Der Fall Jepsen
Der Fall Jepsen und die Glaubwürdigkeit
Das Wort zum Montag
9 Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr nichts zu schaffen haben sollt mit den Unzüchtigen.
10 Damit meine ich nicht allgemein die Unzüchtigen in dieser Welt oder die Geizigen oder Räuber oder Götzendiener; sonst müsstet ihr ja die Welt räumen.
11 Vielmehr habe ich euch geschrieben: Ihr sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der sich Bruder nennen lässt und ist ein Unzüchtiger oder ein Geiziger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber; mit so einem sollt ihr auch nicht essen.
12 Denn was gehen mich die draußen an, dass ich sie richten sollte? Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind?
13 Gott aber wird die draußen sind richten. Verstoßt ihr den Bösen aus eurer Mitte!
( 1. Korinther 5,9-13)
Lk.8,17: Alles, was jetzt noch verborgen ist, kommt einmal ans Licht, und was jetzt noch ein Geheimnis ist, wird jeder verstehen.
Auf Wiedersehen Frau Jepsen!
Liebe Schwestern und Brüder,
es ging wie ein Lauffeuer durch die Medien. Nach dem Rücktritt der Kirchenfrau Nr.1 Margot Käßmann, wirft nun auch die Zweite das Handtuch. Frau Jepsen, die damals erste Frau im Bischofsamt weltweit gibt ihre Posten auf, da sie in Verbindung mit einem Missbrauchsfall
ihre Glaubwürdigkeit angegriffen sah.
Ist der Rücktritt verfrüht oder nur ein Zeichen der Einsicht von Schuld? Wer außer dem Herrn kann diese Frage beantworten?
Dennoch: die Vorwürfe wiegen schwer. Wiedereinmal ein Missbrauchsskandal der zeigt, das auch die protestantischen Kirchen niemals frei sind von solchen menschlichen Tragödien. Sexuelle Übergriffe von Geistlichen auf Kinder – und das ohne Zölibat!
Von einer Kampagne gegen die beliebte Bischöfin will niemand reden. Verständlich. Denn kann man überhaupt begründet denken, das Frau Jepsen nichts von all dem wusste, was gegen den beschuldigten Pfarrer sprach? Eine Versetzung auf einen reinen „Bürojob“ konnte hier nicht helfen, denn schon ein wenig später unterrichtete er wieder in einem Gymnasium.
Da hat man wohl den Bock zum Gärtner gemacht. Sicher haben Sie recht: Polemik nützt der angeschlagenen Kirche rein gar nichts. Glaubwürdigkeit, Wahrheitstreue und klare Konsequenzen für die, die gegen ihre Berufung und so gleichermaßen gegen ihren Herrn öffentlich leben – das ist gefordert, das allein tut Not.
Paulus sah in seiner Gemeinde in Korinth sich einem ähnlichen Problem ausgesetzt.
Offenbar war sie vom rechten Weg abgebogen, wenn es Männer in der Gemeinde gab, die als Unzüchtige, Geizige, Götzendiener, Lästerer, Trunkenbolde und Räuber bezeichnet werden mussten. Ein hartes Wort. Die Konsequenz: den Ausschluss solcher Menschen, die im Licht sich als Gläubige und Brüder ansehen und im Dunkel ihres Herzens leben, als ob es Gott überhaupt nicht geben kann – dies gebiert Glaubwürdigkeit, eine Glaubwürdigkeit, die nur so Christus und den Menschen vermittelt: hier wird nichts zugedeckt, hier steht die Verteidigung des Evangeliums höher, als die Angst vor einem Verlust von Ansehen, einem Ansehen, das es bei solchen Überlegungen schon gar nicht mehr gibt.
Warum nur lernt die Kirche hier nichts dazu?
Immer wieder kommen Verfehlungen Einzelner nach vielen Jahren ans Licht, die aus reiner Furcht vor der Welt ins Dunkle hinein verschoben wurden. Das Ergebnis: die Entgleisung wird vergoren zu einem Skandal gegen Gott, die Kirche und den Menschen.
Ja, warum nur lernt die Kirche nichts dazu?
Angst, Furcht, Befürchtung – das ist menschlich, all zu menschlich. Und so wie die Kirche von Menschen geführt wird, so ist sie auch gleichermaßen immer der Sünde dieser ausgesetzt. Keiner erwartet Heilige in der Kirche. Dennoch erwartet es oftmals die Kirche selbst. Was ist so schlimm daran, Verfehlungen christlich zu begegnen, sie zu lösen, anstatt sie unter den Teppich der Verschwiegenheit zu kehren? Die Kirche besteht aus Menschen! Das ist es, was wohl die meisten Menschen verstanden haben, nur tut sich die Kirche bedeutend schwerer, hier Einsicht zu zeigen.
Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit – beides ist nicht voneinander zu trennen. Die Wahrhaftigkeit der Kirche hängt untrennbar an der Glaubwürdigkeit der Männer und Frauen, die Kirche verkünden, führen, repräsentieren.
Gerade hier tut es Not an Menschen, denen nicht das Image der Kirche sondern, die Wahrhaftigkeit der lebendigen Verkündigung des Evangeliums am Herzen liegt.
Doch auch hier wissen wir: man kann, man darf Fehler machen. Doch gleichermaßen bedeutet das auch: Fehler müssen erkannt und eingestanden werden.
Und genau hier habe ich im Fall Jepsen ein bedenkliches Bauchgefühl.
Allen Schutzbehauptungen entgegne ich: die Behauptung, Frau Jepsen wusste nichts von dem kinderschändenden Pfarrer, sind nach allem, was wir heute wissen, nicht haltbar.
Sicher ist dabei nur: hier wird sicherlich die Glaubwürdigkeit einer Bischöfin angezweifelt, attackiert. Doch das ganz zurecht. Hier hat eine Dienerin Christi die große Decke über eine peinliche, menschliche Tragödie zu ziehen versucht. Doch es gelang ihr nicht. Denn Christus spricht:
Lk.8,17: Alles, was jetzt noch verborgen ist, kommt einmal ans Licht, und was jetzt noch ein Geheimnis ist, wird jeder verstehen.
Es mag Zeit ins Land gehen, es mag Gras über etwas wachsen. Doch letztlich ist es Gottes Kirche, eine Kirche die ihn in der Welt abbilden, verkünden soll. Alles wird eines Tages ans Licht kommen, sei es auf dieser Welt oder aber im jüngsten Gericht. Denn das ist Teil der christlichen Gerechtigkeit die uns zeigt: du kannst nicht einfach den Anspruch des Evangeliums verwerfen und nach eigenem Gutdünken tun was du willst. Christus ist unser Herr und sein Leben unser Anspruch.
Aber man kann doch nicht verurteilen. Den von Gott abgefallenen aus der Mitte zu stoßen, ist das nicht wie ein Richterspruch über sein Leben?
Doch frage ich damit auch: wenn ein Mensch sich als Teil des Leibes Christi
Ansieht, wenn ein Mensch sein ganzes Leben in den Dienst an Christus und dem Evangelium weiht doch dabei vom licht Gottes in seinem Herzen nicht betroffen wird - was kann diesem Bruder denn helfen? Das Vertuschen, verdecken der Tat, abzuwarten, bis Gras über die Sache gewachsen ist?
Dies ist der Weg, der uns schuldig werden lässt an Gott und an unserem Bruder. Denn nur das Licht des Glaubens, nur das mutige hinstellen der Verfehlung vor das Antlitz des Herrn kann Heilung, kann Rückkehr zum Glauben gebären. Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther: Denn was gehen mich die draußen an, dass ich sie richten sollte? Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind?
13 Gott aber wird die draußen sind richten. Verstoßt ihr den Bösen aus eurer Mitte!( 1.Kor.5,13).
Egal wer an dem Glauben und an Christus schuldig geworden ist: er muss spüren, das er nunmehr aus der Gemeinschaft der Kirche, der Gläubigen, vor der Tür steht, einer Tür, die mit der Gnade Gottes und der Einsicht des Gemeindeglieds erneut sich öffnen wird.
Nichts kann vor Gott verborgen bleiben – nur das darf für uns zählen!
Gott wird diesen Menschen auf seinem Weg führen, begleiten, heilen, eine Heilung, die nur durch ihn gelingen kann.
Und noch eines: da vor Gott ein jeder Mensch die gleiche Würde besitzt ist es auch ganz egal, welcher Ebene der Hierarchie der Bruder oder die Schwester in der Kirche bekleidet.
Ein frommer Wunsch? Sicherlich! Doch ein Wunsch, der konsequent erfüllt werden muss, damit die Kirche Kirche Jesu Christi genannt werden kann und darf.
Sei es der Gemeindehelfer, die Putzfrau, der Pfarrer oder der Bischof: verstoßt den Bösen aus eurer Mitte. Auch wenn es hart klingt! Doch nur so kann dieser Heilung in Gott finden und nur so kann unser aller Kirchen Glaubwürdig, wahrhaftig bleiben und werden!
2. Korinther 5:10 sagt uns: "Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit ein jeglicher empfange, was er vermittels des Leibes gewirkt hat, es sei gut oder böse."
Wir Christen dienen einer Wahrhaftigkeit, die höher ist als Moral und Ethik dieser Welt.
Ihm, unserem Herrn sind wir Rechenschaft schuldig, eine Rechenschaft, die nicht zugedeckt, weg geschoben werden darf.
Die Kirche dieser Welt besteht aus Menschen, sündig und fehlerhaft wie ein jeder von uns.
Ein jeder ist angewiesen auf die Gnade Gottes. Hören wir auf zu denken, die Kirche bestehe nur aus Heiligen, die keine Fehler machen. Denn gerade hier wird klar: ein solches Image zu kreieren zerstört die Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit der Kirche und ihrer Glieder.
Frau Jepsen wünsche ich für ihre Zukunft alles Gute. Maranatha – die Gnade des Herrn sei mit dir.
AMEN.
Zum Anhören...
Hier gibt es die Homilie zum Anhören:
18072010wortzummontag.mp3 [8.908 KB]






