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Was ist die Gnade Gottes?

Über die Gnade

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Was ist Gnade?


Autor: Arend Remmers

Die Gnade Gottes ist die unverdiente Erweisung Seiner Liebe an sündigen Menschen. Ihr Wesen und ihr Maß können wir nicht ergründen und daher auch nicht vollständig beschreiben. Aber wir können forschen, was das Wort Gottes darüber sagt, und werden dabei immer reich belohnt werden. Schon im Alten Testament tritt sie besonders im Blick auf das Volk Israel immer wieder in Erscheinung, doch in Christus wird sie im Neuen Testament vollkommen offenbart

Das griechische Wort charis, das mit „Gnade" übersetzt wird, hat auch die Bedeutungen „Gunst" (z.B. Lk 2,52; Apg 2,47), „Gabe" (z B. 1. Kor 16,3), „Dank" (z B Lk 6,32-34; 17,9) und „wohlgefällig" (1. Pet 2,19.20). Eng verwandt damit ist das Wort für „Freude".

Gnade steht scheinbar im Gegensatz zu Gerechtigkeit; jedenfalls sind beide für uns Menschen unvereinbar. Entweder wird in Gerechtigkeit gehandelt, dann gibt es keine Gnade, oder die Gnade setzt die Gerechtigkeit außer Kraft Wenn ein Staatsoberhaupt einen rechtmäßig verurteilten Verbrecher begnadigt, dann läßt er „Gnade vor Recht" ergehen. Menschliche Gnade setzt also die Gerechtigkeit beiseite.

Wenn Gott so handelte, wurde Er Seinem eigenen Wesen, das nicht nur Liebe, sondern auch Licht ist, untreu, und das ist unmöglich. Seine Gnade erweist sich nie auf Kosten Seiner Gerechtigkeit, sondern immer in vollkommener Übereinstimmung damit. Seine Gerechtigkeit fordert die Bestrafung der Menschen für ihre Sünden, aber in Seiner Liebe und Gnade hat Gott Seinen eigenen Sohn als „Sühnung für unsere Sünden" gesandt (1. Joh 4,10) Am Kreuz auf Golgatha sind Seine heiligen und gerechten Anforderungen durch den Herrn Jesus vollständig erfüllt worden, und zugleich erstrahlt dort Seine anbetungswürdige Gnade, so daß die Prophezeiung von Psalm 85,10 in Erfüllung ging:

„Güte (oder: Gnade) und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Friede haben sich geküßt."

Wenn also Gottes Handeln in Gnade und Gerechtigkeit eine göttlich vollkommene Harmonie aufweist, so gibt es doch etwas, das in unüberbrückbarem Gegensatz zu Seiner Gnade steht: die Erfüllung des Gesetzes und die Meinung, durch „gute Werke" vor Gott bestehen zu können. Das Gesetz fordert, aber die Gnade gibt. Das Gesetz sagt: Tu dies, und es wird deine Gerechtigkeit sein, und du wirst leben (vgl. 3. Mo 18,5; 5. Mo 6,25). Für das Halten des Gesetzes sollte es also von Gottes Seite eine Belohnung geben. Aber es zeigte sich, daß kein Israelit imstande war, das Gesetz zu halten. Ähnlich ist es mit allen anderen menschlichen Bemühungen. Auch durch „gute Werke" kann der Mensch nicht vor Gott bestehen. Diese Erkenntnis ist für den „religiösen" Menschen niederschmetternd. Doch betrachten wir, was Gottes Wort dazu sagt: „Dem aber, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit." - „Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade." -„Ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade" (Rö 4,4; 11,6; 6,14).

Warum Gnade?

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Warum Gnade?


Autor: Arend Remmers

Als Geschöpf Gottes trägt jeder Mensch vor seinem Schöpfer die Verantwortung, nach Seinem Willen zu leben. Darin haben alle versagt. Wir sehen das bereits beim ersten Menschenpaar und besonders deutlich bei Israel, dem irdischen Volk Gottes. Die einen wie die anderen hatten von Ihm einen besonders bevorzugten Platz erhalten. Darüber hinaus zeigen uns das Alte wie das Neue Testament, daß seit dem Sündenfall kein Mensch, selbst wenn er alle seine Fähigkeiten und Kräfte aufbietet, so, wie er ist, vor Gott bestehen kann. „Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer" (Ps 14,1; Röm 3,12) Auf Grund seiner Handlungen ist der Mensch vor Gott schuldig und auf Grund seiner sündigen Natur verloren. Die gerechte Strafe Gottes für die Sünde ist die ewige Verdammnis.

Aber Gott ist nicht nur Licht, sondern auch Liebe (1. Joh 1,5, 4,8.16) In Seiner Liebe neigte Er sich zu Seinen verlorenen Geschöpfen herab und sandte Seinen geliebten Sohn auf die Erde, um sie zu retten. Das ist Gnade.

Wir können also zwei Grunde für die Offenbarung der Gnade Gottes erkennen:

1. Durch die Gnade wird das Wesen Gottes vollkommen offenbart.

2. Für verlorene Sünder ist die Berufung auf die Gnade die einzige Möglichkeit, mit dem heiligen Gott in Verbindung zu treten.

Die Offenbarung der Gnade Gottes

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Die Offenbarung der Gnade


Autor: Arend Remmers

Zweimal im Neuen Testament wird von der Erscheinung oder Offenbarung der Gnade Gottes in Seinem Sohn gesprochen. In 2 Timotheus 1,9 10 heißt es: „ .. der uns errettet hat und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus", und in Titus 2,11 lesen wir: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen " Beide Stellen beziehen sich auf den Herrn Jesus. In der Menschwerdung des ewigen Sohnes nimmt die Gnade Gottes sichtbare Gestalt an, indem sie sich in für uns unbegreiflicher Weise zu verlorenen Geschöpfen herabläßt. Jetzt wird das Wesen und die Fülle dieser Gnade erkennbar.

Die Gnade Gottes ist ewig. Gott ist der Gott aller Gnade (1. Pet 5,10), und Er, der vor der Schöpfung wußte, wie Seine Geschöpfe sich gegen Ihn stellen und zu Sündern werden wurden, hatte auch vor ewigen Zeiten Seine Gnade für uns im Herzen (2. Tim 1,9), ebenso wie Er Seinen geliebten Sohn als das Lamm zuvorerkannte und uns in Ihm vor Grundlegung der Welt auserwählte.

Von dieser Gnade Gottes haben die Propheten in der Zeit des Alten Testaments bereits geweissagt, wenn auch hauptsächlich im Blick auf das Volk Israel (1. Pet 1,10). Denken wir nur an Jesaja, den „Evangelisten" unter den Propheten, der Israel zurief: „Neigt euer Ohr und kommt zu mir; hört, und eure Seele wird leben. Und ich will einen ewigen Bund mit euch schließen: die gewissen Gnaden Davids" (Jes 55,3; vgl. Apg 13,34). Den ersten Bund unter dem Gesetz hatte Israel gebrochen, Seinen Messias wurde es verwerfen, und trotzdem verheißt Gott Seinem Volk in einem neuen Bund „die gewissen Gnaden Davids", die sichere und unwandelbare Barmherzigkeit oder Gnade, die durch das Kommen und das Erlösungswerk Christi offenbart werden sollte (vgl. 2. Chron 6,42; ps 89,49)

Die Gnade Gottes ist allumfassend. In der Person des Sohnes Gottes ist sie heilbringend für alle Menschen erschienen (Tit 2,11), also nicht nur für das Volk der Juden, sondern für die gesamte Menschheit. Ein großer Teil des Alten Testaments handelt von der Liebe Gottes zum Volk Israel, das Er sich aus allen Volkern auserwählt hatte, und das trotz aller Vorrechte versagte. Als der Herr Jesus auf die Erde kam, war Er zwar in erster Linie der verheißene Messias für Sein irdisches Volk, aber darüber hinaus galt Sein Kommen allen Menschen. Die allumfassende, universale Gültigkeit des Evangeliums der Gnade - „sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen" -wird besonders von Paulus immer wieder betont (Röm 1,16; vgl. Eph 2,11-17). Auch Petrus sagt einmal: „Wir [d.h. die Juden] glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene [d.h. die Nationen]" (Apg 15,11).

Die Gnade Gottes ist unvergleichlich. In Seiner Gnade wurde der ewig reiche Sohn Gottes unsertwegen arm, damit wir durch Seine Armut reich wurden (2. Kor 8,9). Können wir uns eine Vorstellung von der ewigen Existenz, der Allmacht, der Allwissenheit, der Allgegenwärtigkeit und Herrlichkeit des dreieinen Gottes machen? Das ist wohl unmöglich. Schon der König David stellte anbetend fest: „Dein, Jehova, ist die Große und die Starke und der Ruhm und der Glanz und die Pracht; denn alles im Himmel und auf Erden ist dein. Dein, Jehova, ist das Königreich, und du bist über alles erhaben als Haupt; ... und du bist Herrscher über alles" (1. Chr 29,11.12). Was für einen Reichtum an Herrlichkeit und Liebe genoß der Sohn im Schoß des Vaters im ewigen Vaterhaus - Dinge, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und die in keines Menschen Herz aufgekommen sind! Aus diesem unergründlichen göttlichen Reichtum kam Er in die größte Armut herab, stellte sich in Demut auf den Platz Seiner Geschöpfe und wurde gehorsam bis zum Tod am Kreuz! Ein größerer Abstand als zwischen der Herrlichkeit des Vaterhauses und dem Platz der Verachtung und Verwerfung am Kreuz von Golgatha ist undenkbar.

Die Gnade Gottes ist vollkommen. Der Evangelist Johannes schreibt im Rückblick auf das Leben des Herrn auf der Erde: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns ... voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14). Der Sohn kam nicht nur „mit" oder „in", sondern „voller Gnade und Wahrheit". Gnade ist die Ausstrahlung der Liebe Gottes gegenüber den verlorenen Menschen, und Wahrheit ist ein Charakterzug des Lichtes Gottes. Auch das durch Mose gegebene Gesetz enthielt Wahrheit, denn es kam ja von Gott. Aber es zeigte den Menschen nur, daß sie unfähig waren, Seinen heiligen Anforderungen zu genügen. Doch als der Sohn Mensch wurde, wurde nicht nur Gottes Wahrheit, sondern auch Seine Gnade offenbart: „Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden" (Joh 1,17). Hier sehen wir sowohl die Vollkommenheit der Offenbarung als auch die Untrennbarkeit der göttlichen Wesensmerk

Das Werk der Gnade

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Das Werk der Gnade


Autor: Arend Remmers

Die Gnade Gottes erschöpfte sich jedoch nicht darin, daß der Sohn auf die Erde herabkam und denen, die eigentlich Strafe verdient hatten, in Liebe und Erbarmen begegnete. Wenn die Gnade sich „heilbringend" und „reich machend" erweisen sollte, mußte Er durch Gottes Gnade auch noch den Tod schmecken (Heb 2,9). Deshalb ging der Herr Jesus den schweren Weg nach Jerusalem und nach Golgatha. Dort am Kreuz offenbart sich die ewig anbetungswürdige Gnade Gottes gegenüber uns, den Kraft- und Gottlosen, den Sündern und Feinden Gottes in vollkommener Weise.

Was muß es für Ihn gewesen sein, als Er, der Ursprung alles Lebens, sterben mußte! Was muß der Reine und Sündlose empfunden haben, als Er unsere Sünden an Seinem Leib auf dem Holz zu tragen hatte! Diesen schweren Weg ist Er bis zu seinem bitteren Ende, dem Tod. gegangen, damit uns die Gnade Gottes geschenkt werden konnte. Als Er, den Tod vor Augen, am Ende der drei Stunden der Dunkelheit ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?'', befand Er sich auf dem Tiefpunkt der Armut, die Er, der Reiche, in Seiner Gnade auf sich nahm, um uns, die Armen, ewig und unendlich reich zu machen.

Schon dort am Kreuz sehen wir die ersten Strahlen der heilbringenden Gnade sich auf die verlorenen Menschen richten. Für die Juden, die soeben alles in ihren Kräften Stehende getan hatten, damit ihr Messias gekreuzigt würde, verwendet der Herr sich bei Seinem Vater mit den Worten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23,34), damit das schuldige Volk nach dem Gesetz nicht als „Mörder", sondern als „Totschläger" behandelt werden und von Gott, dem „Bluträcher", die Gnade der Errettung empfangen kann (vgl. 4. Mo 35, 9-34).

Ein weiterer Strahl bringt schon am Kreuz einen Sünder zum lebendigen Glauben an Jesus. Einer der beiden Verbrecher, die rechts und links von Ihm ihre gerechte Strafe verbüßen, kommt in das Licht Gottes, erkennt die Größe des Herrn an und fleht um Gnade, deren Ausmaß er jedoch noch nicht erfassen kann. „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein" (Lk 23,43) lautet die Antwort des leidenden Heilands, der im Begriff steht, auch für diesen Menschen zu sterben. Sehen wir nicht auch ein besonderes Merkmal der Gnade Gottes darin, daß der allererste Mensch, der an den Gekreuzigten glaubt, erst in den letzten Augenblicken seines Lebens, kurz vor seinem Tod gerettet wird?

Die heilbringende Gnade

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Die heilbringende Gnade


Autor: Arend Remmers

Damit sind wir bei einem weiteren Gesichtspunkt angelangt, der heilbringenden Gnade. Zwar ist nach Titus 2,11 und 2. Timotheus 1,9.10 die Gnade Gottes erschienen, als der Sohn Gottes als Mensch in diese Welt kam, doch wenn sie „heilbringend für alle Menschen" wirksam werden sollte, mußte nach Seinem ewigen Ratschluß das Sühnungswerk am Kreuz von Golgatha vollbracht werden. Denn nicht das vollkommene, sündlose Leben des Herrn Jesus ist die Grundlage unserer Errettung, sondern Sein Sühnungswerk und Sein Tod am Kreuz von Golgatha. Erst als die triumphierenden Worte: „Es ist vollbracht!" über die Lippen des Herrn gekommen waren, war der Weg für die Verkündigung der unumschränkten Gnade Gottes für alle Menschen geöffnet.

Jetzt kann das „Evangelium der Gnade Gottes" in der ganzen Welt verkündigt werden (Apg 20,24). Mit vollem Recht dürfen wir daher die Zeit zwischen Golgatha und dem Kommen des Herrn zur Entrückung der Gläubigen die „Gnadenzeit" nennen, wenn auch der Ausdruck selbst in der Bibel nicht vorkommt. Allen Menschen ohne Unterschied gilt jetzt die heilbringende Gnade Gottes in Christus, denn Gott will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wenn der Herr Jesus bis heute noch nicht wiedergekommen ist, um die Seinen zu sich ins Vaterhaus zu nehmen, dann deshalb, weil Er langmütig gegen uns ist, da Er nicht will, daß irgendwelche verlorengehen, sondern daß alle zur Buße kommen. Das ist die Gnadenzeit!

Als Verlorene brauchten wir Rettung, und als Schuldige Rechtfertigung. Beides haben wir durch die Gnade Gottes empfangen. In Epheser 2,8 heißt es: „Durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens", und in Römer 3,24: „... umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade." Die heilbringende Gnade offenbart sich hier in zweierlei Weise und ist es wert, daß wir ein wenig darüber nachdenken.

Jemand, der auf einem Schiff im Sturm auf hoher See über Bord gerissen wird, ist verloren, wenn ihm nicht ein Rettungsboot oder ein Rettungsring zu Hilfe kommt. Kein Mensch würde in einer solchen Situation denken, er könnte sich selbst retten. Aber wie viele gibt es, die meinen, sich durch ihr eigenes Tun, durch gute Werke, aus ihrem Zustand ewigen Verlorenseins retten zu können!

Nach Gottes Urteil waren wir auf Grund unseres sündigen Zustandes für Ihn geistlich tot (Eph 2,1). Ein Toter kann nichts mehr für sich oder andere tun, geschweige sich selbst das Leben wiedergeben. Alle eigenen Bemühungen zu unserer Errettung sind daher nicht nur nutz- und sinnlos, sondern unmöglich. Einzig und allein die Gnade Gottes kann Verlorene retten (Eph 2,8). Diese unbegreifliche Gnade ist der tatsächliche Beweis der Liebe Gottes.

Jemand, der vor Gericht angeklagt, schuldig gesprochen und rechtmäßig verurteilt wird, kann nichts mehr zu seiner Rechtfertigung vorbringen. Genauso wird einmal jeder vor Gott, dem Richter aller stehen und wird auf tausend Anklagen nicht eine Entschuldigung vorbringen können. Vor Gott kann sich kein Sünder rechtfertigen, denn alles spricht gegen ihn. Wer dagegen jetzt im Glauben seine Zuflucht zu dem Herrn Jesus nimmt, wird durch Gottes Gnade vollkommen gerechtfertigt (Röm 3,24), weil Christus alle unsere Sünden an Seinem Leib auf dem Kreuz getragen und die Strafe zu unserem Frieden auf Ihm gelegen hat. Gott bestraft dieselben Taten nicht zweimal. So gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder muß ein Sünder in Ewigkeit die gerechte Strafe Gottes für seine Taten tragen, oder aber er wird gerechtfertigt durch Den, der am Kreuz diese Strafe für alle getragen hat, die an Ihn glauben. Gerechtfertigt ist der, den Gott als gerecht betrachtet, weil er an Den glaubt, der unsere rechtmäßige Strafe getragen hat und dadurch der einzige Weg zu Gott ist. Die Gnade ist also auch der Beweis der Gerechtigkeit Gottes.

Wenn wir das alles überdenken und dabei im Auge behalten, daß wir durch unsere Sünden unseren schrecklichen Zustand selbst verschuldet hatten, dann wird uns die Größe der Gnade Gottes mehr und mehr deutlich. Wir verstehen, warum der Heilige Geist immer wieder von der überströmenden, überreichlichen Überfülle, ja, vom überragenden Reichtum der Gnade Gottes in Güte spricht (Röm 5,15.17.20; 6,1; Eph 1,7; 2,7). Bei der Betrachtung dieser unergründlichen Gnade dürfen wir mit dem Apostel Paulus dankbar und anbetend ausrufen: „Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe" (2. Kor 9,15)!

Aber damit nicht genug. Die wunderbare Gnade Gottes in Christus übersteigt ja bei weitem alle unsere Bedürfnisse und Erwartungen. Wir haben nicht nur Errettung aus unserem sündigen Zustand und Rechtfertigung von unseren Sünden erfahren, sondern weit mehr! Wenn uns in Epheser 1 der ewige Ratschluß Gottes, des Vaters, mitgeteilt wird, dann dürfen wir sozusagen einen Blick in Sein Herz werfen. Er hat uns in Christus gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern, hat uns in Ihm vor Grundlegung der Welt auserwählt und uns zuvorbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst - alles nach dem Wohlgefallen Seines göttlichen, ewigen Willens - zum Preise der „Herrlichkeit seiner Gnade" (Eph 1,6)! In der unermeßlichen Fülle der Segnungen, in der Größe, Erhabenheit und Schönheit Seines göttlichen Handelns mit uns, den ins Elend der Sünde abgesunkenen Geschöpfen, offenbart sich die Herrlichkeit Seiner Gnade! Sie wird in Ewigkeit erstrahlen und Grund unserer Anbetung sein.

Wir stehen in der Gnade Gottes

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Wir stehen in der Gnade


Autor: Arend Remmers

Unser Verhältnis zu Gott ist allein auf Seine Gnade gegründet, und was wir sind, sind wir durch sie (1. Kor 15,10). Da, wo früher die Sünde geherrscht hat im Tode, herrscht nun die Gnade durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn (Röm 5,21). Wir sind nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade (Röm 6,14).

Als Gerechtfertigte stehen wir jetzt in der Gnade oder Gunst Gottes, zu der wir durch den Glauben freien Zugang haben (Röm 5,2). Wir sind sozusagen von einem Meer der Gnade Gottes umgeben, aus deren Fülle wir „Gnade um Gnade" empfangen haben (Joh 1,16), das heißt, einen Gnadenbeweis nach dem anderen. Der Ausdruck „Gnade um Gnade" beschränkt sich nicht auf unsere Errettung, sondern umfaßt auch den unermeßlichen Reichtum der Segnungen, die uns von Gott geschenkt worden sind.

Unseren Reichtum an geistlichem Segen können wir hier gar nicht vollständig erfassen. Wir stellen leider immer wieder fest, wie wenig wir imstande sind, uns mit allen Facetten der göttlichen Gnade zu beschäftigen und uns daran zu freuen. Das Fleisch in uns selbst und die Einflüsse von Seiten der Welt um uns herum hindern uns nur zu oft daran. Aber in der ungestörten Herrlichkeit des Vaterhauses werden wir ewige Glückseligkeit bei unserem Herrn genießen. Darauf dürfen wir warten und uns freuen, denn Gott hat uns durch die Gnade „gute Hoffnung" gegeben (2. Thes 2,16). Die Quelle dieser guten Hoffnung ist die Gnade Gottes und ihr Gegenstand das Kommen des Herrn zur Entrückung, das in den Briefen des Apostels Paulus an die Thessalonicher einen so bedeutsamen Platz einnimmt.

Wenn Petrus dagegen zur Hoffnung ermuntert, dann ist der Gegenstand der Hoffnung die Gnade, die uns bei der Offenbarung Jesu Christi gebracht wird (1. Pet 1,13). Er sieht nicht die Entrückung vor sich, sondern die Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit, wenn Er inmitten Seiner Heiligen verherrlicht und bewundert werden wird. Mit Ihm werden wir dann auf dieser Erde in Herrlichkeit offenbart werden. Auch dies gehört zum Reichtum der Gnade, die Gott uns, die wir jetzt Fremdlinge und ohne Bürgerrecht auf der Erde sind, zuteil werden läßt.

Es ist etwas Großes um die Gnade Gottes, in der wir stehen. Schauen wir zurück, dann sehen wir die Gnade, die uns das Heil gebracht hat und der wir alles verdanken, was wir haben und sind. In der Gegenwart dürfen wir Gnade um Gnade nehmen. Und schauen wir in die Zukunft, dann besitzen wir durch Gnade die lebendige, glückselige Hoffnung auf unseren geliebten Herrn. Wir sind Erben der Gnade des Lebens (1. Pet 3,7), das wir jetzt zwar noch in Schwachheit, bald aber in Vollkommenheit besitzen, erkennen und genießen werden.

Der Reichtum der Gnade

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Der Reichtum der Gnade


Autor: Arend Remmers

Wenn wir am Anfang die Gnade Gottes als unverdiente Erweisung Seiner Liebe an sündigen Menschen erklärt haben, so stellen wir jetzt fest, daß diese „Definition" nicht genügt. Sie gilt für die heilbringende Gnade Gottes für Sünder, reicht aber nicht aus, wenn wir an die Gnade denken, die der Vater uns schenkt, nachdem wir durch Glauben Seine Kinder geworden sind. Wir haben uns bereits daran erinnert, daß wir in Epheser l einen Blick in das Herz des Vaters tun dürfen, „der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus". Beim weiteren Lesen des Briefes an die Epheser finden wir viele dieser Segnungen, an die wir nur in tiefer Dankbarkeit und Anbetung denken können:

1. Aus Geschöpfen, die in Sünde und Finsternis waren, sind geliebte Kinder Gottes geworden, die „heilig und tadellos vor ihm in Liebe" stehen, d.h. sittlich Seinem Wesen entsprechen (Eph 1,4; 5,1).

2. An die Stelle des alten Menschen ist der neue Mensch getreten, „der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Eph 4,24).

3. Wir sind zuvorbestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus (Eph 1,5).

4. Wir sind versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der zugleich das Unterpfand unseres Erbes und unser Leiter und unsere Kraftquelle ist (Eph 1,13.14; 2,16; 3,16).

5. Wir haben im Herrn Jesus „den Zugang durch einen Geist zu dem Vater" (Eph 2,18; 3,12).

6. Wir stehen nicht als zerstreute Kinder Gottes da, sondern sind „wohl zusammengefügt" zum Haus Gottes und zum Leib Christi (Eph 2,21.22; 4,4.16) und bilden gemeinsam die Braut Christi (Eph 5,25-33).

7. Durch Glauben dürfen wir bereits jetzt „mitsitzen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus"; Sein Platz in der Herrlichkeit ist auch unser Platz (Eph 2,6)!

In diesen Segnungen, die dem Reichtum der Gnade Gottes entspringen, offenbart sich die Freigebigkeit, mit der Er Seine unermeßlichen geistlichen Segnungen über die Seinen ausgießt. Gnade ist also auch die überreiche Segnung der Kinder Gottes, ohne daß sie darauf den geringsten Anspruch hätten. Sehen wir nicht auch daran, daß Er der Gott aller Gnade ist? (1. Pet 5,10).

In einer Welt, die nach den vergänglichen und fragwürdigen ,Segnungen der Zivilisation' strebt und ihre Erfüllung in den Vergnügungen der Sünde sucht, stehen wir als erlöste Menschen da, die gesegnet sind mit allen unvergänglichen, das Herz vollkommen befriedigenden Gnadenerweisungen Gottes! Durch die Beschäftigung mit diesem Reichtum werden wir, wie der Apostel Paulus am Anfang seines Briefes an die Epheser, zur Anbetung geführt. Wenn wir auch, solange wir auf der Erde leben, den „Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi" noch als einen „Schatz in irdenen Gefäßen" besitzen, sollte doch die uns erwiesene überreiche Gnade schon jetzt „die Danksagung zur Herrlichkeit Gottes überströmen lassen" (2. Kor 4,6.7.15). Möchte das doch mehr der Fall sein!

Die Gnadengaben

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Gnadengaben


Autor: Arend Remmers

Wir haben uns bisher mit der Gnade Gottes beschäftigt, die allen Gläubigen in gleicher Weise zuteil wird. Wie wir gesehen haben, sind wir alle gleichermaßen durch Seine Gnade errettet und gesegnet. Aber es gibt auch Gnadenerweisungen Gottes, die für jeden einzelnen verschieden sind, nämlich die Gnadengaben, die Er den Seinen zum Dienst aneinander und füreinander gegeben hat. Auch in diesen Gaben, wie wir sie meistens nennen, kommt die vielfältige Gnade Gottes für die Seinen zum Ausdruck.

Das griechische Wort für Gnadengabe (charisma) ist von dem Wort für Gnade (charis) abgeleitet und bedeutet dementsprechend,wohlwollend gespendete Gabe, Gnadengeschenk'. Zwar wird in Römer 6,23 auch das ewige Leben eine „Gnadengabe Gottes" genannt, und verschiedentlich wird dies Wort im allgemeineren Sinn für Gnadenerweisung verwendet. An den meisten Stellen im Neuen Testament, wo das Wort Gnadengabe vorkommt, handelt es sich jedoch um die von Gott geschenkte Befähigung zum Dienst für Ihn. So verschieden die einzelnen Gläubigen als Glieder des Leibes Christi sind, so unterschiedlich sind auch ihre Bedürfnisse und dementsprechend die Gnadengaben. In Seiner Weisheit und Gnade hat Gott an alles gedacht und alles reichlich gegeben. Ihm sei Dank dafür!

Vielen Christen sind diese Gnadengaben kaum bekannt, weil in den meisten Kirchen und Gemeinden der Dienst durch offizielle Amtsträger verrichtet wird. Aber auch da, wo der Dienst nicht in allem organisiert ist, ist das Gesichtsfeld oft so eingeengt, daß man bei dem Wort Gnadengabe nur an den Verkündigungsdienst der Evangelisten und Lehrer denkt.

Wenn wir jedoch Römer 12 und 1. Korinther 12 aufschlagen, wird uns die Vielfalt der von Gott geschenkten Gnadengaben deutlich. An beiden Stellen wird die Versammlung als Leib gesehen, der aus vielen Gliedern besteht. Wie an unserem Körper jedes Glied seinen eigenen Platz und seine besondere Funktion hat, so ist es auch mit dem Leib Christi. In Römer 12,3-8 werden sieben Gnadengaben genannt:

1 Weissagung

2 Dienst

3 Lehre

4 Ermahnung

5 Geben

6 Vorstehen

7 Ausüben von Barmherzigkeit.

In 1. Korinther 12,4-31 finden wir zwei teilweise voneinander und auch von Römer 12 abweichende Aufzählungen mit insgesamt fünfzehn verschiedenen Diensten und Aufgaben. In der ersten geht es darum, daß die Verschiedenheit der Gnadengaben, der Dienste und Wirkungen nur auf eine Kraftquelle, eine Autorität und einen Ursprung zurückgeht, bei der zweiten darum, daß diese Vielfalt von Gott gewollt ist, und nicht alle dieselben Gnadengaben besitzen.
1. Kor 12,8-10: 1.Kor 12,28:
-Apostel
- Propheten
- Lehrer
- Wunderkräfte
- das Wort der Weisheit,
- das Wort der Erkenntnis
- Glauben
- Gnadengaben der Heilungen - Gnadengaben der Heilungen
- Wunderwirkungen
- Weissagung
- Unterscheidungen der Geister - Hilfeleistungen
- Regierungen
- Arten von Sprachen - Arten von Sprachen
- Auslegung der Sprachen -Auslegung.

Aus diesen Stellen wird deutlich, daß Gottes Wort nirgends eine vollständige „Liste" aller Gnadengaben enthält, aber auch, daß wir manche dieser Gaben Gottes wenig kennen und schätzen, z.B. die des Vorstehens, der Regierung oder der Hilfeleistung.

Schließlich werden in Epheser 4,11 in einer weiteren kurzen Aufzählung die Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer genannt, hier jedoch nicht als Gnadengaben, sondern als Gaben (auch im Griechischen ein anderes Wort). Es sind hier die Personen selbst, die der erhöhte Herr gegeben hat „zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi", und zwar „bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Mann, zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus". Im Unterschied zu einigen der in 1. Korinther 12 genannten Gnadengaben (Heilungen, Sprachen, Wunderkräfte), die das Wirken Gottes in der Anfangszeit bestätigten (vgl. Heb 2,4), sind diese Gaben ausschließlich zur Förderung des geistlichen Wachstums der Versammlung gegeben worden, und bis auf die Apostel und Propheten, die die Grundlage gelegt haben (Eph 2,20; 3,5), werden sie bis zur Wiederkunft des Herrn Jesus bleiben. Das ist ein großer Trost für uns, gerade in unserer Zeit des Verfalls und des beginnenden Abfalls.

Die Gnadengaben sind nicht mit menschlichen Fähigkeiten zu verwechseln. Jemand, der sich klar und verständlich auszudrücken vermag, besitzt dadurch noch keine Gnadengabe zur Verkündigung des Wortes. Und ebenso kann eine theologische Ausbildung keine Gnadengabe ersetzen. Wie die angeführten Stellen zeigen, werden Gnadengaben allein von Gott und dem verherrlichten Herrn gegeben. Sie sind Geschenke für Seine Erlösten, von Ihm gegebene geistliche Fähigkeiten, verbunden mit einem Auftrag und der Vollmacht zum Dienst. Unter der Leitung des Heiligen Geistes sollen sie zur Verherrlichung des Herrn und zum Segen für andere dienen.

Im Gleichnis von den Talenten (Mt 25,14-30) wird uns das anschaulich erklärt. Dort übergibt ein Mensch, der außer Landes reist, seinen Knechten den Besitz zur Verwaltung. Einem gibt er fünf Talente (ein Talent entsprach ungefähr dem Wert von 35 kg Gold), einem anderen zwei und einem dritten eins, und zwar „jedem nach seiner eigenen Fähigkeit" (Vers 15). Mit der Übergabe der Talente an die Knechte war der Auftrag verbunden, sie zum Nutzen ihres Herrn zu verwenden. Die Talente, die je nach Fähigkeit ausgeteilt werden, entsprechen den Gnadengaben. Die natürlichen Fähigkeiten sind dagegen nur das Gefäß für die Gnadengabe, aber nicht damit identisch. So braucht jemand, den der Herr als Evangelisten beruft, eine verständliche Stimme und eine klare Ausdrucksweise, und ein Lehrer ein gutes Gedächtnis und Denkvermögen. Solche Fähigkeiten (die auf Grund dieser Bibelstelle zwar oft als „Talente" bezeichnet werden) sind jedoch keine Gnadengaben im geistlichen Sinn. Die Gnadengabe eines Evangelisten besteht in dem Auftrag und der besonderen Fähigkeit, die Botschaft der Gnade Gottes für verlorene Sünder den Menschen von heute nahezubringen und sich in die Lage solcher hineinzuversetzen, die bisher kaum mit dem Wort Gottes in Berührung gekommen sind, und die eines Lehrers darin, die tiefen Zusammenhänge der Lehre des Wortes zu erkennen und anderen Gläubigen verständlich zu machen.

In Römer 12,6 wird gesagt, daß wir „verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade", und ähnlich heißt es in Epheser 4,7: „Jedem einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem Maß der Gabe des Christus." Er, unser Haupt, kennt nicht nur die Bedürfnisse der Glieder des Leibes, sondern auch die Fähigkeiten jedes einzelnen, und rüstet jeden so aus, daß er den ihm zugeteilten Dienst erfüllen kann.

So hat jeder Gläubige durch die Gnade einen von Gott zugewiesenen Platz als Glied des Leibes Christi. An uns liegt es nun, dies auch als Gnade zu erkennen und in Abhängigkeit von unserem Haupt im Himmel zu leben und zu handeln. Wir müssen unsere Mitschuld daran bekennen, daß wir unfähig gewesen sind, die gottgegebene Vielfalt in der Einheit durch Seine Gnade zum Segen für das Ganze zu verwirklichen. Gottes Gedanken darüber bleiben jedoch unverändert: „Je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dient einander damit als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes; wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit ist und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen" (1. Pet 4,10.11). Alle Kraft dazu kommt nur von Ihm.

Eine besondere Gnade war dem Apostel Paulus gegeben worden. Er nennt sich nicht nur den ersten (d. h. den größten) der Sünder, dem Gott Barmherzigkeit widerfahren ließ zum Vorbild für die, die an ihn glauben werden zum ewigen Leben (1.Tim 1,12-17), sondern er war auch ein auserwähltes Gefäß, dem der verherrlichte Herr das Geheimnis über Seine Versammlung mitteilte (Eph 3,2.7). Ihm, der sich „der allergeringste von allen Heiligen" nennt, wurde darüberhinaus die Gnade gegeben, den Nationen den unergründlichen Reichtum des Christus zu verkündigen (Eph 3,8). So wurde er der Apostel der Nationen, der den Heidenvölkern das Evangelium und den Erretteten den ganzen Ratschluß Gottes verkündigen sollte. Er tat dies in aufopfernder Hingabe, immer im Bewußtsein der Gnade, die ihm selbst zuteil geworden war, und immer mit dem Wunsch, so viele wie möglich in den Genuß der wunderbaren Gnade Gottes zu bringen.

Die tägliche Gnade

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Tägliche Gnade


Autor: Arend Remmers

„Gott aber vermag, jede Gnade gegen euch überströmen zu lassen" (2. Kor 9,8). In diesen Worten des Apostels Paulus kommt nun ein weiterer Bereich vor unsere Aufmerksamkeit, den wir bisher noch nicht betrachtet haben. Zu der heilbringenden Gnade gegenüber Sündern, der überreichen Gnade für alle Seine Kinder und den Gnadengaben für jeden einzelnen kommt noch die uns täglich neu geschenkte Gnade in unserem Glaubensleben.

Strahlt uns nicht die Gnade unseres Vaters jeden Morgen wieder entgegen? Ob wir auf dem Krankenbett liegen oder in irgendeiner Notlage sind, immer dürfen wir uns die Worte unseres Herrn ins Gedächtnis rufen: „Meine Gnade genügt dir" (2. Kor 12,9). Und wenn wir gesund aufstehen, an unsere tägliche Arbeit gehen oder uns in Freiheit mit den Geschwistern im Namen des Herrn versammeln können, ist es Seine Gnade, die uns dies alles unverdientermaßen gewährt. Es gibt im Leben eines Kindes Gottes nichts Selbstverständliches und Selbstverdientes, denn alles, was wir sind und haben, entspringt Seiner Gnade! Dies Bewußtsein erhält uns in Abhängigkeit von Ihm, aber auch im persönlichen Herzensfrieden. Es richtet immer wieder unseren Blick zu Ihm hin in Dankbarkeit und Freude.

Es ist Seine Gnade, die uns Hilfe in Schwierigkeiten bringt und uns vor Gefahren beschützt. Es ist Gnade, daß unser Herr sich jetzt im Himmel als Hoherpriester bei Gott für uns verwendet, um uns vor Abgleiten zu bewahren. Andererseits werden wir dazu ermuntert, mit Freimütigkeit zum Thron der Gnade hinzuzutreten, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe (Heb 4,16). Und wenn wir gesündigt haben, verwendet der Herr Jesus sich in Gnade als unser Sachwalter bei dem Vater und redet durch Geist und Wort zu unserem Gewissen, um uns unsere Sünde bewußt zu machen, uns zum Bekenntnis zu bringen und uns den vollen Genuß der Gemeinschaft mit Ihm und dem Vater wieder zu schenken (1. Joh 2,1)!

Alles, was wir für unseren Herrn und an den Seinen tun, vermögen wir nur durch Seine Gnade. Der Apostel Paulus ist in dieser Beziehung ein nachahmenswertes Vorbild. Er schreibt: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade gegen mich ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war" (1. Kor 15,10). Er war sich der Tatsache bewußt, daß alles, was er war und hatte, auf Gottes Gnade zurückging, und sein Leben war ein einziges Echo dieser Gnade. Und doch bekennt er, daß nicht er selbst, sondern die Gnade Gottes die Quelle von allem war!

Als durch Glauben Gerechtfertigte stehen wir in der Gnade Gottes (Röm 5,2). Leben wir auch wie Paulus praktisch im Bewußtsein dieser Gnade? Wenn Petrus am Ende

seines ersten Briefes die Empfänger daran erinnert, daß er ihnen die wahre Gnade Gottes vorgestellt hat, in der sie stehen sollten (1. Pet 5,12), dann ist das eine Ermunterung oder auch Ermahnung. Wir sollten die Gnadenbeweise unseres Vaters nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern sie auch als solche erkennen. Erst dann stehen wir auch praktisch in der wahren Gnade Gottes.

Gefahren der Gnade

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Gefahren


Autor: Arend Remmers

Daß das Verharren in der Gnade Gottes nichts ist, was sich von selbst ergibt, geht aus den Worten von Paulus und Barnabas an die jungen Gläubigen in Antiochien hervor, „in der Gnade Gottes zu verharren" (Apg 13,43). An anderen Stellen des Neuen Testaments werden wir gerade in dieser Hinsicht vor verschiedenen Gefahren gewarnt. Wir tun gut daran, über diese Ermahnungen nachzudenken und sie zu Herzen zu nehmen.

Die Hebräer sollten darauf achten, daß niemand an der Gnade Gottes Mangel litt (Heb 12,15). Die Gnade ist für unser geistliches Gedeihen so unerläßlich wie der Regen für das Ackerfeld. Sie bewirkt in uns sowohl das beständige Selbstgericht als auch die Freude der Gemeinschaft mit Gott. Leiden wir aber Mangel an der Gnade, dann sprossen statt geistlicher Früchte Wurzeln der Bitterkeit auf, durch die nicht nur wir selbst, sondern auch viele andere verunreinigt werden.

Den Galatern mußte Paulus sagen, daß alle, die im Gesetz gerechtfertigt werden wollten, aus der Gnade gefallen waren (Gal 5,4). Diese Worte bedeuten nicht, daß ein durch Glauben erretteter Mensch wieder verlorengehen kann. Ein solcher „Abfall" von wiedergeborenen Christen wird nirgendwo in der Heiligen Schrift gelehrt (vgl. Joh 10,28.29). Die Galater standen jedoch in der Gefahr, sich praktisch aus dem Bereich der Gnade Gottes in den des Gesetzes zu begeben. Wer als durch Gnade Gerechtfertigter das Gesetz zur Richtschnur seines Lebens macht, verläßt die Gnade als Grundlage seiner praktischen Glaubensbeziehung zu Gott und beraubt sich aller Segnungen der Gnade. Vor dieser Gefahr warnt Paulus die Galater mit allem Nachdruck..

Judas warnte die Empfänger seines Briefes vor gottlosen Menschen, die sich in die Mitte der Christen eingeschlichen hatten und die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehrten (Jud 4). Schon Paulus mußte in Römer 6 die Anfänge solcher Gedanken bekämpfen. So verdorben ist das Herz des Menschen, daß es die Gnade, in der Gott Seinen Sohn als Sühnung für unsere Sünden sandte, dazu mißbraucht, um den eigenen Begierden noch mehr Freiheit zu gewähren und noch mehr gegen Ihn zu sündigen!

Judas spricht zwar von Gottlosen, aber im Prinzip gilt dies auch für das Fleisch in jedem Gläubigen. Wenn wir uns ohne ein tiefes Bewußtsein der Heiligkeit Gottes mit der Gnade beschäftigen, dann können auch wir dazu kommen, sie in Ausschweifung zu verkehren. Dies ist besonders für solche eine große Gefahr, die von Kindheit an mit der Rechtfertigung aus Gnade bekannt sind, aber keinen tiefen Abscheu vor der Schrecklichkeit der Sünde bekommen haben. So kann man leicht - versteckt oder offen - aus der Gnade einen Vorwand für das Fleisch machen und dessen Begierden folgen.

Fassen wir die geistlichen Gefahren, die uns in diesen verschiedenen Versen vorgestellt werden, noch einmal kurz zusammen. In Hebräer 12 werden wir vor dem Mangel an Gnade gewarnt, der durch Entfremdung unseres erkalteten Herzens von dem Gott aller Gnade hervorgerufen wird. Die Galater standen in der Gefahr, das Gesetz an die Stelle der Gnade zu setzen, und im Judasbrief diente die Gnade als Vorwand für Zügellosigkeit und Sünde.

Wir können nach dieser Aufzählung verschiedener Gefahren vielleicht eher verstehen, warum der Apostel Paulus die Korinther ermahnte, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen (2. Kor 6,1). Damit stellte er die ewige Sicherheit der Erlösten keineswegs in Frage, wie wir bereits in Galater 5 gesehen haben. Aber er warnte die Korinther mit diesen Worten vor allem, was in ihrem praktischen Lebenswandel nicht in Übereinstimmung mit der Gnade war. Denn obwohl sie an keiner Gnadengabe Mangel hatten, fehlte ihnen in der Praxis die Gnade so sehr, als hätten sie sie überhaupt nicht empfangen! Doch die unendliche Gnade Gottes zeigt sich auch darin, daß sie nie müde wird, uns zu unterweisen.

Die unterweisende Gnade

Die Gnade Gottes
Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.. Aus der Zeitschrift Ermunterung und Ermahnung 1999.
Die unterweisende Gnade


Autor: Arend Remmers

Die Gnade Gottes ist nicht nur heilbringend für alle Menschen erschienen, sondern sie will auch alle unterweisen, die das Heil im Glauben angenommen haben (Tit 2,11-13). Diese Unterweisung der Gnade brauchen wir, solange wir auf der Erde leben, weil unser neues Leben zwar den Wunsch hat, das zu tun, was Gott wohlgefällig ist, aber an sich keine Kenntnis der Gedanken und Wege Gottes besitzt, und weil wir noch das Fleisch, die ,alte Natur, haben, die nur sündigen kann und will.

Die Unterweisung erfolgt durch das Wort Gottes, und ihr Ziel mit uns ist, daß wir besonnen, gerecht und gottselig leben. Wir können auf diese zarte, aber feste Belehrung nicht verzichten. Ob wir noch am Anfang oder schon am Ende des Glaubenslebens stehen, wir brauchen die Gnade und ihre Unterweisung, um Gott wohlgefällig zu dienen (Hebr 12,28), und jeder Schritt ohne sie ist gefährlich.

Es ist nicht das Gesetz, das uns unterweist, sondern die Gnade. Die Gefahr der Hinwendung zum Gesetz haben wir schon gesehen. Das von Gott gegebene Gesetz, obgleich heilig, gerecht und gut, fordert nur, ohne die Kraft zu seiner Erfüllung zu geben. Die Gnade jedoch schenkt uns zuerst die neue Natur, die fähig und willens ist. den Willen Gottes zu tun, um uns dann auch die notwendige Belehrung zu geben.

Nehmen wir nun den kurzen Abschnitt in Titus 2,11-13 etwas genauer in Augenschein. Mit dem ersten Teil, der von der Erscheinung der heilbringenden Gnade für alle Menschen handelt, haben wir uns bereits beschäftigt. Jetzt geht es um den zweiten Teil, die Unterweisung. Das Tätigkeitswort .unterweisen' steht als Partizip (Mittelwort) auf der gleichen Ebene wie ,heilbringend' (eigentlich ein Eigenschaftswort); wortgetreu könnte man übersetzen: „Denn erschienen ist die Gnade Gottes, heilbringend für alle Menschen, uns unterweisend ..." Ebenso wie die Gnade in der Person des Herrn Jesus als Mensch erschienen ist, so ist Er selbst jetzt auch derjenige, der uns unterweist. Denken wir nur an Seine eigenen Worte: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht" (Mt 11,29.30)!

Im folgenden Satzteil wird nun nicht beschrieben, wie, sondern wozu die Gnade uns unterweist. Das Hauptziel ist, daß wir im jetzigen Zeitlauf besonnen, gerecht und gottselig leben. Diese Zielvorgabe ist jedoch von zwei Nebensätzen eingerahmt, deren erster sich auf die Vergangenheit bezieht, der zweite auf die Zukunft. Die Unterweisung der Gnade umfaßt unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft.

1. In der Vergangenheit waren Gottlosigkeit und weltliche Begierden unsere Kennzeichen. Um uns von ihnen zu befreien, ist der Herr Jesus am Kreuz für uns gestorben. Unser alter Mensch ist mit Ihm gekreuzigt, damit wir der Sünde nicht mehr zu dienen brauchen. Wir haben den neuen Menschen angezogen, der erneuert wird nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat. Wie nach dem Einzug in Kanaan durch die Beschneidung die Schande Ägyptens von den Israeliten abgewälzt wurde (Jos 5,9), so sollen wir heute die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden als Dinge betrachten, mit denen wir nichts mehr zu tun haben.

2. Im gegenwärtigen Zeitlauf sollen wir als Erlöste besonnen, gerecht und gottselig leben. Diese drei Eigenschaftswörter umfassen wiederum alle Bereiche unseres gegenwärtigen Lebens als Kinder Gottes: Besonnenheit soll unser persönliches Leben und das, was unserer eigenen Verantwortung unterliegt, kennzeichnen (vgl. Röm 12,3; 1. Pet 4,7), Gerechtigkeit soll besonders in unserem Verhältnis zu Geschwistern und Mitmenschen im allgemeinen zum Ausdruck kommen (Kol 4,1; 1. Thes 2,10), und schließlich als Höchstes die Gottseligkeit, d.h. unsere Hingabe und unser praktisches Verhältnis zu Gott (2.Tim 3,12). Diese kompakte Beschreibung des Gott wohlgefälligen Glaubenslebens wird an Kürze nur noch übertroffen von den Worten in 1. Thessalonicher 1,9: „dem lebendigen und wahren Gott zu dienen", die übrigens ebenfalls eingerahmt sind von der Vergangenheit und unserer Zukunftserwartung, die hier nun als dritter Punkt erwähnt wird.

3. Auch unsere Zukunftserwartung steht mit der Unterweisung der Gnade in Verbindung. Es ist zunächst die „glückselige Hoffnung" der Auferweckung der Toten in Christus und die Verwandlung der lebenden Gläubigen bei Seinem Kommen zur Entrückung der Gläubigen, dann aber auch die „Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus", der kommen wird, um „verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert zu werden in allen denen, die geglaubt haben" (2. Thes 1,10). Diese beiden verschiedenen Ereignisse werden durch das eine Geschlechtswort vor „Hoffnung" und „Erscheinung" als ein gemeinsames Ziel der christlichen Erwartung vor unsere Blicke gestellt.

Können wir im prüfenden Rückblick auf unser Glaubensleben sagen, daß wir die Unterweisungen der Gnade Gottes verstanden und beherzigt haben? Wieviel Mühe machen wir unserem geliebten Herrn doch durch unsere mangelnde Lernbereitschaft! Und doch wird Er in Seiner Gnade nicht müde, uns zu unterweisen. Wie dankbar dürfen wir dafür sein, aber wie sollte dies auch unser Bewußtsein von der unendlichen Größe der Gnade stärken!