Warum feiern Christen Silvester?
Silvester in christlicher Tradition
Gedenktag und Hochfest
Hinter Silvester und Neujahr verbergen sich Kirchenfeste
Mit dem lautstarken und effektvollen Brauch, Feuerwerkskörper in den Himmel zu schicken und in den Straßen Böller zu zünden, erinnert Silvester an heidnische Feste. Und tatsächlich stammt die Tradition der Feuer-Feiern am Jahresende aus dem Zeitalter der Germanen. Sie verstanden das Feuerwerk als Abwehrzauber, der böse Geister vom neuen Jahr fernhalten sollte.
Trotz dieses heidnischen Hintergrundes: Der Name Silvester geht auf den römischen Papst Silvester I. zurück, der am 31. Dezember 335 starb und dessen die Kirche an diesem Tag in ihrem Heiligenkalender gedenkt – einem Tag, der ursprünglich gar nicht der Letzte des Jahres war.
Kalenderreform durch Cäsar
Der Jahresanfang wurde erst durch die Kalenderreform von Julius Cäsar 45 vor Christus vom 1. März auf den 1. Januar verlegt. Gleichzeitig wurde den einzelnen Monaten eine bestimmte Zahl von Tagen zugeordnet und für jeweils vier Jahre ein Schalttag eingefügt. Der heutige Kalender geht im Wesentlichen auf diese Einteilung zurück, die ihrerseits auf Berechnungen der Ägypter und Babylonier beruht.
Die durchschnittliche Dauer eines Jahres nach diesem sogenannten "Julianischen Kalender" war allerdings mehr als elf Minuten länger als das Sonnenjahr. Nach 128 Jahren betrug die Differenz zwischen Sonnen- und Kalenderjahr einen vollen Tag. Dieses Manko glich Papst Gregor XIII. aus, der auf Anregung von Nikolaus Kopernikus den Kalender überarbeiten ließ.
Wichtigste Änderung der 1582 verkündeten Gregorianischen Kalenderreform war die Neuordnung der Schalttage, die seitdem innerhalb von 400 Jahren drei Mal entfallen – nämlich jeweils zum vollen Jahrhundert, außer das Jahrhundert lässt sich durch 400 teilen.
Verschiedene Neujahrs-Termine
Erst allmählich setzte sich der Gregorianische Kalender auch in den nichtkatholischen Ländern durch. Lange Zeit galten in Europa noch fünf andere Daten und sieben verschiedene Möglichkeiten für die Festlegung des Neujahrsdatums. In anderen Religionen und Kulturkreisen gibt es noch heute weitere Termine für den Beginn eines Jahres.
Die Kirche blieb von diesen Problemen verschont: Sie feiert den Beginn des Kirchenjahres bereits am ersten Advent. Am 1. Januar begeht sie dagegen das "Hochfest der Gottesmutter Maria". 1967 erklärte Papst Paul VI. den Neujahrstag zudem zum Weltfriedenstag. Die evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirche begehen am ersten Tag des Jahres das Fest der Beschneidung und Namensgebung des Herrn.
Patron von Silvester
Patron des Jahreswechsels
Silvesters Gedenktag ist einer der populärsten Tage des Jahres
Millionen Menschen feiern ihn, doch wirklich kennen tut ihn kaum jemand: Silvester I. ist der bekannteste-unbekannte Heilige der Christenheit. Zwar bejubeln alljährlich Millionen Menschen am 31. Dezember seinen Gedenktag, doch denkt dabei wohl kaum jemand an den Mann, nach dem dieser letzte Tag des Jahres benannt ist.
Silvester I., dessen Name aus dem Lateinischen stammt und übersetzt etwa "Waldbewohner" bedeutet, lebte zu Beginn des 4. Jahrhunderts und ging als einer der bekanntesten Päpste der katholischen Kirche in die Geschichte ein. Sein Pontifikat erlangte vor allem deswegen Bedeutung, weil sich unter seiner Regentschaft im römischen Reich die entscheidende Wende von einer christenfeindlichen hin zu einer christenfreundlichen Staatspolitik vollzog.
Bekenntnis in bedrohlicher Zeit
Silvester wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts in Rom geboren. Wohl noch vor Beginn der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian empfing er dort die Priesterweihe. Während der Verfolgungszeit gehörte Silvester zur Gruppe der "Confessores", einer Gruppierung, die sich trotz der bedrohlichen Lage weiterhin zum Christentum bekannte. Wegen seines Engagements in dieser Gruppe musste der spätere Papst einige Zeit im Exil auf dem Monte Socrate vor den Toren Roms leben.
20 Tage nach dem Tod von Papst Militiades (310-314) wurde Silvester am 31. Januar 314 zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Damit bestieg er den Stuhl Petri ein Jahr nach der als "Konstantinische Wende" bekannt gewordenen Mailänder Vereinbarung. Darin hatten Kaiser Konstantin der Große (306-337) und sein Mitkaiser Licinius nach Jahrhunderten der Verfolgung erstmals die Grundlagen für eine christenfreundliche Religionspolitik im Römischen Reich gelegt.
Silvester profitiert auf gewisse Weise von dieser Entwicklung. So konnte er während seines Pontifikats – gefördert von Kaiser Konstantin – zahlreiche neue Kirchen in Rom und Umgebung errichten und damit seinen und den Ruhm des Christentums mehren. Unter den von ihm gebauten Gotteshäusern war auch der Vorgängerbau des Petersdoms.
Geringer Einfluss
Darüber hinaus jedoch war Silvesters Einfluss auf die Entwicklungen seiner Epoche eher gering: So spielte er weder bei Kaiser Konstantins weiterer Hinwendung zum Christentum, noch bei der Bewältigung der kirchenpolitischen und dogmatischen Auseinandersetzungen seiner Zeit eine entscheidende Rolle. An der Reichssynode in Arles (314) und am Konzil von Nicäa (325), auf dem das Dogma über das Wesen Jesu verkündet wurde, war Silvester sogar überhaupt nicht präsent.
Angesichts dieser eher durchwachsenen Bilanz verwundert es nicht, dass Silvesters heutiger Ruhm vor allem auf Legenden beruht, die nach seinem Tod am 31. Dezember 335 entstanden sind. Erzählungen aus dem 5. Jahrhundert berichten etwa von Silvesters Standhaftigkeit während der Zeit der Christenverfolgungen. So habe er einen römischen Statthalter, der sich an den Verfolgungen beteiligt hatte, bei einem gemeinsamen Essen vor dem Erstickungstod gerettet und ihn anschließend zum Christentum bekehrt. Zudem gab es die – inzwischen von Historikern widerlegte – Legende, er selbst habe Kaiser Konstantin getauft.
In der heutigen Zeit ist Silvester nicht nur der Heilige des letzten Tages eines Jahres, sondern auch der Patron der Haustiere und für eine gute Futterernte. Nachdem er zunächst in den Priscilla-Katakomben begraben worden war, wurden seine Gebeine im 8. Jahrhundert in die römische Kirche San Silvestro in Capite überführt.
