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WEIHNACHTSPREDIGT

Auf der Suche nach Glück





Glück ist nur bei Gott zu finden. Denn er ist die Liebe!

Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.

Charles-Louis de Montesquieu, 18.01.1689 - 10.02.1755

Französischer Schriftsteller und Philosoph


Liebe Schwestern und Brüder in Christo,

es ist Weihnachten! Für einen jeden von uns, bedeutet dieses Fest etwas Anderes. Wir alle sind in gerade diesen Tagen auf der Suche, auf der Suche nach Liebe, nach Wärme, nach Glück. Und ein jeder sucht es auf ganz verschiedene Art und Weise. Der eine deckt sich mit Geschenken ein, so als ob Weihnachten nur dann zum Erfolg wird, wenn ja nur genug Geschenke da sind.
Doch manchmal kommt es ganz anders, nämlich dann, wenn jene anderen uns nicht das zurückgeben, was wir von ihnen erwarten: gute Worte, Dankbarkeit, Zuwendung. Dann gerät das so schön geplante Weihnachtsfest ganz gehörig in eine Schieflage. Und was dann? Missmut, schlechte Laune und ein inneres aufatmen, wenn dann alles schließlich wieder vorbei ist. Frohe Weihnachten – Gott sei dank erst im nächsten Jahr. Eine schöne Bescherung.

Manch einer versucht sich dem allen zu entziehen. Weihnachten unter Palmen oder irgendwo anders, Hauptsache weg von zuhause. Die Tradition, der Weihnachtsbaum, Schnee und Kälte und die Atmosphäre von einem „bei einander sein“ – all das für ein paar Tage scheinbaren Glücks, zu dessen Ende sich meist auch das Gefühl mischt, etwas verpasst zu haben. Frohe Weihnachten?

Warum ist es gerade Weihnachten so schwer, sich einfach an einem Fest zu freuen, ohne Superlative, ohne das Besondere noch besonderer machen zu wollen. Wer soll da glücklich werden, wer soll sich da freuen, wo die Küche zur Kantine und die Hausarbeit mit Akkordlohn am Fließband sich vergleichen lässt? Haben wir vergessen: Weihnachten ist das Fest, an dem Gott Mensch wurde in dieser Welt, einer kalten, manchmal trostlosen Welt. Hier ist Gott das Licht der Menschen geworden, sein Licht erstrahlt in einem jeden Herzen, das sich seiner Liebe öffnet.
Das ist Weihnachten, das ist Glück, das ist Freude.
Hier ist Frieden den Menschen seines Wohlgefallens!

Kleiner Gott
Gott wird Mensch – man kann es sich kaum vorstellen. Und so klein sich Gott der Herr macht, gleichermaßen unscheinbar findet Jesus seinen Weg ins Leben jener Welt, der er Licht geworden ist.
Zwei Menschen, ohne viel Geld, brechen auf, sich zählen zu lassen. Jene Frau ist hoch schwanger, also eigentlich jener Reise nicht gewachsen. Trotzdem brechen beide auf.
Und dann das Desaster: kein Zimmer ist mehr frei, wo immer sie auch suchen. Nichts mit Gastfreundschaft, nichts mit Mitgefühl gegenüber dieser beiden Hilfsbedürftigen. Nach gefühlter Ewigkeit kehren beide ein in einen Stall, der mühsam vor Kälte schützt und gerade so letzte Möglichkeit zur Einkehr wird.
Das Kind kommt zur Welt – gesund und munter. Ein Baby wie kein anderes, denn in dessen Händen liegt das Schicksal eines ganzen Volkes. Er ist der Messias Gottes und liegt eben nicht in seidenen Betten sondern in einer harten Krippe im Stall zu Bethlehem.

In all den Bildern und Krippen, die uns in diesen Tagen begegnen fand ich eines immer bemerkenswert: Josef und Maria – zwei junge Eltern, denen die Geburt des Sohnes scheinbar nicht als Last, als Bürde empfunden wird. Niemals sieht man bei ihnen Angst, Verbitterung, Gleichgültigkeit.
Gerade hier können wir von jenen so unglaublich viel lernen. Denn klar wird: Glück kommt nicht einher mit Geld, macht und Prunk. Glück, das sich auch finden lässt in den scheinbar schlimmsten Lebenslagen – das ist wahres Glück. Denn beide wissen: sie stehen in der Gunst des Herrn. Im Vertrauen auf ihn fürchten sie keinen sozialen Abstieg, im Glauben an den barmherzigen Gott erkennen sie: sie haben und bekommen alles, was sie brauchen. Sie stehen nicht unbehütet auf der Straße, Gott wird sie überall finden und ihnen beistehen. Denn Maria wusste: jenes Baby ist das Kind Gottes, sein Sohn, den er über alle Maßen liebt. Ohne wenn und aber.

... und heute?

In Armut geboren. Kein warmes Heim, denn es war „kein Platz in der Herberge“. Wirklich keine guten Aussichten für dieses junge Leben Jesu.
Was soll nur werden? Ängstlich fragt man sich: woher bekommen wir Essen und trinken, wie bezahlen wir die Miete, wie kommen wir wieder heim mit dem Kleinen. Fragen die berühren, doch gleichermaßen auch verunsichern.
Denn offensichtlich stellt sich diese junge Familie jene Fragen nicht. Sie haben jene Sorgen in Gottes Hand gelegt. Sie gehen mutig und froh dieser neuen Situation entgegen, denn für sie ist Heimat nicht ein Heim, eine ganz bestimmte Stadt, nicht diese oder jene Menschen, sondern allein der Glaube an den gütigen, barmherzigen Gott. Hier haben sie Heimat, hier empfinden sie Geborgenheit, eine Geborgenheit, die mit Geld nicht zu bezahlen ist.
Maria und Josef – zwei glückliche Menschen, zwei Menschen die genau wissen: Gott lässt uns nie im Stich. Er soll uns führen. Und das genügt für ein Gefühl des Glückes und der Geborgenheit.
Denn beide „sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“( vgl. 2.Kor.4,18)

Viel können wir lernen von Maria und Josef. Denn unsere Probleme sind im Laufe der Zeit nicht weniger, oder gar geringer geworden. Auch heute ist die Geburt eines Kindes ein Risiko, ein Risiko für Armut und sozialen Abstieg. Das war es immer und wird wohl auch in nächster Zukunft nicht anders werden. Dennoch: wo bleibt der Mut, das Grundvertrauen jenes neuen Lebens als Chance zu sehen, als Chance, zu wachsen, als Chance, Vertrauen zu finden in Dinge, die dieser Welt scheinbar nicht so wichtig sind. Niemand braucht Schönheit, Jugend, ewige Eitelkeit und Oberflächlichkeit. Und doch scheinen dies die Götter der Neuzeit geworden zu sein. Kehren wir unseren Blick ab vom Sichtbaren, von jenen Dingen dieser Welt, denn sie werden vergehen, denn sie sind lediglich zeitlich, vergänglich, zerbrechlich.

Halten wir den Blick auf die Wahrheit. Keine Situation ist zu dunkel für den Herrn, Auch wenn wir vor jenem neuen Leben stehen und gar nicht wissen, wie es weiter gehen soll. „Gott ist unsere Stärke und unser Schild; auf ihn hofft unser Herz, und uns ist geholfen“ ( Ps. 28,7).
Nehmen wir die Herausforderungen des Lebens dankbar aus der Hand des Herrn. Sehen wir auf jene Menschen, die aus dem Glauben, aus Vertrauen zu Gott gelebt haben. Lassen wir unsere Angst, unsere Befürchtungen los. Gott ist unser Schild. Reißen wir unsere Lebenstüren weit auf für Christus. Denn er ist unsere Stärke.

Er ist der König der Erde!

Doch das große Glück der beiden Eltern hielt nicht lang. Herodes, ein gnadenloser Herrscher, sieht in Jesus nicht den verheißenen Messias, den Friedensfürst, sondern allenthalben nur eine Bedrohung seiner Macht.
Er bemerkt: jener Jesus ist ernst zu nehmen. Hier spricht man nicht von irgendeinem Scharlatan, einem Mann, der letztlich kine Kraft besäße, jenen Herodes seiner Macht zu entziehen. Auch jene, die nicht an Gott, nicht an sine Liebe und Barmherzigkeit glauben, wissen: mit Gott ist zu rechnen. Und genau dieser Gedanke war es, der dem Herodes so schwer zu schaffen machte.
Er ist der König der Erde – so klingt noch das Weihnachtsoratorium Bachs in mir weiter.
Klar ist: Gottes Macht ist immer Primat über die scheinbar so wichtige, so befriedigende Macht dieser Welt. Echte Autorität, eine Autorität, die unserem Leben neue Wege, neue Chancen aufzeigt, verdient es, so benannt zu werden, obgleich wir gerade heute dazu neigen, Besitz, Macht und Einfluss einem jeden ins Gesicht zu halten. Selbstbeweihräucherung, der Verlust einer Gottesbeziehung gebiert immer die Apotheose des Menschen daselbst. Wir sind keine Götter, wir haben aus uns keine Macht, keinen Einfluss und geradewohl dreht sich die Welt niemals um uns. Wir sind Gottes Werkzeuge, Gottes direkter Einfluss auf unsere Diesseitigkeit.
Wir sind dieser Welt nicht ausgeliefert. Jener Jesus wird uns immer behüten, denn seine Liebe zu uns ist ewig.
Werden wir demütiger in unserem Leben. Machen wir uns klar: Christus starb für die Sünden des Nachbarn so wie er für die Sünden miner selbst bezahlen musste. In der Schwachheit, der Erniedrigung am Kreuz des Kalvarienbergs resultiert die ewige Allmacht des Herrn. Er setzt nicht auf Macht, Einfluss, Schönheit. Er nimmt sich der Kleinen, der an den Rand Verbannten liebevoll an. Er tröstet, er richtet auf. Und das nur für unsere Liebe zu ihm.

Gott ist heute geboren. Richten wir uns auf, begrüßen wir ihn in unseren Herzen. Eine Herrschaft muss nicht einhergehen mit verbalen und physischen Verletzungen, es muss auch niemand versuchen, den harten Mann zu mimen, um jemand in dieser Welt zu sein.
Echte Autorität bringt keine Lügen, keine Verleumdungen o.ä. – echte Autorität will das Gute und widerspricht all dem Schlechten und Bösen dieser Welt. So steinig dieser Weg auch ist, auch sein wird: wir können ihn zusammen mit Christus gehen, einen Weg, der uns zutiefst helfen wird, empfänglicher für Gottes Liebe und Wort zu gelangen.
Jener Jesus aus Nazareth – er ist der Sproß unserer Glücksseligkeit. Er ist der Sohn des Höchsten und begegnet uns nicht mit Insignien seiner Macht, die letztlich in wenigen Jahren vergessen sein wird. Beten wir jeden Tag zum Herrn, er möge doch uns führen über den schmalen Weg, der in unsere Heimat einmündet.
Auch wenn sie geschwächt sind durch eine schwere Krankheit oder Operation, auch wenn sie geschwächt sind aus Angst um unser Leben – stehen Sie immer zu sich und zu Gott. Ihm allein wollen wir dienen

AMEN!