, ein solches Verhalten wird zu Gier, die entfremdet, trennt, einsam macht.
Man sieht es immer wieder: wehe, der Konkurrent hat ein größeres Haus, eine hübschere Frau oder einen teureren Wagen. Dann wird mit gleicher Münze zurückgeschlagen.
Dann rennen Menschen los um Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, mit Geld das sie nicht haben für Menschen, die sie nicht mögen.
Das in Deutschland die Insolvenzen immer mehr werden, liegt zum Teil auch daran, das den Menschen das Äußerliche wichtiger geworden ist, als die Folgsamkeit seiner eigenen Vernunft.
Wo bleibt der Christus, diesen Menschen das „wehe euch“ entgegen zu setzen?
Menschen kommen zu Schaden, Konkurrenten werden kaputt gemacht, Beziehungen werden ausgenutzt. Nur um der eignen Gier zu dienen.
Wir sind das Salz der Erde. Wir müssen uns aufmachen, Widerstand zu leisten, wenn Christus immer mehr verachtet, angegriffen wird.
Stehen wir auf: ein jeder dort, wohin ihn Christus berufen hat. Machen wir dieser Welt klar: mit uns Christen ist immer zu rechnen. Wir sind kein frömmelndes Völkchen ohne Kraft und Ziel. Denn wir leben nicht uns, sonder Christus lebt in uns, Christus, der allein Herr dieser und der kommenden Welt ist und sein wird in Ewigkeit.
Brechen wir auf, so wie wir sind. Verjagen wir den Dämon des Images, der Anforderung Dritter an uns.
Reißen wir unsere Masken herunter und bekennen: Solus Christus!

Wir leben heute in einer Welt, die bitterarm und überfließend reich ist. Was den einen zuviel, ist den anderen zu wenig.
Menschen sterben jeden Tag, weil ihnen keine Grundlage zum Leben gegeben werden kann.
Doch aus eigener Erfahrung wissen wir: es sind nicht nur die Bürger der afrikanischen Staaten, denen das Leben vom Überfluss der anderen genommen wird.
Sogar ein Land wie Deutschland lässt Menschen verarmen, entzieht sich Menschen, denen das Notwendigste fehlt. Kinder hungern, Obdachlose sterben in der Kälte des Winters und das auf Straßen, auf denen es oftmals alles zu kaufen gibt, was das Herz begehrt.
Was ist hier schief gelaufen?

Ich suche keine Klischees, ganz sicher nicht. Doch scheint mir: die Kleinsten, die Armen, die Ausgegrenzten haben keine Lobby. Lieber gibt Berlin Hunderttausende für Werbung für sich aus, als das den Menschen in der Jämmerlichkeit, dürstend, hungernd, ohne Obdach, zielführend und wirklich geholfen wird.
Niemand ist von dem Virus der Gier auszuschließen. Sei es die Gier nach Geld, nach Macht, nach Kontrolle. Wenn uns anderes wichtiger ist, als sich dem Elend des eigenen Landes zu stellen, dann ist unsere Menschlichkeit erheblich degeneriert.
Was zählt ist der Zahlungskräftige, der Starke, der Leistungsfähige. Wer kümmert sich da noch um die paar Verzweifelten!
Wir alle brauchen Gott mehr denn je. Denn nur durch den Glauben und der Nachfolge Christi, werden wir in JEDEM einzelnen das Antlitz Jesu erkennen. Wir müsen lernen, die Menschen danach anzusehen, was sie erleiden, ganz gleich, wie sie es auch zu verdecken versuchen. Denn wer kennt sie nicht, die Statussymbole. Ein jeder kennt sie, ein jeder belächelt sie zuweilen, doch die Vielen brauchen sie einfach als „Seelenkrücke“.

Dem Hungernden zu essen geben, den Ausgegrenzten wieder hinein in die Gemeinde nehmen – das sind wirklich Taten, die wir den geringsten Brüdern unseres Herrn tun.
Denn was wir ihnen tun, das tun wir Christus, und was wir Christus tun, tun wir für Gott.
Wir müssen wieder Menschen werden, die inwendig wie äußerlich sich dem Licht des Glaubens, dem Licht Gottes öffnen. Überwinden wir unseren Egoismus, unsere Gier nach mehr und weiter. Denn wir wissen darum: unser Erlöser lebt, denn niemand stirbt nur einmal!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus AMEN.