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Hammer oder Amboß?

Sind Sie Hammer oder Amboß?


Eben noch haben Sie es gelesen – liebt eure Feinde.
Denen Gutes tun, die mich verfolgen, missachten, verstoßen? Ein hoher Anspruch. Aber dennoch ein Anspruch Gottes an einen jeden von uns. Und dabei wird mir klar: wir sind nicht nur gehalten, unser Verhalten gegenüber denen zu überprüfen, die in feindlicher Weise mit uns in Beziehung getreten sind. Es sind auch die ganz alltäglichen Situationen, in denen wir gerade meistenfalls mit Menschen in Konfrontation steigen, die uns viel bedeuten. Doch gerade hier erkennen wir: denen zu vergeben, denen wir unser Herz geschenkt haben, ist so unendlich viel schwerer, als das reine „ich vergebe“ gegenüber denen, die eigentlich außerhalb unseres Kernlebens sind und verbleiben.

Wie geht es ihnen, in Konfliktsituationen. Der Chef motzt herum, Kunden nerven, jemand klaut ihnen den Parkplatz vor der Nase weg – der Alltag bietet vielerlei Nuancen, in denen man am liebsten aus der Haut fahren möchte.

Ich zum Beispiel habe gerade in diesen Situationen mit meinem Temperament zu tun. Ich schlage nicht um mich, also keine Angst. Dennoch: immer wieder ertappe ich mich dabei, Konflikte auszutragen, was zum einen Streß verursacht und zum anderen in 9 von 10 Fällen keinen Erfolg verspricht.
In solch einer Situation, gerade wenn man sich angegriffen fühlt, die Ruhe zu bewahren ist ein hartes Stück Arbeit.
Nur wie packen wir das Problem an?

Wäre es nicht schön, man könnte in einem Konfliktfall selig lächelnd unberührbar bleiben. Kein Stress macht sich breit, kein Adrenalin tropft aus dem Hemd, kurz um: man begegnet dem Angriff in der einzig gesunden Weise: man lässt ihn langsam an sich abperlen wie das Wasser von einem Blatt. Wenn das mal so einfach wäre. Doch wer hat behauptet, es wäre einfach?
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – man soll hier nicht erreichen, gegenüber Kritik in Gänze unberührbar zu bleiben, denn gut gemeinte Kritik, die ebenso diesen Namen verdient und dabei aber so selten anzutreffen ist, ist nützlich und notwendig zu innerem Wachstum.
Also keiner spricht hier von genereller Gleichgültigkeit – denn dieses Verhalten wäre ebenso falsch wie unerreichbar. Ich glaube fest daran, das man aus sich heraus solche ein Verhalten nicht erlernen kann und natürlich nicht erlernen soll.

Doch machen wir doch zuerst uns ein Bild davon, wie eine solche Konfliktsituation klassischer Weise aussehen kann.

Haben Sie Kinder? Nicht unbedingt die Kleinen und niedlichen, sondern eher Teenager, die in beeindruckender Weise Ablehnung produzieren können. Eine schwere Zeit. Für beide Seiten!

Tena ist 16 Jahre alt. Ein schönes Alter – nur nicht für die Eltern.
Es ist ein Alter, in dem Grenzen getestet, in dem man wissen will, wie weit man eigentlich gehen darf. Und überhaupt: die Schule, die Eltern, die ganze Welt nahezu sind eh alles Spießer. Und so will man selber ja nie werden. Ich denke ein Vorsatz, den sich viele vornahmen kurz bevor sie letztendlich den eigenen Eltern recht ähnlich geworden sind.
Es ist Samstag – ein Tag, der stressgeplagten Eltern den Schweiß auf die Stirn treibt. Samstag ist mal wieder „Party“ angesagt. Und wer ist da dabei: klar – ihre Tochter.
Tena will in eine Disko mit ein paar Freunden, die man selbst natürlich nicht kennt, was genauer betrachtet eher ein Vorteil als Nachteil ist. Denn wer kennt schon Teenager in dem Alter, denen man freiwillig die Tochter anvertrauen würde?

Plötzlich steht Tena im Wohnzimmer. Die Kriegsbemalung angelegt, eine großen Teil von Textilien abgelegt scheint sie bereit zu sein zum Sturm auf die Samstagabendunterhaltung.
Als verantwortliches Elternteil vereinbart man natürlich mit der Kleinen (...wie die Zeit vergeht...) Regeln: wann sie zuhause sein muss und natürlich würde man im Falle, das Tena betrunken nach hause kommt, pro Promille 10 Jahre Hausarest verhängen.

Den ersten Schreck überwunden fasst man nun den Entschluss einen ruhigen und schönen Samstag Abend erleben zu wollen. Eigentlich nichts dagegen zu sagen. Und dennoch: mit dem Vorrücken der Zeit steigert sich die eigene Unruhe proportional.
Um 11 Uhr sollte die Tochter zurück sein. Stunden vergehen, Stunden, in denen man zwischen Wut und Sorge hin und her wechselt. Ist ihr was passiert? Und brandheiß fällt einem auf, das man von der ganzen Clique rund um Tena ausnahmslos gar nichts weiß.
Die Uhr im Wohnzimmer rückt vor auf 1:00 Uhr nachts. Das Warten hat endlich ein Ende. Sichtlich erschöpft und nach der o.g. Regel gute 10 Jahre Hausarest verdienend wird Tena nunmehr auch Schauplatz der eigenen Wut.

Vorwürfe, Beschuldigungen wechseln lebhaft den Besitzer. Beide verteidigen den eignen Standpunkt heroisch. Die Tochter, die sich nunmehr klar geworden ist, das ihre Familie eh bloß Spießer sind und der Vater, der in der Tochter ein naives kleines Wesen vermutet, das der bösen Welt dort draußen nicht gewachsen ist.

Wie also reagieren? Mit Strenge, mit Strafen oder mit Verständnis und Deeskalation?
Oder anders gefragt: ist man Hammer oder Amboß? Hammer, als Ausdruck von Strenge, einem Glauben an die Wirksamkeit von Missetat und Strafe oder aber die Amboß Strategie, die von einem ein hohes Maß an Selbstbeherrschung und Durchhaltevermögen abverlangt. Was ist hier das Richtige? Wie nur findet man das heraus?


Doch die Familie ist ja nicht der einzige Schauplatz unserer kleinen und großen Kriege.
Reisen wir also gedanklich in die Welt der Arbeit und des Alltags. Wenn Sie diese Zeilen am Wochenende lesen, entschuldige ich mich im vorhinein, das ich ihre Bemühungen gedanklichen Abstand zur Arbeit zu bekommen so schändlich boykottiere. Doch manchmal muss das einfach sein. Also weiterhin: Ohren steif halten!

Es ist 06:00 Uhr morgens an einem verregneten Montag morgen. Herr Meier hat noch 10 Minuten bis ihn der Wecker aus den süßen Träumen jäh herausreißen wird. Montag eben.
Das Zimmer



liegt noch in einer hellen Dunkelheit, so das man sowieso den Eindruck bekommt, das es doch nicht wirklich klug sei, mitten in der Nacht aufstehen zu müssen.
Wer hat sich nicht schon gefragt, ob das Aufstehen zu solch einer Zeit nicht doch unter die Genfer Konvention fallen müsste.
06:05 Uhr. Die zeit wird knapper. Herr Meier wälzt sich schlaftrunken auf die andere Seite. Und schon ist es passiert. Der Wecker klingelt. Der Tag beginnt.
Nach den üblichen Restaurationsarbeiten am eigenen Erscheinungsbild schlürft man in die kalte Küche um sich mit Hilfe von ein wenig Koffein aus dem Halbkoma herausholen zu lassen. Was haben wohl früher die Menschen gemacht, ohne Kaffee? Solche Fragen beschäftigen einen schon mal – an einem Montag morgen.

In Dankbarkeit um die Existenz dieses Heißgetränks macht man sich auf den Weg ins Büro. Die Stimmung ist auf einem Nullpunkt, denn schon bald begegnet Herr Meier seinem persönlichen Alptraum – seinem Chef.
Da ist nicht nur eine Animosität auf beiden Seiten, nein, mittlerweile hat man sich in der Beziehung zueinander zur Gemarkung von Abscheu und Feindschaft hochgeschwungen, frei nach dem Motto: Feinde muss man sich erarbeiten, Gegner bekommt man umsonst.

Jeden Tag bekommt Herr Meier zu spüren, was der Vorgesetzte von ihm hält. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, um nicht doch noch diesem Mitarbeiter einen „mit zu geben“. Vom Vorwurf der Inkompetenz bis hin zum Thema Vertrauensbruch reicht das Repertoire. Und selbstverständlich setzt der Angestellte mit „Dienst nach Vorschrift“ dagegen. Ein wunderbares Betriebsklima, zu dem man dort gezwungen wird.

Und dann noch die lieben Kollegen. Sicher gibt es einige Mitarbeiter, die sich von der konfliktiösen Atmosphäre nicht beeindrucken lassen. Doch der andere Teil dagegen, der Opportunismus wohl als Leistungskurs gewählt haben muss, wechselt von Kollegialität hin zur Ignoranz. Der in Ungnade Gefallene wird nicht mehr bemerkt, er wird nahezu aussortiert aus jedweder sozialen Interaktion.
Leicht kommt man hier in Zugzwang, der von uns Aktivität abverlangt. Man muss doch selbst in der Lage sein, diese Situation hin ins Bessere zu verkehren. Oder muss ich mein ganzes Arbeitsleben mit solchen Konfrontationen leben? Wo ist der Ausweg, der Notausgang?
Und irgendwann kann man nicht mehr. Irgendwann ist das sprichwörtliche Fass übergeflossen. Endlich getraut man sich, kompromisslos dagegen zu halten.
Jetzt weht ein anderer Wind. Man wird sklavisch autoritär, man sucht, den Gegenüber gleichermaßen das Leben zu vermiesen, wie er es so lange Zeit mit uns getan hat.
Man sieht die Menschen, man sieht die Kollegen, einfach jeden Menschen mit anderen Augen. Hinter einem lächeln vermutet man Häme. Hinter einer Unterhaltung zwischen zwei Kollegen vermutet man leicht Ausgrenzung und Hetze.
Man beginnt, sich nichts mehr gefallen zu lassen. Doch gerade hier beginnt man, Situationen und Geschehnisse über zu bewerten. Nach einiger Zeit passieren zwei Dinge: zum einen hat man vortrefflich die eigene Gesundheit zerstört. Denn solch ein Streß hält keiner länger aus. Zum anderen gebärdet man sich als Zerberus, der mit kläffenden Zähnen die Gegner weg zu beißen versucht,in dem festen Wissen darum, nahezu vollständig von Feinden umzingelt zu sein. Ein schlimmes, ein anstrengendes und auch zerstörerisches Leben. Ein Leben, das wohl niemand gern leben will. Denn Haß vernichtet immer. Seine zerstörende Kraft erniedrigt uns selbst und Gott.

***

Doch wie können wir es besser machen? Wie können wir aus diesem Teufelskreis ganz konkret aussteigen? Wer kommt uns zur Hilfe?

In Gedanken bin ich nunmehr in der Passion unseres Herrn Jesus Christus gereist. Hier zeigt uns Jesus: das was wir als Stärke erkennen, ist Schwäche, wobei unsere Schwächen vor Gott mit Barmherzigkeit und Verständnis angenommen sind.
Schwächen werden zu Stärken, die Liebe zur größten Macht und Kraft im Leben und sterben.

Nur wie hätte die Passion Christi wohl ausgesehen, wenn er den Motiven, den Stärken des Diesseits gedient hätte, als dem Vater des Herrn, dem, der allein die Liebe ist.
Kommen wir in Gedanken zum Verhör Christi von Pontius Pilatus und dem Herodes.
In der Bibel lesen wir:



Jesus vor Herodes

6 Da aber Pilatus Galiläa hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre. 7 Und als er vernahm, daß er unter des Herodes Obrigkeit gehörte, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in den Tagen auch zu Jerusalem war. (Lukas 3.1) 8 Da aber Herodes Jesum sah, ward er sehr froh; denn er hätte ihn längst gern gesehen, denn er hatte viel von ihm gehört, und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. (Lukas 9.9) 9 Und er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. 10 Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. 11 Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilatus.
   12 Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander; denn zuvor waren sie einander feind.


Wer von uns hätte so wie Jesus reagieren können?
Er wird beschimpft, man wünscht sich ihn als Zirkusaffen zu degradieren, der der Obrigkeit ein paar Kunststücke zum Besten geben sollte, man verklagt ihn über und über mit Lügen, falschen Behauptungen und Gewissenslosigkeit. Und Jesus? Er schweigt. Und gerade so zeigt er sich als ein Mann der Stärke, einer Stärke, die aus dem Willen des Vaters und des Heiligen geistes in ihm Wohnung findet.
Nach der Logik dieser Welt hätte er ganz anders verhalten müssen. Er hätte lautstark die Ungerechtigkeit aufdecken müssen. Auf den Tisch hauen, die Widerlichkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer ihnen zurück ins Gesicht zu schleudern – das wäre das für uns logische Verhalten gewesen.
Hingegen erkenne ich ganz klar: die Stärke vor Gott ist



die einzige Gemarkung, die Relevanz für uns haben darf. Denn wirkliche Stärke ist Demut, Gnade und Barmherzigkeit. Wirkliche Stärke kann sich beherrschen, wirkliche Stärke hält die Widerlichkeiten dieser Welt aus, wenn sie nach uns greifen.
Diese Haltung macht uns reif für den Weg des Evangeliums. Die Methode des sprichwörtlichen Holzhammers gebiert keine Siege, sondern allein Verluste. Denn mit der vermeintlichen Vernichtung des Gegenübers haben wir trotz allem ein Kind Gottes gedemütigt, getroffen, verletzt. Hier sind wir an einen Punkt gekommen, wo die Gnade und Vergebung nur schwerlich empfangbar für uns wird.
Auge um Auge, Zahn um Zahn – diese Methode hat noch nie in der ganzen Menschheitsgeschichte irgendeinen Erfolg gebracht. Denn Vergeltung führt uns hin zur Verachtung, Verachtung gebiert ihrerseits Hass, der dann wie ein seelisches Karzinom uns Stück für Stück vernichtet, zerfrisst, umbringt.
Die Logik der Vergebung ist die einzige, die die Kraft in sich trägt, das Böse wirklich mit dem Guten zu überwinden.

Doch wie können wir diesem Maßstab gerecht werden? Wir sind nun einmal Menschen, Personen mit Emotionen, die uns immer wieder die vermeintliche Kühle unserer Ratio vernebeln. Emotionen sind nicht beeinflussbar, nicht abschaltbar wie ein kaputter Kühlschrank. Doch haben wir deshalb das Recht, an den Maßstäben Christi zu zweifeln? Haben wir das Recht, nicht unser Möglichstes zu versuchen, mit uns einen Weg zu beschreiten, der klar macht: das Wort Gottes hat eine konkrete Bedeutung für mein Leben. Ich bin zwar nicht perfekt, ich werde auch immer mal wieder rückfällig werden, doch das zählt nicht vor Gott. Gott sucht unser Herz, unsere Bereitschaft zur Gnade und Barmherzigkeit. Das Leben mit Gott ist kein Leben, das Erfolgsdruck produziert, das nach menschlicher Weise nach Leistung bilanziert. Gottes Weg ist der Weg der Liebe, nicht der Zerstörung.

Dennoch: sollten wir nunmehr Gedanken in uns haben, die vermeintliche Feigheit oder gar Menschenfurcht und Apotheose anordnen muss ich entschieden dagegen halten: Christ sein ist eine der stärksten berufungen unseres Lebens. Wir sollen nicht das Böse ignorieren, es allerhöchstens einmal anprangern, doch dann immer wieder ohnmächtig hinter den Schutz der Kirche zurücktreten zu wollen, doch dort werden wir keinen Schutz finden.
Christus, unser Heiland wurde gekreuzigt als Rebell, als kompromissloser, radikaler Rebell hingerichtet worden. Christus stand für die Menschen ein, er verurteilte, wo der Name Gottes in den Dreck getreten wurde. Er trat der Elite der Juden entgegen mit klaren, aufrechten und schonungslosen Worten.
Belehrung, aufrütteln, kritisieren – all das sind christliche Tugenden. Wir sind nicht angehalten, drauf zu hauen, wie es uns eben gefällt. Denn wir wissen: Belehrung, Zurechtweisung haben immer das Beste für den Gegenüber im Sinn. Reines agitieren, mit dem sprichwörtlichen Holzhammer um uns zu schlagen dient letztendlich allein unserer verletzten Seele und eben nicht dem Reiche Gottes. Wer aufrecht steht, wer für das Evangelium aufsteht, wo alle anderen schweigen – das ist das rechte Christentum, ein Christentum, das von sich selbst frei geworden ist und letztlich in Christus das eigene Ich anerkennt, behütet, lebt. Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir – dort, wo wir in unserem Glauben begriffen haben, das es im Leben nur um die authentische Präsenz Christi im eigenen Leben abzubilden geht, dort erkennen wir: soll uns doch die Welt verachten, denn do verachtet sie Gott. Soll uns doch der Mitmensch verachten für unsere Ansichten oder Person, denn gerade so verachtet er Gott daselbst. Soll man uns doch Steine auf den Weg legen, denn letztlich behindert man so den Weg des Herrn. Gelassenheit bricht hier heraus, Freiheit von der Eigenartlichkeit, eine Freiheit, die Angst verschlingt und Mut gebiert.
Paulus schreibt im Titusbrief, Kapitel 2, Vers 15: „Ermahne und weise in aller Autorität zurecht. Niemand darf auf dich herabsehen!“

Hier wird klar: Einschüchterung, Passivität, reines „gefallen lassen“ sind keine Anforderung an uns Christen. Denn wir alle sind Menschen, Menschen mit einer reinen Würde und einer hohen Autorität. Beides gehört unabdingbar zum Leben selbst. Wenn wir erkennen, das es an uns ist, Christus in dieser Welt abzubilden, so wird uns zunehmend klar werden: diese Welt ist größtenteils fern von Gott, fern von seiner Passion und unserer Erlösung. Wenn ich mit meinem Ansteckkreuz durch die Straßen der Stadt laufe, schauen mich die Leute oft „wie ein Bus“ an. Unverständlichkeit, ja eine Portion Misstrauen bricht hier auf einen ein. Was ist denn das für einer? Gehört der zu einer Sekte? Merkwürdig!
Diese Worte hört man immer wieder. Denn Christus ist zum Exoten geworden, niemand erkennt mehr heute, was an unserer Kultur alles christlich geprägt ist: die Gliederung der Woche, die Feste des Jahres, die Struktur des Tages – all das ist ohne christliche Kultur undenkbar.

Doch kommen wir noch einmal auf die eingangs gestellte Frage zurück: sind wir nun Hammer oder Amboß?

Klar geworden ist: das ziellose, bedingungslose zurückschlagen mit dem wörtlichen Holzhammer führt uns im Leben nur noch tiefer hinein in die Spirale von Verletzung, Streit und Bezichtigung. Dennoch: zurechtweisen und ermahnen sind aber umso mehr unserem Glauben geschuldet. Denn im Beispiel Jesus sehen wir den wahren Menschen, der in allen Dingen den Willen des Vaters zu tun bereit ist. Nichts und niemand kann ihn davon abhalten.

Doch solch eine Haltung verlangt nach Geduld und Besonnenheit. Ein Stück weit aushalten ist zum leben dieser Tugenden unabdingbar.
Auch wenn die Geduld jetzt noch nicht da ist, so können wir doch Gott darum bitten: denn wer bittet, dem wird gegeben werden!
Vergessen wir nicht: die Tugend des aushaltens, die Lehre vom Amboss Gottes funktioniert in zwei Richtungen – in eine aktive und eine passive.
Gott erschuf sich Menschen nach seinem Bilde. Sein Geist wirkt in uns und so ist klar: jeder Christ unterliegt der Pflicht des ermahnens und des zurechtweisens. Und gerade hier müssen wir alle erwartete Gegenwehr unseres Gegenübers ertragen, aushalten können. Wie ein Amboss, auf dem Eisen geschmiedet wird. Egal wie stark die Schläge des Hammers werden – der Amboss bleibt – und das noch unbeschadet.
Niemand darf auf dich herabschauen ( Titus 2,15) – denn wer seine Autorität seiner Menschenfurcht opfert, der Opfert die Ewigkeit zugunsten der Diesseitigkeit. Ein jeder Christ ist berufen, Christus zu leben, den Glauben an ihn ausnahmslos zu verteidigen. Dort wo verachtet wird, müssen wir uns erheben. Wo Menschen getreten werden, müssen wir uns stark machen. Wo Menschenwürde nur noch zum Trost eine Bedeutung hat, sind wir alle als Christen in der Pflicht. Ohne Ausnahme. Ohne Einschränkung.

AMEN!